Wanderung zum Sämtisersee

Tour ab der Bergstation des Hohen Kastens

Staubern
Blick zurück zum Hohen Kasten

Unsere Wanderung zum Sämtisersee startet im Nebel. Bereits auf dem Weg zum Kastensattel lichtet sich dieser jedoch ein wenig. Hin und wieder geben kleine Lücken sogar die Sicht frei bis zu den österreichischen Bergen. Auch ist der Pfad zum Kamor nun deutlich besser als bei unserem Aufstieg zum Hohen Kasten zu sehen.

Insgesamt aber bleibt es neblig im Osten und wolkig im Westen. Nach wenigen dramatischen Ausblicken zurück zum mal sichtbaren, dann wieder in den Wolken verschwundenen Gipfelbereich verlassen wir den Grat. Etwa 30 Minuten ab dem Kastensattel nutzen wir schließlich die erste Abstiegsmöglichkeit zum Sämtisersee.

Grat vom Hohen Kasten
Rote Nachtnelke (Silene dioica)
Blick zur Bergstation des Hohen Kasten

Auf dem nächsten Stück geht es steil bergab. Stellenweise beträgt das Gefälle 36 Prozent, wobei es durch den Regen der letzten Nacht auch hier glitschige Stellen gibt. Stufen und dünne Stämme, die den Rand des Pfads halten, erleichtern den Abstieg zur Alp Soll.

Insgesamt ist der Pfad jedoch knifflig. So überholen wir bald andere Wanderer, die sich auf dem bei Nässe schwierigen Terrain vorsichtig talwärts tasten. Gut, dass wir an unsere Wanderstöcke gedacht haben...

Wo ist der Sämtisersee?
Abstieg zur Alp Sämtis
Hier geht es runter zum Sämtisersee
Wanderweg zum Sämtisersee
Trollblume (Trollius europaeus)
Fichte auf, sagen wir mal, etwas ungünstigem Standort

Nach 20 Minuten haben wir den Waldstreifen (mit Lichtung) unterhalb des Grats durchquert und erreichen 100 Höhenmeter weiter unten den oberen Rand der Alp Soll. Immer noch ist das Gefälle relativ groß, insgesamt aber ist es auf der Alp leichter, sicher voranzukommen.

Allen voran gilt dies für zwei Radfahrer, die sich vor uns durch den Wald gequält hatten und die jetzt talwärts zur Appenzeller Sämtis düsen. Wir folgen ihnen über die Seewees und reiben uns dann verwundert die Augen: wo bitte schön ist der Sämtisersee geblieben?

Hang auf der Alp Soll
Wanderweg über die Alp Soll zur Appenzeller Sämtis

Sämtisersee ohne Wasser

Hütte auf der Alp Sämtis
Blick zurück zum Grat des Hohen Kastens

Wir hatten ja schon beim Aufstieg zum Gasthaus Ruhsitz gesehen, dass der Sämtisersee irgendwie seltsam aussieht. Vor Ort sind wir dann aber doch schockiert, wie wenig Wasser sich in dem See befindet.

Um nicht zu sagen, der Sämtisersee ist bis auf ein kleines Pfützle verschwunden - und das bereits im Mai, nur wenige Wochen nach Start der Wandersaison bzw. nach der offiziellen Schneeschmelze.

Blick auf den fast ausgetrockneten (versickerten) Sämtisersee
Alp Sämtis

Genau darin liegt dann auch die Erklärung. Denn scheinbar macht sich der Klimawandel zwischen Hoher Kasten und Säntis dadurch bemerkbar, dass die Schneefälle nicht mehr jedes Jahr so üppig sind wie es der Tourismus und eben auch der See braucht. Und wo nur wenig Schnee liegt, kann im Frühjahr auch nicht viel abschmelzen.

Vor Ort sieht das dann so aus, dass sich ein kleines Rinnsal durch den trockenen gefallenen Seeboden schlängelt. Dass dieses stellenweise begrünt ist, spricht Bände. Oder anders ausgedrückt: sollten die geringen Niederschlagsmengen in der Region zur Regel werden, werden wir uns wohl an die neue Sämtiserseealp gewöhnen müssen.

Bächle auf dem Seegrund
Blick über den Sämtisersee Richtung Fälensee

Ganz so weit ist es zum Glück noch nicht und hoffen wir, bei unserer nächsten Tour am Hohen Kasten wieder auf den erwarteten Bilderbuchsee hinab zu blicken. Bei unserer zweiten Hohen Kasten-Wanderung aber nutzen wir ein paar große,

sonst vom Wasser bedeckte Steine für eine ausgiebige Rast - und überlegen außerdem, ob wir quer rüber zur anderen Seite laufen sollen, um einen gps-Track zum Augen reiben zu erstellen (-;

Blick zur Widderalp
Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)

Rückweg über Plattenbödeli nach Brülisau

Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris)
Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis)
Wanderweg zum Plattenbödeli

Frisch gestärkt, brechen wir 20 Minuten später von unserem Rastplatz im See auf und laufen im Bereich des ehemaligen Ufers weiter bis zum Wanderweg Richtung Fälensee. Einerseits interessiert es uns ja schon, ob der höher gelegene See auch so stark zusammengeschrumpft ist.

Zwei Stunden zusätzlichen Weg (hin und zurück) für eine vermeintliche Enttäuschung wollen wir uns dann aber doch nicht antun. Da nutzen wir die Zeit doch lieber, um mit dem Alpen-Vergissmeinnicht, dem Trauben-Steinbrech und dem auch bei uns anzutreffenden Acker-Stiefmütterchen weitere Blumen aufzunehmen.

Berggasthaus Plattenbödeli beim Sämtisersee
von Fieder-Zahnwurz gesäumter Wanderweg

Nach insgesamt 5.30 Stunden inklusive Pausen passieren wir das Gasthaus Plattenbödeli. Von hier führt ein Weg zurück an den Sämtisersee und weiter zum Gasthaus Ruhesitz bzw. von dort hinab nach Brülisau.

Für Wanderer, die mit der Gondel zum Hohen Kasten hinauf gefahren und über die Saxerlücke zum Fälensee hinabgestiegen sind, ist das die schönere Variante, um zum Parkplatz bei der Talstation zurück zu laufen. Wir jedoch bleiben auf dem breiten Forstweg.

Ausblick vom Berggasthaus Plattenbödeli zum Hohen Kasten
Berggasthaus Plattenbödeli

Nur zu gut wissen wir noch, wie uns der steil abfallende Weg einst zugesetzt hat. Auch diesmal, nachdem wir schon 950 Höhenmeter hoch und davon einen großen Teil auch schon wieder bergab gelaufen sind, spüren wir bald unsere Muskeln.

Im Vergleich zu damals jedoch kommt uns der Abstieg eher wie ein lockerer Spaziergang nach getaner Arbeit vor.

Brühltobel
Wanderweg von Plattenbödeli nach Brülisau
Minikaskaden im Brühltobel

Abgesehen von einem kurzen Stück Bergweg folgen wir dem Forstweg bis ins Tal. Da sich links und rechts davon dicht bewaldete Berghänge befinden, gibt es hier nur wenig Abwechslung.

Erst im unteren Bereich sorgt der wild rauschende Brühltobel für einen letzten Höhepunkt der Tour, eh wir nach 6 Stunden und 30 Minuten oder 13 Kilometer mit gut 1.000 bewältigten Höhenmetern wieder bei unserem Auto ankommen.

Wanderweg zwischen Brülisau und Plattenbödeli
Hasler

Schon auf den letzten Metern steht für uns fest, dass wir nach der Tortur beim ersten Mal und dem Wetterpech bei unserer zweiten Tour wenigstens ein drittes Mal zum Hohen Kasten fahren werden -

in der Hoffnung, dass dann alles klappt und wir die hier wunderschöne Landschaft so genießen können, wie sie schon so viele Wanderer vor uns begeistert hat.

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung

Bei Anfahrt über die A1 im Bereich St. Gallen zum Appenzellerland abfahren, weiter über Herisau und Appenzell nach Brülisau. Die Parkplätze befinden sich bei der Talstation der Seilbahn vom Hohen Kasten.

Ausgangspunkt Bergstation Hoher Kasten
Koordinaten N 47.29670, E 9.45670
Gehzeit 3-3.30 Stunden
Distanz 8,2 km
An-/Abstiege ca. 150/knapp 1000 HM
Grad T2-3, bei Nässe wird der steile Abstieg zum Sämtisersee schnell rutschig
Einkehr Drehrestaurant Hoher Kasten, Berggasthaus Plattenbödeli
Beschilderung ab Hoher Kasten: Sämtisersee, Plattenbödeli, Brülisau
gps-Daten Wanderung Sämtisersee gpx
kml-Daten Wanderung Sämtisersee kml

Wanderkarte Sämtisersee

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort