Wanderung Plain of Six Glaciers

Tagestour vom Lake Louis zur Ebene der Sechs Gletscher

Bergkette zwischen Mount Fairview und Mount Aberdeen
Mount Levroy oberhalb der Plain of Six Glaciers

Nach dem gemeinsamen Abstecher auf den Big Beehive folgen wir der Beschilderung von der Passhöhe zum Lake Louise und Plain of Six Glaciers. Damit geht es erneut in einem Zickzackkurs durch den Wald in das vom Gletscher geformte Trogtal.

Nach etwa 1,3 km ab dem Big Beehive und rund 230 m tiefer als beim Übergang biegen wir rechts zum Trail der Sechs Gletscher ab. Wer sich indes links hält, kann wahlweise über den Mirrow Lake oder direkt über den Lake Louise zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Wanderweg zwischen Big Beehive und Plain of Six Glaciers
Wegweiser zum Plain of Six Glaciers
Wanderweg Plain of Six Glaciers

Auf dem nächsten Abschnitt kreuzt der Wanderweg mehrere Erosionsrinnen und Lawinenbahnen. Diese waldfreien Zonen ermöglichen uns immer wieder schöne Ausblicke über das Tal zum Mount Fairview und der südlich davon gelegenen Bergkette mit dem Haddo Peak und dem 3152 m hohen Mount Aberdeen samt dem darunter liegenden Aberdeen Gletscher.

Mont Lefroy und Mont Lefroy Gletscher (links)
Schneereste im September unterhalb vom Plain of Six Glaciers

Schauen wir direkt nach Süden, wird das Bild auf diesem, nun wieder ansteigenden Abschnitt vom Mont Lefroy (3423 m, auch Mount Lefroy) bestimmt. Auch wenn die Gipfel für uns nicht erreichbar sind, so gibt es uns doch ein tolles Gefühl, ihnen mit jedem Schritt näher zu kommen.

Blick zurück zum Lake Louise und Mount Fairview
Aufstieg zum Plain of Six Glaciers

Teehaus am Plain of Six Glaciers

Vier Stunden nach unserem Aufbruch am Chateau erreichen wir das Plain of Six Glaciers Teahouse. Die zweigeschossige Hütte kommt gerade recht für eine längere Pause. So sehen das auch die anderen Wanderer, die allesamt das Teehaus ansteuern.

Entsprechend eng geht es sowohl in dem kleinen Gebäude, als auch auf der Terrasse davor zu. So können wir uns glücklich schätzen, dass wir ohne groß zu warten zwei freie, sonnige Plätze auf der oberen Veranda finden und auch gleich bedient werden.

Teehaus am Plain of Six Glaciers
Obere Veranda im Teehaus am Plain of Six Glaciers

Nett finden wir ein Schild, dass uns dazu beglückwünscht, eine Höhe von 2100 m erreicht und 5,5 km ab Lake Louise gewandert zu haben. Nun gut, der Text richtet sich nicht an die wenigen Wanderer, die den Umweg über den Lake Agnes und den Big Beehive auf sich genommen haben. Immerhin verät uns der Aushang, dass der Rückweg gut zu machen ist.

Was wir leider früher hätten wissen sollen: bei den zwei Teehäusern kann man sich je einen halben Stempel abholen. Diese zeichnen einen als erfahrenen und engagierten Bergsteiger aus, womit sie ein begehrtes Souvenir sind. Aber allein deswegen nochmal zurück an den Lake Agnes laufen? Nein, da verzichten wir doch lieber auf die Auszeichnung.

Streifenhörnchen nahe dem Plain of Six Glaciers
Mont Lefroy mit Gletscher

Schweizer Gastlichkeit in den Kanadischen Rockies

Die Hütte selbst ähnelt in ihrer Bauweise denen, welche wir aus den Schweizer Alpen kennen. Tatsächlich wurde das Teahouse 1927 von zwei Schweizer Bergführern errichtet. 1959 übernahm Joy Kimball die kleine Bergwirtschaft, deren Familie sich auch heute noch um das Wohl der Wanderer kümmert. Dabei ist es ihnen auch wichtig, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu erhalten.

So gibt es bis heute keinen elektrischen Strom im Plain of Six Glaciers Teahouse. Die warmen Speisen werden jeden Tag frisch auf Propangas-Öfen zubereitet. Die benötigten Grundnahrungsmittel wie Mehl und Zucker werden an nur einem Tag im Jahr für die ganze Saison mit dem Helikopter geliefert. Frische Zutaten werden dann mit Packpferden oder von den Mitarbeitern hoch zur Hütte getragen.

Kiefernhäher auf Beutesuche beim Teehaus am Plain of Six Glaciers
Kiefernhäher (Nucifraga columbiana)

Trotz dieser mühsamen Versorgung sind die Preise für Getränke und Essen human. Um nicht zu sagen, günstiger als in den großen Gasthäusern in Lake Louise, welche die Waren tagtäglich bis vor die Tür geliefert bekommen. Und das, obwohl die Familie auch noch einen Teil der Einnahmen an die David Suzuki Foundation spendet.

Ein weiteres Anliegen der Familie ist, sich so wenig wie möglich auf das empfindliche Ökosystem der Berge auszuwirken. Beim Recycling und Wasser mag dies noch klappen. Die Tiere lassen sich von dem Bestreben hingegen nicht irritieren. So beobachten wir Kiefernhäher, die den Gästen das Brot teilweise aus der ausgestreckten Hand pflücken.

Ebene der Sechs Gletscher

Warnschild auf dem Plain of Six Glaciers
Grundmoräne eines abgeschmolzenen Gletschers

Gut erholt nehmen wir die letzten knapp anderthalb Kilometer zum Aussichtpunkt über den Plain of Six Glaciers in Angriff. Mit dem Mont Lefroy nun deutlich vor Augen, erinnert uns nochmals eine Tafel an den tragischen Absturz von Phillip Abbot im Sommer 1896.

Wie Menschen so sind, war es ausgerechnet sein Tod, der das Interesse der Kanadier am Bergsteigen und Klettern noch bestärkte. So erreichte am 3. August 1897 eine Gruppe den Gipfel vom Mont Lefroy und bezwang damit den Berg, den bis dahin als unbesteigbar galt.

Ankunft am Aussichtspunkt des Plain of Six Glaciers
Lower Victoria Glacier, Unterer Victoria Gletscher
Überglückliche Annette beim Plain of Six Glaciers

Oberhalb vom Teehaus geht der Weg in einen Pfad über. Da wir uns oberhalb der Baumgrenze befinden, gewinnt außerdem der Wind wieder an Stärke. Konnten wir im Teehaus noch mit offener Jacke das schöne Wetter genießen, kontrollieren wir nun alle Reißverschlüsse, ob sie auch wirklich alle ganz zugezogen sind.

Nach einer Viertelstunde (ab dem Teehaus) warnt uns ein Schild am Wegrand, dass der weitere Trail nicht gepflegt werde. Da hier die wenigsten Wanderer an diesem Punkt umkehren, ist der Pfad aber gut zu erkennen und sicher genug, dass wir auch danach ohne Probleme vorankommen.

Unterer Victoria Gletscher
Blick über den unteren Victoria Gletscher und den Lefroy Gletscher

Einzig der Wind sorgt dafür, dass wir immer wieder innehalten, um besonders starke Böen abzuwarten. Gäbe es nicht schon die Redensart »es zieht wie Hechtsuppe«, auf der Ebene der Sechs Gletscher könnte man sie glatt neu erfinden. Tatsächlich haben wir - wie auch die Wanderer vor und hinter uns - mehr mit dem Sturm als der Steigung oder dem Pfad zu kämpfen. Einzelne weichen sogar auf einen schlechteren Pfad aus, der tiefer und geschützter liegt.

Als wir endlich den Aussichtspunkt am Ende des Trails erreichen, treffen uns mehrere Orkanböen. Direkt unterhalb der Gletscher einfach still stehen zu bleiben, ist unmöglich. Und doch genießen wir megastolz die gigantische Sicht über den Gletscherkessel zu den Gipfeln der umliegenden 3000er. Zugleich sind wir aber auch froh, dass wir unsere neuen Handschuhe vom Lake Moraine mitgenommen haben. Hier oben sind sie Gold wert.

Blick über den Gletscherfluss unterhalb vom Plain of Six Glaciers
Blick zum Mount Victoria und den oberen Mount Victoria Glacier

Rückweg zum Lake Louise

Blick über die Grundmoräne der Gletscher am Plain of Six Glaciers
Wanderung zur Plain of Six Glaciers

Auch wenn der Trail beim Aussichtspunkt endet, so heißt das nicht, dass es nicht mehr weiter geht. Es ist eine Gruppe junger Wanderer, die an uns vorbei Kurs auf die Steilwand unterhalb vom nördlichen Gipfel des Victoria Peaks und dem daran anschließenden Grat mit dem Collier Peak und Pope's Peak nimmt.

Allein empfehlen können wir die nur schwach ausgebildeten Trampelpfade dorthin nicht. Denn sie führen direkt in einen Bereich, in dem es häufig zu Steinschlägen kommt. Da wir keine Lust auf mineralische Kopfnüsse haben, kehren wir um und wandern auf demselben Weg zurück zum Plain of Six Glaciers Teahouse.

Nordgipfel des Mount Victoria
Mount Aberdeen

Mit dem Wind im Rücken ist das Laufen deutlich angenehmer, sodass wir nun auch Sinn für die kleinen Dinger am Wegrand haben. Wie etwa für mehrere blühende Fingersträucher. In dieser Gegend bleiben die Sträucher niedrig. Aber dass sie in dieser Höhe überhaupt gedeihen, ist bemerkenswert. Der bei uns beliebte Zierstrauch wächst sogar auf Standorten, auf denen die kälteerprobten Zwergkiefern fehlen.

Auf dem Rückweg zum Teehaus schwächt sich der Wind immer mehr ab, weshalb wir auch unsere zweite längere Pause in der Hütte verbringen und uns dort wieder aufwärmen. Beim weiteren Abstieg entdecken wir als nächstes einen tierischen Überlebenskünstler. Es ist ein Eisgraues Murmeltier (Marmota caligata), das in der unwirtlichen Gegend seine Wintervorräte einsammelt.

Louise Creek oberhalb vom Lake Louise
Aussicht vom Plain of Six Glaciers auf den Lake Louise

So wie wir eine letzte tiefe Mulde passiert haben, in der sich der Schnee das ganze Jahr über hält, rückt allmählich der Lake Louise ins Bild. Die Gletscher begleiten uns dennoch. Zwar ist der schuttbedeckte Eisstrom inzwischen in einen mäandrierenden Schmelzwasserbach übergegangen. Dafür aber ist ein gelegentliches Grollen im Tal zu hören. Den Blick zurück können wir uns sparen. Bis man die Lawine hört, die den Krach ausgelöst hat, ist sie längst auf den Boden aufgeschlagen.

Wo unser Wanderweg auf den Lakeshore Trail übergeht, betreten wir das Reich der Spaziergänger. Wir genießen die vom oberen Ende des Sees malerische Aussicht über das Wasser zum Chateau. Aus der Ferne wirkt das Hotel gar nicht mehr so groß wie noch am Morgen. So nutzen wir diesen letzten Abschnitt der Tour zum lockeren Auslaufen und zur Planung des Abends. Immerhin sollen 20 km (ab der Deer Lodge) und 1000 Höhenmeter nicht alles sein, was Annette an ihrem Geburtstag bekommt ...

Video Wanderung zum Plain of Six Glaciers

Eindrücke vom Lake Louis und einer langen Wanderung über Lake Agnes und den Big Beehive bis zum Plain of Six Glaciers, einem Gletscherkessel, in den sechs Gletscher einmünden.

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung ab dem Lake Louis

Von Trans-Canada-Highway (1) im Ort Lake Louise zum Lake Louise abbiegen und anschließend der Beschilderung bis zu den Parkplätzen am Lake Louise folgen.

Ausgangspunkt Lake Louise / Hotel The Fairmont Chateau (1750 m)
Koordinaten N 51.416070, W 116.21260 (Parkplatz unterhalb vom See)
Gehzeit 7 - 8 Stunden
Distanz 18,5 km
An-/Abstiege ca. 1000 HM
Grad T3
Einkehr Es bestehen zwei einfache Möglichkeiten zur Einkehr mit Teahouse am Lake Agnes und  dem Teahouse am Trail Plain of Six Glaciers, welches wir zweimal passieren.
Beschilderung Ab dem Hotel zunächst den Schildern zum Lake Agnes folgen, ab dort weiter über den Big Beehive zum Plain of Six Glaciers.
gps-Daten Wanderung Plain of Six Glaciers gpx
kml-Daten Wanderung Plain of Six Glaciers kml

Wanderkarte Plain of Six Glaciers

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort