Lucy und das Nationalmuseum in Addis Abeba

Die Hand von Lucys Oma oder so.
Kanone vor dem Nationalmuseum von Addis Abeba

Stellen Sie sich vor, sie schreiben einen Song für einen Menschen, der vor 3,2 Millionen Jahren gelebt hat, und wissen es in dem Moment nicht einmal. So ist es den Beatles mit »Lucy in the sky with diamonds« ergangen. Denn just, als der amerikanische Paläoanthropologe Donald Johanson die Knochen von Lucy im November 1974 entdeckte, hörten er und sein Team den Beatles-Klassiker, nach dem sie ihren Fund benannten.

Tatsächlich hat ausgerechnet der Name dazu beigetragen, dass die in diesem Alter besterhaltene Vertreterin des Australopithecus afarensis die Menschen seit jeher fasziniert. Mit Lucy wurde erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Mensch bereits vor über drei Millionen Jahre aufrecht gehen konnte. Und auch wenn inzwischen weit ältere Skelette gefunden wurden, wird der Name Lucy immer noch mit dem Ursprung der Menschheit gleichgesetzt.

Lucy-Schild im Nationalmuseum von Addis Abeba
Lucy im Nationalmuseum von Addis Abeba
Lucy im Nationalmuseum von Addis Abeba

Speziell für die Äthiopier hat der Fund im Afar-Dreieck eine hohe Bedeutung. Sie sind stolz darauf, dass ihr Land dank Lucy als Wiege der Menschheit gilt. Entsprechend groß war das Entsetzen, als Lucy 2007 für fünf Jahre in die USA gebracht und dort in einigen Städten ausgestellt wurde. Die Gerüchte, dass ihre Regierung Lucy verkauft habe, ebbten erst ab, als die Überreste der knapp ein Meter großen Frau wieder in Äthiopien waren.

Seitdem ist Lucy im Nationalmuseum von Addis Abeba im Stadtteil Ammist Kilo aufbewahrt. Zu sehen bekommen wir im Untergeschoss des Museums allerdings nicht die wahre Lucy (bzw. das, was von ihr übrig ist), sondern eine Replik. Das Original war nach seiner Rückkehr nur innerhalb einer fünftägigen Sonderausstellung ausgestellt. Danach verschwanden die 47 von Lucys Skelett gefundenen Knochen zu ihrem eigenen Schutz hinter dicken Mauern.

Restaurant Lucy beim Nationalmuseum von Addis Abeba
leckerer Fruchtsaft bei Lucy in Addis Abeba

Außer der berühmten Lucy sind die Knochen weiterer Vorfahren des Menschen sowie große Tafeln mit Informationen über den Fund und seine Bedeutung ausgestellt. Wer hingegen in die oberen zwei Etagen des Nationalmuseums geht, findet dort einige Exponate aus der Kaiserzeit sowie bis zu 3000 Jahre alte Kunstgegenstände Äthiopiens.

Leider sind die einzelnen Stücke eher dürftig bis mangelhaft beschriftet und beschrieben. Da auch die ganze Ausstellung so wirkt, als sei sie nur da, um die Räume zu füllen, verlassen wir das Museum bald wieder. Damit bleibt uns mehr Zeit für die verdiente Pause im benachbarten und hübsch mit viel Grün gestalteten Restaurant Lucy.

VG Wort