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Fahrt zum Waterberg-Plateau

Siedlung in einer Bergbauregion
Bergbausiedlung

Von der Epako Game Lodge sind es eigentlich nur 280 Kilometer bis nach Windhoek. Über die C33 geht unsere Reise jedoch zunächst wieder nach Norden, durch das Kalkfeld, vorbei an einer alten Bergmannssiedlung und nach Otjiwarongo über die B1 und C22 zum Wasserberg Plateau.

Ob sich der Umweg lohnt? Vielleicht. Schließlich gibt es am Plateau mehrere schöne Wanderwege. Dabei sind wir uns allerdings schon bei der Abfahrt sicher, dass wir höchstens Gelegenheit für die kürzeste aller Strecken bekommen werden.

Lok der Otjiwarongo-Bahn
Blick vom Wasserberg auf die Tiefebene

Tatsächlich sind wir später enttäuscht, als wir nach der Ankunft und einer sehr langen Wartezeit beim Zugang zum Wasserberg Plateau Park uns nur etwa 30 Minuten auf halber Höhe des Bergs ein wenig umgucken dürfen. Was wir überhaupt machen können, ob es hier einen lohnenswerten Spazierweg gibt?

Wir wissen und erfahren es nicht. Einzig die Mitteilung, dass die Lodge hier oben bis vor einem Jahr von Berge & Meer angefahren wurde, gibt uns Sydney mit auf den Weg (und dass wir hier lang und da lang laufen können).

Weg auf das Wasserberg-Plateau
Steilwand des Waterberg Plateaus

So schaffen es ein paar aus unserer Reisegruppe nur bis zu einem der verlassenen Bungalows, wo sie die meiste Zeit der halben Stunde verbringen. Wenige Meter weiter finden wir eine Stelle, bei der wir zumindest einen einigermaßen freien Blick auf die Ebene unterhalb des Wasserberg Plateaus bekommen. Ansonsten bleibt uns nur die Möglichkeit,

in einen der Pfade in Richtung des Plateaus hineinzulaufen, bis wir schließlich zu einem Wasserturm kommen. Nachdem wir diesen für ein paar Fotos hinaufgeklettert sind, müssen wir jedoch schon wieder zurück zum Bus. Schade eigentlich, sehen wir doch, dass man hier oben durchaus ein paar schöne Stunden mit Wandern verbringen könnte.

einer der Wanderwege am Plateau
Blick vom Wasserturm auf den umgebenden Wald

Friedhof beim Wasserberg

Ganz in der Nähe der Parkverwaltung befindet sich ein Kriegerfriedhof. Nach der großen Schlacht am Wasserberg, welche den Aufstand der Herero 1904 beendete, wurden hier die gefallenen deutschen Soldaten beerdigt.

Insgesamt sollen rund 800 Deutsche verwundet worden oder ums Leben gekommen sein.

Eingang zum Friedhof
Wahnsinn, auch der zig Tausend Krieger der unterjochten Herero wird gedacht.

Wie viele es auf Seite der Herero waren, ist unklar. Zum einen hatten die Missionare die Zahl der Eingeborenen stets zu hoch angegeben, um mehr Geld und Mittel für ihre Arbeit zu bekommen. Zum anderen gab es nach der Schlacht Mehrfachzählungen und Übertreibungen.

Die Angaben schwanken daher zwischen 30 und 100 Tausend. Inzwischen geht man davon aus, dass es weniger als 30.000 waren - was aber immer noch eine verheerende Niederlage für das Volk bedeutete.

Kriegerfriedhof der Deutschen Schutztruppe
Blick vom Friedhof zum Wasserberg-Plateau

Auch sind die Gründe für den Aufstand nicht genau bekannt. Denn der Landeshauptmann der deutschen Schutztruppe, Major Theodor Leutwein, setzte auf Schutz- und Freundschaftsverträge und versuchte, bei allen Stämmen um Anerkennung für die deutsche Kolonialmacht zu werben. Ausdruck findet seine Gangart in der Aussage:

»Nicht mit Blut und Eisen ... sollte Kolonialpolitik betrieben werden, sondern mit Verständnis für die gewordene Eigenart der vorgefundenen Bevölkerung.« So schützten die Verträge mit den Herero diese zum Beispiel vor Übergriffen der Nama und kämpften Deutsche und Herero 1894 und 1897 gemeinsam gegen die Hottentotten.

auch Adlige ließen ihr Leben bei der Schlacht am Wasserberg
Pavian-Spuren im Sand
Weg zum Friedhof

Allerdings übervorteilten betrügerische Händler die Herero und trieben sie in Schulden, Not und Armut und damit in die Abhängigkeit. Zudem gab es ungesühnte Tötungsdelikte von Weißen an Herero und machten Gerüchte über ungeklärte Todesfälle in Gefängnissen die Runde. Als 1897 die Rinderpest die Hälfte ihres Rinderbestandes vernichtete,

verloren die Herero ihren Reichtum und Stolz. Zudem lief ihnen die Befreiung der durch sie versklavten Damara gegen den Strich. Als die Zeit für sie günstig zu sein schien, streuten die religiösen Führer das Gerücht, Leutwein sei im Kampf gegen einen Stamm der Hottentotten gefallen. Heute erinnert eine winzige Gedenktafel an die vielen gefallenen Herero.

Paviane

Auf dem Rückweg zum Bus zeigt uns Sydney die Spuren von ein paar Pavianen im Sand. Später, auf der Fahrt nach Windhoek sehen wir dann tatsächlich auch mehrmals welche. Es ist allerdings nicht ganz einfach, sie zu fotografieren. Denn spätestens, wenn der Bus steht, wetzen sie los, um wenige Sekunden später verschwunden zu sein. Aber immerhin sehen wir endlich Affen in Afrika.

VG Wort
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