Tampa – der Hausberg von Kronstadt

Mit der Kabinenseilbahn auf den Aussichtsberg

Unser Hotel Drachenhaus liegt direkt am Fuße des Tampa, dem Hausberg von Kronstadt. Es ist also naheliegend, dass wir dort hinauf wollen. Wie genau wir dort hoch gehen und was wir da oben machen, entscheiden wir, wenn wir an der Talstation der Telecabina, also der Kabinenseilbahn des Tampa, stehen.

Durch die Gassen der Strada Michael Weiß und der Strada Suisul Castelului gelangen wir zur östlichen Befestigungsanlage von Kronstadt. Von der Seilmacher Bastei aus sind die recht alt wirkenden Gebäuden der Telecabina schon zu sehen.

Just als wir die Treppen zur Talstation hinaufsteigen wollen, kommt uns eine Familie entgegen und warnt uns vor dem Massenansturm einer Schulklasse. Sie wären umgekehrt und kämen lieber an einem anderen Tag wieder, anstatt ewig Schlange zu stehen. Wir lassen uns nicht beirren und lösen schon bald drei Berg- und Talfahrten beim Tickethäuschen. Doch wo ist nun die Schulklasse?

Scheinbar fassen die Gondeln mehr Personen als erwartet, nämlich genau 20. Die prophezeite Warterei hält sich also in Grenzen und dauert gerade lange genug, dass wir uns vom besser werdenden Wetter zu einer Wanderung umstimmen lassen. Anstelle der Talfahrt wollen wir jetzt doch lieber von der Bergstation zurück in die Stadt laufen.

Flugs eilt Lars zurück zum Schalter und versucht, die Tickets in einfache Fahrten zu tauschen. So etwas sehen die Rumänen wirklich locker. Tickets werden storniert, neue gedruckt und der Restbetrag ausbezahlt - das alles ohne Murren, Gebühren oder sonstigen Schikanen. So haben wir es gerne. Bis mein Fahrkartenheld wieder bei uns ist, kommt dann auch die Gondel angefahren und schweben wir kurz drauf die gut 300 Höhenmeter hinauf auf den Tampa.

Oben angelangt, hätten wir ja gerne noch einen Kaffee getrunken oder zumindest die Aussicht vom Fernsehturm aus genossen. Leider aber wirkt die Gastronomie wenig einladend und sind die schäbigen Gebäude großteils verrammelt. Wer hier die erwartete Aussicht auf die Stadt will, muss sich diese mit einem kurzen Spaziergang erst verdienen.

Das Belvedere mit den großen Lettern

Laut dem Zeichen »Spre Belvedere«, also »Richtung Aussichtspunkt«, sind es zu Fuß zehn Minuten bis zum Ausguck. Das kommt gut hin, wenn man sich nebenher noch mit einer rumänischen Familie unterhält. Durch die regnerische Witterung ist der Weg etwas glitschig. Aber der überdimensionale und von weither sichtbare BRASOV-Schriftzug, die »Hollywood-Letter« von Kronstadt, sind schnell erreicht.

Nahe der verschlossenen Bethlen-Höhle erreichen wir schließlich eine Plattform, von der wir eine schöne Aussicht auf Kronstadt und dessen Rathausplatz haben. Zunächst aber müssen wir uns in Geduld üben. Denn bei der Plattform treffen wir auf die an der Talstation erwartete Schulklasse, was bedeutet: Erst muss jedes Selfie im Kasten sein, dann erst wird für Nachkommende Platz gemacht.

Über den Gipfel zum Tampa Sattel

Ab dem Aussichtspunkt haben wir anschließend mehrere Möglichkeiten, um wieder nach Kronstadt hinab zu steigen. Dazu zählen der nördliche Treppenweg und Serpentinen unterhalb der Seilbahn. Oder man folgt dem gelben Dreieck und macht einen weiten Bogen über den Gipfel zum Tampa Sattel und von dort hinunter zur Weber-Bastei. Wir wählen die dritte Variante.

Und auch wenn der Weg etwas pfadiger als erwartet ist, so entdecken wir noch ein wenig mehr vom Naturreservat. Zudem spiegelt der Hausberg von Brasov die Geschichte der Stadt wider, welche ein Schild auf dem 960 Meter hohen Tampa-Gipfel erzählt. Demnach wurde im Mittelalter auch hier oben eine Festung gebaut, um der Bevölkerung in schwierigen Zeiten als Zufluchtsort zu dienen. Von den Ruinen blieb leider nichts übrig.

Beim Tampa Sattel zeigt eine Infotafel die vielen hübschen Schmetterlinge, die sich normalerweise auf den Bergwiesen tummeln. Bei unserer Wanderung aber haben sie sich lieber verkrochen. Es tröpfelt schon wieder vom Himmel. Wir wechseln auf die weiß-blau-weiße Markierung in Richtung Brasov und sind kurz darauf wieder im dichten Blätterwald. Laut der nächsten Tafel sollen sich hier auch Bären, Luchse und Wildkatzen aufhalten. Die Wahrscheinlichkeit, diesen scheuen Tiere hier zu begegnen, ist jedoch äußerst gering.

Nach gut einer halben Stunde sind wir wieder bei den Befestigungsanlagen, welche hier mit der Weber Bastei beginnen. Diese bietet genug Raum, dass darin zumindest ein Mini-Museum Platz gefunden hat. Bei dem erneut aufkommenden Regen wäre das ein schönes trockenes Plätzchen gewesen.

Doch dafür sind wir etwas spät dran. Entlang der Burgpromenade, vorbei am Pulverturm, der Seilerbastei und dem Jägerturm, erreichen wir bald die Strada Suisul Castelului und laufen von dort zurück in die Altstadt zum wohlverdienten Abendessen.

Wanderkarte zur Wanderung auf dem Tampa, dem Hausberg von Kronstadt

Höhenprofil

Steigungsprofil