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Hamer - Brauchtum ohne Gnade

Rituelles Auspeitschen der Frauen bei den Hamer

Heute Nachmittag haben wir die Wahl: Wir können mit unserem Koch traditionell ein Zicklein schlachten und zubereiten oder an einem der bedeutendsten Rituale der Hamer, dem »Bullensprung«, teilnehmen.

Beides hat was Grausames an sich, aber wenn man schon mal da ist und sich die Gelegenheit bietet, sollte man sich den Sprung über die Rinder auf keinen Fall entgehen lassen.

im Wadi auf dem Weg zum Bullensprung
im Wadi auf dem Weg zum Bullensprung

Damit fahren wir wieder auf unwegsamen Gelände durch die Savanne, zwischen Gebüschen und Sträuchern hindurch, bis wir an einen Wadi – Keske-River? – ankommen. Ab hier geht es nur zu Fuß weiter. Mehrere weitere Geländewagen haben den Weg hierher gefunden. Ob es sich um eine reine Touristenveranstaltung handelt? Nein, das ist ausgeschlossen.

Der Weg durch den trockenen Fluss ist bei dem lockeren Sand zu beschwerlich. Und dazu die drückende Hitze. Haben wir heute morgen unserem Fahrer noch eine Mütze geschenkt, so verleiht er diese jetzt an Lars, um ihn vor einem Sonnenstich zu bewahren.

erst werden alle bemalt - Hamer
Hamer beim Bemalen vor dem Bullensprung

Wir laufen eine ganze Weile an den schönsten Felsformationen im Wadi vorbei, immer auf der Suche nach schattigen Abschnitten. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch hören wir lautes, weibliches Singen und das Tuten ähnlich einer Vuvuzela. Im Schatten von größeren Bäumen sitzen die Hamer bei den Vorbereitungen zum großen Fest. Dazwischen verteilen sich ein paar Touristen und passen doch nicht so richtig ins Bild.

Jetzt ist es kein Problem, Fotos von den Menschen aufzunehmen. Wir haben beim Stammesführer 500 Birr für beide bezahlt. Das entspricht in etwa dem Wert von zwei Ziegen, die wir sonst als Gastgeschenk hätten darbringen müssen. Somit dürfen wir uns während dem Fest frei bewegen und fotografieren. Die Hamer haben damit neben der Rinderzucht eine weitere, ergiebige Einnahmequelle.

Körperbemalung vor dem Bullensprung der Hamer
Hamerfrau beim Singen
dann werden die Hamer-Frauen verdroschen

In einer Hamer-Gruppe bemalen sich die Männer gegenseitig die Gesichter mit bunten Mustern. Es sind »Maza«, Jünglinge, die ihre Prüfung schon hinter sich haben. Die Bemalung soll ihnen magische Kräfte verleihen. Aber auch einige Mädchen werden bemalt. Was dies alles bedeutet, bleibt uns verborgen. Die Hamer sind keiner Weltreligion zuzuordnen.

Sie glauben an treibende Kräfte, welche sie »barjo« nennen und mit Bemalungen und Gesängen hervorrufen. Missionare, die den christlichen Glauben lehren wollten, bissen bei den Hamer auf Granit. Der Glaube hatte weder in ihr soziales noch kulturelles Leben gepasst und ihre Feste und Bräuche ließen sich in kein christliches Gewand zwängen.

Hamer-Frauen vor der Zeremonie
Fleischwunden der Hamer-Frauen vor dem Bullensprung

Wieder fangen die Frauen an zu singen und im Kreis zu tanzen. Sie haben laute Schellen um ihre Beine. Das Geräusch erinnert an die schwäbisch-alemannische Fasnacht. Irgendwann fängt eine der Frauen an in ein Blechhorn zu tröten, dann hüpfen sie alle im Kreis und der Tanz löst sich kurz auf, bevor es weiter im Kreis herum geht. Völlig fertig sitzt ein Teil am Rand und schaut nur zu.

Aus Kalebassen trinken sie eine seltsame braune Flüssigkeit, wahrscheinlich ihr Biergebräu aus Hirse. Die Stimmung ist ausgelassen, aber so richtig fröhlich wirken nur wenige. Ein Teil der Frauen scheint sich mehr in einer Art Trance zu befinden. Und die, die es nicht sind, scheinen eher unter einem anderem Brauch zu leiden: dem rituellen Auspeitschen.

Hamer-Mädchen
Hamer-Mädchen
Hamer-Mädchen

Wir setzen uns zu den Hamer und warten ab. Wann und wie es weiter geht weiß keiner so genau. Hin und wieder werde ich auf mein T-Shirt angesprochen. Bunte Kleidung wirkt anziehend. Diese wollen sie haben, auch wenn es ihrem Kleidungsstil widerspricht.

Da ich nicht nackt herum rennen will, lasse ich das mit dem Verschenken. So warten wir noch eine ganze Weile, bis ein paar Rinder gesammelt und an uns vorbei getrieben werden. Wir folgen und sind gespannt, wie es weitergeht.

VG Wort
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