Nationalpark Rincón de la Vieja

Fumarolen, Geysire und ein gewaltiger Sturm

Nachmittags brechen wir bei Sonnenschein, einem lauen Lüftchen und angenehmen Temperaturen in den Nationalpark Rincón de la Vieja auf. Zurück auf der Straße zum Park müssen wir nach anderthalb Kilometern Maut zahlen. Ob die Einnahmen in die Verbesserung der Straße fließen? Ein Blick auf die goldene Armbanduhr des Schrankners lässt es nicht erwarten. Aber gut, das macht uns nicht arm und so kommen wir nach 20 Minuten oben beim Nationalpark, Posten Sektor Las Pailas, an.

Soweit so schlecht. Denn mit dem Wind, der uns hier oben empfängt, hatten wir nicht gerechnet. Tatsächlich aber schwanken die parkenden Autos alle hin und her. Dem nicht genug, peitscht uns der Wind Regentropfen entgegen. Aber wie hieß es in unserem Reiseführer? »Da es jederzeit zu heftigen Regenschauern kommen kann, sollte man einen guten Regenschutz dabei haben.« Toll.

Straße zum Nationalpark Rincón de la Vieja
Posten beim Sektor Las Pailas

Nach einer Dreiviertelstunde und einem Abstecher ins sonnigwarme Tal kommen wir also das zweite Mal beim Eingang an. Immer noch bläst uns ein kräftiger Wind ins Gesicht, fliegen Regentropfen waagerecht durch die Luft. Aber es ist warm genug für kurze Hosen.

Und so wie wir den Posten hinter uns lassen und in den Wald kommen, kann uns der Wind nichts mehr anhaben. Dass es über uns in den Baumkronen heftig rauscht, stört uns nur wenig. Schließlich denken wir, dass die Bäume den Wind hier gewohnt sind.

Hängebrücke über den Rio Colorado
Baumriese im Nationalpark

Als erste Wanderung wählen wir den drei Kilometer langen Rundgang »Sendero Las Pailas« und überqueren bald den Río Colorado. Auf dem Weg zum Wasserfall des Quebrada Pailas kommen wir an Baumriesen vorbei. Es sind Feigen, die andere Bäume genutzt haben, um schnell nach oben zu wachsen.

Nachdem der innere Baum eingegangen ist, bleiben hohle Röhren in diesen riesigen Feigen zurück. Als ich durch einen von hinten durchsteige, ist Annette zwar nicht wohl, passieren tut aber auch nichts.

Annette auf der Hängebrücke
Wasserfall des Rio Colorado
Lars inmitten eines Baumgewirrs

Glück haben wir mit dem Wasserfall. Denn eigentlich ist hier im Winter Trockenzeit und dürfte der Quebrada Pailas nur wenig Wasser führen, wenn überhaupt. Tatsächlich rauscht jedoch soviel Wasser über die Felsen in die Tiefe, dass wir unsere Sandalen ausziehen, um besser auf die andere Seite des Bachs stiefeln zu können.

Denn für eine Brücke lohnt sich der meist so kleine Bach nicht. Will man ohne großen Umweg zu den Fumarolen und Schlammlöchern gehen, bleibt einem aber nichts anderes übrig, als den Bach zu durchqueren.

Wanderung im Nationalpark Rincón de la Vieja

Tillandsie auf herabgefallenem Zweig
die erste stinkende Fumarole

Es stinkt. Es stinkt gewaltig. Warmfeuchte Luft schlägt uns ins Gesicht und beleidigt unsere Nase. Als nächstes kommen wir zu einer Absperrung. Dahinter sehen wir den Grund für die schlechte Luft. Aus einem Loch steigen schweflige Dämpfe auf. Das heißt für mich, flugs die Absperrung überwunden und entgegen Annettes sachlich vorgebrachten Einwänden näher heran an die Quelle des Übels.

Oder, wie es richtig heißt, an die Fumarole. Mehrmals muss ich den Atem anhalten, als mir der Dampf direkt ins Gesicht bläst, dann aber komme ich endlich, am Rande des Abgrunds, zu meinem heiß ersehnten Fumarolenbild. Hurra!

