Boca Tapada – In der Dschungel-Lodge

Oder auch: Am Ende der Welt

Aufwachen zu den Geräuschen des Regenwaldes. Und das inmitten einem Tropenparadies. Boca Tapada gehört zu den unberührtesten Gebieten in Costa Rica. Die Region erstreckt sich am Ufer des Río San Carlos bis zur Grenze von Nicaragua. Die primäre Tieflandregenwaldregion ist ideal für Natur- und Vogelbeobachtungen. Hier finden sich noch Nistplätze des seltenen Grauwangenpapageis. Hübsche Tukane fliegen über die Wälder und Kolibris schwirren durch die Gärten. Die Anfahrt bis zur gebuchten Lodge braucht ihre Zeit. Mit der Ankunft aber fühlt man sich wirklich wie am Ende der Welt.

Eine Dschungel-Lodge muss sein

Rundreisen durch Costa Rica starten für gewöhnlich beim Parque Nacional Tortuguero. Die Lagunen gehören zu den Highlights des Landes. Das ist keine Frage. Bei unserer ersten Reise hatten wir dort einen wundervollen Beginn. Allein deshalb sollte unsere zweite Rundfahrt ebenfalls mit einer Dschungel-Lodge am Wasser beginnen.

Bei unserer Planung sind wir auf die Region von Boca Tapada im zentralen Norden von Costa Rica gestoßen. Anstelle eines Bungalows am Meer besticht diese mit der Aussicht auf den Río San Carlos. Die Fahrt von San José hierher dauert ungefähr solange wie die an die karibische Küste. Nur der Bootszubringer entfällt diesmal.

Durch die Ananasplantagen in den Regenwald

Vorbei am Nationalpark des Volcán Poás ist die Fahrt über das Bergland richtig idyllisch. Fast hätten wir einen Abstecher zum Vulkan gemacht. Doch heutzutage muss man sich dafür frühzeitig anmelden. Hängt der Krater dann in den Wolken, schaut man für ein üppiges Eintrittsgeld in den Dunst.

Diese Erfahrung haben wir bereits gemacht. So also fahren wir weiter über San Miguel bis nach Pital. In der Kleinstadt sollte man darauf achten, dass der Tank einigermaßen gefüllt ist. Denn bei der Weiterfahrt nach Boca Tapada wird man keine Tankstelle mehr finden.

Pital ist das wichtigste Handelszentrum der costa-ricanischen Ananasindustrie. Große, mit Ananas beladene Lastwagen, kommen uns entgegen. Links und rechts der Straße stehen riesige Ananasplantagen. Schilder weisen darauf hin, dass Besucher unerwünscht sind. Gut, fahren wir auch hier weiter.

Die ersten 12-15 Kilometer Straße nach Pital sind noch befestigt. Dann aber wechselt unsere Route auf eine Schotterpiste nach Boca Tapada. Dass wir uns dem Río San Carlos nähern, merken wir an der sich deutlich ändernden Vegetation.

Im Bungalow der Boca Tapada Lodge

Laut unserem Reiseführer gibt es in Boca Tapada nur drei Hotels. Offenbar liegt die Recherche zu dem Buch bereits einige Jahre zurück. Längst haben einige andere Familien den Öko-Tourismus als dankbare Einnahmequelle entdeckt.

Auch die Boca Tapada Lodge kam erst später zu den drei im Reiseführer beschriebenen Lodges hinzu. Sie ist die erste Lodge, die man in dem abgelegenen Gebiet des Río San Carlos erreicht. Da es nur eine Straße gibt, ist sie obendrein wirklich leicht zu finden.

Noch bevor wir unseren Bungalow beziehen, werden wir mit Kaffee und Gebäck im Waldrestaurant empfangen. Eine Futterstation verspricht ein vogelreiches Frühstück. Zu den Nachmittagsstunden herrscht eher Ruhe im Dschungel. So fahren wir kurze Zeit später mit dem Auto hinab zu den Bungalows und sind ein weiteres Mal froh, einen Wagen mit Allradantrieb gemietet zu haben.

Vogelgezwitscher und Kolibris in der Dusche

Unser Bungalow in der Boca Tapada Lodge ist zu zwei Seiten verglast. Fast scheint es, als würden wir direkt im Dschungel übernachten. Noch verstärkt wird dieser Eindruck durch das offene Bad mit freiem Blick in die Bäume. Am frühen Morgen werden wir durch ausgiebiges Vogelgezwitscher und dem lauten Rufen der Brüllaffen geweckt. Beim Duschen schwirren Kolibris um uns herum. Es ist wirklich traumhaft hier. Und selbst die Mücken halten sich einigermaßen in Grenzen. Dafür ist es zu unserer Reisezeit einfach zu trocken, und das selbst im Regenwald von Boca Tapada.

Ein Rundgang durch den Ort

Ein Vorteil der Boca Tapada Lodge ist die Lage gleich neben dem kleinen Ort. So können wir das Auto die beiden Tage einfach stehen lassen. Auf die vor Ort angebotenen Ausflüge sind wir ebenfalls nicht ganz angewiesen.

