Scheidegger Wasserfälle

Rundwanderung mit Überraschungen bei Lindenberg

Die Scheidegger Wasserfälle zählen seit 2004 zu den bekanntesten Geotopen im Allgäu. Durch ihre gute Erreichbarkeit sind sie zugleich eines der beliebtesten Ausflugsziele für Familien im Westallgäu. Auf dem Weg dorthin eröffnet sich uns eine Aussicht, die wir so nicht erwartet hatten.

Der Waldsee bei Lindenberg im Allgäu
Waldsee bei Lindenberg - der höchstgelegene Moorbadesee Deutschlands.

Badefreuden am Waldsee

Der Ausgangspunkt befindet sich direkt an der (unsichtbaren) Grenze vom Landschaftsschutzgebiet Waldsee bei Lindenberg im Allgäu. Vom Parkplatz selbst sind es nur fünf Minuten bis an den See. Nach Auskunft der Gemeinde ist er der höchstgelegene Moorbadesee Deutschlands. Sobald die Sonne das Wasser im späten Frühjahr aufgewärmt hat, herrscht am Nordufer reger Badebetrieb.

Nach Westen geht der See in ein naturbelassenes Hochmoor und Erdhochmoor über. Während um den Waldsee ein auch für Kinderwagen geeigneter Rundweg führt, lädt am Ostufer das Restaurant Bacalau zum Verweilen ein. Wir aber wollen ja wandern. Also widerstehen wir den Verlockungen und folgen den Schildern bzw. gelben Wegmarkierungen Richtung Ratzenberg.

Weg über das Ratzenberger Moos
Einblicke in die empfindliche Hochmoorlandschaft von Lindenberg

Durchs Moos nach Allmannsried Nach den ersten schönen Eindrücken am Waldsee kommen wir auf unserer Tour erst über eine sanft ansteigende Wiese, dann durch eine bewaldete Teilfläche vom (2) Ratzenberger Moos. Nördlich des locker bestandenen Waldstücks überqueren wir die nächste Wiese, bevor wir unterhalb eines mit Solarpanelen bestückten Bauernhofs links abbiegen. Neben den Markierungen des Wanderwegs hilft hier die Beschilderung einer Nordic-Walking-Strecke.

Auf dem weiteren Weg nach (3) Allmannsried bietet ein steter Wechsel zwischen bewaldeten und offenen Flächen reizvolle Einblicke in die empfindliche Hochmoorlandschaft westlich von Lindenberg. Weiter geht es auf dem Jakobus-Pilgerweg zum idyllisch gelegenen Weiler (4) Lötz. Auf dem Weg nach Lötz erfahren wir, warum Lindenberg mit seiner Lage »auf der Sonnenterrasse über dem Bodensee« wirbt. Dort ermöglicht eine Kuppe bei schönem Wetter eine weit reichende Sicht über den östlichen Bodensee.

Wanderung über das Lindenberger Moos
Die Wendelinskapelle bei Lötz

In Lötz angekommen lohnt sich ein Abstecher zur nahen (5) Wendelinskapelle. Sie wurde um 1670 auf dem Kinberg errichtet, um den Gläubigen auf dem Land vermutlich den langen Weg zur Pfarrei in Niederstaufen zu ersparen. Von 1926 bis 1928 wurden die Sakristei und der kleine Turm angebaut und das »Kinbergkirchlein« mit neuen Kirchenfenstern versehen. Der barocke Hochaltar stammt noch aus den Anfangszeiten der Kapelle. Auf dem hübsch angelegten Platz vor der Kapelle laden Bänke zu einer Ruhepause ein.

Der barocke Hochaltar der Wendelinskapelle bei Lötz
»Kinbergkirchlein« oder Wendelinskapelle bei Lötz

Nach dem Abstecher laufen wir auf demselben Weg zurück nach (4) Lötz, um nun Richtung Scheidegg zu wandern. Der Weg führt über die wenig befahrene Straße in den Wald. Wo die Straße in eine andere mündet, waren die Wegweiser zur Zeit unserer Recherche so angebracht, dass sie nicht zu lesen waren.

Wir lassen uns davon nicht verwirren und laufen in etwa geradeaus weiter, bis der Pfad unterhalb einer Siedlung in die Straße Ostkinberg mündet. Dort biegen wir rechts ab, überqueren wenige Meter weiter die B 309 und folgen der Straße zum Parkplatz oberhalb der Wasserfälle.

Blick von der Aussichtskanzel auf die Scheidegger Wasserfälle
Waldweg zu den Scheidegger Wasserfällen
Die Scheidegger Wasserfälle bei Lindenberg im Allgäu

Die Aussichtskanzel der Scheidegger Wasserfälle

Für die (5) Scheidegger Wasserfälle können wir ruhig etwas mehr Zeit einplanen als im Tourenkasten angegeben. Denn neben der eigentlichen Attraktion zeigen im Umfeld Modelle und alte Geräte, wie die Wasserkraft in früheren Zeiten genutzt wurde. Kinder (und wohl auch das Elternteil, das nicht für die Wäsche zuständig ist) werden außerdem an dem Wasserspielplatz ihre Freude haben. Rechts daneben geht es dann zur Aussichtskanzel mit Blick auf den oberen Wasserfall. Für eine möglichst gute Sicht sorgt ein durchsichtiges Gitter, durch das man senkrecht hinunter aufs obere Fallbecken schauen kann.

Nur was für schwindelfreie: Aussichtskanzel der Scheidegger Wasserfälle
Beim Fallbecken der Scheidegger Wasserfälle

Wer nicht ganz schwindelfrei ist, kann aber auch gleich über die 237 Stufen zum unteren Aussichtspunkt hinuntersteigen. Die moderne Metalltreppe ersetzt die alte Weganlage, die 1999 bei einem Hangrutsch mit in die Tiefe gerissen wurde. Da der Weg in einer Sackgasse endet, müssen wir die vielen Stufen wieder hinaufsteigen.

Auf der linken Seite vom Spielplatz führt anschließend ein Pfad zum oberen Aussichtspunkt, von dem beide Fallstufen gleichzeitig zu sehen sind. Zum Ausklang empfehlen wir, die kurze Runde oberhalb der beiden größeren Wasserfälle in die Tour einzubauen. Auf ihr kommen wir erst in ein schluchtartiges Tal, dann zu einem weiteren, kleinen Wasserfall, unter man hindurchlaufen kann.

Die obere Stufe der Scheidegger Wasserfälle
Blick auf beide Stufen der Scheidegger Wasserfälle
Der kleiner der Scheidegger Wasserfälle

Nach dem Besuch der Wasserfälle folgen wir dem gelb markierten Wanderweg über die Gallus und Magnus-Kapelle in Bieslings zum (7) Reptilienzoo. Wer vor der Rückkehr noch Einkehren möchte, findet im (8) Restaurant Rohrachblick dazu Gelegenheit. Ansonsten folgt man gleich der Beschilderung Richtung Haus, bis der Waldsee und Lindenberg wieder angeschrieben sind.

Auf den letzten Metern haben wir schließlich die Wahl: wer nochmals an den Waldsee möchte, bleibt auf dem normalen Wanderweg. Wir hingegen sind der angeschriebenen Variante gefolgt, die direkt auf den Parkplatz in der Austraße Kurs nimmt. Den schönen Wandertag kann man danach ja immer noch am See ausklingen lassen.

Fallbecken von unteren der Scheidegger Wasserfälle
Steg über den Rickenbach bei den Scheidegger Wasserfällen

Info: Die Scheidegger Wasserfälle

Gebildet werden die Wasserfälle durch den Rickenbach. Er stürzt über zwei Fallstufen insgesamt 40 Meter in die Tiefe. Entstanden ist er durch den Wechsel von Schichten aus Sandstein und widerstandsfähigeren Nagelfluhbänken. Da die Sand- und Mergelgesteine durch die Kraft des Wassers schneller erodiert werden, kommt es zum Überstand der Nagelfluhschicht. Sie bildet somit eine Stufe. Die darunter liegende, schneller abbaubare Sand- und Mergelsteinschicht wird als Sockelbildner bezeichnet. Vor Ort wird dieser Vorgang, an einem grafischen Längsschnitt durch die Scheidegger Wasserfälle veranschaulicht. Aus der Grafik wird auch deutlich, warum die Wasserfälle sich mit der Zeit weiter flussaufwärts verlagern werden.

Der Rickenbach bildet die Scheidegger Wasserfälle
Die Gallus und Magnus-Kapelle in Bieslings

Tourinfos zur Rundwanderung mit den Überraschungen bei Lindenberg

Die Anfahrt erfolgt über die B 308 von Lindau nach Immenstadt. Bei Lindenberg abfahren, weiter über die Sedanstraße und Pfänderstraße zur Austraße (Beschilderung Waldsee). Der Parkplatz befindet sich bei den Stadtwerken von Lindenberg.
Anfahrt mit Bus & Bahn
Es bestehen Busverbindungen zu den Haltestellen Lindau im Allgäu Kirche und Lindenhöhe.

Über weite Teile leichte Wanderung auf gut ausgebauten Wegen. Der Abstieg zu den Wasserfällen erfolgt über Gittertreppen, was etwas Schwindelfreiheit voraussetzt.

Ausgangspunkt Parkplatz Austraße in Lindenberg ( 778 m)
Koordinaten N 47.60080, E 9.87480 (Parkplatz)
Gehzeit 3.30-4 Stunden
Distanz 12,5 km
Anstiege 300 HM
Grad T2
Einkehr Kiosk bei den Scheidegger Wasserfällen, Restaurant Rohrachblick, Restaurant Bacalau am Waldsee
gps-Daten Wanderung Scheidegger Wasserfälle gpx
kml-Daten Wanderung Scheidegger Wasserfälle kml

Wanderkarte zur Rundwanderung bei Lindenberg im Allgäu

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort