Selvatura Park und die Hängebrücken

Den Epiphyten der Urwaldriesen ganz nah

Um in den Selvatura Park zu kommen, müssen wir wieder aus dem Ort Santa Elena herausfahren. Wie in unserer Karte eingezeichnet ist, fahren wir dadurch bald wieder über Stock und Stein oder, wie es in Costa Rica heißt, über eine Dirtroad. Das gemeine an diesen Straßen ist, dass sie nur sporadisch ausgebessert werden.

Vor Ort sieht das dann so aus, dass ein Lkw eine Ladung Dreck in ein paar große Schlaglöcher wirft und der nachfolgende Verkehr die Befestigung übernimmt. Abgesehen davon, dass dies zu keinem guten Ergebnis führen kann, wird das feine Material bald vom Regen ausgeschwemmt, sodass oft nur Steine und Brocken übrig bleiben.

die erste von acht Hängebrücken im Selvatura Park
Farn als Epiphyt im Selvatura Park

Wozu aber haben wir einen Jeep mit Allrad? Also Augen auf, festhalten und versucht, möglichst vielen Schlaglöchern auszuweichen! So etwas erlebt man schließlich nicht alle Tage.

Und zumindest gibt es genug Wegweiser, sodass wir uns weder auf dem Weg zum Selvatura-Büro noch auf dem Weg zum drei Kilometer weiter oben gelegenen Reservat verfahren.

Blick in den dichten Nebelwald des Selvatura Park
Wald im Selvatura Reservat
Baumfarn

Der Selvatura Park an sich ist gut erschlossen. Neben einem Restaurant, der Rezeption und sanitären Anlagen gibt es hier Canopy Touren, einen Kolibri- und einen Schmetterlingsgarten, eine Insektenausstellung

und eine Reptilien- und Amphibienausstellung sowie Führungen durch den Nebelwald. Wir aber wollen das trockene Wetter ausnutzen und uns erst einmal auf eine Tour mit acht Hängebrücken wagen.

Reihenweise Epiphyten im Selvatura Park
Blick in den Nebelwald beim Selvatura Park
Canopy

Hängebrückenwanderung im Selvatura Park

Blick von der Hängebrücke 3 in die Tiefe - Selvatura Park
Blick durch Hängebrücke Nr. 3 - Selvatura Park

Sie sind lang, sie sind hoch, sie sind durchsichtig!!! Für meine Nerven müsste das eigentlich einen kollektiven Zusammenbruch bedeuten, zumindest aber weiche Knie, ein flaues Gefühl im Magen und einen Schwindelanfall im Kopf auslösen. Normalerweise brauche ich auch nur durch etwas hindurchschauen, um nach zwei Metern Höhe die ersten Zeichen von Höhenangst zu spüren.

Auf den Hängebrücken im Selvatura Park ist das zum Glück anders. Was es ist, weiß ich nicht. Tatsächlich bekomme ich aber nur auf der dritten Brücke ein leicht seltsames Gefühl - und die ist immerhin 115 Meter lang und 65 Meter hoch. Noch besser klingt es im Englischen: 377 Feet lang, 215 hoch.

die dritte Hängebrücke im Selvatura Park ist geschafft
auf zur Hängebrücke Nr. 4 - Selvatura Park

Doch selbst, wenn man sich vielleicht ab und an bei den besonders hohen Brücken überwinden muss, lohnt sich der Spaziergang bei trockenem Wetter ganz gewiss.

So eröffnen sich uns zahlreiche wunderschöne Aussichten sowohl in die Baumkronen als auch auf das dichte Blätterdach, sehen wir etliche Epiphyten an den Ästen und können uns die Baumfarne von allen Seiten genau ansehen.

vor jeder Brücke im Selvatura Park gibt es so ein Schild
Annette und Lars hoch über dem Boden des Selvatura Parks
von den Brücken eröffnen sich einem tolle Einblicke auf das Kronendach des Walds

Außerdem hätten wir nicht gedacht, wie alleine wir auf weiten Teilen des Rundwegs sind. Denn mit sage und schreibe drei Kilometern Länge ist er vielen Touristen entweder zu anstrengend oder zu langweilig (was einer Fehleinschätzung gleich käme).

So hören wir nur kurz nach dem Beginn unserer Tour das Surren der Canopy-Seilwinden, sehen mal den ein oder andern »Canopyer« über den Bäumen Richtung Tal flitzen und begegnen danach nur deshalb ein paar anderen Urlaubern, weil wir uns auf den Hängebrücken sehr viel Zeit lassen.

Brücke 4 ist geschafft - Selvatura Park
Blick auf das dichte Blätterdach im Selvatura Park

Weite Teile des Nebelwalds überblicken

auf zur Hängebrücke Nr. 5 - Selvatura Park Costa Rica
Hängebrücke Nr. 5

Schön finden wir, dass die Brücken auf verschiedenen Höhen angebracht sind. Befinden wir uns bei der einen auf halber Höhe der Stämme, können wir bei der nächsten schon wieder weite Teile des Nebelwalds überblicken. Was allerdings nicht garantiert ist. Denn an drei von vier Tagen ist der Wald in Nebel verhüllt.

direkt neben der Brücke recken sich junge Triebe eines Baums in die Höhe
Annette schon fast über den Wolken von Costa Rica
etwas unterhalb der Kronen verläuft die Hängebrücke Nr. 6

Ursache für diesen Nebel ist die feuchte Luft, die der Wind vom Pazifik in die Berge transportiert. Doch auch dann sieht man zumindest jede Menge verschiedene Pflanzen auf der Wanderung. So wachsen in den Wäldern um Monteverde mehr als 550 Arten Epiphyten.

Teilweise werden die Bäume durch diese aufsitzenden Pflanzen so schwer, dass mächtige Äste und selbst komplette Urwaldriesen in die Tiefe stürzen. Die Löcher, die sie dabei in den Wald reißen, sind dann der Startschuss für viele andere Pflanzen, um so schnell wie möglich nach oben zu gelangen.

Blick in den dichten Nebelwald von Costa Rica
Hängebrücke Nr. 6 im Selvatura Park
Hängebrücke Nr. 7 im Selvatura Park von Costa Rica

Nach gut anderthalb Stunden, das ist zugleich die empfohlene Dauer, haben wir die achte und letzte Hängebrücke geschafft. Mit dem guten Gefühl, eine überraschend ruhige und schöne Tour erlebt zu haben, gehen wir als nächstes in den Kolibrigarten.

Hummingbird Garden - Kolibris im Selvatura Park

Purpurdegenflügel (Violet Sabrewing, Campylopterus hemileucurus) in Selvatura
Purpurdegenflügel (Violet Sabrewing, Campylopterus hemileucurus)

Sie erfüllen die Luft mit Brummen. Ständig hören wir sie an unserem Ohr oder über unserem Kopf nur ganz knapp vorbei oder darüber hinweg fliegen. Ihnen längere Zeit mit den Augen zu folgen, ist so gut wie unmöglich.

Versucht man es doch, droht einem, schwindlig zu werden, wenn nicht gar verrückt. Es ist ein Tollhaus, in dem wir uns befinden. Schuld daran sind mehrere Nektarstationen, welche massenhaft Kolibris aus dem Wald in den Hummingbird Garden locken.

Kolibri (Hummingbird) im Selvatura Park von Costa Rica
Kolibri (Hummingbird) in Costa Rica

Der Vorteil ist offensichtlich, kann man die rasanten Flieger hier doch viel besser beobachten als in der freien Natur, ohne dass es sie groß stört. Leider gibt es aber auch einen Nachteil. Denn durch das künstliche Nahrungsangebot haben es die Vögel sehr leicht, ihren Bedarf zu decken.

Das allein wäre ja nicht schlecht. Leider aber bestäuben sie dadurch weniger Bäume in der Umgebung. Grund genug, dass es von diesen Freiluftgehegen nicht zu viele geben sollte.

Grünscheitelbrillant (Green-crowned Brilliant, Heliodoxa jacula)
Grünscheitelbrillant (Green-crowned Brilliant, Heliodoxa jacula) Selvatura Park

Für Fotografen sind die Stationen freilich eine sehr gute Gelegenheit, die Vögel vor die Kamera zu kriegen. Dann noch ein einigermaßen gutes Bild hinzubekommen, ist allerdings noch lange nicht sicher. Denn für den Autofokus sind die Kolibris nicht nur zu schnell, sondern meist auch noch zu klein, sodass die Kamera auf den Hintergrund scharf stellt, und einem Kolibri mit der Kamera zu folgen, ist unmöglich.

So bleibt einem nichts anderes übrig, als die Kamera auf einen Punkt scharf zu stellen und darauf zu warten, dass ein Vogel zu genau diesem Punkt hinfliegt. Gelingt dies und passt alles, bekommt man dafür aber fast immer ein spektakuläres Bild. Und die vielen Fotos »mit ohne Kolibri« kann man ja wieder löschen (-;

Grünscheitelbrillant (Green-crowned Brilliant, Heliodoxa jacula) in Costa Rica
Kolibri (Hummingbird) im Nebelwald von Costa Rica
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