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Wenzelsplatz und Jan Palach

Café Slavia
Gedenktafel der Demonstration gegen das Regime

Nach dem Abstecher über die Slawische Insel spazieren wir über die Uferstraße, passieren das Denkmal zu ehren des Schriftstellers Alois Jirásek und biegen bei der Legií-Brücke nach rechts in die Nationalstraße und zugleich in die jüngere Geschichte von Prag ein.

Denn hier, zwischen dem Nationaltheater auf der rechten Seite und dem Café Slvia auf der linken Seite, schwenkten am 17. November 1989 rund 15.000 Demonstranten in die Nationalstraße ein.

der Wenzelsplatz mit dem Nationalmuseum am oberen Ende
auf halbem Weg lockt ein umgebauter Straßenbahnwagen

Und genau damit hatte die Regierung ein Problem. Denn die Veranstaltung galt offiziell dem tschechischen Studenten Jan Opletal, der fünfzig Jahre zuvor durch deutsche Nationalsozialisten umgebracht worden war. Ein Verbot der Demonstration war daher nicht möglich,

auch wenn jeder wusste, dass die jungen Leute den Anlass nutzten, um gegen die schlechten Verhältnisse im Land zu demonstrieren. Denn auch wenn die Berliner Mauer wenige Tage zuvor gefallen war, so hielt das Prager Regime dennoch an seinem Kurs und den damit verbundenen Einschränkungen fest.

Blick über den Wenzelsplatz in Richtung Metrostation Mustek
Gedenkkreuz für Jan Palach

Als sichtbarste dieser Einschränkungen versperrten Sicherheitskräfte den Demonstranten den Weg hoch zum Wenzelsplatz. Nachdem die Demonstration lange Zeit friedlich blieb, kam es am Abend schließlich zur Eskalation. Die Polizei schlug auf die Studenten ein und drängte sie in Nischen und Eingänge.

Neben 150 Verletzten gab es zum Glück jedoch kein einziges Todesopfer. Dafür aber erinnert heute in einem Durchgang der Nationalstraße (auf der rechten Seite, von der Moldau aus gesehen) eine Plastik mit ausgestreckten Händen und zum Victory-Zeichen geformte Finger.

Annette in Prag (wo sonst?)
neues Gedenkkreuz für Jan Palach und Jan Zajic

Wenige Meter weiter erreichen wir den Wenzelsplatz, der allerdings mehr einer Prachtstraße denn einem Platz gleicht.

Nachdem wir auf einem Markt am unteren Ende dieser Platzstraße Trdlo (ein Hefegebäck, welches über offener Flamme karamellisiert wird) genießen, kommen wir im oberen Teil des Wenzelsplatz erst zu einer Gedenktafel für Jan Palach und Jan Zajíz und, auf der anderen Seite der Querstraße, zu einem Gedenkkreuz für Jan Palach, der sich aus Protest vor dem Regime selbst verbrannt hatte.

VG Wort
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