Ein Tag auf der Insel La Graciosa

Vom Traumstrand aus ab in die Wüste

La Graciosa | Schwesterninsel von Lanzarote
Playa de las Conchas und die Isla Montaña Clara

Lanzarotes Schwesterninsel La Graciosa gehört zu den Highlights der Kanaren. Bei unserer zweiwöchigen Reise findet sich somit auch ein Tag, den wir auf der anmutigen Insel, wie der Name verspricht, verbringen können. Etwas unsicher sind wir jedoch bei den Fähren.

Müssen wir eventuell einen Platz reservieren? »Fahrt einfach hin« ermutigt uns der Hotelmanager des Labranda Alyssa. Wir verlassen uns auf ihn und fahren vom einen zum anderen Ende der Insel. Eine längere Fahrt ist auf Lanzarote kaum möglich.

Zur Abfahrt bereit! - Fähre nach La Graciosa
Auf der Fähre nach La Graciosa
Fähre der Líneas Romero nach La Graciosa

Beim Fährhafen von Órzola

Zeitig erreichen wir das kleine Hafenstädtchen Órzola und fahren auf gut Glück gleich zum Hafen. Parkplätze sind in dem Städtchen Mangelware. Doch am Hafen winkt uns sogleich ein Parkwächter zu und weist uns auf den nächstbesten Platz.

Das hat schon einmal gut funktioniert. Denn unser Auto steht nun nahe am Ticket-Häuschen der Líneas Romero. Tickets für die 10-Uhr-Fähre sind auch noch genügend vorhanden. So sitzen wir bald schon auf dem Boot und warten auf die Abfahrt.

Eine der Fähren zur Insel La Graciosa
Ein Blick zurück zur Hafenstadt Órzola

Órzola wirkt sehr verschlafen. Was hätten wir in dem Ort nur gemacht, wenn wir ein oder zwei Stunden auf die nächste Fähre hätten warten müssen? Der Hafen ist mit seinen weißen Häusern recht hübsch. Es gibt ein paar Fischrestaurants, welche jedoch noch geschlossen sind.

Wer Ruhe sucht, ist in den kleinen Dorfpensionen sicherlich gut aufgehoben. Lediglich zu den Abfahrtszeiten der Fähren herrscht vorübergehend ein geschäftiges Treiben, wenn die Ausflügler nach La Graciosa wollen und die Inselbewohner Warenkisten auf das Boot bringen.

Anne auf der Fähre nach La Graciosa

Bei Abfahrt hat sich die Fähre richtig gut gefüllt. 25 Minuten dauert die Fahrt. Vorbei an der Punta Fariones, der Nordspitze Lanzarotes, blicken wir eine ganze Weile auf die Steilklippen des El Risco de Famara. Doch noch vor den ehemaligen Salinen, queren wir den Meeresarm El Río und nehmen Kurs auf La Graciosa.

Wir nähern uns langsam Caleta de Sebo. Es ist eines der zwei Ortschaften auf der Insel. Die Siedlung mit den weißen Häusern sieht auf dem flachen, wüstenartigen Eiland unwirklich aus. Im Hintergrund ragen einige Vulkane in die Höhe. Von was leben die Menschen dort?

Die Anfahrt nach La Graciosa
Im Hafen von Caleta de Sebo auf La Graciosa

»Bienvenidos« im Hafen von Caleta de Sebo

Die Frage nach der Einnahmequelle beantwortet sich bei der Ankunft am Hafen von Caleta de Sebo eindeutig mit Tourismus. Mit einem großen »Bienvenidos« am Vordach der Lineas Maritimas Romero werden wir alle herzlich willkommen geheißen. Ein Restaurant steht neben dem anderen. Dazwischen warten Fahrradverleiher auf die ankommende Kundschaft von den Fähren.

Ein Fahrrad ist es, was wir uns gleich mal besorgen wollen. Jedoch geben wir lieber den Geschäften in der zweiten Reihe eine Chance. Beim kleinen Restaurant »El Everil« bekommen wir zwei stabile und gut funktionierende Mountain-Bikes und schon kann es los gehen.

Für La Graciosa leiht man sich am besten ein Fahrrad aus
Restaurant »El Everil« mit Fahrradverleih

Oranismo Autónomo de Parques Nacionales

Durch die Calle la Popa, die Straße rechts neben dem El Everil, fahren wir schnurstracks hinaus aus Caleta de Sebo. Bereits am Ortsrand bestätigt sich die Entscheidung für eine Fahrradtour anstatt einer Wanderung. Wir fahren auf einer breiten Sandpiste. Vor uns ragt der Vulkankegel des Aguja Grande in die Höhe. Ansonsten ist der Weg nicht sehr abwechslungsreich. Das 30er-Schild gilt wohl den wenigen Jeep-Taxis der Insel, welche die bewegungsfaulen Touristen zu den Stränden fahren.

Die Hinweise des Nationalparks Oranismo Autónomo de Parques Nacionales, kurz OAPN, gelten aber auch für uns. Zusammen mit der nördlichen Steilküste Lanzarotes wurde im Mai 1986 der gesamte Chinijo-Archipel mit den Inseln Alegranza, Montaña Clara, Roque del Este, Roque del Oeste und der einzigen bewohnten Insel La Graciosa, gesetzlich zum Naturschutzgebiet erklärt. Außerhalb der Ortschaften gilt es, die Landschaft zu erhalten, Pflanzen zu schonen und die Wege nicht zu verlassen.

Lars auf Radtour über La Graciosa
Anne mit dem Fahrrad auf der Insel La Graciosa

Die Sandpiste führt uns zwischen den beiden Vulkanen Aguja Grande und Montaña del Mojón hindurch. In dieser fruchtbaren Senke von La Graciosa sehen wir einige eingezäunte Fincas. Die Gracioseros bewirtschaften hier ihre kleine Schrebergärten für den Eigenbedarf. Beim Wegkreuz weist ein Schild zur Montaña Amarilla im Westen der Insel und auf den Ort Pedro Barba im Osten. Wir fahren jedoch geradeaus in Richtung Playa de las Conchas.

Mit dem Fahrrad über die Insel La Graciosa
Schrebergärten der Gracioseros für den Eigenbedarf

Bei der Playa Baja del Ganado

Knapp vier Kilometer nach Caleta de Sebo erreichen wir den Zuweg zur Playa Baja del Ganado. Die letzten 180 Meter bis zum Stand sind durch das Naturschutzgebiet zu Fuß zu bewältigen, woran sich nicht jeder hält, wie wir bei Ankunft sehen.

Zur Linken gibt es hier einen kleinen Sandstrand. Zur Rechten ist die Bucht steinig und rau. Am Strand ist wenig los. Somit ist die Playa Baja del Ganado für uns der perfekte Ort für ein kleines Picknick mit Äpfeln und Keksen.

Chinijo-Archipel - Oranismo Autónomo de Parques Nacionales

Zum weißsandigen Bilderbuchstrand Playa de las Conchas

Weiter geht die Fahrt Richtung der Montaña Bermeja, dem roten Vulkan von La Graciosa. Nach gut einem Kilometer erreichen wir den Fahrradparkplatz der Playa de las Conchas. Auch hier gehen die letzten 200 Meter über den feinsandigen Weg, zu Fuß bis zum Strand.

Die Playa de las Conchas ist der weißsandige Bilderbuchstrand von La Graciosa. Mit dem azurblauen Wasser des Atlantischen Ozeans und der Isla Montaña Clara im Hintergrund, gibt der Strand wirklich ein sehr schönes Bild ab.

Bilderbuchstrand Playa de las Conchas und die Isla Montaña Clara
Montaña Bermeja auf der Insel La Graciosa

Die Playa de las Conchas ist für viele Tagesgäste das einzige Ziel auf La Graciosa. Sie trotzen der kühlen Brise, die heute herrscht. Die rote Flagge warnt jedoch vor einem Bad in der Brandung. Eine Gedenktafel erinnert an eine Tragödie vom 26. Dezember 2013.

Der 47-jährige Francois und seine 11-jährige Tochter Bahia wurden an dem Tag von einer großen Welle mitgerissen. Denn trotz der Schönheit dieses Strandes, ist das Meer sehr gefährlich. Es ist besser, das Idyll von Weitem zu betrachten, um weitere Dramen zu vermeiden.

Beschilderung auf der Insel La Graciosa
Auf dem Weg zur Playa de las Conchas
Gedenktafel erinnert an eine Tragödie vom 26. Dezember 2013

Um die Montaña Bermeja zur Baja de las Maspalomas

Beim Fahrradparkplatz der Playa de las Conchas startet auch der Aufstieg auf die Montaña Bermeja. Natürlich belohnt der 152 Meter hohe Gipfel mit einer grandiosen Schau über den Chinijo-Archipel. Wir verzichten jedoch, fahren 450 Meter auf der Hauptpiste zurück und nehmen dann die erste Abbiegung links, in Richtung Playa de La Lambra. Hier wird es nun wirklich ruhiger und weniger staubig, da hier keine Insel-Taxis mehr an uns vorbei fahren. Um die Montaña Bermeja herum, radeln wir zur Baja de las Maspalomas.

Eine Basaltbrücke an der Baja de las Maspalomas

Da hier noch weniger Autos fahren, als zwischen Caleta de Sebo und der Playa de las Conchas, ist die Piste hier viel sandiger und anstrengender zu fahren. Uns kommt ein armer Kerl mit einem Plattfuß an seinem Fahrrad entgegen. Sowas nenne ich hier im Niemandsland nun wirklich Pech.

Zweieinhalb Kilometer nach dem Abzweig kommen wir zum Glück heile beim nächsten Parkplatz an. Wir sind bei der Baja de las Maspalomas, der Bucht der vielen Tauben. Irgendwo hier sollte es eine Basaltbrücke geben. Die Gegend ist sehr flach und von Weitem ist nichts zu erkennen.

Die wüstenhafte Landschaft auf La Graciosa
Basaltbrücke an der Baja de las Maspalomas
Spuren im Sand - Playa de La Lambra

Eine Basaltbrücke an der Baja de las Maspalomas

Wir lassen die Räder zurück und spazieren entlang dem sandigen Pfad. Nach etwa 300 Meter verraten die Spuren den Zugang zur Basaltbrücke. Hier hat das Meer einen etwa 70 Meter langen Kanal geschaffen. Stoisch hat sich über den dramatisch herein rollenden Wellen eine Brücke aus optisch einzelnen Basaltsteinen gehalten.

Keineswegs würden wir uns dort hinüber trauen. Die Aussicht auf die Naturbrücke und das wilde Wasser darunter genügt uns bereits. Wir haben das Azur Window auf Gozo bei Malta noch heile angetroffen. Auch das konnte den Naturgewalten nicht dauerhaft standhalten.

Playa de La Lambra
Sandiger Radweg auf La Graciosa

Die wüstenhafte Landschaft an der Playa de La Lambra

Zurück beim Fahrrad, nehmen wir Kurs auf Pedro Barba. Die niedrigen, hellen Sanddünen bieten eine wüstenhafte Landschaft, die sich über zwei Kilometer entlang der Playa de La Lambra zieht. Die Dünen sind übersät mit Millionen von weißen Schneckenhäusern.

Wer die Einsamkeit sucht, ist hier genau richtig. Allerdings ist es auch recht stürmisch. In dieser Wüste begegnet uns eine einzige Frau, die zu Fuß unterwegs ist. Ich bin so froh, dass wir uns Fahrräder gemietet haben.

Auf sandigen Pfaden über die Insel La Graciosa
Die wüstenhafte Landschaft an der Playa de La Lambra

Die Ferienkolonie Pedro Barba

Die Wüstenfahrt endet an einer Kreuzung. Hier könnten wir die Fahrstraße über einen Bergrücken zurück nach Caleta de Sebo nehmen. Aber wir fahren bergab nach Pedro Barba. Das Dorf ist eigentlich eine kleine Ferienkolonie, die im Winter sehr verlassen wirkt. Palmen, Kakteen, Agaven und Drachenbäume zieren die Höfe und Vorgärten der zierlichen weißen Häuser.

In den 1960er Jahren entstanden diese als unbewohnte Fischerunterkünfte. Später wurden sie verkauft. Abgesehen von der 2014 verlegten Wasserleitung verfügt Pedro Barba über keinerlei Infrastruktur. Dafür hat es einen Bootsanleger, der sich kurz vor dem Verfall befindet und einen durch diesen geschützten Sandstrand.

Typisches Haus der Ferienkolonie Pedro Barba

Die schwarze Steilküste Morros Negros

Knapp 200 Meter nach dem Sandstrand von Pedro Barba wird unsere Tour doch etwa ungemütlich. Wir kommen an die schwarze Steilküste Morros Negros und die ist gänzlich ungeeignet für Fahrräder. Wir sind davon überzeugt, Schieben wird schon klappen. Doch einige Male sind wir kurz vor dem Umkehren. Geschickt gilt es, die Räder über die Steine und Felsblöcke zu hieven. Neben uns geht es 15 bis 20 Meter hinab bis ans Meer. Irgendwann erreichen wir den Barranco de los Conejos, die Kaninchenschlucht.

Ab hier wird es wieder besser. Doch solltet Ihr die gleiche Runde machen wollen, wie wir, nehmt lieber die Fahrstraße von Pedro Barba nach Caleta de Sebo zurück. Ein Abstecher zu Fuß in Richtung der Morros Negros lohnt sich aber, alleine wegen der kleinen Sandstrände bei der Caleta del Aguardiente, der Schnapsbucht. Dort treffen wir nur wenige Leute an und das Wasser ist im Meeresarm El Río sehr ruhig.

Weniger für Fahrräder geeignet - Steilküste Morros Negros
Blick von Morros Negros nach Lanzarote

Gemütlicher Abschluss in Caleta de Sebo

Caleta de Sebo und sein Hafen sind nun kaum noch zu verfehlen. Durch die breiten sandigen Dorfstraßen fahren wir an der Kirche vorbei zur Uferpromenade Avenida Virgen del Mar. Wir geben die Fahrräder wieder beim El Everil. Die Schattenplätze des Restaurants sind leider allesamt belegt. Das gilt leider auch für sämtliche andere Lokale im Ort, da die Sonnenschirme dem Wind kaum standhalten.

Sonne haben wir jedoch genug abbekommen, weshalb wir in das Mesón De La Tierra hinein sitzen. Gerade ist eine Ladung Desserts fertig geworden, welches die Bedienung in den Kühlschrank stellt. In den Gläsern sind irgendwelche eingelegten und gekühlten Kekse. Das Ganze ist mit viel Sahne lecker drapiert. Genau das, was wir jetzt brauchen.

Barranco de los Conejos

Wir sind knapp 20 Kilometer über die Insel La Graciosa geradelt. Die sandigen Pisten, der starke Wind und alles in der prallen Sonne, sowas bereitet dem Radfahrer schon etwas Mühe. Doch die Insel bietet wundervolle Eindrücke. Es ist ruhig und alles läuft etwas gemächlicher ab, was auch an der Jahreszeit liegen kann. Wir verbringen noch etwas Zeit in Caleta de Sebo. Das Dorf mit seinen knapp 700 Einwohnern wirkt sauber und stilvoll. Doch könnten wir hier dauerhaft leben? Es ist für uns schwer vorstellbar.

Dorfkirche in Caleta de Sebo
Restaurant in Caleta de Sebo

La Graciosa hat eine isolierte Lage und es gibt kein Grundwasser. Lange Zeit war die Insel deshalb unbewohnt und ein optimales Versteck für Piraten. Von hier aus konnten sie die Schiffe auf der Route von Europa nach Südamerika überfallen. 1876 setzte dann die Besiedelung durch Fischer aus den ärmeren Dörfern von Lanzarote ein. Sie erhielten eine Fischereilizenz und in einer Fischfabrik konnten sie ihren Fang haltbar machen.

Die Übersiedler blieben, lebten weiterhin vom Fischfang und vom Handel mit Meeresprodukten. Später kam der Tourismus dazu, was heute dazu führt, dass auch die jungen Leute gerne auf ihrer Heimatinsel bleiben, solange sie ihnen Arbeit bietet. Wir jedoch nehmen eine der Nachmittags-Fähren und reisen zurück nach Órzola. Wir haben noch einen langen Rückweg quer über Lanzarote zum Hotel vor uns. Doch der traumhafte Tag auf La Graciosa war es mit Sicherheit wert.

Letzter Blick über den Hafen von Caleta de Sebo
Boote im Hafen von La Graciosa

Video zum Ausflug nach La Graciosa

Tagesausflug nach La Graciosa, der kleinen Schwester der Kanareninsel Lanzarote. Radtour über die Insel zu den Stränden und Buchten.

Infos zur Radtour über die Insel La Graciosa

Wir fahren ganz in den Norden von Lanzarote, nach Órzola. Im Hafen nehmen wir die Fähre nach La Graciosa. In der Hochsaison ist es sicherlich besser, einen Platz auf der Fähre zu reservieren.

Die Radtour beginnt in Caleta de Sebo, dem einzigen richtigen Ort auf La Graciosa. Die Pistenwege bis zur Playa de las Conchas sind gut zu fahren. Doch durch das Hinterland, vorbei an der Playa de La Lambra wird es durch die Sandpisten etwas anstrengender. Die Wanderung entlang der Küste ist leicht. Der Weg bricht entlang der Morros Negros teilweise ab.

Ausgangspunkt Caleta de Sebo
Koordinaten N 29.23015, E -13.50297 (Hafen von Caleta de Sebo)
Gehzeit Inselradtour 2 Stunden (reine Fahrzeit)
Küstenwanderung 3 Stunden (reine Gehzeit)
Distanz 21 km Radtour
9,6 km Küstenwanderung
Anstiege 300 HM Radtour
70 HM Küstenwanderung
Grad T2
Einkehr Cafés und Restaurants in Caleta de Sebo, unterwegs keine
gps-Daten Radtour und Wanderung La Graciosa gpx
kml-Daten Radtour und Wanderung La Graciosa kml

Karte zur Radtour und Wanderung auf La Graciosa

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort