Dumpfes Grollen am Vulkan Arenal

In der Gefahrenzone am Fuße des Vulkans

auf dem Weg zum Aussichtspunkt
Weg zum Aussichtspunkt

Nach dem für Fortuna üblichen Nasenbär-Spektakel fahren wir weiter in Richtung Nuevo Arenal, biegen dann nach links auf eine Schotterstraße ab und kommen zur Einfahrt des Nationalparks Arenal. Direkt hinter dem Eingang gibt es auf der linken Seite einen Parkplatz mit Toiletten.

Gut zu wissen. Besser aber ist, weiter zum nächsten Parkplatz zu fahren. Dass die meisten Fahrzeuge mit der Front in Richtung Parkausgang stehen, ist kein Zufall. Denn auch hier befinden wir uns in der sehr hohen Gefahrenzone. Das Betreten geschieht daher natürlich auf eigene Gefahr.

der Vulkan Arenal ist noch verhüllt
Langschwanzhäher (Calocitta formosa)

Direkt beim oberen Parkplatz beginnt der Weg zu einem Lavastrom aus dem Jahr 1992. Zuvor aber spazieren wir zu einem Aussichtspunkt. Was wir nicht wissen: auch zu diesem darf man noch mit dem Auto fahren. Was wir nach dem etwa einem Kilometer Fußmarsch dafür erleben, sind einige Langschwanzhäher, die es sich rund um eine große Infohütte bequem gemacht haben.

Von den Einheimischen werden sie auch Elsterkrähe genannt, weil sie alles mögen, was irgendwie glänzt. Auch fliegt ein Schwarm Papageien über uns hinweg. Dies aber so schnell, dass wir ihnen kaum folgen können und sie schon bald wieder aus den Augen verlieren.

Blick zurück auf den Arenal-Stausee
Schilf am Wegrand

Der Arenal galt lange als erloschen und hieß mal Zuckerbrot, mal Vulkankorb, Costa Rica´s Vulkan oder auch Vulkan des kalten Flusses. Den Namen »Arenal« bekam er, weil seine Lava mit der Zeit in Sandkristalle (Arena) zerfällt, die sich von Weitem sichtbar am Fuß des Kegels und am Flussufer absetzen.

Am 29. Juli 1968, 7:20 Uhr, war es dann vorbei mit dem Erloschen sein, entstand an der Seite ein neuer Krater und schleuderte der Vulkan Rauch und Steine hinaus. Der Vulkan Arenal zerstörte zwei Dörfer, 87 Menschen kamen ums Leben. Bis zum nächsten Tag formte der Arenal drei neue Krater auf 1170 m, auf 1460 m und auf der Spitze des Vulkans (heute 1633 m).

Weg zum Lavastrom von 1992
immer noch ist der Vulkan verhangen

Auf dem Weg vom Aussichtspunkt zurück zum Parkplatz haben wir eine gute Sicht auf den Arenal-Stausee. Weniger gute Aussichten hingegen verspricht das Wetter.

Denn trotz des überwiegend blauen Himmels regnet es schon wieder. Zum Glück bleibt es bei ein paar Tropfen und ist es recht warm, sodass wir unsere Jacken gar nicht erst heraus kramen müssen.

Ein wunderbares Vulkan-Panorama am Arenal

Wanderung zum Lavastrom des Arenal

Zurück beim Parkplatz, ist bereits deutlich mehr los. Ganze Gruppen brechen in den Park auf, um zumindest einmal im Leben dasselbe aufs Spiel zu setzen.

Denn während sich der Aussichtspunkt ganz knapp im Bereich des mittleren Risikos befindet, geht es nun über den »Las Coladas Weg« hinein in die Zone des hohen vulkanischen Risikos.

Farn
Achtung: hier beginnt die hohe Gefahrenzone

Die ersten Meter geht es über einen flachen, sandigen Weg vorbei an meterhohen Farnen, Gräsern und Büschen. In der Ferne hören wir ab und zu ein dumpfes Grollen... Bis wir über ein erstes altes Lavafeld kommen

(oder so etwas ähnliches, zumindest ohne dichte Vegetation) und freie Sicht auf den Vulkankegel haben. Das heißt, nicht ganz, weil der obere Teil leider und zugleich wie üblich in Wolken verhüllt ist.

Wanderung über den Lavastrom von 1992
weiter darf man nicht

Danach wird es steiniger, bis wir schließlich über schwarze Brocken auf den Lavastrom von 1992 (Las Coladas) kommen. Konnte man unten selbst mit Flipflops bequem laufen, lohnen sich endlich unsere leichten Wanderschuhe.

So müssen wir uns nicht wie ein paar Frauen in Sommerschuhen abmühen und ständig Angst haben, auf den losen Steinen abzurutschen oder umzuknicken.

am Rand des Lavastroms
männlicher Kappennaschvogel (Chlorophanes spiza)

Oben auf dem Lavastrom angekommen, wird es spannend. Immer wieder steigen die Wolken an den Seiten des Kraters auf und geben mal die eine, mal die andere Seite frei. Immer wieder weckt dies unsere Hoffnung, den Kraterrand zumindest einen Moment ganz ohne Wolken zu sehen.

Leider aber kommt dann immer wieder irgendwo die nächste Wolke her, die sich von der Seite ins Bild schiebt oder vom Gipfel über den Kraterrand stürzt. Wie auch einige Steine, die an der rechten Seite des Vulkans herausgeschleudert werden und zischend den Hang herunterpurzeln. Sekunden später sind dann knackende, krachende und selbst splitternde Geräusche zu hören.

Arenal Vulkan (Volcano Arenal)

Doch auch der Blick zur anderen Seite lohnt, bietet sich einem hier doch ein schöner Blick über den Arenal-Stausee. Eine Pause lohnt sich damit allemal. Vor allem dann, wenn sich zufällig ein blauer Kappennaschvogel in der Nähe oder gar ein Tukan in den Bäumen vor dem See blicken lässt.

Epiphyten, Moose und Flechten im Nationalpark Arenal

Auf der anderen Seite des Lavastroms kommen wir über einen Streifen mit Farnen und weiteren Pionierpflanzen in den vom Ausbruch verschonten Regenwald. Augenblicklich finden wir uns in einer völlig anderen Welt wieder. Hier stehen die Bäume dicht an dicht, auf den Ästen wachsen Epiphyten und kämpfen mit Moosen und Flechten ums Licht. Auch ist es deutlich feuchter und stehen vereinzelt Pfützen auf dem Weg.

Dieser Wanderweg heißt Los Tucanes, der zwei Kilometer weit durch den Wald verläuft und an dessen Ende der 2,5 Kilometer lange Wanderweg El Pilón zurück zum Lavastrom führt. Ab dem Parkplatz wären es damit rund 8,5 Kilometer, was uns in der feuchtwarmen Luft allerdings ein bisschen zu viel ist. Also kehren wir nach etwa einem Kilometer (auf dem sich nichts groß ändert) um.

Farn im Arenal Nationalpark
Sobralia warscewiczii (eine Orchidee)
Regenwald am Fuße des Arenals
ab und zu wundern sich die Fahrer über Kratzer in der Heckscheibe

Zudem wollen wir noch den Heliconias-Weg laufen, der vom oberen Parkplatz in einem Bogen zum unteren führt. Benannt ist der Weg nach den vielen Heliconien, die hier wachsen und wunderschön anzusehen sind, wenn sie blühen. Na ja, das ist dann auch schon die Voraussetzung. Leider aber kommen wir (30. Dezember) zur genau falschen Zeit. Die von Bromelien und Tillandsien überwucherten Bäume sind aber auch so hübsch anzusehen. Wie auch die Elsterkrähe, die auf dem unteren Parkplatz die Scheibe eines Jeeps bearbeitet...

Bromelien
Bromelien über dem Wanderweg "Sendero las Heliconias"
Bromelien als schwere Baumlast
VG Wort