Casse de Takamaka | Wanderung zur Schlucht

Zum Aussichtspunkt Cassé de Takamaka oberhalb der Schlucht

Wanderschild beim Foret de Bérbour
Calla im Foret de Bérbour

Am Morgen nach unserer Wanderung zum Vulkanausbruch des Piton de la Fournaise sind wir schon wieder früh auf den Beinen. Gleich nach dem Frühstück verlassen wir die Gîte du Volcan und den Piton de la Fournaise. Unser Ziel ist der Talkessel Cirque de Cilaos. Angesichts des tollen Wetters und der einzigartigen Landschaft auf den Hochebenen von La Réunion, den Les Hautes Plaines, beschließen wir, zuvor noch durch den Regenwald in der Schlucht von Takamaka zu wandern.

Damit biegen wir am unteren Ende der Route du Volcan rechts nach La Plaine des Palmistes ab und fahren von dort zum Foret de Bérbour. Würden wir der kurvigen Straße bis ans Ende folgen, kämen wir beim Panoramaplateau der Gîte de Bélouve an. Aber dort waren wir ja schon. Es ist Sonntag und auf dem Weg zu unserem Wanderparkplatz passieren wir einige Picknickplätze. Auch wenn es noch früh am Vormittag ist, füllen sich diese bereits mit den ersten Ausflüglern.

Anne im Foret de Bérbour
Baumfarn im Foret de Bérbour
Matschwege im Foret de Bérbour

Am Parkplatz angekommen, schlagen wir leider zunächst den falschen Weg auf der linken Seite ein. Dieser führt auf einer kurzen Runde durch Wald und ist als botanischer Lehrpfad eingerichtet. Wir aber wollen in die Takamaka-Schlucht blicken. Also zurück zum Parkplatz, dort noch einmal etwas genauer umgeschaut und dann rechts neben dem alten Schild hinein in einen Märchenwald. Von Weitem leuchten uns schon die vielen Callas entgegen,

die auf dem sumpfigen Gelände reiche Bestände bilden. Dementsprechend ist auch der Zustand vom Weg. Hier und da helfen uns alte Holzbohlen über die schlimmsten Matschlöcher. Aber alles halb so wild. Denn nachdem wir gelesen haben, dass der Weg (derzeit) nicht gepflegt wird, haben wir uns auf Schlimmeres eingestellt und vorsichtshalber unsere Wanderstöcke mitgenommen.

im Foret de Bérbour
Wanderung zur Casse Takamaka-Schlucht

Bestens gerüstet, geht es damit durch die dichte Botanik mit Baumfarnen, Goyavier-Büschen und Tamarinden. Bald erreichen wir einen Abzweig zum Bassin des Hirondelles. Wir beschließen erst dorthin zu gehen, auch wenn der Pfad einiges unwegsamer aussieht. Es geht immer bergab, wobei wir so manch tiefe Stufe mit einer halben Kletterei überwinden müssen.

Doch die Mühe lohnt sich! Einzig die letzte Stufe scheint mir unüberwindbar. Eh ich mich versehe, ist Lars schon unten und gibt mir zu verstehen, dass ich da unbedingt auch runter muss. Mit seiner Hilfe klappt es. Im nächsten Augenblick bin ich sprachlos.

Baumfarn bei der Takamaka-Schlucht
Ein Idyll beim Bassin vom Bras Cabot
beim Bassin vom Bras Cabot

Wie eine traumhafte Lagune liegt das Bassin vom Bras Cabot mitten im Wald vor uns. Im glasklaren Wasser schwimmen Fische, während Schwalben in eine Felsgrotte fliegen und dort ihre Brut füttern. Zusammen mit den Gräsern im seichten Wasser, den umliegenden Wäldern und dem blauen Himmel darüber eröffnet sich uns eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, beinahe schon kitschig. Am Rand des Bassins zieren runde Felsen den Wasserlauf.

Sie sind der perfekte Platz für eine Pause. Kurz nach uns trifft ein französisches Paar ein. Sie haben auf dem Weg Goyavier-Früchte gesammelt, die sie nun mit uns teilen. Gesehen hatten wir die roten, kirschgroßen Früchte auch. Allerdings tun wir uns ein bisschen schwer damit, unbekanntes Zeugs einfach so in den Mund zu stecken. Jetzt wissen wir, dass wir bei diesen leckeren Früchten ruhig zulangen können.

Klares Wasser beim Bassin vom Bras Cabot
beim Bassin des Hirondelles

Durch viel Matsch über den Kletterpfad

Baumfarn im Foret de Bérbour - Takamaka-Schlucht
Calla im Foret de Bérbour - Takamaka-Schlucht

Tropische Hitze und die Feuchtigkeit erschweren den Rückweg bergauf. Dies ist aber kein Grund, auf den Rest der Tour zu verzichten. Wieder am Abzweig gehen wir also nach rechts in Richtung Cassé de Takamaka. Eigentlich hatten wir gedacht, dass der Pfad dorthin wieder besser wird. Das Gegenteil ist der Fall. Große Schritte helfen uns über so manch matschige Stelle hinweg. Dabei gilt: je größer das Schrittmaß, desto weniger Matsch kriegt man ab.

Eines aber muss jedem Wanderer klar sein: wem ein Spagat über die Dreckpfützen gelingt, hat auch eine dreckige Hose. Um die schlimmsten Matschlöcher zu umgehen, weichen wir immer wieder vom Pfad ab und hangeln uns entlang der Bäume durch die Botanik. Steile Abstiege waren früher mal mit Naturleitern, also zusammen genagelte Äste, ausgestattet. Leider sind diese zum Großteil zerbrochen, sodass wir an den Resten hinunter klettern müssen.

kaputte Leitern auf dem Weg zur Cassé de Takamaka
der Bras Tabac auf dem Weg zur Cassé de Takamaka
manchmal muss man schon fast klettern

Bei der Aussichtskanzel Cassé de Takamaka

Dennoch erreichen wir bald das nahezu trockene Bachbett des Bras Tabac, das wir über die runden Flusssteine queren, bevor es wieder unbequem einen kurzen Steilhang nach oben geht. Danach wird es besser und kommen wir schneller voran.

Weiter bergab führt uns der Pfad über eine schöne Lichtung, die mit wunderschönem Baumfarn umringt ist. Dort haben wir es auch schon fast geschafft und die Aussichtskanzel zur Takamaka-Schlucht erreicht.

Lichtung auf dem Weg zur Cassé de Takamaka
Blick von der Aussichtskanzel zur Cassé de Takamaka

Erst zwei, drei Schritte vor der Kanzel gibt der Wald unvermittelt die Sicht frei. Dann stehen wir auch schon am Rand und tut sich vor uns eine spektakuläre Aussicht über die tiefe Schlucht auf. Einzig die erwarteten Wasserfälle sehen wir nicht. Offenbar war es ungeachtet des sumpfigen Terrains in der letzten Zeit zu trocken. In der Ferne erkennen wir das Wasserkraftwerk von Takamaka.

Auch eine Straße schlängelt sich links vor uns durch die in weiten Teilen unzugängliche Bergregion. Es ist schon toll. Und doch hat uns das Bassin des Hirondelles besser gefallen. Zum Glück sind wir zuerst dorthin gelaufen. Denn der Weg zur Schlucht ist einiges mühsamer als der Abstecher ins Bilderbuch. Hätten wir mit dem Ausblick über die Schlucht begonnen, hätten wir wahrscheinlich auf das Bassin verzichtet. Das wäre echt schade gewesen.

Am Aussichtspunkt über der Cassé de Takamaka
Lars bei der Aussichtskanzel zur Cassé de Takamaka

Zufrieden kehren wir um und folgen dem Pfad zurück zu unserem Auto. Da die Hosen mittlerweile dreckig sind, stören uns die Matschlöcher kaum noch. Auf der Fahrt nach La Plaine des Palmistes sind wir überrascht, wie voll die Picknickplätze sind. Zwischen etlichen Autos parken sogar zwei Busse.

Wieder auf der Hauptstraße fahren wir das dritte und letzte Mal über die Passstraße. Diesmal ist der Col de Bellevue frei von Wolken und Nebel. Ohne anzuhalten, fahren wir jedoch weiter bis zum Hotel Les Geraniums, wo unsere Koffer auf uns warten. Danach geht es dann endlich auf den Weg zum Cirque de Cilaos, womit wir uns auf die nächste spektakuläre Fahrt einstellen dürfen.

Video Wanderung zur Aussichtskanzel der Schlucht auf Réunion

Wanderung zur Cassé de Takamaka, einem Aussichtspunkt über die Takamaka-Schlucht auf La Réunion. Eindrücke vom Bassin vom Bras Cabot.

Wanderkarte zur Wanderung

Die Anfahrt erfolgt über die N 3 bis La Plaine des Palmistes. Am südlichen Ende des Orts erst auf die D 55, dann bei La Petite Plaine auf die Allée des Cryptomerias (RF 2) abbiegen. Der kurvigen Straße in die einsame Bergregion folgen. Nachdem man einen auffallend großen Picknickplatz passiert hat, überquert man den Fluss Bras Cabot und erreicht ca. 250 m weiter den Wanderparkplatz direkt an der Straße. Wer die Straße bis ans Ende fährt, kommt zur Gîte de Bélouve.

Ausgangspunkt Parkplatz an der RF 2 nach überqueren des Bras Cabot (1340 m)
Koordinaten S 21.1267, E 55.5721
Gehzeit 4 Stunden
Distanz 8,25 km
Anstiege ca. 300 HM
Grad T3 (Weg schlecht gepflegt mit ständigem Auf und Ab)
Einkehr keine, zwei sehr schöne Rastmöglichkeiten bei der Höhle Bras Cabot und am Ende der Strecke
gps-Daten Wanderung-Takamaka.gpx
kml-Daten Wanderung-Takamaka.kml

Wanderkarte zur Tour mit Abstecher Bras Cabot

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort