Die Meeresgrotten von Kantarkasti und das Edro Schiffswrack

Eine beschauliche Küstentour und ein gestrandetes Frachtschiff

Über dem Kap Drepano blickt die Wallfahrtskirche Agios Georgios über einen idyllischen Hafen hinweg zum Inselchen Geronisos. Die Wanderung von Pegia zu den Meeresgrotten von Kantarkasti startet an einem frühchristlichen Ort. Vor uns liegt eine beschauliche Küstentour zu bizarr geformten Felsen. Am Ziel scheinen die Kantarkasti-Grotten von Menschenhand in die Steilküste geschlagen worden zu sein. Sie befinden sich nördlich dem Edro Schiffswrack, das seit Jahren sein Dasein auf einem Felsen fristet.

Weiße Klippen auf Zypern

Anreise entlang der Küste über Pegia und Coral Bay

Von Paphos aus fahren wir nach Pegia. Es ist der letzte Ort vor dem unbesiedelten Naturschutzgebiet der Halbinsel Akamas. Wir halten uns immer nahe der Küste. Somit kommen wir nach Coral Bay, einer Feriensiedlung mit einem der schönsten Strände Zyperns. Um am Strand herum zu hocken, ist es Ende Dezember zu kühl. Wir fahren also durch bis zum Kap Drepano, wo die Agios Georgios weithin sichtbar auf einer Klippe über dem Meer thront. Der Parkplatz wirkt überdimensioniert. Da es sich um eine Wallfahrtskirche handelt, wird hier jedoch ab und an ein größerer Andrang herrschen.

Wallfahrtskirche Agios Georgios

Die neobyzantinische Kirche Agios Georgios ist dem Schutzheiligen der Hirten geweiht. Im Innern ist sie schlicht gehalten. Eine aufwendige Ikonostase darf jedoch auch hier nicht fehlen. Warum es sich bei der Agios Georgios um eine Wallfahrtskirche handelt, steht nirgends beschrieben. Vielleicht sind die Ruinen bei der Ausgrabungsstätte der Grund? Denn hier wird die Aphrodite seit der Antike bis dato traditionell verehrt. So stellt die ältere, unscheinbare Kapelle unweit der modernen Kirche einen Platz für Liebeszauber dar. Dort entzündet man eine Kerze und wiederholt dreimal den Namen des oder der Geliebten. Dann wird die Kerze nach unten gekehrt. Bleibt die Flamme am Leuchten, so wird die Liebe erwidert. Erlischt die Flamme jedoch, schaut man sich besser nach einer anderen Partie um. Oder man stellt den Aberglauben in Frage und nimmt sein Schicksal in die eigene Hand.

Auf zur Küstentour

Kulturell sind wir noch immer von den Ruinen bei Kato Pafos und den Königsgräbern gesättigt. Daher lassen wir die Ausgrabungsstätte bei Agios Georgios zunächst außer Acht. Wir folgen der Straße in Richtung des idyllisch gelegenen Hafens. In der Kurve verlassen wir die Straße wieder und wechseln links auf die Piste, die nah am Meeresrand entlangführt. In der Ferne ragt die Insel Geronisos aus dem Mittelmeer empor. Auf den ersten gut 500 Metern hält die Küstentour das, was sie verspricht. Dann aber erreichen wir ein eingezäuntes Grundstück mit Villa und Pool. Leider kann dieses nur landseitig bequem umgangen werden. Trittsicheren Wanderern bleibt ein Pfad am Zaun entlang. Dieser bringt uns an den barrierefreien Zuweg zwischen der Villensiedlung am Cap St George und dem Hafen.

Über die Kalkklippen zu den Meeresgrotten von Kantarkasti

Wir laufen ein kurzes Stück über Bitumen, bevor wir in die Einfahrt zu einer Art Clubhotel einbiegen. Hier ermöglicht es ein Ausguck, auf den Strand von Kafizis blicken. Beim Hoteleingang beginnt eine schmale, mit Flusskiesel gepflasterte Promenade, die beschaulich an den Villengrundstücken vorbeiführt. Hier und da hat man schöne Aussichten über die weiße Felsküste. Nach knapp einem Kilometer endet die Promenade. Der Wanderweg verläuft nun als Pfad oberhalb der Kalkklippen. Bei den Sea Caves Villen bietet sich an, durch eine Art Flussbett bis zu den Klippen hinabzuklettern. Wir nutzen hingegen erst den schmalen Promenadenweg vor der zweiten Villensiedlung bis zu einem nahen Parkplatz. Vom Felsvorsprung südlich des Parkplatzes aus sind die Kantarkasti-Grotten am besten zu sehen. Als Aussichtspunkt auf die Meeresgrotten ist das Plateau unromantisch. Aber es erfüllt seinen Zweck. Durch ihre eher unnatürlich rechteckige Form scheinen die Wasserhöhlen wie von Menschenhand gemacht. Tatsächlich sind es natürlich erodierte Kalkhöhlen.

Weiße Klippen und eine Felsbrücke

Von den Meeresgrotten von Kantarkasti hat man sich bald satt gesehen. Aber es wäre doch gelacht, wenn die weißen Klippen unterhalb der Sea Caves Villen nicht mehr zu bieten hätten? Auf dem Rückweg zur Agios Georgios suchen wir uns einen geeigneten Abstieg zu den Klippen. Da das Terrain durch den Sand stellenweise rutschig ist, ist Vorsicht geboten. Mit etwas Umsicht ist der Zugang aber gut machbar. Und der Abstieg lohnt sich. Denn plötzlich steht man in einer anderen Landschaft, die gut als Filmkulisse für Star Wars dienen könnte. Bizarr erodierte Kalktürmchen ragen in die Höhe. Etwas Mut verlangt das Überqueren einer Felsbrücke. Es ist ein toller Platz für eine ruhige Pause, bevor wir zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Am Hafen von Agios Georgios

Vor der Rückfahrt gönnen wir uns einen Abstecher zum Hafen von Agios Georgios. Durch die strategisch günstige Lage des Hafens reichen die Ursprünge von Agios Georgios Pegeia bis in die frühchristliche Zeit zurück. Das damalige Drepanum war ein wichtiger Zwischenhafen für die Korntransporte von Ägypten nach Konstantinopel. Der wirtschaftliche Glanz der Antike ist längst verblasst. Anstelle von Handelsschiffen für Weizen und Wein dümpeln heute kleine Fischerboote dekorativ im Wasser.

Das Schiffswrack der Edro III und Bananen von Zypern

Die Tour zu den Meeresgrotten von Kantarkasti gleicht einem idyllischen Sonntagsspaziergang. Bis zum Abstieg zu den Klippen ist dieser einfach zu meistern. Somit haben wir noch genügend Elan für einen weiteren Abstecher zum Edro Schiffswrack. Vom Parkplatz bei den Grotten hätten wir fast schon zum Schiffswrack hinlaufen können. Dann wäre der Spaziergang allerdings auf die Länge einer Wanderung angewachsen. Wir nehmen somit das Auto, mit dem wir zuerst durch die Bananen-Region von Zypern fahren. Hier erreicht die Südfrucht eine Größe, die der im Januar 2012 außer Kraft gesetzten EU-Norm für Bananen entspricht. Anders als Bananen von Kreta oder der Blumeninsel Madeira konnten zyprische Bananen somit als Handelsklasse 1 gehandelt werden. Für die Bauern rund um Paphos ist sie eine der wichtigsten Erzeugnisse.

Manövrierunfähig an die Küste getrieben

Der Besatzung der Edro III waren EU-Normen und Bananen von Zypern am 7. November 2011 wohl einerlei. Kurz nach dem Ablegen bei Limassol in Richtung der griechischen Insel Rhodos geriet ihr Schiff in schwere See. 15 Kilometer vor Paphos kollidierte die Edro III mit einem Felsen. Manövrierunfähig trieb der Frachter an die Küste. Am Morgen des 8. November lief das unter der Flagge Sierra Leones fahrende Schiff nahe Pegia auf felsigen Grund. Sieben Besatzungsmitglieder wurden mit Hubschraubern gerettet. Einzig der Kapitän verharrte an Bord. Mit seinem Bleiben wollte er Bergungsansprüche auf das Schiff verhindern. Wenn man bedenkt, wie schäps das Wrack heute vor der Küste hängt, war sein wochenlanges Ausharren sicherlich mehr als ungemütlich.

Dekoration anstatt Bergung

Bis dato blieben sämtliche Bergungsanstrengungen erfolglos. Lediglich die Schadstoffe und natürlich auch der Kapitän wurden entfernt. Da das Wrack in einem länderübergreifenden Natura 2000 Gebiet liegt, ist die Bergung nur schwierig durchführbar. Eine Verschrottung direkt vor Ort wäre illegal. Obendrein besteht Uneinigkeit zwischen dem albanischen Schiffseigner und dem russischen Versicherer. Leider lassen sich die Bergungskosten auch durch die Einnahmen aus dem Altmetall nicht decken. So verbleibt das Schiff weiterhin in zwölf Grad Schieflage. Inzwischen hat sich die Edro III zu einer beliebten Touristenattraktion entwickelt. Und auch bei Trauungen dient das Schiffswrack als dekorativer Hintergrundkulisse.

Anfahrt, Anforderungen und GPS-Daten zur Küstentour bei Kantarkasti

AusgangspunkteParkplatz Wallfahrtskirche Agios Georgios
KoordinatenN 34.9027, E 32.3194
Gehzeit2 Stunden
Distanz7,5 km
An-/Abstiegeca. 60 HM Auf- und Abstieg 
AnforderungenT 2. Einfacher Küstenweg, lediglich bei den Weißen Klippen eine kleine Kraxelei
EinkehrRestaurant Agios Georgios Pegeia beim Parkplatz
BeschilderungKeine Beschilderung, Wege entlang der Küste
GPS-DatenWandertrail Kantarkasti gpx
kml-DatenWandertrail Kantarkasti kml

Wanderkarte zur Küstentour

Höhenprofil

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