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Wanderung zur Rabenschlucht und Rabenhöhle

Kurze Wanderung bei Sigulda im Gauja Nationalpark

Am zweiten Tag im Gauja Nationalpark starten wir erneut in Sigulda. Anstelle der Burgen steht diesmal jedoch die Natur im Vordergrund. Und von der gibt es im Nationalpark mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Zunächst aber verlassen wir den Besucherparkplatz der Burg Segewold über die Schlossstraße in Richtung des nahen Kreisels. Beim Denkmal des Barons Krisjanis biegen wir links in die Līvkalns iela.

Hier beginnt die als »sagenumwobene Route« beschriebene Wanderung von Sigulda. Auf dem ersten Abschnitt entlang der Straße bestimmen ausgedehnte Wiesen am Rand des Volksparks das Bild. Nach 500 Metern biegen wir bei der Kreuzung mit der Schulstraße (Skolas iela) erneut links auf einen großzügig angelegten Fuß- und Radweg ab, sodass wir nun zwischen dem Waldrand und mehreren größeren Gebäuden laufen.

Weg entlang des Volkspark bei Sigulda
Weg zum Paradiesberg

Nach einem Schlenker treffen wir auf die Friedensstraße (Miera iela), der wir zum Poligon#1 folgen. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Militärgelände mit Baracken, Bunkern und luftigen Aussichtsposten. Heute wird die Anlage für Militärspiele genutzt, auf dem die Teilnehmer in mehreren Arenen mit Laserkanonen taktische Schlachten liefern. So etwas hatten wir am Ende einer Friedensstraße nicht erwartet.

Wer links um das Gelände herum läuft, kommt zum Siguldas kapi, dem Friedhof von Sigulda. Von dort kann man rechts über den Campingplatz Klaukas auf den Paradiesberg laufen. Wir indes sparen uns den kurzen Umweg und biegen gleich bei dem alten Militärgelände rechts zu einem kleineren Parkplatz am Wald ab. Von dort folgen wir den Wegweisern durch einen Kiefernwald auf den Malerberg oder auch Paradiesberg.

in der Rabenschlucht vom Gauja Nationalpark

Nachdem der Waldweg halblinks abzweigt, passieren wir eine Treppe. Diese führt direkt hinunter in die Rabenschlucht. Einzig der Anblick - das untere Ende ist vom Weg aus nicht zu sehen - überzeugt uns, noch 100 Meter weiter auf dem Waldweg zu bleiben, eh wir rechts abbiegen. Vom Ende des ebenfalls bergab führenden Wegs sind es dann noch wenige Meter halblinks bzw. wieder bergauf bis auf den Paradiesberg.

Zurück beim letzten Abzweig, steigen wir als Nächstes auf einem teils mit Stufen gesicherten Pfad hinunter in die Rabenschlucht. Unten angekommen, erreichen wir über einen weiteren Abstecher die Rabenhöhle. Die dreieckige Höhle befindet sich in einem Sandstein am linken Ufer der Vejupite. Die Steilwände der Schlucht erreichen hier eine Höhe bis zu 11,5 Meter und sind im Bereich der Höhle mit zahlreichen Gravuren versehen.

Malereien im Stein - Rabenhöhle im Gauja Nationalpark
Vejupite

Der Name der Schlucht und Höhle geht auf eine Legende zurück. Diese handelt vom Landgut Sigulda, auf dem einst ein besonderer Arbeitsaufseher tätig war. Im Gegensatz zu den anderen Aufsehern behandelte er die ihm anvertrauten Knechte gut und nahm sie auch gegenüber den Gutsherren in Schutz. Denen jedoch missfiel sein Treiben, weshalb sie ihn heimlich von einer Steilwand in die Schlucht warfen.

Nachdem die einfachen Leute einige Zeit vergeblich nach ihren geliebten Aufseher gesucht hatten, bemerkten sie eine Rabenschar, die ständig über der Schlucht kreiste. Als sie an der Stelle hinunter in die Schlucht stiegen, fanden sie schließlich den hinterrücks ermordeten Aufseher. Um ihn in Erinnerung zu halten, nannten sie die Schlucht fortan Kraukļu, das lettische Wort für Rabe.

auf dem Satezeles-Weg im Gauja Nationalpark
Anne in der Petershöhle im Gauja Nationalpark
Petershöhle im Gauja Nationalpark

Von der Höhle kehren wir zurück auf den Wanderweg, dem wir nun weiter abwärts über einen kleineren Bachlauf an die Vejupite folgen. Wo links ein Weg über den Fluss abzweigt, steht ein Wegweiser. Hier bietet die nahe Brücke eine schöne Sicht über den Fluss. Ansonsten wandern wir gleich weiter flussaufwärts Richtung Satezeles Pilskalns sowie im weiteren Verlauf Richtung Peterala.

Die Peterhöhle ist der letzte Abstecher dieser Wanderung. Der Aufstieg zu der aus einer Spalte im roten Sandstein entstandenen Höhle erfolgt über aufwendig konstruierten Holztreppen. Mit einer Länge von 6,50 Meter, einer Breite bis zu 2,20 Meter und Höhe bis zu 5,30 Meter wird die Spalte auch als ein Zwischending zwischen einer Höhle und einer winzigen Schlucht gesehen.

Malereien in der Petershöhle vom Gauja Nationalpark
Frosch im Gauja Nationalpark

Benannt ist sie nach dem Bauer Peteris, der sich hier während des Schwedisch-Polnischen Kriegs versteckt hielt. Eine zweite Legende stammt ebenfalls aus der Schwedenzeit. Sie handelt vom alten Wirt des Grotu Gesindes, der sich ebenfalls hier versteckt haben soll. Vom Hunger getrieben, zog er einmal am helllichten Tage inmitten eine Schar Plünderer nach Segewold, wo er dem Pfarrer mehrere frisch aus dem Backofen genommene Brote geklaut haben soll. Eh man sich versehen hatte, war er mit seiner Beute auf und davon.

Eine dritte Sage berichtet schließlich vom Pfarrer, der vor dem Krieg hier geflüchtet war und in der Höhle die Kinder seiner Gemeinde taufte. Heute nutzen Fledermäuse die Peterhöhle als Winterquartier. Von diesem kehren wir zum letzten Abzweig zurück, wo wir links abbiegen und nach einem steilen Anstieg wieder den Waldrand erreichen. Rechts ab können wir von dort über die Līvkalns iela zurück zum Kreisel laufen. Etwas weiter endet dann auch schon diese teils anstrengen, aber zugleich überraschend kurzweilige Wanderung.

VG Wort
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