Wanderung zum Fälensee

Variante über Staubern und Saxerlücke

Unsere Wanderung zum Fälensee ist eng mit unserem ersten richtigen Wanderurlaub verbunden. Weil wir nicht völlig unvorbereitet ins Berchtesgadener Land fahren wollen, schnuppern wir wenige Wochen zuvor erste Höhenluft am Schweizer Alpstein.
Nach der Anreise über Konstanz sowie durch die Ostschweiz freuen wir uns in Brühlisau zunächst über die gebührenfreien Parkplätze bei der Talstation der Seilbahn Hoher Kasten. Es scheint ein günstiger Ausflug zu werden.

Doch kaum haben wir beschlossen, die Gondel für den Aufstieg zu nutzen, verfliegt dieser Anschein auch schon wieder. Für die Bergfahrt müssen wir tief in die Tasche greifen. Ups, das hatten wir nicht erwartet. Blöderweise denken wir außerdem nicht daran, mit der EC-Karte zu bezahlen. Als Folge wechselt beinahe das komplette Einkehrgeld den Besitzer.

Blick vom hohen Kasten ins Brühltal
Annette auf dem Hohen Kasten

Knapp 900 Meter weiter oben an der Bergstation angekommen, besteigen wir zuallererst den nur wenige Meter höher gelegenen Gipfel des Hohen Kastens (1.795 m) und besichtigen den botanischen Garten. Diesmal haben wir tatsächlich Glück: bei herrlichstem Sonnenschein können wir den Blick bis weit ins Rheintal, zu den Vorarlberger-, Bündner- und Glarneralpen, zur Alpstein-Bergkette sowie nach Norden über den Bodensee schweifen lassen.

Dann aber begeben wir uns frischen Muts auf die Wanderung zum Fälensee. Schließlich verspricht unser Wanderführer, dass wir hierfür nur 100 Meter bergauf steigen müssen. Ansonsten gehe es bloß bergab. Ein letzter Blick auf die Wanderschilder gibt uns Sicherheit, den richtigen Weg gewählt zu haben. Auch halten wir nochmals kurz inne, um eine Schafherde zu beobachten, welche durch die Berglandschaft getrieben wird. Dann aber hat die Schweizer Bergwelt zwei tüchtige Wanderer mehr.

Lars beim Abstieg vom Hohen Kasten
Berganemone

Staubern und Saxerlücke

Die ersten Meter des Abstiegs auf der Schattenseite des Hohen Kastens verschönern uns zahlreiche Frühblüher, die bei uns schon seit Wochen wieder verschwunden sind. So führt uns der Wanderweg eine ganze Weile sachte bergab und verspricht bei bestem Wetter eine wunderschöne und leichte Wanderung durch eine zauberhaft schöne Bergwelt. Beim ersten Abzweig entscheiden wir uns für die Passage über den Staubern und die Saxerlücke zum Fälensee.

Schließlich soll unsere Tour wenigstens einen der zwei Talseen einschließen. Allerdings wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass der gewählte Weg nicht nur zu den Seen, sondern zuerst wenigstens jeden der rund 200 zurückgelegten Höhenmeter bergab wieder bergauf führt. Auf halber Strecke zum zweiten Gipfel legen wir damit eine erste Verschnaufpause ein.

Lars vorm Abgrund
Annette vorm Abgrund

Gestärkt von einem guten Teil unseres Proviants geht es bald wieder bergab. Na ja, zumindest soweit, dass der Weg genug Anlauf zum nächsten Bergkamm nehmen kann. Immerhin aber erreichen wir nach zweieinhalb Stunden mühsamen bergauf und -ab die letzte Anhöhe am Staubern. Hier könnten wir nun unseren Blick über das Rheintal zwischen Österreich und der Schweiz schweifen lassen. Doch es handelt sich noch immer um unsere Wanderpremiere.

Was bedeutet: wir sind bereits auf dem Staubern derart außer Atem, dass wir der Schönheit der Natur nur ungemessen wenig Bewunderung schenken. Wohl aber beobachten wir, wie wenige Kilometer hinter dem Kasten ein Unwetter aufzieht. Von selbem zur Eile animiert, wandern wir weiter bergab zur Saxerlücke. Bei dem Einschnitt öffnet sich ein letztes Mal die Sicht nach Österreich bzw. auf die andere Ostseite der Bergkette.

auf dem Weg zum Staubern
Annette beim Fählensee

Dann endlich führt der Weg an einem niedrigen Hangwald mit Haselnusssträuchern vorbei, passiert einen weiteren Wald mit Krüppelkiefern und nimmt schließlich Kurs auf den Fälensee. Der letzte Abschnitt dorthin verläuft über groben Schotter, der Trittsicherheit erfordert, aber auch von uns Berglämmern beherrschbar ist.

Gut, der Schotter ist sehr grob und der Weg teilweise außerdem sehr steil und unbefestigt, sodass wir hie und da ein wenig Mühe haben. Mit dem Talgrund vor Augen aber sind wir nun wieder bestens motiviert, unser Bergdebüt doch noch gut zu bestehen. Immerhin haben uns die wenigen Kilometer unerwartet viel Erfahrung beschert.

Bergkette im Alpsteingebirge

Fälensee

Sehr schön zwischen den Bergen gelegen, lädt der Fälensee (1.470 m) zum Verweilen ein. Natürlich darf in einer so idyllischen Gegend ein Gasthaus nicht fehlen. Genauer gesagt, das Berggasthaus Bollenwees. Also flugs einen Blick auf die Getränkekarte geworfen und ... ups, das übersteigt unser Budget. Im Einzelnen können wir uns die Preise zwar nicht merken, dem nach der Gondelfahrt verbliebenen Restgeld aber würde es mit Leichtigkeit den Rest geben.

Wobei man allerdings auch sehen muss, dass sich das Berggasthaus in einer entlegenen Gegend befindet. Hier muss alles über weite Strecken mit dem Geländewagen herangeschafft, und später ähnlich aufwendig entsorgt werden. Mal abgesehen von den kilometerlangen Versorgungsleitungen, an denen das Berggasthaus angeschlossen ist. Von der Wetterabhängigkeit wollen wir gar nicht erst reden.

 

Berggasthaus Bollenwees am Fälensee
Blick auf den Fälensee und zum Widderalpstock

Ernüchtert von den Preisen in den Appenzeller Bergen machen wir uns also wieder auf. Zwar mit der festen Absicht, bei einer späteren Wanderung noch einmal den Fälensee und das Berggasthaus Bollenwees anzusteuern (dann mit genügend Bargeld im Rucksack). Aber doch nicht ahnend, dass wir keineswegs den unteren Talgrund erreicht haben, sondern gerade einmal gut die Hälfte der Höhenmeter bis hinunter zur Talstation in Brülisau hinter uns liegt.

Den Proviant verbraucht, die Getränke ausgeschwitzt, kann uns das Berggasthaus Plattenbödeli dann doch zu einem großen Mineralwasser überreden. Hatten wir bei Aufbruch nämlich noch gedacht, dass in den Bergen kleine Wasserläufe und Quellen zu finden sind, werden wir spätestens durch eine Tafel am Sämtisersee auch über diesen Irrtum aufgeklärt. Demnach besitzt der See gar keinen oberirdischen Ablauf, sondern versickert das Wasser in unterirdische Wasserläufe.

Rindvieh beim Sämtisersee

Sieben Stunden später, unsere Beinmuskulatur ist vom letzten Teil des sehr Abstiegs durch den Brühltobel inzwischen völlig erschöpft, erreichen wir endlich wieder die Talstation am Fuße des Hohen Kastens. Außerdem tun mir die Ohren weh, weil Annette seit einer Stunde vor Ankunft in einer Tour jammert und selbst den Kühen ihr Leid klagt. Zuletzt fliegt mir auf der Toilette der Knopf von der Wanderhose ab. Damit ist unsere Premiere in den Bergen perfekt. Unseren Urlaub in Bayern jedenfalls können wir kaum noch erwarten.

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung

Bei St. Gallen von der A1 in Richtung Appenzellerland abfahren, weiter über Herisau und/oder Appenzell nach Brülisau. Parkplätze befinden sich bei der Talstation der HKDS (Hoher Kasten, Drehrestaurant, Seilbahn).

Ausgangspunkt Bergstation Hoher Kasten in Brülisau (925 m)
Koordinaten N 47.29670, E 9.45670
Gehzeit 6 bis 7 Stunden
Distanz 15,6 km
An-/Abstiege ca. 500/1.300 HM (mindestens)
Grad T2-3
Einkehr Bergstation Hoher Kasten, Stauberen, am Fälensee und Sämtisersee
gps-Daten Wanderung Fälensee gpx
kml-Daten Wanderung Fälensee kml

Wanderkarte zum Fälensee

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort