An diesem Bericht arbeiten wir derzeit.

Als Nächstes besuchen wir ein Storchendorf und weitere Kirchenburgen in Rumänien.

Sternfestung Alba Iulia

Renaissance in Alba Iulia umgeben von Sozialismus

Bei der Dreifaltikeitskathedrale von Alba Iulia
Gartengestaltung in Form der Sternfestung von Alba Iulia

Bei unserem Ausflug nach Alba Iulia stehen wir vor einem Dilemma. Denn wie auch immer man zu einem Parkplatz direkt vor dem Casa Timpuri Vechi gekommen ist, sollte man tunlichst vermeiden, diesen wieder herzugeben. Doch was nützt es, wenn man Alba Iulia sowie auch etwas mehr vom Land sehen will? So brechen wir direkt nach dem Frühstück auf, im Vertrauen darauf, am späten Nachmittag erneut Glück bei der Parkplatzsuche zu haben.

Wenig später liegt das Zentrum von Sibiu hinter uns und sind wir wieder auf der rumänischen Autobahn unterwegs. Diese ist auch in diesem Landstrich äußerst gut ausgebaut. So kommen wir gut und schnell nach Weißenburg oder auch Karlsburg von Siebenbürgen. Auch für Alba Iulia gilt: hier ändert sich der Name je nach Herrscher und Epoche.

Der breite Festungsgraben von Alba Iulia
Park Regina Maria von Alba Iulia

Leider änderten sich damit zugleich die Baustile. So werden wir im Stau vor dem Zentrum Alba Julias von einem sozialistischen Stadtbild begleitet, das arg an die Bauweise der moldauischen Städte erinnert. Alba Iulia wirkt auf den ersten Blick alles andere als einladend. Doch sein Juwel ist  die Sternfestung.

Sie befindet sich mitten in der Altstadt und ist ebenfalls von Bauwerken des Sozialismus umgeben. Der Glockenturm der Krönungs-Kathedrale ist schon von Weitem sichtbar. Nahe dem Gottesbauwerk befindet sich der Festungseingang, wo wir unseren Rundgang beginnen. Wer bereits am frühen Vormittag ankommt, findet dort außerdem genügend kostenfreie Parkplätze.

Büste der Königin Marie Alexandra Victoria von Edinburgh in Alba Iulia
Glockenturm der Krönungs-Kathedrale von Alba Iulia
Mihai Viteazul war Woiwode der Walachei, von Siebenbürgen und der Moldau.

Da der Parkplatz oben auf der äußeren Umfassungsmauer angelegt ist, überqueren wir zuallererst den Festungsgraben. Dieser ist breit genug, dass eine Pflasterstraße mitsamt Gehweg und einer üppigen Randbegrünung hineinpassen. Zwischen den Bäumen sind bunte Blumenbeete in der Sternform der Festungsanlage angelegt. Die Restaurierung der lange Zeit überdeckten Anlagen dauerte knapp 15 Jahre. Im Jahr 2013 war die gesamte Festung schließlich wieder freigelegt. Wir kennen diese Art Sternfestung bereits von Neuf-Brisach im Elsass.

Auch dort ist die Anlage recht gut erhalten. Genau wie bei ihrem französischen Pendant ist die Sternform vom Boden aus und auch beim Spaziergang auf den Mauern nur schwer auszumachen. Erst aus der Vogelperspektive tritt das gut zwölf Kilometer lange Sternmuster mit seinen sieben Basteien deutlich zutage. Durch Zeichnungen und Bronze-Reliefs, die innerhalb der Festungsanlage verteilt sind, können wir uns aber auch so ein gutes Bild davon machen.

Goldene Ikone in der Dreifaltigkeitskathedrale von Alba Iulia
Messe in der Dreifaltigkeitskathedrale von Alba Iulia
Altarraum in der Dreifaltigkeitskathedrale von Alba Iulia

Die Orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale von Alba Iulia

Vorbei am Park Regina Maria lassen wir das vierte Stadttor zunächst »rechts« liegen. Sollte es heute zu einem Besucherandrang kommen, wollen wir die auffällige und schöne Orthodoxe Kathedrale von Alba Iulia bereits besichtigt haben.

An der Büste der Königin Marie Alexandra Victoria von Edinburgh gehen wir also schnurstracks vorbei und betreten durch den 58 Meter hohen Glockenturm den stimmungsvollen Innenhof. Arkadengänge umsäumen den perfekt angelegten Garten, mittendrin steht die Kathedrale.

Dreifaltigkeitskathedrale von Alba Iulia
Lage der römischen Mauern in Alba Iulia

Die Dreifaltigkeitskathedrale trägt (wie sollte es auch anders sein?) noch weitere Namen wie »Kathedrale der Wiedervereinigung der Nation« oder auch »Krönungskathedrale«. Letzterer erinnert daran, dass sie in den Jahren 1921 bis 1923 einzig für die Krönung von König Ferdinand I. und Königin Marie des neuen »Großrumänien«, erbaut wurde.

Gekrönt wird heute niemand mehr. Dafür findet bei unserer Ankunft ein Gottesdienst oder Ähnliches statt. Als wir den Innenraum betreten, redet der Priester mit Rauschebart ruhig auf eine Gruppe ein, die seinen Ausführungen andächtig folgt.

Pfarrer und spielende Kinder in Alba Iulia
Strassencafè in Alba Iulia

Touristen wie wir scheinen die Andacht kaum zu stören. Wir halten uns trotzdem vornehm zurück und spazieren eine Runde durch den Garten. Von Moldawien wissen wir, dass so ein orthodoxer Gottesdienst ewig dauern kann. Doch während wir durch den Garten schlendern, leert sich die Kirche, sodass wir uns bald dem prächtigen Innenraum widmen können.

Auch hier wird an Prunk, Gold und bunten Bildern nicht gespart. Ganz anders verhält es sich in der benachbarten Katholischen Kirche. Sie ist zwar die älteste und längste Kirche von Rumänien. Hier hat man jedoch auf jedweden Kirchenschmuck verzichtet; und damit dies keiner mitbekommt, ein Fotografierverbot für das Gotteshaus verhängt.

Anne und der edle Herr in Alba Iulia
Lars und die edle Dame in Alba Iulia

Die Ruinen aus dem römischen Castrum

Interessanter ist die Straße, welche zwischen den beiden Kirchen hindurchführt. Denn die Ruinen und Bauwerke, die wir heute von Alba Iulia sehen, zeugen von drei Epochen. Die ältesten Anlagen stammen aus dem römischen Castrum. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden neben der katholischen Kathedrale Überreste eines römischen Komplexes entdeckt. Die gefundenen Votivtafeln deuten auf einen religiösen Tempelkomplex hin.

Da man die darüber liegende Straße erhalten wollte, wird heute die Lage der römischen Mauern mit weiße Platten im dunkelgrauen Pflaster dargestellt. Gleich dahinter beginnen die touristischen Marktstände, aber auch die Imbiss- und Kaffeebuden. Die gepflegten Gartenwirtschafts-Möbel sind ein ein angenehmer Platz für eine Pause.

Ruinen aus dem römischen Castrum in Alba Iulia
Die römische Via Principales in Alba Iulia

Wir laufen auf das dritte Stadttor zu und erreichen die nächste römische Ausgrabungsstätte. Hier verlief einst die Via Principales, die Hauptstraße, welche das damals noch viereckige Fort teilte. Zu erkennen ist, dass die Römer einst Rücksicht auf die Fußgänger genommen hatten. Mit zwei Reihen Steinkanten ist die Fahrbahn so flankiert,

dass ein seitliches Rutschen der Kutschenräder verhindert wurde. Sogar eine aus Ziegel gebildete Regenwasser-Ableitung ist zu erkennen. Wer schon einmal einen Stadtspaziergang durch Rom wegen fehlender Gehwege und viel zu viel Verkehr abgebrochen hat, erkennt, dass den Römern irgendwann einiges verloren gegangen ist.

In der Sternfestung von Alba Iulia
Carolina-Gebäude in der Sternfestung von Alba Iulia

Die siebeneckige Festung im Vauban-Stil

Gleich nach der römischen Via Principales kommen wir zum Haupteingang der Festung und somit zu den drei prächtigsten Toren der Stadt. Die Tore sind üppig geschmückt mit Statuen und Reliefs, die Themen aus der antiken Mythologie zeigen.

Das Haupttor krönt die Reiterstatue von Kaiser Karl VI. Mit der Besetzung Alba Iulias durch die kaiserlichen Truppen, begannen im Jahr 1714 die Ausbauarbeiten der siebeneckigen Festung im sternförmigen Vauban-Stil.

Lars auf den Festungsmauern von Alba Iulia
Das Haupttor Alba Iulias krönt die Reiterstatue von Kaiser Karl VI.

Unsere Entdeckungstour endet am »Obeliscul«. Der Obelisk wurde 1937 zu Ehren der drei Anführer des Bauernaufstandes von 1784 errichtet. Benannt ist diese jedoch nach den rumänischen Ikonen Horea, Closca und Crisan, die für den Widerstand gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit stehen. Die drei Anführer wurden 1794 in Alba Iulia hingerichtet.

Doch erst am 1. Dezember 1918 erklärte die Karlsburger Nationalversammlung die Vereinigung mit dem rumänischen Altreich. Drei Monate später begrüßten die Siebenbürgen Sachsen diesen Schritt in der Mediascher Anschlusserklärung. Der 1. Dezember ist seither der Tag der Großen Einheit Rumäniens. Als letzter Schritt wurde der Anschluss Siebenbürgens an Rumänien 1920 im Vertrag von Trianon rechtskräftig vollzogen.

»Obeliscul« in Alba Iulia
Lars und die Dame von Alba Iulia
Noch ein Obelisk der Custozza in Alba Iulia

Noch mehr Geschichte könnten wir uns nun in den Museen von Alba Iulia antun. Vorausgesetzt natürlich, sie hätten geöffnet. Denn wie in Sibiu, gönnt sich das Museumspersonal auch in Weißenburg seine freien Tage.

Zum Glück haben wir eh weitere Stationen auf unserem Rückweg zu unserem Casa geplant. So schlendern wir ein letztes Mal durch die eindrucksvolle Festungsanlage und lassen zum Abschluss des Rundgangs noch einmal die alten Gebäude auf uns wirken.

Die Tore sind üppig geschmückt mit Statuen und Reliefs.
Gebäude in Alba Iulia
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