Riedholzer Eistobel und Kugel

Tosende Wasserfälle, brodelnde Strudellöcher und gewaltige Gesteinsbrocken machen die Wanderung durch die Eistobelschlucht, dem Riedholzer Eistobel, zu einem märchenhaften Erlebnis. Darüber hinaus bietet uns die Riedholzer Kugel weit reichende Aussichten über das nordwestliche Allgäu und nach Süden zu den nahen Alpen.

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Eindrücke unserer Ausflüge und Wanderungen in den Alpen.

Höhen und Schluchten bei Maierhöfen

Das Pferd von hinten aufgezäumt

Eine klassische Wanderung zum Eistobel beginnt am südlichen Ende der 56 m hohen Eistobelbrücke. Der Zugang erfolgt beim Info-Pavillon zwischen den Parkplätzen und der Oberen Argen. Da die Sicht morgens oft besser als am Nachmittag ist, finden wir es jedoch schöner, erst hoch zur Riedholzer Kugel zu wandern.

Wer dennoch bei der Brücke parkt, folgt damit der Beschilderung nach Riedholz. Man kann aber genauso gut in das hübsch gelegene Dorf fahren und die Tour bei der Haltestelle Adler (wenige Parkmöglichkeiten) starten. Auf den ersten Metern ab dort folgen wir der Beschilderung Richtung Maierhöfen.

Höhepunkt im Westallgäu

Sowie wir Riedholz verlassen haben, ist die »Kugel« zu zwei Seiten angeschrieben. Wir wählen die linke Variante und wechseln auf den im unteren Bereich mit Gras bewachsenen Pfad. Dieser führt zunächst leicht schräg weg von der Ortsverbindung nach Maierhöfen, nimmt dann aber Kurs auf den Wald. Wer das nördliche Allgäu bisher für eine Spaziergängerregion hielt, wird von dem nächsten Abschnitt überrascht sein. Denn dieser führt über einen mit Wurzeln überzogenen Pfad konsequent steil bergauf.

Erst nachdem wir den Wanderweg mit dem »bequemen Aufstieg« gekreuzt haben, lässt die Steigung auf dem nächsten Waldpfad ein wenig nach. Nach gut einer Stunde liegt dann der größte Teil der Höhenmeter hinter bzw. unter und die (1) Riedholzer Kugel vor uns. Oben angekommen gibt es gleich die nächste Überraschung. So verkündet ein Schild, dass die Kugel der höchste Punkt im Westallgäu ist.

Geografisch gesehen, ist das natürlich nicht ganz korrekt. So überragen rund um Oberstaufen einige andere Gipfel die Riedholzer Kugel. Diese aber werden allgemein zum Oberallgäu gezählt. Sei es drum. Die Aussicht lohnt sich so oder so. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg ist bei der an sich unscheinbaren Kuppe außerdem ein toller Platz für eine längere Rast.

Abstieg über Iberg und Hohenegg ...

Anschließend laufen wir über den Wiesenpfad nach Süden an den Waldrand. Dort biegen wir rechts ab und folgen der Beschilderung sowie den gelben Wegmarkierungen über den nun bequemen Höhenweg nach (2) Iberg. Der im Winter als Skihang genutzte Berg eröffnet uns eine weitere schöne Aussicht über das nordwestliche Allgäu. Auch die Eistobelbrücke ist gut zu erkennen. Bei der Bergstation des Skilifts biegen wir links ab und erreichen wenige Minuten später das idyllisch auf einer Terrasse gelegene (3) Hohenegg.

Nachdem wir in Hohenegg rechts abgebogen sind, haben wir für den weiteren Abstieg zum Eistobel die Wahl. Wir haben uns für die 15-Minuten-Variante entschieden. Der Einstieg in den Waldpfad befindet sich ein paar Meter links vom Wegweiser und führt teilweise über schräg zum Pfad liegende und dadurch unbequeme Nagelfluhplatten. Sie vermitteln uns einen ersten Eindruck der Kräfte, welche diese Landschaft über Jahrmillionen geformt und in die Höhe gehoben haben.

… in die Eistobelschlucht

Weiter unten passieren wir die spärlichen Reste der einst 15 mal 50 Meter großen (4) Ruine Hohenegg. Ab dort führt uns der Weg an einer 1897 errichteten Kapelle vorbei zum (5) Eistobelsteg. Er ist unser Zugang zum Riedholzer Eistobel, einem der offiziell schönsten Geotope ganz Bayerns. Unterhalb des Stegs stürzt die Obere Argen in ein vom Wasser geschaffenes Becken. Gleich daneben ragt die »Hohe Wand« fast 50 Meter weit in den Himmel.

Wer die Wanderung an einem heißen Sommertag unternimmt, gerät leicht in Versuchung, sich bei einem Bad Abkühlung zu verschaffen. Doch Vorsicht: Der Eistobel hat im Untergrund Strudellöcher geschaffen, die bis zu fünf Meter tief sein können. Und die kreisende Bewegung der Unterwasserstrudel kann selbst gute Schwimmer nach unten ziehen. Entsprechend steht auf einem Schild: »Das Schwimmen und Baden in den Strudellöchern ist lebensgefährlich und daher verboten«.

Umso schöner ist es da, sich an den bizarren Formen in der Schlucht zu weiden. Ihre Entstehung reicht etwa 15 000 Jahre zurück. Gegen Ende der Würm-Eiszeit sammelte sich das Schmelzwasser im Talkessel von Ebratshofen. Im Norden des Schmelzwassersees entstand eine Abflussrinne, die das Tal der Oberen Argen in geologisch kurzer Zeit schluchtartig vertiefte. Durch die schräg aufwärts gerichteten und unterschiedlich beschaffenen Gesteinslagen bildeten sich in der Schlucht Kaskaden und einige Wasserfälle. Der (7) Große Wasserfall hat eine Höhe von 18 m. Der Weg dorthin führt über den (6) Zwinger, wo sich das Wasser seinen Weg durch das von gewaltigen Felsblöcken eingeengte Bachbett sucht.

Eistobelbrücke

Sowie wir weiter flussabwärts die (8) Ersten Wasserfälle passiert haben, beruhigt sich die Obere Argen allmählich. Auf dem weiteren Weg rückt dann allmählich die (9) Eistobelbrücke (auch Argentobelbrücke genannt) eindrucksvoll ins Bild. Dieses können wir ruhig eine Weile auf uns wirken lassen. Spätestens bei den mächtigen Brückenpfeilern wird klar, dass wir links über Treppen und einen steilen Pfad hinauf zum (10) Inf-Pavillon steigen müssen. Auf dem Rückweg nach Riedholz (leider an der Straße) ermöglicht uns die Brücke dann noch einen imposanten Blick in die Schlucht.

Info: Ein Juwel des Tourismus

1879 erkannte der Alpenverein in der Schlucht der Oberen Argen den Wert für Wanderer und Naturliebhaber. Bis 1884 erschlossen sie die Schlucht bis zum Bereich der Riedholzer Wasserfälle. Sechs Jahre später war die gesamte Strecke durchgängig erschlossen. Nachdem die Schlucht im Zweiten Weltkrieg gesperrt worden war, fand 1949 die feierliche Wiedereröffnung statt. Seitdem hat sich der Eistobel zu einem der beliebtesten Ausflugsziele im Westallgäu entwickelt. Inzwischen werden jährlich mehr als 70 000 Besucher gezählt.

Anfahrt, Anforderungen und GPS-Daten zum Riedholzer Eistobel

Die Anfahrt erfolgt über die B 12 von Lindau nach Kempten. Bei Isny nach Maierhöfen abfahren, weiter über die St 1318 bis zum Abzweig nach Riedholz. Wenige Parkmöglichkeiten im Ort. Alternativer Parkplatz nach der Eistobelbrücke beim Eingang zum Eistobel.
Anfahrt mit Bus und Bahn: Es bestehen Busverbindungen u.a. zur Haltestelle Abzweig Riedholz/Eistobel und Adler Riedholz.

AusgangspunktRiedholz ( 720 m)
KoordinatenN 47.64190, E 10.03750 (Parkplatz)
Gehzeit3.30 Stunden
Distanz9 km
Anstiege420 HM
AnforderungenT2. Nach dem konditionell fordernden Anstieg zu Beginn angenehme Runde über Wege und Pfade, jedoch etwas kniffliger Abstieg zur Ruine Hohenegg.
EinkehrKiosk bei der Argentobelbrücke und in Riedholz, auf der Strecke keine
GPS-DatenWanderung Riedholzer Eistobel gpx
kml-DatenWanderung Riedholzer Eistobel kml

Wanderkarte zu den Schluchten bei Maierhöfen

Höhenprofil

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