Rio Celeste im Nationalpark Tenorio

Eine Wanderung am himmelblauen Fluss

Gott selbst soll dem Rio Celeste seine Farbe verliehen haben, als er den Himmel schuf. Fast schon magisch wirkt der Fluss mit seinem brillanten türkisfarbenen Wasser. Er schlängelt sich durch den Regenwald, um dann plötzlich als die atemberaubende Catarata Río Celeste in ein hellblaues Becken zu stürzen. Blubberblasen und Schwefelgeruch zeugen von vulkanischer Aktivität. Zusammen mit den tropischen Wäldern bildet all dies ein Naturwunder, das selbst in Costa Ricas zu den herausragenden Ausflugszielen zählt. Freuen wir uns also auf eine spannende Wanderung im Nationalpark am Volcán Tenorio.

Anfahrt zum Nationalpark Volcán Tenorio

Der Nationalpark Volcán Tenorio ist nördlich des Arenal-Stausees gelegen. Da wir vom Städtchen La Fortuna aus anreisen, nehmen wir die Carretera 4, den »Corredor Noratlántico«, ab El Tanque in Richtung Upala. Als Hauptverkehrsstraße ist diese bequemer zu fahren als die Straße entlang des Sees. Nach etwa einer Stunde erreichen wir den kleinen Ort San Rafael. Wir überqueren den Río Frío und biegen kurz darauf links ab. Hier endet die Luxusstraße. Aber die nächsten 22 Kilometer auf der Schotterpiste sind einigermaßen gut zu fahren. Es herrscht kaum Verkehr. Umso überraschter sind wir bei der Ankunft an der Estación El Pilón, dem Eingang zum Nationalpark Volcán Tenorio. Vor uns öffnet sich ein Großparkplatz und winken mehrere Männer zu sich her. Wir folgen den Anweisungen der Parkwächter. Für ihren Dienst und natürlich auch für das sichere Parken verlangen sie 2000 Colón, knapp drei Euro.

Der Geheimtipp war gestern

Den Status eines Geheimtipps hat der Rio Celeste mit seinem Besucheransturm längst eingebüßt. Ein Familienvater aus dem Auto neben uns beschwert sich lauthals über die vielen Menschen, die sich hier tummeln. »Die wollen wohl alle in das geheime Restaurant? Oder was soll hier sonst der Geheimtipp sein?« lamentiert er vor sich hin. Wir bleiben gelassen. Die Leute werden sich schon irgendwie verteilen. Dabei ist uns gar nicht bewusst, welch Glück wir mit unserer Zufalls-Planung haben. Denn die Besucherzahl auf dem Wanderweg ist limitiert. Sobald eine gewisse Grenze überschritten ist, werden die Nachkommenden auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. In so einem Fall kann man im Soda nebenan beim Essen die Zeit vertreiben. Oder man fährt gleich weiter.

Wanderweg durch den Dschungel

Wir bezahlen die 12 US-Dollar Eintritt pro Person und dürfen hinein. Zuvor wird ein Blick in unsere Rucksäcke geworfen. Alkohol, Zigaretten sowie auch alternative Rauchprodukte sind in sämtlichen Nationalparks verboten. Inzwischen nehmen die Ticos auch Abstand von Einwegplastik. Selbst die schnöde Einweg-Wasserflasche aus dem Supermarkt hat in den Nationalparks nichts zu suchen. Unsere Rucksäcke sind zum Glück vorbildlich bepackt. Im nächsten Moment sind wir dann auch schon unterwegs in den Urwald. Die ersten Schritte sind für jedermann leicht begehbare Betonwege. Bald aber laufen wir über einen Dschungelpfad.

Kein Tapir, aber eine Lanzenotter

Das Schild zum Nationalpark Volcán Tenorio zeigt einen Tapir. Die Tiere suchen sich jedoch die ruhigeren Teile des Dschungels und halten sich tagsüber versteckt. Stattdessen entdecken wir eine kleine Schlange, die sich halb um einen Ast geschlängelt sonnt. Es ist eine Wimpern-Viper oder auch Lanzenotter (Bothriechis schlegelii). Mit ihren auffallend groben Schuppen wirkt sie richtig gefährlich. Das ist auch gut so. Denn die Lanzenotter ist eine stark giftige Schlange, die ohne Warnung zustößt und beißt. Man sollte also besser einen gebührenden Abstand einhalten.

Dem tierischen Intermezzo folgt ein stetes bergauf durch den Wald. März und April herrscht am Rio Celeste Trockenzeit. So ist es während unseres Besuch extrem trocken. Zu den Regenzeiten steht man hier teilweise knöcheltief im Matsch. Wer sich nicht die Schuhe ruinieren will, kann sich dann beim Ranger Gummistiefel ausleihen. Wir hingegen kommen trockenen Fußes zum Wasserfall, dessen Tosen bereits aus der Ferne zu Hören ist.

Die Catarata Río Celeste

Ein Wasserfall mit unwirklichen Farben

Die schönsten Wasserfälle in Costa Rica muss man sich hart verdienen. Dies kennen wir bereits von der Catarata des Río Fortuna. Wobei eigentlich der Rückweg das wirklich Anstrengende ist. Hier nun gilt es, vom Rastplatz die Treppen hinabzusteigen. Dabei sind es weit weniger Höhenmeter als beim Río Fortuna. Die Treppen zur Catarata Río Celeste sind vorbildlich und sicher ausgebaut. Allerdings darf man nicht in das hellblaue Wasser hüpfen. Selbst wenn es noch so einladend wirkt. Die außergewöhnliche Farbe sieht wirklich erfrischend aus.

Wanderung entlang des türkis-blauen Flusses

So magisch dieser Wasserfall wirkt, so stark ist seine Anziehungskraft auf uns Menschen. Auf den Treppen und dem unteren Podest herrscht mächtig Trubel. So verweilen wir nur kurz, eh wir kehrt machen und die nun schweißtreibenden Stufen hinaufsteigen. Zurück am Rastplatz verzichten wir auf eine Pause. Auch hier hat sich inzwischen eine Besucherschar angesammelt. Wir haben die Wahl zwischen Rückweg und dem Sendero Misterios del Tenorio. Wir entscheiden uns fürs Weiterwandern und steigen ein ganzes Stück weiter den Berg hinauf. Bald wandelt sich der Weg in einen schmalen Wurzelpfad mit jeder Menge Naturstufen.

Die Aussicht auf den Volcán Tenorio

Oben angekommen stehen wir plötzlich auf einem Aussichtspunkt. Dieser bietet einen herrlichen Blick über den Regenwald zum Vulkan Tenorio. Mit einer Höhe von 1916 Metern überragt er den Arenal um knapp 260 Meter. Er besitzt mehrere Kegel und ist nicht ganz so formschön wie der Arenal. Was er mit seinem Kollegen gemeinsam hat, ist die hartnäckige Wolkenkappe, die sich über den Gipfelbereich stülpt. Immer wieder macht es den Anschein, als würde sie den Gipfel jeden Augenblick freigeben. Dann schwappt die nächste Wolke über den Rand und lehrt uns eines Besseren.

An der Blauen Lagune

Kurz nach dem Aussichtspunkt geht es steil hinab. Wir gelangen zurück an den Río Celeste und erreichen kurz darauf die Blaue Lagune. War das Becken beim Wasserfall noch schön hellblau, so zeigt sich der Fluss hier in einem intensiven Türkis-blau. Einer Legende zufolge färbte sich der Fluss blau, als Gott beim Bemalen des Himmels den Pinsel ins Wasser tauchte. Eine andere Variante lässt Gott den Pinsel im Flusswasser auswaschen, nachdem er den Himmel erschuf. Wie auch immer, solch eine Farbe beflügelt die Fantasie. Und natürlich verdankt der Fluss der Farbe auch seinen Namen. »Celeste« ist das spanische Wort für Hellblau oder Himmelblau.

Schwefelgeruch und Blubberblasen

Plötzlich strömt uns ein penetranter Geruch entgegen. Wir kennen diesen bereits von den Fumarolen von Furnas, auf den Azoren. Es ist ein typischer vulkanischer Schwefelgeruch. Angeblich stinkt dieser nach faulen Eiern. Aber, wer hat je an faulen Eiern geschnuppert? Die Quelle des üblen Gestanks ist schnell gefunden. Ein paar Schritte nach der Lagune sind die Borbollones. Hier erkennt man an den Blubberblasen, dass vulkanische Gase nach oben steigen. Diese zeugen von einer Aktivität der Vulkanregion. Zugleich sind sie mit Grund, weshalb in dem blauen Gewässer nicht gebadet werden darf. An den Blubberstellen soll der Rio Celeste bis zu 45 Grad heiß sein. Die Temperatur kann allerdings stark schwanken.

Eine chemische Reaktion mit Schwefel und Kalziumkarbonat

Kurz vor unserem Ziel überqueren wir den Rio Celeste bei einer Hängebrücke. »Nur eine Person« steht in mehreren Sprachen auf dem Schild. Wir halten uns daran. Immerhin haben wir es trocken hierher geschafft. So soll es bleiben. Hier trennen uns noch wenige Meter von den »Los Tenideros«. Vor Ort sehen wir auf die Ursache für das verblüffende türkis-blaue Wasser. An dieser Stelle vereinen sich der Río Ácido und der Río Buenavista. Die unterschiedlichen ph-Werte beider Flüsse lösen eine chemische Reaktion aus. Dabei hat der Río Ácido einen ph-Wert von 4, ist 24 Grad warm und führt Schwefel mit sich. Der Río Buenavista hat einen ph-Wert von 6,5, ist nur 18 Grad warm und führt Kalziumkarbonat mit sich. Es ist faszinierend, wie gut erkennbar die beiden Flüsse aufeinander treffen, um als der blaue Rio Celeste weiterfließen.

Im Bereich des Zusammenflusses scheint es eine weitere beliebte Raststelle zu geben. Denn neugierig spaziert ein Pizote, ein Weißrüssel-Nasenbär zwischen den Besuchern umher. Wenig scheu ist er wohl auf der Suche nach Kekskrumen. Wer genau hinschaut, findet am Flussufer noch weitere Tiere. Denn das blaue Wasser schreckt die Flussschildkröten nicht davor ab, hier zu leben. So haben wir auf den fünf Kilometern im Regenwald des Nationalparks Tenorio doch einiges gesehen. Der Río Celeste ist zwar längst kein Geheimtipp mehr. Doch es lohnt sich nach wie vor, hier einen Stopp zum Wandern einzulegen. Die Blaufärbung des Flusses ist ein kleines Naturwunder, das nicht alltäglich ist.

Anfahrt und Anforderungen zur Tour im Nationalpark

Von La Fortuna aus nehmen wir die Carretera 4, den »Corredor Noratlántico«, ab El Tanque in Richtung Upala. Bei San Rafael überqueren wir den Río Frío und biegen kurz darauf links ab. Auf einer Schotterpiste fahren wir nun 22 Kilometer bis zur Estación El Pilón, dem Eingang zum Nationalpark Volcán Tenorio. Diese ist nicht zu übersehen.

AusgangspunkteParkplatz Estación El Pilón
KoordinatenN 10.71565, E -84.9865
Gehzeit2.50 Stunden (mit kürzeren Fotopausen)
Distanz5,1 km (hin und zurück)
An-/Abstiegeca. 155 HM 
GradT 2 (Weg ist in der Regenzeit sicherlich matschig.)
Einkehrkeine
BeschilderungGute Wegmarkierungen im Nationalpark
gps-DatenWandertrail Catarata Rio Celeste gpx
kml-DatenWandertrail Catarata Rio Celeste kml

Wanderkarte zur Catarata Río Celeste

Höhenprofil

Steigungsprofil