An diesem Bericht arbeiten wir derzeit.

Als Nächstes besuchen wir ein Storchendorf und weitere Kirchenburgen in Rumänien.

Die Bären am Vidraru See

und die Dracula-Burg Cetatea Poenari

Vom Tal des Flusses Doamnei fahren wir hinüber ins Argestal. Unser Ziel am Vidraru See befindet sich in Luftlinie gerade mal 15 Kilometer von Corbi entfernt. Zwischen beiden Orten jedoch erheben sich die Hügel des Chicera, um die wir herumfahren müssen.

Der Grund, weshalb wir diese wilde Gegend an der Transfogarascher Hochstraße aufsuchen, ist die Burgruine Cetatea Poenari. Sie gilt als die wahrhafte Dracula-Burg von Rumänien. Dabei zählt sie geografisch noch zur Großen Walachei anstelle des im Gruselgenre beschriebenen Transsylvanien.

der Vidraru See in der Großen Walachei von Rumänien
Die Dracula-Burg Cetatea Poenari nahe dem Vidraru See

Die Burg des gefürchteten Vlad III. Draculea

Anders als das bei Bran professionell vermarktete Draculaschloss diente Cetatea Poenari dem gefürchteten Vlad III. Draculea zumindest einmal als Unterschlupf, als er 1462 vor den Türken und Tartaren flüchtete. Schon 1457 hatte Vlad die strategische Bedeutung der im 13. Jahrhundert errichteten Burg erkannt, sie instand setzen und verstärken lassen. Einer Legende nach rächte er dabei den Tod seines Bruders Mircea, indem er die dafür verantwortlichen adeligen Bojaren von Targoviste zur Zwangsarbeit verdonnerte.

Er lud diese zum Osterfest und ließ sie noch in ihrer Festtagskleidung bis nach Poienari marschieren, wo sie unverzüglich mit den Arbeiten beginnen mussten. »Sie sollen Arbeiten, bis ihre Kleider in Fetzen herunterhängen«, wird Vlad zitiert. Was blieb ihnen auch anderes übrig? Draculea hatte eine Vorliebe für Hinrichtungen durch das grausame Pfählen, was ihm den Beinamen Tepes, zu Deutsch »Pfähler«, einbrachte. Die Targovister standen somit vor der Wahl: entweder zu arbeiten oder aufgespießt vor dem Schloss zu enden.

Blick auf die Ruine Cetatea Poenari in Rumänien
Bären verhindern den Aufstieg zur Cetatea Poenar

Die Burg selbst thront auf einer gewaltigen Felskante. Damit war sie mit den im Mittelalter gängigen Waffen nahezu uneinnehmbar, andererseits allerdings auch nur wenig umkämpft. Stark beschädigt wurde sie erst bei einem Erdbeben im Jahr 1915, als die Nordmauern mitsamt einem Felsen in die Tiefe stürzten. Vom Laden beim Campingplatz »Dracula« führen heute 1480 Stufen hinauf zur Burgruine. Es ist Sonntag, womit auch etliche rumänische Ausflügler unterwegs sind.

So sind wir zunächst ganz froh, dass bei unserer Ankunft genügend freie Parkplätze am Straßenrand zu finden sind. Wenige Augenblicke später folgt die Ernüchterung dem scheinbaren Glück: Seit geraumer Zeit ist der Zugang zur Burg versperrt. Ob hier Vampire ihr Unwesen treiben? Nein, in der schwer zugänglichen Umgebung der Burg leben mehrere Braunbären. Und wer will schon einer Bärin mit ihren Jungen in freier Wildbahn begegnen?

Straße entlang der steilen Felswand zum Vidraru See
Blick zur Cetatea Poenari im Argestal
Anne am Vidraru See in Rumänien

Die Vidraru Talsperre und der Stausee

Leider hat das Tal um den Dracula-Campingplatz wenig zu bieten, außer ein Picknick am Ufer des Arges. Sofern man eines dabei hat. Wir fahren also schon bald weiter in das wilde, von Felsen geprägte obere Arges-Tal. In gut fünf Kilometern müssten wir unser Hotel erreichen. Bei einer Talbrücke legen wir einen weiteren Stopp ein.

Von hier aus sehen wir nochmals die Burg Poenari, hoch oben auf dem Felsen. Wenden wir der Ruine den Rücken zu, eröffnet sich uns ein zweiter spektakulär Blick. Dort windet sich die Straße entlang der steilen Felswand hinauf bis über eine Brücke, eh sie im Fels verschwindet.

Die Vidraru Talsperre in Rumänien
Auf der Vidraru Talsperre in Rumänien

Wir achten mal weniger auf den bröckeligen Beton an den Brücken. Durchgängige Brückengeländer werden ohnehin völlig überbewertet. Nein, wir geben zu, auf den letzten Kilometern bis zu unserem Hotel wirkt die Transfogarascher Hochstraße alles andere als vertrauenerweckend.

Trotzdem kommen wir heile an und das bei schönstem Wetter. Das Hotel Posada Vidraru ist herrlich im Wald direkt oberhalb des Stausees gelegen. Sowie wir eingecheckt haben, brechen wir also auch schon wieder auf zu einem Spaziergang.

Straße entlang dem Fels beim Vidraru Stausee in Rumänien
Blick zurück zur Talsperre beim Vidraru See in Rumänien

Wanderung zur Cascada Calugarita

»Ich hab da mal was vorbereitet,« sage ich zu Lars und Rita. Denn für die gestrichene Burg gibt es ein kleines Ersatzprogramm. Am Vidraru See gibt es einen kleinen Wasserfall, die Cascada Calugarita. Und hier scheint es, als wären die Wanderwege frei von Bären. Das Auto können wir beim Hotel stehen lassen.

Die Staumauer ist gleich um die Ecke – dort, wo mein fleißiger Wanderbuchautor eine Parkmöglichkeit ins Navi gespeichert hatte, um rund 300 Meter Fußweg zu sparen. Der von uns beiden daheim gefundene Aussichtsturm ist leicht zu finden. Schade nur, dass dieser wegen Baufälligkeit bis auf Weiteres geschlossen ist.

Cascada Calugarita, der Nonnenwasserfall beim Vidraru See
Und noch ein Blick über den Vidraru See

Der Vidraru See ist ein Anziehungspunkt in der Region. Das wird allein durch die Vielzahl an Autos überdeutlich, die überall wild parken. An beiden Enden der Staumauer werden gebackene Kringel, gekochter Mais und jede Menge Süßigkeiten feil geboten.

Ausflugsboote drehen ihre Runden auf dem See und schippern bis ganz nah an die Staumauer heran. Und im Hintergrund runden die schneebedeckten Berggipfel der Transsilvanische Alpen die Kulisse ab. Es ist so richtig idyllisch hier.

Marode Randbefestigung an der Strasse zum Vidrau See
Herrliche Aussicht auf den Vidraru See in Rumänien

Von der Staumauer aus blicken wir in das tief eingeschnittene Arges-Tal. Mit 166 Metern erreicht die Talsperre eine imposante Höhe. Wir indes bleiben am Vidraru See und spazieren an der Westseite durch einen Naturtunnel. Die Straße ist hier inzwischen so schlecht, dass es zwangsläufig ruhiger wird. Nur wenige trauen sich mit ihren Autos auf die Piste.

Doch es gibt sie. Selbst Kleinfahrzeuge dringen vereinzelt in dieses schwierige Terrain vor. Immer wieder brechen die Randbereiche ab und reißen Teile der Betonbefestigungen mit sich in die Tiefe. So manch Geländer hängt nur noch schief über dem Abhang und wird mehr von der Gewohnheit als von der verrosteten Bewehrung gehalten.

Vidrau Tunnel am Stausee in Rumänien
Abendlicher Ausblick auf den Vidrau See in der Großen Walachei

Andererseits ist der Weg breit genug, dass man sich noch immer sicher fühlen kann. So genießen wir die abendliche Aussicht über den See zu den umliegenden Bergen. Als sich die Sonne schon langsam gen Horizont senkt, erreichen wir schließlich die Cascada Calugarita, welche übersetzt Nonnenwasserfall heißt.

Sie liegt zu dieser späten Tageszeit im Schatten, ist nur schwer einsehbar und weit weniger imposant, als wir es für diese Gegend erwartet hatten. Spektakulärer wäre eine Tour durch die Valea lui Stan mit seinen Leiterwegen. Doch dafür fehlen nun doch die Zeit und Ausrüstung.

Unser Abend im Hotel Posada Vidraru

Unser Zimmer im Hotel Posada Vidraru am Stausee
Das Hotel Posada Vidrau am Stausee

Nahe dem Nonnenwasserfall kehren wir um und spazieren zurück zum Hotel. Erst jetzt spüren wir, dass die Tour mehr als nur ein leichter Spaziergang entlang des flachen Uferwegs ist. Wir sind ein ganzes Stück bergab gelaufen, was wir nun alles wieder hinauf müssen. Umso mehr freuen wir uns auf das Abendessen im Hotel Posada Vidraru, das mit einer Flasche rumänischen Rotwein und einer leckeren Limonade daher kommt. Ganz so, wie wir sie ein Jahr zuvor in Moldawien kennengelernt hatten.

Nebenbei bemerken wir außerdem, dass das Essen in Rumänien durchaus die ein oder andere Überraschung mit sich bringt. So kommen anstatt der Mashed potatoes gegrillte mushrooms, also anstelle der bestellten Stampfkartoffeln eine Portion Pilze und anstatt dem Reis zwei Portionen French fries, sprich Pommes. Egal, uns schmeckt es und wir genießen die abendliche Aussicht auf den See.

Restaurant im Hotel Posada Vidrau in der Großen Walachei
Frühstück in der Posada Vidraru am Stausee

Wir wollten die Reise ja ruhig angehen, weshalb wir uns lieber für den Wald als für die Hauptstadt Bukarest zum Beginn entschieden hatten. Doch während wir beim Abendessen auf der Terrasse sitzen, dudelt im Restaurant fröhliche Musik, während eine Gesellschaft lachend am Feiern ist.

Da können wir es uns nicht verkneifen, einen Salsa mitzutanzen. Schon werden wir in die Feier mit einbezogen und tanzen mit der ganzen Gesellschaft verschiedene Tänze im Kreis, bis es uns so richtig warm ist. So verabschieden wir uns von der gastfreundlichen Familie und verschwinden im Zimmer.

Der Weg hinab zum Stausee vom Hotel Posada Vidraru

Das Hotel Posada Vidraru bietet seinen Gästen modern eingerichtete Zimmer mit Balkon. Wir hatten zwar gehofft, dass wir eines mit Blick auf den See bekommen, aber die Sicht in den Wald ist auch ganz schön. So können wir eine ruhige Nacht verbringen. Zumindest so lange, bis uns ein lautes Gepolter unsanft aus dem Schlaf reißt. »Was ist denn dass für ein tierischer Lärm,« schimpft Lars. Ich schaue nach und gehe auf den Balkon. Da steppt tatsächlich der Bär vor dem Hotel! Und zwar auf dem Müllhäuschen.

Von den Essensresten vom Abend angelockt, versucht das riesige Tier auf jede ihm mögliche Art, den kleinen Kabuff zu zertrümmern oder zu verbiegen. Das benötigt einen größeren Kraftaufwand, was natürlich Lärm macht. Irgendwann aber schafft Meister Petz es und fällt ein Müllbeutel aus der Tonne. Nun gilt es, diesen unter der Absperrung hervor zu greifen, eh er auf irgendwelchen Knochen herumkaut. Auch wenn wir um den Schlaf beraubt worden sind, ist dies doch eine schöne Entschädigung für die versperrte Burg. Und wir sind nun ganz froh, kein Zimmer mit Seeblick bekommen zu haben.

Bootsanleger des Hotel Posada Vidraru am Stausee
morgendlicher Blick über den Vidraru Stausee

Das Frühstück im Hotel ist deftig und gut. Dazu gibt es die schöne Aussicht in den Wald. Leider hat sich der Bär um diese Zeit längst wieder zum Schlafen zurückgezogen. Aber die Bedienung kennt ihn und erklärt, das Tier gehöre inzwischen zu den Angestellten vom Hotel. Schöne Sache. Wegen der Bären müssen die Menschen hier aber auch Ordnung halten und einige Verhaltensregeln beachten.

So werden die Mülleimer jeden Abend geleert und sollte man sich nachts nicht im Freien aufhalten. Trotzdem können wir die Spuren des Tieres am nächsten Morgen verfolgen, der offensichtlich wie wir einen Spaziergang hinab zum Bootsanleger vom Hotel unternommen hat. Was er dort gefunden hat, wissen wir nicht. Wohl jedoch genießen wir noch ein wenig die friedliche Stimmung über den nun spiegelglatten See, eh wir uns auf den Weg Sibiu bzw. Hermannstadt machen.

Ausgangspunkt und Anforderung der Wanderung zur Cascada Calugarita

Die Anfahrt erfolgt ab Curtea de Arges (Argisch) über die 7C, der Transfogarascher Hochstraße, gut 27 Kilometer bis zur Vidraru Talsperre.

Ausgangspunkt Hotel Posada Vidraru an der Talsperre
Koordinaten N 45.3650, E 24.6361 (Hotel)
Gehzeit gut eine Stunde
Distanz 5,3 km für Hin- und Rückweg
Anstiege knapp 100 HM
Grad T2, Vorsicht Abbruchkante an Straße
Einkehr auf der Strecke keine
gps-Daten Wanderung Vidraru See gpx
kml-Daten Wanderung Vidraru See kml

Wanderkarte Vidraru See

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort