Teguise – von der Küste ins Gebirge

Costa Teguise – eine Retortenstadt in Strandlage

Promenade an der Costa Teguise
Playa de las Cucharas und das erste Fünf-Sterne-Hotel der Insel

Wir sind uns heute etwas unschlüssig. Gehen wir zum Wandern oder zum Besichtigen? Oder machen wir einfach beides? Eine Fahrt in das nördlich von der Inselhauptstadt gelegene Costa Teguise, ist schon mal ein guter Anfang. In den 1970er Jahren sollte in dieser kargen Inselecke Großes erschaffen werden. Eine Retortenstadt sollte das touristische Herzstück Lanzarotes werden.

Auch der Architekt und Umweltschützer César Manrique war entscheidend daran beteiligt. Er entwarf die Garten- und Schwimmbadanlage für das erste Fünf-Sterne-Hotel der Insel. Von ihm stammt der Entwurf des Pueblo Marinero, ein Feriendorf mit höchstens zweigeschossigen Gebäuden im Stil eines kanarischen Fischerdorfes.

Restaurant an der Costa Teguise
Playa de las Cucharas in Costa Teguise

Leider hat man es bei der Planung versäumt, Tiefgaragen mit einzuplanen. Überall stehen Autos und die Großparkplätze werden durch die Palmreihen nicht schöner. Wir lassen unser Auto in der Avenida El Jablillo stehen und laufen in Richtung Küste.

Die Geschäftshäuser entlang der Straße wirken wenig einladend. Hier kann man billig essen und einkaufen. Luftmatratzen und rosa Flamingo-Schwimmringe trotzen der Sonne. Die Farben sind matt und längst ausgeblichen.

Wohin bei Costa Teguise?
Strandbar bei Costa Teguise
Baywatch-Turm an der Playa de las Cucharas

Eine Gasse führt von der zweiten Reihe zur Strandpromenade. Dazwischen stinken die Mülleimer um die Wette. Ein Glück ist die Avenida Los Cocederos nur für Fußgänger und Fahrräder gedacht. Vieles davon wird gerade saniert, was Baulärm mit sich bringt.

Doch Costa Teguise hat an so manchen Ecken eine Sanierung nötig, weshalb wir einsichtig sind. Die Bars und Cafés entlang der Promenade sind auch richtig hübsch. Allerdings werden diese gerade dermaßen beschallt, dass wir lieber weiter spazieren.

Heller Sand an der Playa de las Cucharas
Bungalowanlage an der Promenade von Costa Teguise

Heller Sand an der Playa de las Cucharas

Die Avenida direkt an der Playa de las Cucharas jedoch ist wirklich schön. Hier grenzen Anlagen mit stilvollen, kleinen Villen an. Große Gartenflächen sind mit Kakteen und Palmen bespickt. Wie an der Promenade von Playa Blanca hat man es auch hier mit Kokospalmen versucht.

Neben den prächtigen Dattelpalmen geben diese jedoch ein jämmerliches Bild ab. Genauso die Strandliegen, welche geduldig auf Kundschaft warten. Die dazwischen gespannten Laken deuten auf viel Wind hin.

Montaña Corona oder Montaña de Tinaguache
Wanderung auf den Hausberg von Costa Teguise

Montaña Corona oder Tinaguache - der Hausberg der Ferienstadt

Costa Teguise ist eine Mischung aus Billig, Brauch-ich-nicht oder auch Ganz-nett. Wir sind froh, dass wir uns für die Playa Blanca entschieden haben. Was sich aber auch Costa Teguise gönnt, ist ein Hausberg. Hinter dem Ungestüm an Hotelklotz Beatriz Costa & Spa ragt sanft eine Caldera in die Höhe. In unserem Wanderführer wird dieser Vulkankegel Montaña Corona genannt.

Wie wir später erfahren, hat der Vulkan den Namen Montaña de Tinaguache. Vielleicht wurde der Berg zu oft mit dem Monte Corona, hinter Guinate, im Norden der Insel, verwechselt. Vielleicht hatte man irgendwann den Namen satt, nachdem uns einige Zeit später ein gleichnamiges Virus heimsuchte und ärgerte. Genaues wissen wir nicht.

Anne beim Aufstieg auf die Montaña de Tinaguache
Zum Gipfel der Montaña Corona
Caldera der Montaña de Tinaguache

Die Calle la Atalaya, welche an der Montaña »Wieauchimmer« vorbeiführt, ist für Costa Teguise völlig überdimensioniert. Dies hat den Vorteil, dass man, ohne jemanden zu stören, am Straßenrand parken kann. Da es keinerlei Beschilderung gibt, halten wir uns an eine Fahrspur, welche rechts in Richtung der Caldera abgeht.

Zu Fuß folgen wir dieser Fahrspur 300 Meter bis zu einer Trockensteinmauer. Wir passieren diese durch eine schmale Lücke. In der Ferne sehen wir eine große Steinpyramide und nehmen den Pfad, welcher auf diese zugeht. 100 Meter nach der Mauer ist diese erreicht. Ab nun ist der Gipfelsteig hinauf auf die Montaña Corona kaum zu verfehlen.

Aussicht von der Montaña de Tinaguache
Blick in den Krater der Montaña Corona

Rundblick vom Gipfel der Montaña Corona

oder der Montaña de Tinaguache

Der Aufstieg auf die Montaña de Tinaguache ist zwar kurz, aber ziemlich steil und extrem geröllig. Dazu weht wieder ein gewaltiger Wind. Doch der Aufstieg lohnt sich. Trotz seiner läppischen 226 Meter, bietet der Gipfel einen eindrucksvollen Rundblick.

Südlich sind die grell-weißen Häuser von  Costa Teguise. Im Westen zeichnet sich die Silhouette der Feuerberge ab. Richtung Norden erkennen wir sogar die Kugeln des Peñas del Chache, auf dem höchsten Punkt der Insel. Wunderschön ist das Farbenspiel der Montaña Téjida, gleich gegenüber.

Entlang dem windigen Kraterrand der Montaña de Tinaguache
Die Aussicht ins Inselinnere von Lanzarote

Auf der Nordseite der Caldera suchen wir nach Windschatten und legen eine Pause ein. Danach nehmen wir den großen Bogen des Kraters. Der Kraterkamm ist schmal und wegen der starken Windböen ist etwas Vorsicht geboten. So kommen wir auf der Ostseite zu einem Zickzackpfad, der wieder steil und geröllig die Caldera hinab zur nächsten großen Steinpyramide führt.

Hier könnte man den Pfad direkt hinab in Richtung Hotel Beatriz wandern. Wir nehmen aber den Pfad, der in den Krater hinein führt. Dafür gehen wir von der Pyramide aus gesehen nach links. Der Pfad bringt uns entlang dem südlichen Kraterhang, zunächst auf mehr oder weniger der gleichen Höhe, in den Krater hinein.

Wunderschön ist das Farbenspiel der Montaña Téjida
Steinpyramide an der Montaña de Tinaguache

Bald senkt sich der Pfad zum Kraterboden hinab. Kleine Mauern weisen darauf hin, dass der Krater mal bewirtschaftet wurde. Wir queren einen Graben, bleiben jedoch immer auf dem Pfad. Irgendwann teilt sich dieser. Ganz gleich, welchen wir wählen, beide Pfade führen zu unserem Hinweg.

Wir folgen den bekannten Weg durch die Trockensteinmauer wieder zum Auto. Die Tour war in unserer Planung mit einem Fragezeichen versehen. Nun sind wir aber froh, dass wir die Runde mitgenommen haben. Die Aussicht ist zu traumhaft um sie zu versäumen.

Plaza de la Constitución in Teguise
Calle la Sangre - die Blutgasse in Teguise

Teguise – die einst königliche Stadt

Das zentral im Gebirge gelegene Teguise ist eine der ältesten Städte auf Lanzarote. 1406 wurde sie durch Maciot de Béthencourt gegründet und erhielt den Namen seiner Frau Teguise, einer Prinzessin der Ureinwohner.

Der Ort wurde zum zentral gelegenen Verwaltungssitz und erhielt den Titel »Villa Real«, die königliche Stadt. Bis 1852 war Teguise die Inselhauptstadt, bevor der aufstrebende Küstenort Arrecife den Status übernahm.

Restaurant in Teguise
In der Altstadt von Teguise

Teguise war immer eine wohlhabende Stadt. Und das ist sie offensichtlich noch immer. Wir starten unseren Rundgang am Parkplatz zur »Shopping Mall« und haben Glück, dass bei unserer Ankunft gleich eine Lücke frei wird. Durch eine gepflegte Gasse schlendern wir zum riesigen Platz des Mareta Parks.

Darunter befindet sich die größte Zisterne Lanzarotes. Darauf findet der Sonntagsmarkt statt, für den Teguise berühmt ist. Kein Markt auf Lanzarote ist größer, bunter und beliebter. Sonntags strömen somit Scharen an Besuchern in das Städtchen mit dorfartigem Charakter. Es ist der Tag, welcher der Stadt den Reichtum verschafft.

Iglesia Señora de Guadalupe
Kirchturm der Iglesia Señora de Guadalupe
Ein Löwe auf der Plaza de la Constitución

Calle la Sangre – Piraten und ihre grausamen Überfälle

Am heutigen Donnerstag geht es beschaulich zu. So mögen wir das und schlendern durch die Calle la Sangre, der Blutgasse. Fuerteventura und Lanzarote liegen dem afrikanischen Festland näher als die anderen Kanarischen Inseln. So wurden diese häufig von Piraten angegriffen, was mit ein Grund war, die Kapitale ins Inselinnere zu legen. Trotz allem Schutz gelang es berberischen Seeräubern dennoch, bis nach Teguise vorzudringen. Sie zogen brandschatzen und plündernd durch die Straßen. Die Blutgasse erinnert an die besonders schweren Attacken.

Der Überfall im Jahr 1569 ging für die Teguiser dabei noch glimpflich aus. Sie konnten frühzeitig gewarnt werden, was jedoch 170 Piraten den Tod brachte. 1586 wurden die Menschen überrascht. Morato Arráez und seine plündernde Meute richteten ein grausames Gemetzel unter der Bevölkerung an. Die schlimmsten Verwüstungen erlitt die Stadt 1618, als eine Seeräuberbande 900 Einwohner gefangen nahm und deren Häuser, wie auch die umliegenden Äcker in Brand steckte.

Palacio Spínola an der Plaza de la Constitución
Plaza Santo Domingo in Teguise

Rund um die Plaza de la Constitución

Die Plaza de la Constitución bildet den Ortskern von Teguise. Die Iglesia Señora de Guadalupe bestimmt hier mit ihrem markanten Turm das Bild. Das Gotteshaus wurde Mitte des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil errichtet. Es zählt zu den ältesten Sakralbauten auf den Kanarischen Inseln. Piratenüberfälle, aber auch mal die Nachlässigkeit eines Messdieners, zerstörten immer wieder große Teile der Kirche durch Feuer.

Somit hat das heutige Bauwerk mit dem ursprünglichen, wahrscheinlich eher schlichten Gebäude, nur noch wenig gemein. Anders ist es mit dem ehemaligen Palacio Spínola. Dieser Stadtpalast ist aufgrund seiner Größe und ursprünglichen architektonischen Elemente eines der wichtigsten Wohnhäuser in Teguise. Einst war es eine Residenz für den kanarischen Präsidenten, der das Ambiente zu schätzen wusste. Heute wird es als Museum genutzt, das Timples, urkanarische Gitarren, ausstellt.

Wandbild in der Calle de las Flores
Drachenbaum an der Plaza Santo Domingo
Im alten Ortskern des Bergdorfes Teguise

Durch die Calle Notas gelangen wir in die Calle de las Flores. Hier stehen noch viele alte Gebäude. Mit ihren geschnitzten Haustüren, grünen Fenstern oder Mauerverzierungen aus Naturstein, sind diese recht hübsch. Leider stehen überall Autos davor. Auch die Plaza Santo Domingo wäre mit den prächtigen Palmen und Drachenbäumen viel idyllischer, wenn das ganze Blech verschwinden würde. Vom Convento de Santo Domingo spazieren wir weiter zum Convento de San Francisco, also von den Dominikanern zu den Franziskanern. Beide nutzen heute ihre Gebäude für Ausstellungen. Wir indes suchen ein schönes Café, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Das Bergdorf Teguise auf Lanzarote

Castillo de Santa Bárbara

Hoch über Teguise, auf dem Rand des Kraters Guanapay, thront das Castillo de Santa Bárbara. Von hier aus genießen wir den imposanten Blick über die ehemalige Inselhauptstadt. Die exponierte Lage des Kastells ermöglicht einen grandiosen Weitblick bis in die Küstenregion. Vom Wachturm aus konnte die Bevölkerung rechtzeitig vor den Seeräuberbanden gewarnt werden,

welche regelmäßig das wohlhabende Teguise heimsuchten. Piraten gehören längst der Vergangenheit an. Heute hat man ihnen in der ehemaligen Burg ein Museum gewidmet. Für uns ist es ein schöner Abschluss für eine abwechslungsreiche Tour mit Strand, Vulkan und einem Bergdorf.

Auf dem Rand des Kraters Guanapay
Castillo de Santa Bárbara wacht über Teguise

Video zum Ausflug nach Teguise mit der Montaña de Tinaguache

Nach einem Spaziergang durch Costa Teguise erklimmen wir den Hausvulkan Montaña de Tinaguache, bevor wir das Bergdorf Teguise Lanzarote besuchen.

Tourinfos zur Wanderung und den Rundgängen

Die Anfahrt erfolgt über die Stadtumfahrung LZ-3 um Arrecife. Die LZ-18 bringt uns in den Ortskern von Costa Teguise. Wir nehmen den Abzweig »Blue Sea Costa / Teguise Gardens« und folgen der Straße durch einen Kreisverkehr, immer geradeaus zum großen Parkplatz nahe der Küste. Nach der Tour entlang der Küste verlassen wir den Ort in Richtung Norden über die Avenida de las Islas Canarias und nehmen den Abzweig »Salidas (exit)«. Die Calle la Atalaya geht vorbei am Hotel Beatriz. Vor der Montaña de Tinaguache erkennen wir rechts eine Fahrspur im Schotter. Dort parken wir auf dem Seitenstreifen. Nach der Wanderung auf die Tinaguache folgen wir der Calle la Atalaya bis zum Abzweig nach Guatiza. Sie bringt uns zu Kreisverkehrsanlagen an der LZ-1, die uns nach Tahiche bringt. Im Kreisverkehr zweigt die erste Ausfahrt ab nach Nazaret und Teguise. Wir fahren auch im Kreisverkehr von Teguise immer geradeaus, bis zur Einfahrt Castillo Santa Barbara auf der rechten Seite. Links ist der Parkplatz an der Shopping Mall ausgeschildert.

Mit den Teguise-Touren haben wir uns einen ganzen Tag gefüllt. Die beiden Rundgänge in Costa Teguise und Teguise sind einfach und bequem. Die Wanderung auf die Montaña de Tinaguache ist an und für sich leicht mit einem kurzen Steilanstieg. Entlang dem Kraterrand ist Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Auch auf diesem Kraterrand gilt: Vorsicht bei Wind!

Ausgangspunkt Parkplatz Avenida El Jablillo in Costa Teguise
Straßenrand an der Calle la Atalaya
Parkplatz Shopping Mall Teguise
Koordinaten N 28.99424, E -13.489 (Costa Teguise)
N 29.01499, E -13.49564 (Montaña de Tinaguache)
N 29.05972, E -13.55841 (Costa Teguise)
Gehzeit 1 Stunde (Costa Teguise)
1.3 Stunden (Montaña de Tinaguache)
1 Stunde (Teguise ohne Besichtigungen)
Distanz 2,3 km Costa Teguise
3,1 km Montaña de Tinaguache
1,5 km Teguise
Anstiege unwesentlich (Costa Teguise)
150 HM (Montaña de Tinaguache)
unwesentlich (Teguise)
Grad T1 (Costa Teguise)
T2 (Montaña de Tinaguache)
T1 (Teguise)
Einkehr Bars und Restaurants in Costa Teguise
keine an der Montaña de Tinaguache
Bars und Restaurants im Bergdorf Teguise
gps-Daten Wanderung und Rundgänge Teguise gpx
kml-Daten Wanderung und Rundgänge Teguise kml

Karte zur Wanderung und den Rundgängen

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort