Wanderung von Küssnacht durch die Hohle Gasse

Wandern auf den Spuren von Wilhelm Tell

»Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein anderer Weg nach Küssnacht.« Wohl kein anderer Weg ist mit der Schweizer Geschichte so eng verbunden wie die Hohle Gasse. Der Legende nach hatte sich einst Wilhelm Tell hier auf die Lauer gelegt. Kurz zuvor hatte Tell mit der Armbrust seinem Sohn Walter aus 80 Meter Entfernung einen Apfel vom Kopf geschossen. Sein Meisterschuss ist heute weltbekannt. Außerhalb der Schweiz wissen indes nur wenige, dass es der Nationalheld bei dem künstlichen Hohlweg auf den Landvogt Hermann Gessler abgesehen hatte.

Die Wanderung von Küssnacht durch die Hohle Gasse ist auch im Winter gut möglich. So nutzen wir einen sonnigen Februartag, um vom Parkplatz Kupfergasse am Vierwaldstättersee zu Wilhelm Tells legendären Hohlweg zu wandern. Wobei die Wanderung eher einem ausgedehnten Spaziergang als einer Wanderung gleicht. Zumindest gibt es auf dem Weg keine großen Steigungen und liegen auch nur wenige Kilometer Strecke vor uns.

Von Küssnacht nach St. Martin

Damit bleibt uns Zeit, zunächst eine Weile am Seeufer zu verweilen und den Blick zu den umliegenden Bergen schweifen zu lassen. Während östlich von Küssnacht das Rigimassiv in die Höhe ragt, sehen wir in der Ferne den Pilatus. Mit diesem schönen Eindruck folgen wir schließlich den Schildern zum Bahnhof von Küssnacht, und ab dort dem Wegweiser nach St. Martin. Wenige Meter nach dem Bahnhof gelangen wir durch eine Unterführung auf die andere Seite der Gleise. Daran anschließend überqueren wir die Straße und laufen ein Stück weit parallel zur Bahntrasse. Dann verlassen wir Küssnacht in nördlicher Richtung.

20 Minuten nach dem Bahnhof passieren wir die Rotkreuz-Kapelle. Sie wird auch Kapelle »Maria zur guten Wende« genannt. Bis auf das Vordach und dem kleinen Türmchen stammt sie wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert und zeigt im Innern eine Pietŕ und eine Kreuzigungsgruppe. Danach führt uns der Wanderweg hinaus in die mit Wiesen und Rehweiden offene Landschaft. Ein kurzes Stück weiter gabelt sich der Weg. Wir wählen den rechten Abzweig und folgen der Aahusstrasse zur Kapelle Sankt Martin.

Kapelle St. Martin bei Küssnacht

Rein landschaftlich ist der Weg zur Kapelle St. Martin der schönste Abschnitt der Wanderung, weil ruhigste. Die Gegend wird durch alte, teilweise etwas verfallene Bauernhöfe, von Obstplantagen und Wiesen charakterisiert. Die erste urkundliche Erwähnung der Kapelle findet sich in einer Gült, also einem Grundpfand, aus dem Jahr 1487. 1654 weihte sie der Bischof von Konstanz neu. Danach wurde die Kapelle mehrmals verändert: im Jahr 1782 erhielt sie ein neues Türmlein, welches man 1888 erste gegen einen Spitzturm, dann 1982 gegen einen Turm mit Zwiebelhaube ausgetauscht hat. Bei der letzten Renovierung fanden die Bauarbeiter Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Nachdem wir einen Blick in die Kapelle geworfen haben, kommen wir über einen sonnigen Weg und den Wirtschaftsweg »Gadmenhof« in einen schmales Waldstück. Sowie wir dieses über eine Kuppe hinunter gelaufen sind, müssen wir die stark befahrene Zugerstrasse überqueren. Schade, dass es keine Übergangshilfe gibt. Sei es drum. Jenseits der Straße wandern wir abermals durch eine von Wiesen geprägte Landschaft. Hier folgen wir dem Badweidweg und dem Rossallmig hinauf zum Rütlimattweg, oder auch einfach den Schildern Richtung Hohle Gasse und Immensee.

