El Tigre – Rettet die Wildkatzen

Wasserfälle im mystischen Wald der Jaguare

Die Waldregion des El Tigre befindet sich nahe dem beliebten Touristenstädtchen Santa Elena. Ausflüge dorthin lohnen sich für Wanderungen durch den mystischen Nebelwald. Dabei verbindet ein teils kniffliger Wanderweg mehrere idyllische Wasserfälle miteinander. Zusammen mit schaukelnden Hängebrücken über tiefe Bergtäler ist ein spannendes Abenteuer garantiert. Zudem sorgen die Badestellen im klaren Gebirgswasser des Río Negro für angenehme Abkühlungen zwischendurch. Wir wandern durch einen Wald, den die Ureinwohner einst fürchteten. Sie nannten ihn »Los Bajos del Tigre« wegen der häufigen Begegnungen mit dem majestätischen Jaguar.

Anfahrt über Los Olivos oder Las Nubes?

Es gibt zwei Möglichkeiten für die Anfahrt zur Rezeption der El Tigre-Wasserfälle. Zur Wahl stehen die Straßen Los Olivos und Las Nubes. Beide Zufahrten sind unbefestigt. Während die Straße über Los Olivos für jedes Auto möglich ist, braucht es für Las Nubes allerdings einen Allradwagen. Warum unser Navi die längere Strecke über Las Nubes wählt, ist uns – wie so oft – schleierhaft. Es liebt einfach das Abenteuer. Ohne Vierradantrieb wären wir spätestens auf den letzten 50 Metern vorm Ziel hängen geblieben. Doch wir schaukeln unbeschadet bis zum kostenfreien Parkplatz direkt unterhalb des El Tigre-Gebäudes. Zugleich sind wir uns einig, dass wir für den Rückweg die Los Olivos-Variante wählen.

Im Frühstückskaffee über dem Nebelwald

Anders als die Tage zuvor hält der Nebelwald heute, was sein Name verspricht: eine dichte Nebeldecke zieht über die Baumwipfel hinweg. Mit dem Start der Wanderung können wir uns Zeit lassen. Angemeldet sind wir bereits und auch die nötigen Sicherheitsanweisungen haben wir schon erhalten. Der El Tigre-Trail gehört einem Privatreservat an. Der Wanderweg ist inzwischen jedoch so gut angelegt und markiert, dass auch Touren ohne Führer gut möglich sind. Noch vor dem Start erwartet uns eine Überraschung: wer will, darf sich im Restaurant bei Kaffee und Saft bedienen. Nach der abenteuerlichen Anreise nutzen wir dies gerne als erste Pause an.

Für die eigentliche Tour gibt es verschiedene Optionen. Beim Full Package wandert man die drei Kilometer lange Wasserfalltour bis zu einem Stall. Von dort erfolgt der Rückweg mit dem Pferd oder einem Geländewagen wieder hinauf zur Station. Wer 30 USD sparen will, wählt den Big Hike und läuft den Fahr- und Reitweg nach oben. In jedem der Pakete sind vier große Wasserfälle und zehn Natur- und Hängebrücken enthalten, sowie auch mehrere Swimmingpools im Río Negro. Das Abenteuer kann beginnen.

Wanderung zu den El Tigre-Wasserfällen

Die Wanderung zu den El Tigre-Wasserfällen startet auf einem gemütlichen, aussichtsreichen Pfad. Wir schauen auf die wolkenverhangenen Hügellandschaft bis hin zum Nationalpark des Vulkan Arenal. Der ist Luftlinie gar nicht so weit weg von hier. Dann aber tauchen wir in den Primärwald ein. Wir starten einiges tiefer als bei unserer Tour auf dem Aguti-Trail. Auch scheint es, als würde hier mehr Regen fallen als bei Santa Elena. Der Wald ist dicht und schattig. Die Bäume hängen voll mit verschiedenen Bromelien.

Ein hungriger Jaguar in den Wäldern von El Tigre

El Tigre ist ein riesiges Privatreservat. Don Aurelio Rodriguez war einst das Oberhaupt einer Bauernfamilie. Sie betrieben in dieser Bergregion hauptsächlich Landwirtschaft und Viehzucht. 1985 kam es dann zu einem Raubtier-Problem. Ein großer Jaguar griff Pferde und Kühe an. Diese majestätischen Raubkatzen gehören zwar seit jeher zur Tierwelt dieser Region. Doch dieses eine Tier entpuppte sich als eine wahre Problemkatze. Es fraß seine Beute nicht vollständig, sondern wollte immer frisches Fleisch. Der Jaguar tötete in kürzer werdenden Abständen immer mehr Tiere. In zwei Monaten starben insgesamt 30 Kühe und vier Pferde auf dem Land von Don Aruelio und den umliegenden Farmen. Schließlich zog Don Aurelio mit drei Compañeros, ihren Hunden und Waffen los in den Wald bei den Wasserfällen. Dort lauerten sie »El Tigre« auf und töteten den gefürchteten Jaguar. Seitdem wird das Gebiet Catarata El Tigre genannt.

Naturschutz der Familie von Don Aurelio Rodriguez

Wie die meisten Reservate im Bergland von Monteverde ist El Tigre heute Teil eines großen Naturschutzprojektes. Auch wenn die Familie Don Aurelios den Jaguar einst getötet hat, so ist ihr die Bedeutung des Naturschutzes durchaus bewusst. Bis dato haben sie 80 Prozent ihrer Farm wieder mit Wald aufgeforstet. Parallel dazu schulen sie Landwirte darin, wie sich Angriffe durch Anti-Raubtier-Techniken verhindern lassen. Denn nur wenn der Geldverlust durch Wildkatzen-Angriffe vermieden wird, sind die Jaguare vor illegaler Jagd geschützt. Ihr Bestreben und ihre Mission »Rettet die Wildkatzen« ermöglicht ein Nebeneinander der Raubtiere mit Kühen und anderen Nutztieren.

Auch bei den Wasserfällen herrscht Trockenheit

Einem Jaguar begegnen wir natürlich nicht. Dafür finden wir bereits nach kurzer Zeit die ersten beiden kleineren Wasserfälle. Und ein paar Schritte weiter weist uns ein Schild zu einem versteckten Aussichtspunkt. Von hier aus blicken wir auf den ersten großen Wasserfall von El Tigre. Dank der langanhaltenden Trockenheit fällt nur ein bescheidener Wasserfall auf gerade mal einem Viertel der Breite in die Tiefe. Wir haben schon Bilder gesehen, auf denen gewaltige Fluten über die gesamte Breite hinabstürzen. Dafür kann man jetzt gefahrlos baden gehen, was während der Regenzeit doch eher ungemütlich wäre.

Der Gedanke an ein kühles Bad am Wasserfall sorgt dafür, dass die meisten Besucher blindlings am Aussichtspunkt vorbei eilen. Was wirklich schade ist. Schade ist auch, dass das Holz der folgenden Brücke mit PCB-haltigem Holzschutzmittel gestrichen wurde. Der chemische Geruch hängt schwer in der Landschaft und begleitet uns ein ganzes Stück weit. Schließlich aber erreichen wir die erste Hängebrücke, die über eine Schlucht gespannt ist.

Vorbei am Emergency-Point

Nach der Hängebrücke finden wir den versprochenen ersten Emergency-Point. Da es in den Schluchten des El Tigre keinen Handyempfang gibt, hat man diese für den Fall eines Notfalls installiert. Über ein Walkie-Talkie ist ab dort die Rezeption zu erreichen. Besser ist natürlich, wenn man auf den Gebrauch der Handfunkgeräte verzichten kann. So kommen wir selbst bald in den Genuss weiterer, teils sehr rustikaler Hängebrücken. Auf den meisten Brücken beträgt die Kapazität jeweils nur eine Person.

Die Wasserfälle Nummer zwei und drei sind etwas gedämpfter als der erste und ohne Badestelle. Wer zum vierten großen Wasserfall will, muss anschließend einen Abstecher in Kauf nehmen. Auch wenn der Weg steil und etwas beschwerlich ist, lohnt es sich aber. Hier teilt sich der Fluss in zwei benachbarte Wasserfälle auf. Während der eine üppig in ein klares Badebecken rauscht, verteilt sich der andere wie ein Schleier über die Felswand. Die Landschaft des El Tigre ist wirklich abwechslungsreich und schön.

Über den Río Negro zum Pferdestall

Bald endet die Wasserfall-Tour. Wir laufen ein gutes Stück durch den Nebelwald, dessen Nebel sich längst verzogen hat. Schirmgroße Blätter spenden Schatten auf dem schmalen Wanderpfad. Eine weitere Hängebrücke spannt sich über den Río Negro. Wir blicken hinab auf den Fluss und auf einen schönen natürlichen Swimmingpool. Der tiefste Punkt der Wanderung ist hier erreicht. Nur noch wenige Meter trennen uns vom unteren Pferdestall des El Tigre Reserve. Vor Ort warten einige Pferde auf reitwillige Wanderer. Wir waren bei der Vorbereitung skeptisch wegen der Pferde und haben uns für die Jeep-Variante entschieden. Wir kennen inzwischen einige karibische Reitausflüge aus Kolumbien, der Dominikanischen Republik und aus Kuba. Doch solche gepflegten und gesunden Pferde wie bei El Tigre haben wir bisher keine gesehen. Die Ticos lieben ihre Tiere und das merkt man auch beim Umgang mit ihren Pferden.

Da wir für die Autofahrt angemeldet sind, werden wir wenige Minuten später abgeholt und schaukeln langsam den Berg hinauf. Auch wenn die Fahrt recht teuer ist, so sind wir froh, die steile Straße nicht in der Mittagshitze hinauflaufen zu müssen. Oben angekommen hat sich die Aussicht inzwischen einiges gebessert. Der Morgennebel ist weg und damit die Sicht auf die grüne Hügellandschaft des El Tigre frei. Es ist ein Ort zum sich wohl fühlen, weshalb wir uns zum Abschluss ein traditionelles Mittagessen gönnen. Hier wird noch auf offener Flamme gekocht. Es ist lecker und macht satt.

Rückfahrt über den Mirador Los Olivos

Die Seite der El Tigre-Waterfalls beschreibt eine Acht-Kilometer-Tour. Laut unserem aufgezeichneten GPS-Track vom Navi kommen wir jedoch nur auf knapp 4,4 Kilometer, von denen wir keine drei Kilometer gelaufen sind. Die Tour mag vom Veranstalter etwas großzügig bemessen sein. Der Aussage »Best Waterfall Tour in Costa Rica« aber können wir zustimmen. Auf dieser traumhaften Wanderung kann man einen ganzen Tag verbringen, ohne sich zu langweilen. Anders als manch anderer Wasserfall ist El Tigre außerdem nicht überlaufen. Es ist ein wunderschönes Abenteuer voller Entdeckungen und Naturgenuss. Sogar die Rückfahrt über den Mirador Los Olivos hat noch etwas Schönes zu bieten. Denn vom Aussichtspunkt schauen wir auf den Arenal-See und den Vulkan Arenal, dessen Kegel in der Ferne malerisch in den Himmel ragt.

Infos und Anforderungen zum Wandertrail

AusgangspunktInfo-Center El Tigre
KoordinatenN 10.37421, E -84.83152
Gehzeit3.00 Stunden
Distanz2,8 km bis Pferdestall, ganze Runde 4,4 km
An-/AbstiegeGesamt ca. 450 HM, bei Transfer ab Pferdestall 245 HM weniger Anstieg
GradT 2 (Pfade in der Regenzeit sicherlich matschig)
Einkehrkeine
BeschilderungKeine Beschilderung - Weg ist eindeutig
gps-DatenWanderung El Tigre gpx
kml-DatenWanderung El Tigre kml

Wanderkarte zum Wasserfalltrail

Höhenprofil

Steigungsprofil