Achtung: Gefahrenzone mit Temperaturen bis 106 Grad Celsius
Heißer Schlamm im Volcalino (Minivulkan)

Wobei, der Aufwand lohnt nicht wirklich. Denn schon nach der nächsten Wegbiegung erreichen wir die berühmten Schlammlöcher des Volcancitos, in denen es unaufhörlich blubbert. Es sind Dampf speiende Geysire, die den umliegenden Boden rot gefärbt haben. Ein selbst in Costa Rica seltenes Schauspiel, das alleine den Weg in den Nordwesten des Landes lohnt.

In einer Therme nahe dem Nationalpark wird der Schlamm als Schönheitspackung verwendet. Früher haben sich die Leute auch direkt im Nationalpark damit eingeschmiert. Was inzwischen natürlich verboten ist, zumal die Dämpfe mit einer Temperatur von bis zu 106 Grad Celsius aufsteigen.

Licht- und Schattenspiele beim Palais de Barro
wenn sie nur nicht so stinken würden...

Der nächste Geysir ist ein sprudelnder Schwefelsee. Das Zusammenspiel der Nachmittagssonne mit den umstehenden Bäumen und den schwefeligen Nebelschwaden ist beeindruckend. Aber auch die dicken Wurzeln der umstehenden Feigen,

die über den Weg kriechen und dabei so etwas wie Stufen bilden, ist schön anzusehen - wie auch die Aloen, die so dicht aneinander stehen, dass sie Teppiche bilden. Alles in allem spazieren wir durch eine Landschaft wie im Bilderbuch.

Weg zu den Fumarolen
sprudelnde Fumarole
Feigenwurzeln überwuchern den Weg

Heiße Quellen der Pailas, in den »Bratpfannen«

Brücke über den Río Colorado
Schlammtümpel

Nach dem Sprudelgeysir überqueren wir erneut den Quebrada Pailas. Diesmal gibt es zumindest einen zur Brücke umfunktionierten Baumstamm sowie ein Drahtseil, um trocken auf die andere Seite und, ein paar hundert Meter weiter, zu den nächsten Schlammlöchern, den Pailas de Barro, zu kommen.

Diese sind grau und nehmen eine größere Fläche als der Vulcancito ein. Weite Bereiche sind allerdings ausgetrocknet. Für ein Schlammloch mit Schwefelgas ein ganz normaler Vorgang. Hat die Hitze alles Wasser verdampft, suchen sich die Abgase einen anderen Weg.

hier sollte man besser nicht vorbeigehen
dampfende Schlammtümpel im Nationalpark

Als wir wieder auf freies Gelände kommen, stehen wir erneut im Sturm. Regentropfen treiben zwar keine mehr durch die Luft, der Wind allein aber ist so kräftig, dass wir uns fast hineinlegen können. Die Aussicht zu den Bergen,

den Krater des Rincón (1.806 m) und den etwas höheren Von Seebach (1.898 m) entschädigt uns, befinden wir uns doch schon wieder in einer völlig anderen Landschaft. Nicht wissen wollen wir hingegen, mit welcher Wucht die Böen über die Berggipfel streifen.

Graslandschaft bei Rincón de la Vieja
Graslandschaft im Nationalpark Rincón de la Vieja

Zuletzt kommen wir zu den Pailas de agua und der Laguna Fumarólica, dem größten Schwefelsee am Fuße des Rincón Vulkans. Tief beeindruckt, durch und durch begeistert von der Abwechslung dieser Landschaft, kämpfen wir uns schließlich zurück in den Wald,

überqueren ein zweites Mal die Brücke über den Río Colorado und verlassen den Nationalpark mit einer Fülle an Eindrücken, die wir nie auf einem Rundgang von nur drei Kilometern Länge für möglich gehalten hätten.

Annette kämpft gegen den Wind.

Sturm im Nationalpark Rincón de la Vieja

In der Nacht stürmt es. Nun gut, was heißt Sturm? Ein Orkan trifft auf die Berge im Nordwesten Costa Ricas. Von dem Lärm wachen wir nachts mehrmals auf, denken uns aber nichts Schlimmes dabei, sondern halten das für den ganz normalen Bergwind, der hier nun einmal bläst.

Dass auch der Strom ausfällt, ist für uns auch nicht weiter tragisch. Erst als wir nach dem Frühstück (mit Gas sind Rührei und gerösteter Toast zum Glück auch ohne Strom möglich) aufbrechen, sehen wir das Ausmaß der Verwüstung.

einen Tag vorher Stand der tote Baum noch
Regenbogen am Tag nach dem Orkan

Nachdem wir auf der Hotelzufahrt mehreren gebrochenen Bäumen ausweichen müssen, bedauern wir als nächstes auf der Straße zum Nationalpark einen im Winter scheinbar leblosen Baum. Einen Tag zuvor konnten wir noch auf beiden Seiten um ihn herumfahren.

Jetzt liegt er auf der Seite und stellt endgültig klar: das war alles andere als der normale Wind. Da es in der Ferne immer noch regnet, sehen wir dafür jedoch immer wieder wunderschöne Regenbögen.

Badegelegenheit im Río Blanco
seid ihr sicher, dass ihr zu den Wasserfällen wollt?

Im Nationalpark Rincón de la Vieja angekommen, müssen wir diesmal unsere Namen eintragen und sollen uns nach der Wanderung wieder am Posten melden. An eine Tour hoch auf den Vulkan ist nicht zu denken.

Meine Frage, ob es möglich sei, zu den beiden Wasserfällen zu gehen, bejaht der junge Mann in der Station jedoch. Ein Irrtum, wie sich später herausstellt.

immer wieder liegen große Äste auf dem Weg
Río Blanco nach Orkan
an Baden ist da wohl nicht zu denken

Das erste Stück des Weges, eine Koppel, aber lässt sich leicht überwinden. Es windet zwar immer noch, durch unsere Jacken sind wir jedoch gut geschützt - und dann auch schon wieder im Wald. Unser erstes Ziel des Tages ist ein natürliches Schwimmbecken im Río Blanco.

Normalerweise soll man hier Badesachen mitnehmen. Ha! Erstmal hinkommen, führt doch eine lange Treppe hinunter zur Wasserstelle, auf der uns zwei große Äste den Weg versperren. Mal abgesehen davon, dass sich der Río Blanco in der Nacht zu einem reißenden Gebirgsfluss entwickelt hat.

Vom Winde verweht und ein Bad im Río Blanco

Leider ist das Problem mit dem Bad im Río Blanco noch das geringste (Baden wollten wir hier eh nicht). Auch auf dem weiteren Weg, nach der Brücke über den Río Blanco, können uns mehrere umgestürzte Bäume nicht aufhalten.

Denn diese liegen schon eine Weile, sodass es mittlerweile einen markierten Umweg gibt. Ebenfalls kein Problem ist danach ein sehr alter Baumstumpf, der uns einen dunklen, hohlen Rachen präsentiert und mit Begonien bewachsen ist.

dieser Baum liegt hier schon länger
Begonie
Annette im Nationalpark

Kritisch wird es erst nach der Abzweigung zum Krater des Rincón de La Vieja. Eigentlich verläuft der Weg zu den Wasserfällen durch den Quebrada Agria, der im Winter nur wenig Wasser führen sollte. Tatsächlich aber ist auch er ein recht ansehnlicher Bach geworden und ist ein Baum genau auf die Stelle gefallen,

bei der wir den Bach durchqueren sollten. Da es keine zweite geeignete Stelle gibt, schmeißen wir Trittsteine in den Bach und behelfen uns mit einem Stock, um einigermaßen sicher auf die andere Seite zu kommen.

der Agria bei Hochwasser...
...und mit umgestürzten Baum.

Danach wählen wir den Abzweig zu dem oberen Wasserfall. Ein Fehler, wie sich leider bald zeigt. Die ersten Meter können wir zwar noch geschützt schnell hinter uns bringen. Dann aber geht es auf eine offene Fläche und stehen wir plötzlich in einem Wind, der unsere Schritte lähmt. Dem nicht genug, treiben Regentropfen über den Hang. Über uns ist keine Wolke zu sehen, ein Ende dieses Schauers aber auch nicht. Während wir hinten zunächst trocken bleiben, klatscht uns das Wasser vorne nur so ins Gesicht.

Nachdem wir uns in einem kleinen Waldstück kurz erholen können, stehen wir schließlich mitten im Sturm. Auf dem nassen Weg und Gras rutschen wir zwangsläufig immer wieder ein Stück bergab, im Gesicht pieksen die unzähligen Tropfen wie Nadelstiche, bis wir die Tour letztendlich abbrechen. Gut durchnässt müssen wir wenig später feststellen, dass der Quebrada Agria zehn Zentimeter gestiegen ist und unsere Steine unter Wasser liegen.

VG Wort