Hohle Gasse von Wilhelm Tell

Etwas verwirrend finden wir, dass wir wenig später, bei der Bushaltestelle »Hohle Gasse«, mit der Artherstrasse eine zweite Straße überqueren müssen, ohne dass wir dort ein Hinweisschild sehen. Der richtige Weg ist jedoch kaum zu verfehlen. Es geht einfach gerade aus rüber und zwischen den beiden Bauten mit den Aufschriften Nordflügel bzw. Ostflügel hindurch. Hier können wir uns alternativ an den Hinweisen zum Gymnasium Immensee orientieren. Gut 200 Meter weiter erreichen wir die Hohle Gasse.

Was der einerseits begnadete Schütze, andererseits einfache Bergbauer nicht geahnt hätte: mit den beiden Schüssen, mit denen er erst seinen Sohn rettete und später die Bürger von einem Tyrannen befreite, entfachte er zugleich den Mut der Männer von Uri, Unterwalden und Schwyz. Sie hatten sich 1291 auf der Rütliwiese geschworen, sich von der Gewaltherrschaft der Habsburger Landvögte mit Gessler und Landenberg zu befreien.

Vorlautes Mundwerk trifft auf Hochmut des Landvogts

Glaubt man der Legende, haben ein dummes Gesetz, Wilhelm Tells vorlautes Mundwerk und der Hochmut vom Landvogt zu der großen Wirkung geführt. So ließ Gessler eine Stange mit einem Hut auf dem Marktplatz von Altdorf aufstellen, die jeder grüßen sollte, als stünde er selbst dort. Nachdem Wilhelm Tell achtlos daran vorbeiging, hielten ihn die Soldaten fest. Als Hermann Gessler hinzu kam und ihn fragte, warum er seine Gesetze missachte, erklärte Tell: »Warum soll ich eine Stange mit Hut grüßen? Das ist doch Schwachsinn.« Erzürnt will ihn Gessler einsperren lassen. Dann aber bemerkt er Tells Sohn Walter und kommt auf die Idee mit dem Apfel. Ein makabres Spiel, bei dem der Junge getötet werden soll, wenn Tell nicht trifft.

Wilhelm Tells Meisterschuss

Tell ist furchtbar nervös, aber er trifft. Allerdings hatte er noch einen zweiten Pfeil aus seinem Köcher genommen und bereit gelegt. Gessler fragt ihn, was er damit gewollt hatte? »Wenn mein erster Schuss fehl geschlagen wäre und meinen Sohn Walter getroffen hätte, so hätte mein zweiter Pfeil dich ganz sicher getroffen.« Ja, es gibt Momente, in denen Schweigen Gold wert ist. So aber lässt Gessler den Tell festnehmen und drängt zur Eile. Er will das ihm feindlich gesinnte Altdorf mit seinem Gefangenen so schnell wie möglich verlassen.

Trotz Sturmwarnung lässt der Habsburger seine Männer von Flüelen aus nach Küssnacht segeln. In dem aufgewühlten Wasser des Sees droht das Schiff zu kentern. Da auch Hermann Gessler die Panik ergreift, soll der stark gebaute Wilhelm Tell das Boot sicher ans Ufer rudern. Trotz des Sturms schafft es Tell, das Boot ans Ufer zu steuern, springt dann aber von Bord und stößt es zurück in das aufgewühlte Wasser. Bei seiner Flucht rennt er durch die Hohle Gasse, wo er aus seinem Versteck heraus schließlich den zweiten Pfeil abschießt...

Nachdem wir bei Tells Kapelle eine Pause eingelegt haben, spazieren wir durch die Hohle Gasse. Wenn man die Geschichte kennt, ist es doch erstaunlich, wie kurz der Weg ist. Vom einen zum anderen Ende sind es gerade mal 250 Meter bis zum unteren Rastplatz. Der aber ist echt witzig. So gibt es zwar Abfallkörbe, Schulklassen und Gruppen aber dürfen diese nicht nutzen. Sie sollen ihre Picknickabfälle in eigenen Säcken wieder mitnehmen. Ein paar Meter weiter weist ein zweites Schild darauf hin, dass der Grill grundsätzlich genutzt werden darf. Den Rest schenken wir uns, aber wir vermuten mal, dass Großfamilien nur maximal zwei Steaks auf einmal auf den Rost legen dürfen und Gruppen gebeten werden, nur kleine Würstchen zu grillen...

Aufstieg zur Gesslerburg

Wieder zurück bei Tells Kapelle, schlagen wir den Weg zur Ruine Gesslerburg ein. Während die Hohle Gasse rechts unter uns zurückbleibt, kommen wir selbst über Wirtschafts- und Privatwege zum Rastplatz Gisibachboden. Direkt oberhalb des Rastplatzes steht eine Knochenstampfe. Sie wurde 1877 in Betrieb genommen und war damals mit einer Fleischbeinstampfe, Werchreibe und Bandsäge ausgestattet. Dass die Mühle so gut da steht, ist einer Seniorengruppe zu verdanken, die das Wasserrad und das Dach erneuert sowie die Knochenstampfe nachgebaut hat. Von Mai bis Oktober kann die Mühle auf Anmeldung besichtigt werden.

Auf der anderen Seite des Bachs passieren wir einen Brunnen zu ehren des Schriftstellers Friedrich Donauer, bevor wir uns an den Aufstieg zur Gesslerburg wagen. Im Winter ist das heikel. Denn weil sich die Treppe auf der Schattenseite der Burgruine befindet, sind die Stufen vereist. Dem nicht genug, sind sie obendrein abschüssig, sodass wir aufpassen müssen, nicht wegzurutschen.

Aussicht von der Gessler-Burg über den Vierwaldstättersee

Der Aufstieg aber lohnt sich, da er uns eine weitreichende Aussicht zum Rigimassiv sowie über Küssnacht und den Vierwaldstättersee bis zum Pilatusmassiv bietet. Vor Ort lesen wir, dass die Gesslerburg im Mittelalter der Sitz verschiedener Ritter war. Auch wenn über die Entstehung der Gesslerburg nur wenig bekannt ist, erhielt sie durch die spätmittelalterliche Geschichtsschreibung eine besondere Bedeutung als wichtiges Element des eidgenössischen Gründungsmythos. Nachdem wir ein Paar beim Geocaching beobachtet haben, steigen wir auf der anderen Seite der Gesslerburg wieder hinunter zum Rastplatz Gisiboden. Von dort kehren wir nach Küssnacht zurück und genießen noch einmal das sonnige Wetter, bevor wir den See mit dem guten Gefühl verlassen, uns trotz des Winters drei Stunden an der frischen Luft bewegt zu haben.

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung

Die Anfahrt erfolgt über die A 4 Zürich - Schwyz. Bei Ausfahrt 36 Richtung nach Küssnacht abfahren. Weiter über die Zugerstrasse bis Küssnacht, dort über die Gsteigstrasse und Bahnhofstrasse bis zur Chlausjägergasse fahren. In der Gasse rechts zum Parkplatz in der Kupfergasse abbiegen.

AusgangspunktParkplatz Kupfergasse in Küssnacht am Rigi
KoordinatenN 47.081160, E 8.43900
Gehzeit2.30 Stunden
Distanz8 km
An-/Abstiegeca. 160 m
GradT1, Aufstieg zur Gesslerburg im Winter bei Glätte T2-3
BeschilderungBahnhof - Rotkreuz-Kapelle - St. Martins-Kapelle - Hohle Gasse - Gesslerburg - Küssnacht
EinkehrEinkehrmöglichkeiten bestehen durch die Cafés und Restaurants in Küssnacht und bei der Hohlen Gasse. Außerdem laden einige Grill- und Rastplätze auf der Strecke zum Verweilen ein.
gps-DatenWanderung Küssnacht Hohle Gasse gpx
kml-DatenWanderung Küssnacht Hohle Gasse kml

Wanderkarte Hohle Gasse

Höhenprofil

Steigungsprofil