Jabal Samhan und Tawi Attir

Fahrt ins Hochgebirge über Salalah

Wir fahren die fünfeinhalb Kilometer der Stichstraße in das Wadi Darbat wieder zurück zur Bergstraße. Dort biegen wir nun links ab und fahren fortan immer weiter in die Höhe. Laut unserem Reiseführer wachsen in dieser Gegend stattliche Hirtenbäume. Doch da zur Trockenzeit eh alles verdorrt ist, lassen wir diese links liegen. Gleiches gilt für einige Baobabs unweit der Straße.

Die Afrikanischen Affenbrotbäume lohnen sich zwar zu jeder Jahreszeit. Hier allerdings hindert uns die Auffahrt an einer Besichtigung. Es ist das erste Mal, dass wir wohl wirklich einen Allradantrieb bräuchten, um sicher ans Ziel zu gelangen. Baobabs haben wir jedoch in Musina in Südafrika reichlich gesehen, sodass wir auf diesen Abstecher gut verzichten können.

Weiter oben werden die Flächen zunehmend landwirtschaftlich geprägt. Uns fällt auf, dass es hier keine Blitzer wie in Salalah gibt. Trotzdem fahren die Omanis anständig. Und sie tun gut daran. Denn die Hochlagen eignen sich insbesondere für Weidehaltung mit Kühen und Kamelen, welche gerne überraschend auf der Straße stehen. Für Kamele gibt es sogar eine extra Unfallregel: Für Unfälle mit Kamelen, die tagsüber passieren, ist der Fahrer schuldig.

Geschieht der Unfall nachts, trägt der Kamelhalter die Verantwortung. Andersherum sehen wir keinen Grund zur Eile. Auch bei gemütlichem Tempo erreichen wir bald Tawi Attir. Das kleine Bergdorf umfasst lediglich eine Handvoll Häuser, einen Laden und natürlich eine Moschee. Ab dem Ortsausgang ist es noch ungefähr ein Kilometer bis zu einer der Sehenswürdigkeiten des Jabal Samhan.

die Einsturzdoline Tawi Attir

Dort steuern wir einen kleinen Parkplatz an. Vor Ort zeugt ein Coffeeshop von längst aufgegebener Hoffnung auf gute Geschäfte. Doch ein gepflasterter Fußweg führt hinab bis zu einem nahen Aussichtspunkt in den Einsturztrichter von Tawi Attir. Der Grund der 211 Meter tiefen Doline ist von hieraus nicht auszumachen. Links der Plattform führt ein, sehr wahrscheinlich inoffizieller Trampelpfad um den Kraterrand herum bis zu einer etwas übersichtlicheren Stelle.

Vom Ende des Pfads erblicken wir zumindest eine Zwischenstufe im Trichter, auf der sich ein altes Metallgestell befindet. Früher wurde damit Wasser nach oben geschöpft. Unter dieser Stelle verengt sich die Doline. Sie reicht dafür bis ans Grundwasser hinab. Mehrere Wadis speisen das karstige Höhlensystem der porösen Quaraberge mit Wasser. So treten insbesondere bei solchen Einsturzlöchern immer wieder Untergrundgewässer und Quellen ans Tageslicht.

Aussichtspunkt auf dem Jabal Samhan

Nach dem Abstecher zur Doline von Tawi Attir folgen wir der Hauptstraße als Nächstes direkt auf einen der höchsten Berge Dhofars, den Jabal Samhan. Die Landschaft wird bald karger. An nur noch wenigen Stellen kann sich eine spärliche Vegetation behaupten, sodass wir uns wieder in einer Halbwüste fühlen.

Nach 11 Kilometern erreichen wir auf 1290 Meter Höhe den bekanntesten Aussichtspunkt der Qaraberge. An einer Art Abbruchkante fällt das Gelände hier steil bergab. Vom Parkplatz führt uns ein ordentlich angelegter Weg an mehreren Picknickplätzen vorbei bis zur Aussichtsplattform. Nur leider lässt die Sicht zu wünschen übrig.

Dicke Wolkenbänke werden vom Ozean her auf den Bergrücken gedrückt. Immer wieder umgibt uns dichter Nebel. Kurz darauf löst sich dieser wieder auf und ermöglicht uns für kurze Momente freie Sicht auf den Abgrund.

Es ist das typische Nachmittagserlebnis, welches uns hier geboten wird. Auf viel Nebel und kühle Temperaturen müssen sich demnach auch die Gäste einstellen, wenn sie sich in dem kleinen Hotel neben dem Aussichtspunkt einquartieren.

Leider endet die Asphaltstrecke beim Aussichtspunkt. Wer weiter in die Höhe will, muss einmal mehr die staubige Piste nutzen. Aber sie ist fest und gut zu befahren, sodass wir ihr noch ein ganzes Stück folgen können. Hier beginnt das 4500 km² große Jabal Samhan Naturschutzgebiet.

Rüppellfüchse (auch Sandfuchs), Schakale und Leoparden leben in diesem Gebiet. Um diese beobachten zu können, braucht es allerdings viel Zeit und Geduld sowie auch eine gute Portion Glück. Doch trotz dem rauen Klima und der spärlichen Vegetation gibt es kleine Wohnbehausungen hier oben.

Der höchste Gipfel des Jabal Samhan erreicht 2100 Meter. Da wir uns hier oben fast schon wieder auf einer Ebene befinden, ist dieser jedoch nicht auszumachen. So drehen wir irgendwann wieder um und verlassen die einsame Bergregion.

Doline Teyq oder Taiq

die Monsterdoline in den Qarabergen

Auf der Rückfahrt bietet sich ein Besuch der Doline Teiq (auch Tayq) an. Wir haben inzwischen schon ein paar Einsturzlöcher gesehen. In Form und Charakter sind sie alle ein wenig anders. Da wir noch genügend Zeit haben, gönnen wir also auch diesen Abstecher; auch sich unsere Fahrt damit um nochmals 16 Kilometer verlängert.

Am Ende der Piste erwartet uns ein gut ausgebauter Parkplatz. Lassen wir von dort unseren Blick über die Hochebene schweifen, ist noch gar nicht auszumachen, was für ein gewaltiges Loch sich wenige Meter entfernt auftut.

Die Senke misst in etwa 1000 x 650 Meter und ist mehrere hundert Meter tief. Zwei Wadis führen nach Regenfällen Wasser in die Doline. Bei unserem Besuch ist auch dieser Ort trocken, aber trotzdem bewohnt. Auch wenn wir einige Trampelpfade sehen, die in die Doline führen, gehört sie alleine den Vögeln.

Hier können sie in Ruhe ihre Nester bauen und ihre Brut großziehen. Wir selbst genießen in der Stille unsere übrig gebliebenen Bananen als Mittagssnack. Dann wird es auch schon wieder Zeit, uns auf den Rückweg nach Salalah zu unserem Hotel zu machen.

Video Jabal Samhan, Tawi Attir und Doline Teyq

Ausflug zur Einsturzdoline von Tawi Attar und Fahrt ins Hochgebirge auf den Jabal Samhan, einem der höchsten Berg in der Region Dhofar. Abstecher zur Doline Teyq (Taiq), der Monsterdoline.
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