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Wüstennacht und schwarze Kamele

bei den Jebali-Hirten in der Rub al-Khali

Trotz der Abendunterhaltung am Lagerfeuer gehen wir früh zu Bett. Als wir uns im Zelt umziehen, huscht plötzlich etwas an mir vorbei. Was war das? »Hoffentlich keine Ratte«, kommt es von Lars. Keine Minute später schreckt er wieder auf und zeigt auf meine Füße. Neben mir sitzt ein Gerbil, also eine Wüstenrennmaus, und streckt schnüffelnd die Nase in die Höhe. Leider ist der possierliche Nager zum Fotografieren zu schnell wieder verschwunden.

Aber da es Menschen gibt, die sich solche Viecher als Haustier halten, können auch wir mit unserem kleinen Freund im Zelt gut leben. Wahrscheinlich sucht die Maus nach den Keksen, die im Camp verteilt werden. Zu oft landen die halbvollen Packungen als leichte Beute in den Jacken und Taschen. Wer morgens genau hinsieht, findet tatsächlich überall zwischen den Zelten die winzigen Pfotenabdrücke der Rennmäuse.

In der Rub al-Khali, dem größten Sandkasten der Welt.

Kaum hat das Knistern der geladenen Synthetikdecken nachgelassen, sind wir auch schon tief und fest eingeschlafen. Wir hätten sicherlich durchgeschlafen. Doch mitten in der Nacht fegt ein mittelprächtiger Wind über das Camp hinweg. Damit klappt das Eingangstuch des Zeltes immer wieder auf und zu. Also sofort festzurren und weiterschlafen. Denn ansonsten ist es herrlich ruhig in der Wüste.

Wir verpennen sogar den viel zu früh angesetzten Sonnenaufgang. Da wir uns mitten in den Dünen befinden, dauert es eine ganze Weile, bis die Sonne endlich über einen der vielen Gipfel hinweg blinzelt. Und als sie es tut, bestätigt sich unsere Einstellung: Sonnenaufgänge werden einfach überbewertet, was insbesondere für aride Gebiete gilt, die kaum ein Farbenspiel am Himmel zulassen.

bei den Jebali-Hirten

bei den schwarzen Kamelen der Jebali-Hirten im Oman
Lars bei den schwarzen Kamelen der Jebali-Hirten im Oman

Nach einem elementaren Frühstück – auch Fladenbrot kann satt machen – herrscht sogleich Aufbruchstimmung. Wir vergewissern uns noch flugs, keine Maus mit eingepackt zu haben und schon kann es los gehen. Der Morgen beginnt mit der nächsten wilden Fahrt durch die Dünen. Doch bald haben wir unseren ersten Halt erreicht.

Wir besuchen die schwarzen Kamele der Jebali-Hirten. Es wirkt etwas skurril. Denn die Tiere stehen im Sand zwischen den Dünen in der Nachbarebene zum Camp. Nur ein einfacher Stacheldraht dient als Umzäunung. Kurz nach unserer Ankunft erscheint der Bauer mit einer Ladung Heu. Was auch sonst sollen die Tiere hier fressen?

Anne bei den schwarzen Kamelen der Jebali-Hirten im Oman
schwarzes Kamel der Jebali-Hirten im Oman
schwarzes Kamel der Jebali-Hirten im Oman

Es sind auffallend schöne und sehr dunkle Kamele, die hier in der Rub al-Khali gezüchtet werden. Laut unserem Guide werden die schwarzen Kamele wegen ihres Fleischs gezüchtet. Wie bei unseren Kühen wird auch bei Dromedaren in Milch- und Fleischrassen unterschieden. So macht es Sinn, dass in der Umgebung von Salalah fast nur helle Kamele anzutreffen sind.

Denn die Kamelhaltung ist bei den Omanis eine tief verankerte Tradition. Viele Städter halten sich bis heute ihre Kamelherden und holen ihre eigene, frische Kamelmilch jeden Abend mit Geländewagen von der Weide ab. Und das ist nicht wenig. Denn eine Stute kann bis zu 20 Liter Milch am Tag geben.

wachsame Dromedarstute bei ihrem Fohlen in der Rub al-Khali
Kamelfütterung bei den Jebali-Hirten in der Rub al-Khali

Auch hier hat eine Stute vor wenigen Tagen ihr Fohlen bekommen. Die beiden stehen abseits der Herde, wobei es die Stute gar nicht mag, wenn man ihnen zu nahe kommt. Sie wird ihr Kalb jetzt sechs Wochen lang stillen. Dann wickelt der Hirte einen Jutesack um das Euter.

Das Kalb bekommt danach nur noch einen Teil der gemolkenen Milch. Handelt es sich bei dem Kalb um ein männliches Tier, wird es relativ bald geschlachtet. Die Kamelherden, denen wir im Oman begegnen, bestehen nämlich ausschließlich aus Stuten und ihren Kälbern.

schwarze Kamele bei den Jebali-Hirten im Oman
Abschied von der Rub al-Khali im Oman

Nachdem wir uns an den schwarzen Kamelen satt gesehen haben, steht der Rückweg nach Salalah an. Unterwegs legen wir noch einen kurzen Stopp beim Wadi Dawkah und den Weihrauchbäumen ein. Wir sind froh, dass wir bereits hier waren und von einem Gärtner über das Gelände geführt wurden.

Denn bei dem organisierten Ausflug ist der Halt weit weniger informativ. Der Abstecher ist bei dieser Tour allerdings auch nur Nebensache. Eine Wüstentour in die Rub al-Khali gehört mit den vielen Erlebnissen ganz sicher zu den Highlights einer Reise in den Oman.

VG Wort
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