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Grand Sable

Rundwanderung zum Grand Sable 1/3

bei Ilet à Vidot
bei Ilet à Vidot

Nachdem die Berge bei unserer Ankunft in Wolken verhüllt waren, sind wir am nächsten Tag heilfroh, blauen Himmel über uns zu sehen. Wir sind früh auf den Beinen und genießen die herrliche Aussicht vom Hotel aus. Jetzt gilt es, die nebel- und wolkenfreie Zeit gut zu nutzen, womit wir direkt nach dem Frühstück aufbrechen.

Die Fahrt von Hellbourg zum Wanderparkplatz von Ilet à Vidot dauert nur wenige Minuten, sodass wir dort bald als erste Wanderer an diesem Morgen ankommen. Die Sonne scheint und ich creme mich noch rasch ein, bevor es losgeht. Kurz nach uns erreichen weitere Autos den kleinen Parkplatz am Ende der Straße. Dann aber starten wir auch schon unsere Tour.

in den Bergen im Cirque de Salazie
Gemüsefeld im Cirque de Salazie

Kaum sind wir unterwegs, pfeift es. War das ein Vogel? Wir wissen es nicht und laufen weiter. Auch den nächsten Pfiff schreiben wir einem uns unbekannten Vogel zu. Als wir auf einen dritten Pfiff warten, hören wir stattdessen, wie jemand hinter uns her rennt. Eine junge Frau hält meine Uhr in der Hand, die ich beim Eincremen ausgezogen und liegen lassen habe.

Juhu! Wir sind in Frankreich! Womöglich ist La Réunion die einzige Insel im Indischen Ozean, auf der einem liegen gelassene Uhren hinterherlaufen. Allerdings hätte sich das Mädel den Weg sparen können, da wir in die falsche Richtung gestartet sind und kurz nach ihr wieder zum Parkplatz zurückkehren.

Wanderweg zum Grand Sable
Wanderschilder auf La Réunion
Chouchou auf La Réunion

Bei unserem zweiten Start laufen wir die Betonrampe am Ende vom Parkplatz herunter, sodass wir vor uns die Stromleitung mit den rot-weißen Markierungen sehen. Dort kommen wir auf den GR R1, einen der großen Fernwanderwege auf La Réunion, die auf den Piton des Neiges führen. Unser Ziel, der Grand Sable, ist hier ebenfalls schon angeschrieben. Nach einem kurzen, steilen Abstieg erreichen wir den Rivière du Màt. Den Fluss können wir über eine Stahl-Hängebrücke queren. Auf der anderen Seite teilt sich der Weg.

Rechts geht es in zwei Stunden zum Piton d'Anchain. Wir aber bleiben auf dem Weg, der weiter bergauf durch Obst- und Gemüseplantagen führt. Schilder machen klar, dass Gäste bzw. Gartenschnorrer auf den Grundstücken nicht willkommen sind. Immerhin müssen die Bauern hier von ihrer Ernte leben und wenn sich jeder Wanderer eine Frucht stibitzt, dann fehlt ihnen am Ende eine ganz schöne Menge. Trotzdem sind die Bauern freundlich und winken uns während ihrer Feldarbeit.

Schutzhütte auf dem Grand Sable
Calla auf dem Grand Sable

Oberhalb der Felder wird der Weg ebener und schattiger, bis er schließlich in einen Filaowald eintaucht, der auf dem weiteren Weg immer dichter wird. Hier befinden wir uns in einem Gebiet, auf dem die ersten Siedler im 19. Jahrhundert große Waldflächen abgeholzt hatten, um immer mehr Ackerland zu schaffen. 1875 rächte sich der Raubbau an der Natur: nach schweren Regenfällen kam es zu einem Erdrutsch, der etliche Hütten und Bewohner mit in die Tiefe riss oder verschüttete. Um weitere Erdrutsche zu verhindern und den Boden zu sichern,

wurden an den Hängen vom Grand Sable Filaobäume aufgeforstet. Mittlerweile haben sich diese zu idyllischen Wäldern entwickelt. Nach gut anderthalb Stunden haben wir den Grand Sable erreicht. Linker Hand steht eine Schutzhütte aus Naturstein auf einer Lichtung. Eigentlich hatten wir geplant, hier eine Pause einzulegen. Aber irgendwie wirkt die Hütte weder innen noch außen einladend. Hier ist es feucht und schattig. Also verweilen wir nur kurz und suchen uns ein netteres Plätzchen.

Anne auf dem Weg zum Grand Sable
im Filaowald auf La Réunion
im Filaowald auf La Réunion
VG Wort
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