Nach einer Hängemattenpause nutzen wir das schöne Wetter für einen Spaziergang. Es ist heiß und wir hoffen, im Ort etwas Kühles zum Trinken zu bekommen. Über den Almendro Trail der Lodge gelangen wir an die Schotterpiste nach Boca Tapada.

Die Bewohner wollen eine anständige Straße

Nach wenigen Minuten ist die Ortsmitte mit dem für Costa Rica typischen Sportplatz und eingezäunten Schulgelände erreicht. Hier gibt es tatsächlich eine zweite Ortsstraße, die einen Bogen hin zum Río San Carlos beschreibt. Das witzige ist, dass diese asphaltiert wurde. Auf mehreren Schildern protestieren die Anwohner, dass es keine vernünftige Straße bis nach Boca Tapada gibt.

Denn die für uns so authentisch wirkende Schotterpiste ist für die Bewohner der reinste Graus. Wenn es regnet, schlittern sie durch den Matsch. Und wenn es trocken ist, staubt es gewaltig. Bei der Hitze, die bei unserem Aufenthalt herrscht, empfinde ich den Schotter jedoch deutlich angenehmer als eine Bitumenfläche. Bequemlichkeit ist nicht unbedingt von Vorteil.

El Pipiripau im Restaurant Centro de Amigos

Die Bar am Rio San Carlos ist geschlossen. Wir laufen wieder in den staubigen Teil des Dorfes. Dort ist das Restaurant geöffnet und lautstark schallt Musik nach außen. Es gibt nur wenig Auswahl im Ort. Außerdem hat mir bereits eine Hündin auf der Straße in den Hintern gekniffen. So also flüchten wir durstig in die Bar bzw. das Restaurant Centro de Amigos. Die Hündin folgt uns. Sie wohnt nämlich dort. Ich verzeihe ihr den leichten Biss, denn es lohnt sich.

Wir bekommen hier einen erfrischenden Saft aus Guanábana. Und der ist sooo lecker. Hier lässt es sich bei angenehmer Temperatur gut aushalten. Dazu lässt die Besitzerin eine spanische Schnulze nach der anderen laufen. Das Lied »El Pipiripau« gefällt ihr wohl besonders. Sie erklärt uns den Pipiripau als einen Schelm, dem man nichts übel nimmt und grinst dabei meinen Lars an. Ja, ab und zu reicht es, wenn mein Mann einfach nur da sitzt, dass ihn die Frauen durchschauen.

Sonnenuntergang über dem Dschungel

Als Rückweg zu unserem Bungalow nutzen wir die Zufahrt. Sie führt zunächst auf einen Hügel mit Aussichtspavillon. Größere Doppelliegen und einige Stühle laden zum Verweilen ein. Auch hier gibt es eine Futterstation für Vögel. Ich sammle ein paar Passionsfrüchte und lege diese offen auf die Schale.

Leider scheinen die Vögel gegen Abend satt zu sein und zeigen nur wenig Interesse. Dafür wir lernen den Montezumastirnvogel und den Rabengeier kennen, die hier beide ihre Kreise am Himmel ziehen. So bleiben wir hier oben, bevor wir zum Sonnenuntergang hinunter zum Fluss laufen.

Essen mit Vogelbeobachtung

In der Bar Centro de Amigos hätten wir gut etwas essen können. Doch wir haben uns für den Abend Fisch in der Boca Tapada Lodge bestellt. Im Dunkeln steigen wir die steilen und schmalen Treppen zum Restaurant hinauf. In dieser Lodge sollte man wirklich gut zu Fuß sein. Dann aber wird man mit einem leckeren Essen und leckeren Säften verwöhnt. Das gleiche gilt für das Frühstück. Nur dass am Morgen jede Menge Vögel vorbeischauen, um sich einen Happen aus den Bananen zu picken. Und nicht nur diese sind zu Gast. Auch ein oder zwei Bunthörnchen kommen vorbei und stibitzen sich Stücke der Bananen.

Wenn der Schläfenfleckspecht sich anmeldet

Neben verschiedenfarbigen Tangaren beobachten wir Veilchen-Organisten, Schwefelmaskentyrannen und tiefblaue Türkisnaschvögel. Lustig ist der Schläfenfleckspecht. Mit einem heftigen Drrrrrrr auf dem blechernen Teller meldet er sich an, bevor er von den Bananen nascht. Ruhig mag es hingegen der Halsbandarassari. Dieser kleine Tukan kommt nämlich erst, als bis auf uns alle anderen Gäste wieder verschwunden sind. Geduld und Ruhe zahlt sich bei der Vogelbeobachtung eben aus.

Mit der Boca Tapada Lodge und dem Ausflug auf dem Río San Carlos erleben wir einen tollen Start unserer zweiten Costa Rica-Reise. Einzig das Gürteltier entgeht uns, welches eine Familie in der Nacht beobachten konnte. Aber dafür hätten wir nachts wach sein müssen. Was wir bei den Ticos jedoch bald gelernt haben ist, dass man hier früh ins Bett geht. Dementsprechend früh steht man wieder auf und hat so einfach mehr vom Tag.