Wanderung zur Cascade de Bras Rouge

Von Cilaos hinauf zum Wasserfall

Brunnen bei den Ruinen der Ancien Thermes
Blick zu den Ruinen der Ancien Thermes

Unser erster Morgen in Cilaos beginnt mit einem neuen, für uns bis dahin ungewöhnlichem Bild, was bedeutet: sowie ich die Vorhänge aufziehe, blicke ich den Regen. Wo ist der Sonnenschein geblieben, der uns bisher immer mit blauem Himmel den Start in den Tag verschönerte? Sollen wir nochmals ins Bett und auf besser Wetter hoffen? Sollen wir trotz der Nässe unsere Wanderung wie geplant starten? Lohnt das überhaupt?

Ohne auf die Antwort des Himmels zu warten, gehen wir trotz des schlechten Wetters bald frühstücken, eh wir es uns zunächst auf dem Balkon gemütlich machen. Vor dem Lobby-Haus beobachten wir die ASI-Reisegruppe, die guten Mutes sind und sich für ihre Tour bereit machen. Immerhin hat während des Frühstücks der Regen ausgesetzt und hängen die Wolken schon nicht mehr so tief in dem Talkessel. Einen Augenblick später sind damit auch wir startklar.

kleiner Wasserfall auf dem Weg zur Cascade de Bras Rouge
Blick in den Talkessel von Cilaos

Auf dem Sentier des Porteurs

Vom Hotel laufen wir zunächst in die Rue de Père-Boiteau, der Hauptstraße des Kurortes Cilaos, und dort der Kirche entgegen. Die Läden haben inzwischen geöffnet, sodass wir uns mit Getränken eindecken können. Beim nächsten Kreisverkehr halten wir uns links in die Rue des Thermes,

bis wir einen Parkplatz erreichen. Hier beginnt unser eigentlicher Wanderweg mit dem Sentier des Porteurs. Ein Schild weist die Richtung zum Cascade de Bras Rouge, den wir in einer Stunde erreicht haben sollten.

Lars am kleinen Wasserfall auf dem Weg zur Cascade de Bras Rouge
Wanderweg im Talkessel des Cilaos

Nach dem Einstieg geht es auf dem ersten Abschnitt über mehrere Treppen abwärts, wobei wir zum Teil wählen können, ob wir trotz der Nässe über die glitschigen Stufen abkürzen, oder die flacheren und weiteren Serpentinen nehmen. Nach ungefähr zehn Minuten erreichen wir die Ancien Thermes, die alten Thermalbadehäuser von Cilaos.

Leider ist außer unansehnlichem Beton nicht viel übrig, womit ein längerer Aufenthalt abkömmlich ist. Von der Ruine führen uns Stufen hoch zur D242, der Straße nach Îlet à Cordes. Sowie wir dieser einen Steinwurf weit bergauf bis zum nächsten Wegweiser gefolgt sind, kommen wir links auf den Wanderweg GR R2 zum Wasserfall.

Anne beim kleinen Wasserfall
Im Flusstal des Bras Rouge
Flusstal des Bras Rouge

Ab jetzt ist der Wanderweg naturbelassen und frei von Straßen. Der Pfad ist gut befestigt und durch dichte Bäume schattig, was ganz gut ist. Inzwischen scheint endlich die Sonne. Wo immer die Vegetation zurücktritt, eröffnen sich uns tolle Einblicke in die zerklüfteten engen Schluchten und zu markanten Felsen, die spitz in die Höhe ragen.

Weiter geht es mithilfe größerer Steine über einen Bach mit kleinem Wasserfall, eh wir eine Reihe winziger Felshöhlen passieren und sich uns erneut schöne Ausblicke über das Tal und hoch bis zur Kirche von Cilaos ergeben. Auf dem hübschen und kurzweiligen Weg erreichen wir bald die Cascade de Bras Rouge.

bei der Cascade du Bras Rouge
weiter geht der Weg Richtung Col du Taibit

Wanderung zur Cascade de Bras Rouge durch das kühle Bergwasser

Tec Tec oder Rèunionschwarzkehlchen
steiler Weg in der Sonne nach oben
Frosch beim Flusstal des Bras Rouge

Es muss einem bewusst sein, dass man sich oberhalb der Abbruchkante zum Wasserfall befindet. Sanft abgerundete Steinplatten laden zum Übermut ein. Aber Vorsicht ist geboten und herum klettern kann sehr schnell gefährlich werden, besonders wenn es nass und glitschig ist. Tatsächlich ist die Oberfläche der Felsen selbst im trockenem Zustand alles andere als griffig. Das Bachbett mit seinen riesigen Flusssteinen liegt zum großen Teil trocken.

Trotzdem fließt auf einer Seite der Bach, der an dieser Stelle nicht mit trockenen Füßen zu überqueren ist. Also Schuhe ausziehen und durch das angenehm kühle Bergwasser waten. Wer dies nicht möchte, findet weiter flussaufwärts einen Bereich, bei dem größere Felsen eine Überquerung ermöglichen. Hierfür braucht es dann allerdings Geschick und Kraft, um auf der anderen Seite wieder auf den richtigen Weg zu kommen.

entlang dem Tal des Bras Rouge
Blick in das Tal des Bras Rouge und den Piton des Neiges

Der tiefste Punkt der Wanderung ist erreicht. Das heißt: auf dem nächsten Abschnitt geht es wieder ein ganzes Stück bergauf. Ein alter Wegweise zeigt uns, dass der Col du Taibit in vier Stunden zu erreichen ist. Das wäre der Pass zum Cirque de Mafate, nach Marla. Soweit wollen wir gar nicht.

Trotzdem geht es auch für uns teils auf Stufen, teils über Serpentinen nach oben. Da dieser Bereich sonnenexponiert ist, treibt uns der Aufstieg bald Schweißperlen auf die Stirn. Ein weibliches Rèunionschwarzkehlchen sorgt für Ablenkung, indem es zum Greifen nah immer wieder bei uns landet und beobachtet, wie wir es beobachten.

noch ein Gebirgsbach, der zum Bras Rouge führt
Wanderweg zum Bras Rouge

Nach gut 200 Höhenmetern flacht der Pfad ab und wird damit bequemer zu wandern. Entlang dem Steilhang laufen wir erst im Freien, dann durch einen schattigen Filaowald. Drehen wir uns um, sehen wir stattdessen auf das Tal Le Bras Rouge und darüber den majestätischen Piton des Neiges. Der Boden wird feuchter und wir entdecken Frösche im Hang.

Grund ist ein weiterer Gebirgsbach, der wenige Schritte vom Weg entfernt einen malerischen Wasserfall bildet, eh er weiter talwärts rauscht. Für uns – wie auch für mehrere weitere Wanderer – ist dieser idyllische Platz wie geschafften für eine schattige Picknickpause.

beim nächsten Wasserfall der Cascade de Bras Rouge
beim nächsten Wasserfall des Bras Rouge

Gut 300 Meter nach dem Wasserfall gabelt sich der Weg. Den Weg zum Col du Taibit und hoch zu einer nahen Bushaltestelle lassen wir dort links liegen und folgen nun dem GRR1 Richtung le Bloc. Im Hang geht es steil bergab, sodass wir noch einmal an den Fluss Le Bras Rouge kommen.

Wunderschön hat der Fluss hier sein Bachbett ausgewaschen. Ein herrliches Bassin unterhalb eines weiteren Wasserfalls lädt zum Baden ein. Wären da nur nicht die steilen Wände, die sich nur mit Mühe erklommen ließen – wenn überhaupt. Wir verzichten auf die Abkühlung und genießen einfach den Moment.

wir queren den Bras Rouge
dort drüben sind wir vorhin gewandert

Das Bassin Bleu und die schöne Aussicht auf Cilaos

Blick nach Îlet à Cordes
Blick nach Cilaos

Oberhalb des Wasserfalls müssen wir das Bachbett nochmals queren, was mithilfe eigens dafür ins Bachbett gelegter Steine recht einfach ist. Anschließend geht es nochmals steil bergauf bis zur Landstraße D242. Wir blicken über das Tal und sehen den Weg, der uns am Vormittag entlang dem Steilhang geführt hat.

Wer für seinen Geschmack bereits genug gewandert ist, kann hier auf den nächsten Bus warten oder den leichteren Weg über die Straße hinunter nach Cilaos nehmen. Wir aber wollen weiter zum Bassin Bleu. Der Einstieg zum Wanderweg befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort erwartet uns ein letzter kräftiger Anstieg.

Anne im Flusstal des Bras Rouge
Waldmeister, der wohl kein Waldmeister ist
Pflanze auf dem Weg zum Bassin Bleu

Dieser erfolgt durch den Wald auf einem von blühenden Waldmeister reich gesäumten Pfad (Lars behauptet, es ist kein Waldmeister, womit er wohl recht hat), bis wir 300 Meter über dem letzten Wasserfall der Cascade de Bras Rouge sind.

Im weiteren Verlauf wird der Weg einfacher zu gehen, auch wenn er teilweise schmal und seitlich abschüssig ist. An manchen Stellen können wir uns an Drahtseilen festhalten, sodass wir sicher vorwärts und Cilaos allmählich wieder näher kommen.

Schnecke auf dem Weg zum Bassin Bleu
Tec-Tec will auch was von den Keksen ab

Zuvor aber erreichen wir das Bassin Bleu. Eigentlich sollte das Wasser des Bachs eine grünliche und weiße Färbung hinterlassen. Aber irgendwie ist das Bächlein während unseres Besuchs eher unspektakulär. Möglicherweise hätte es am Morgen mehr Regen gebraucht.

Dafür eignen sich die trockenen Felsen im Bachbett bestens für eine weitere Pause. Unsere letzten Kekse teilen wir gerecht mit einem Réunionschwarzkehlchen, das neben uns her hüpft. Man nennt es auch Tec-Tec, was einfacher zu merken ist.

Flusstal beim Bassin Bleu
Blick auf Cilaos

Der letzte Abschnitt erfolgt durch einen Zedernwald, der rechts die Sicht auf Cilaos zulässt. Nach 20 Minuten erreichen wir einen Picknickplatz am Plateau des Chênes, der Ebene der Eichen. Wir bleiben auf dem Wanderweg bis zur Landstraße über Cilaos. Beim Thermalbad sehen wir auch schon die Kirche, die uns zielsicher den Weg über Treppen hinunter ins Zentrum von Cilaos weist.

Die ersten regnerischen Stunden sind längst vergessen. Stattdessen können wir dort auf eine der schönsten Wanderungen zurückblicken, die auf der Insel La Réunion überhaupt möglich sind. Mit dem guten Gefühl, an diesem Tag alles richtig gemacht zu haben, bummeln wir durch die Geschäftsstraße von Cilaos, eh wir zurück ins Hotel kehren und den herrlichen Tag am Pool ausklingen lassen.

Video Wanderung von Cilaos zur Cascade de Bras Rouge

Rundwanderung von Cilaos zur Cascade de Bras Rouge mit vielen schönen Eindrücken vom Cirque de Salazie, einem der drei Talkessel von La Réunion.

Tourinfo zur Wanderung zum Wasserfall

Die Anfahrt erfolgt von der Südwestküste ab Saint-Louis über die N 5 in den Talkessel von Cilaos. Der Hauptstraße ins Ortszentrum Bourg folgen. Wer nicht in Cilaos übernachtet, findet einen Parkplatz in der Rue des Thermes zwischen der Tourist-Info und der Kirche von Cilaos.

Ausgangspunkt Maison du Tourisme (1200 m)
Koordinaten S 21.1316, E 55.4716 (Parkplatz)
Gehzeit 5 Stunden
Distanz 11,4 km
Anstiege ca. 800 HM
Grad T3
Einkehr keine, herrliche Rastmöglichkeiten
gps-Daten Wanderung-Cilaos-Bras-Rouge.gpx
kml-Daten Wanderung-Cilaos-Bras-Rouge.kml

Wanderkarte zur Wasserfalltour bei Cilaos

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort