Wanderung von Küssnacht durch die Hohle Gasse

Wandern auf den Spuren von Wilhelm Tell

Blick von Küssnacht zum Pilatus
Segelboote bei Küssnacht am Rigi

Die Wanderung von Küssnacht durch die Hohle Gasse ist auch im Winter gut möglich. So nutzen wir einen sonnigen Februartag, um vom Vierwaldstättersee (Parkplatz Kupfergasse) zu Wilhelm Tells legendären Hohlweg zu wandern.

Wobei die Wanderung eher einem ausgedehnten Spaziergang als einer Wanderung gleicht. Zumindest gibt es auf dem Weg keine großen Steigungen und haben wir auch nur wenige Kilometer Strecke vor uns.

Dunst über dem Vierwaldstättersee
Wanderweg von Küssnacht zur Hohlen Gasse

Nach den ersten schönen Eindrücken vom See und den umliegenden Bergen mit dem Rigimassiv östlich von Küssnacht und dem Pilatus in der Ferne folgen wir den Schildern zum Bahnhof und ab dort dem Wegweiser nach St. Martin.

Wenige Meter nach dem Bahnhof gelangen wir durch eine Unterführung auf die andere Seite der Gleise, überqueren direkt danach die Straße und laufen ein Stück weit parallel zur Bahntrasse, eh wir Küssnacht in nördlicher Richtung verlassen.

Wanderweg von Küssnacht zur Martins-Kapelle
Rotkreuz-Kapelle bei Küssnacht am Rigi

20 Minuten nach dem Bahnhof passieren wir die Rotkreuz-Kapelle (auch Kapelle »Maria zur guten Wende«). Bis auf das Vordach und dem kleinen Türmchen stammt sie wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert und zeigt im Innern eine Pietŕ und eine Kreuzigungsgruppe.

Danach führt uns der Wanderweg hinaus in die mit Wiesen und Rehweiden offene Landschaft. Ein kurzes Stück weiter gabelt sich der Weg. Wir wählen den rechten Abzweig und folgen Aahusstrasse zur Kapelle Sankt Martin.

Kapelle St. Martin bei Küssnacht

Fahrweg von Küssnacht zur Hohlen Gasse
alter Bauernof bei Küssnacht

Rein landschaftlich ist der Weg zur Kapelle St. Martin der schönste Abschnitt der Wanderung, weil ruhigste. Die Gegend ist von alten, teilweise etwas verfallenen Bauernhöfen, von Obstplantagen und Wiesen geprägt. Die Kapelle selbst wurde erstmals 1487 in einer Gült (Grundpfand) erwähnt. 1654 weihte sie der Bischof von Konstanz neu.

Danach wurde die Kapelle mehrmals verändert: im Jahr 1782 erhielt sie ein neues Türmlein, das 1888 gegen einen Spitzturm und 1982 gegen einen Turm mit Zwiebelhaube ausgetauscht wurde. Bei der letzten Renovierung fanden die Bauarbeiter Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

alter Bauernhof bei Küssnacht
Eingang in den Hof bei der St. Martins-Kapelle
Aufgang ins Haus bei der St. Martins-Kapelle

Nachdem wir einen Blick in die Kapelle geworfen haben, kommen wir über einen sonnigen Weg und den Wirtschaftsweg »Gadmenhof« in einen schmales Waldstück. So wie wir dieses über eine Kuppe hinunter gelaufen sind, müssen wir die stark befahrene Zugerstrasse überqueren. Schade, dass es keine Übergangshilfe gibt.

Sei es drum. Auf der anderen Seite der Straße kommen wir abermals durch eine von Wiesen geprägte Landschaft. Hier folgen wir dem Badweidweg und dem Rossallmig hinauf zum Rütlimattweg - oder auch einfach den Schildern Richtung Hohle Gasse und Immensee.

Wanderweg von der St. Martins-Kapelle zur Hohlen Gasse
St. Martins-Kapelle bei Küssnacht am Rigi

Etwas verwirrend finden wir, dass wir wenig später, bei der Bushaltestelle »Hohle Gasse«, mit der Artherstrasse eine zweite Straße überqueren müssen, ohne dass wir dort ein Hinweisschild sehen. Der richtige Weg ist jedoch kaum zu verfehlen:

einfach gerade aus rüber und zwischen den beiden Bauten mit den Aufschriften Nordflügel bzw. Ostflügel durchgelaufen und den Hinweisen zum Gymnasium Immensee folgen. Gut 200 Meter weiter erreichen wir die Hohle Gasse.

Hohle Gasse von Wilhelm Tell

Tja, durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein anderer Weg nach Küssnacht. Wohl kein anderer Weg ist mit der Schweizer Geschichte so eng verbunden wie die Hohle Gasse, bei der sich Wilhelm Tell auf die Lauer gelegt hatte. Ist sein Meisterschuss mit der Armbrust,

bei dem er seinem Sohn Walter aus 80 Meter Entfernung einen Apfel vom Kopf geschossen haben soll, noch weitgehend bekannt, wissen außerhalb der Schweiz nur wenige, dass es der Nationalheld bei der Hohlen Gasse auf den Landvogt Hermann Gessler abgesehen hatte.

Winterwanderung von Küssnacht zur Hohlen Gasse
Hohle Gasse - Ausblick vom oberen Rastplatz über Küssnacht zum Pilatus

Was der einerseits begnadete Schütze, andererseits aber einfache Bergbauer nicht geahnt hätte: mit diesen beiden Schüssen, mit denen er erst seinen Sohn rettete und später die Bürger von einem Tyrannen befreite,

entfachte er zugleich den Mut der Männer von Uri, Unterwalden und Schwyz. Sie hatten sich 1291 auf der Rütliwiese geschworen, sich von der Gewaltherrschaft der Habsburger Landvögte mit Gessler und Landenberg zu befreien.

St. Martins-Kapelle
Gymnasium von Küssnacht
Tellskapelle Hohle Gasse

Glaubt man der Legende, haben ein dummes Gesetz, Wilhelm Tells vorlautes Mundwerk und der Hochmut vom Landvogt zu der großen Wirkung geführt. So ließ Gessler eine Stange mit einem Hut auf dem Marktplatz von Altdorf aufstellen, die jeder grüßen sollte, als stünde er selbst dort. Nachdem Wilhelm Tell achtlos daran vorbeiging, hielten ihn die Soldaten fest.

Als Hermann Gessler hinzu kam und ihn fragte, warum er seine Gesetze missachte, erklärte Tell: »Warum soll ich eine Stange mit Hut grüßen? Das ist doch Schwachsinn.« Erzürnt will ihn Gessler einsperren lassen, bemerkte dann aber Tells Sohn Walter und kommt auf die Idee mit dem Apfel. Ein makabres Spiel, bei dem der Junge getötet werden soll, wenn Tell nicht trifft.

Tells Hohle Gasse
Hohle Gasse - Blick zur Tellskapelle

Tell ist furchtbar nervös, aber er trifft. Allerdings hatte er noch einen zweiten Pfeil aus seinem Köcher genommen und bereit gelegt. Gessler fragt ihn, was er damit gewollt hatte? »Wenn mein erster Schuss fehl geschlagen wäre und meinen Sohn Walter getroffen hätte, so hätte mein zweiter Pfeil dich ganz sicher getroffen.«
Gessler lässt Tell festnehmen und will das ihm feindlich gesinnte Altdorf mit seinem Gefangenen so schnell wie möglich verlassen.

Trotz Sturmwarnung lässt er seine Männer von Flüelen aus nach Küssnacht segeln. In dem aufgewühlten Wasser droht das Schiff jedoch zu kentern. Da auch Hermann Gessler die Panik ergreift, soll der stark gebaute Wilhelm Tell das Boot sicher ans Ufer rudern. Trotz des Sturms schafft es Tell, das Boot ans Ufer zu steuern, springt dann aber von Bord und stößt es zurück in das aufgewühlte Wasser. Bei seiner Flucht rennt er durch die Hohle Gasse, wo er aus seinem Versteck heraus schließlich den zweiten Pfeil abschießt ...

Hohle Gasse von Wilhelm Tell
Wanderung von Küssnacht durch die Hohle Gasse
Aufstieg durch die Hohle Gasse

Nachdem wir bei Tells Kapelle eine Pause eingelegt haben, spazieren wir durch die Hohle Gasse. Wenn man die Geschichte kennt, ist es doch erstaunlich, wie kurz der Weg ist. Vom einen zum anderen Ende sind es gerade mal 250 Meter bis zum unteren Rastplatz. Der aber ist echt witzig. So gibt es zwar Abfallkörbe, Schulklassen und Gruppen aber dürfen diese nicht nutzen.

Sie sollen ihre Picknickabfälle in eigenen Säcken wieder mitnehmen. Ein paar Meter weiter weist ein zweites Schild darauf hin, dass der Grill grundsätzlich genutzt werden darf. Den Rest schenken wir uns, aber wir vermuten mal, dass Großfamilien nur maximal zwei Steaks auf einmal auf den Rost legen dürfen und Gruppen gebeten werden, nur kleine Würstchen zu grillen ...

Aufstieg zur Gesslerburg

Friedrich Donauer Brunnen
historische Knochenstampfe

Wieder zurück bei Tells Kapelle, schlagen wir den Weg zur Ruine Gesslerburg ein. Während die Hohle Gasse rechts unter uns zurückbleibt, kommen wir selbst über Wirtschafts- und Privatwege zum Rastplatz Gisibachboden. Direkt oberhalb des Rastplatzes steht eine Knochenstampfe. Sie wurde 1877 in Betrieb genommen und war damals mit einer Fleischbeinstampfe,

Werchreibe und Bandsäge ausgestattet. Dass die Mühle so gut da steht, ist einer Seniorengruppe zu verdanken, die das Wasserrad und das Dach erneuert sowie die Knochenstampfe nachgebaut hat. Von Mai bis Oktober kann die Mühle auf Anmeldung besichtigt werden.

oberschlächtiges Mühlrad der Knochenstampfe
Aufstieg zur Gesslerburg
oberschlägiges Mühlrad der Knochenstampfe

Auf der anderen Seite des Bachs passieren wir einen Brunnen zu ehren des Schriftstellers Friedrich Donauer, bevor wir uns an den Aufstieg zur Gesslerburg wagen. Im Winter ist das heikel.

Denn weil sich die Treppe auf der Schattenseite der Burgruine befindet, sind die Stufen vereist. Dem nicht genug, sind sie obendrein abschüssig, sodass wir aufpassen müssen, nicht wegzurutschen.

Mauerreste der Ruine Gesslerburg
Ruine Gesslerburg oberhalb der Hohlen Gasse

Der Aufstieg aber lohnt sich, da er uns eine weitreichende Aussicht zum Rigimassiv sowie über Küssnacht und den Vierwaldstätter See bis zum Pilatusmassiv bietet. Vor Ort lesen wir, dass die Gesslerburg im Mittelalter der Sitz verschiedener Ritter war.

Auch wenn über die Entstehung der Gesslerburg nur wenig bekannt ist, erhielt sie durch die spätmittelalterliche Geschichtsschreibung eine besondere Bedeutung als wichtiges Element des eidgenössischen Gründungsmythos.

Blick von der Gesslerburg über den Vierwaldstättersee zum Pilatus
Hotel Engel in Küssnacht am Rigi

Nachdem wir ein Paar beim Geocaching beobachtet haben, steigen wir auf der anderen Seite der Gesslerburg wieder hinunter zum Rastplatz Gisiboden.

Von dort kehren wir nach Küssnacht zurück und genießen noch einmal das sonnige Wetter, bevor wir den See mit dem guten Gefühl verlassen, uns trotz des Winters drei Stunden an der frischen Luft bewegt zu haben.

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung

Die Anfahrt erfolgt über die A 4 Zürich - Schwyz. Bei Ausfahrt 36 Richtung nach Küssnacht abfahren. Weiter über die Zugerstrasse bis Küssnacht, dort über die Gsteigstrasse und Bahnhofstrasse bis zur Chlausjägergasse fahren. In der Gasse rechts zum Parkplatz in der Kupfergasse abbiegen.

Ausgangspunkt Parkplatz Kupfergasse in Küssnacht am Rigi
Koordinaten N 47.081160, E 8.43900
Gehzeit 2.30 Stunden
Distanz 8 km
An-/Abstiege ca. 160 m
Grad T1, Aufstieg zur Gesslerburg im Winter bei Glätte T2-3
Beschilderung Bahnhof - Rotkreuz-Kapelle - St. Martins-Kapelle - Hohle Gasse - Gesslerburg - Küssnacht
Einkehr Einkehrmöglichkeiten bestehen durch die Cafés und Restaurants in Küssnacht und bei der Hohlen Gasse. Außerdem laden einige Grill- und Rastplätze auf der Strecke zum Verweilen ein.
gps-Daten Wanderung Küssnacht Hohle Gasse gpx
kml-Daten Wanderung Küssnacht Hohle Gasse kml

Wanderkarte Hohle Gasse

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort