Die Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha ist größte sakrale Bauwerk der Erde. Zur Blütezeit der Khmer glich die Anlage mitsamt ihrer Umgebung einer Kleinstadt. Heute ist der Besuch nachmittags besonders schön.
Willkommen im größten sakralen Bauwerk der Erde! Schon von Weitem beeindruckt die Tempelanlage von Angkor Wat mit seinen Ausmaßen die Besucher. Wen wundert es da, dass wenige Hundert Meter westlich des Tempels ein Fesselballon zu einem Blick von schräg oben auf dieses gewaltige Monument einlädt?
Unvorstellbar erscheint uns, dass hier zur Blütezeit Angkors etwa 20.000 Menschen wohnten. Obwohl, die Touristenströme der Hochsaison können da mithalten. Denn schon in den 2010er Jahren kamen jährlich eine Million Touristen hierher. Nach einem Einbruch in 2020 stieg die Zahl auf inzwischen 2,5 Millionen Besucher.
Noch bevor man den Tempel über die 150 Meter lange Sandsteinbrücke betritt, sollte man sich bewusst machen, dass die gesamte Anlage eine perfekte Nachbildung des Universums ist, so wie es die hinduistische Mythologie beschreibt. So symbolisiert der breite Wassergraben unter der Brücke das Urmeer, die Galerien stehen für die Gebirgsketten und die Türme stellen den Sitz der Götter dar.
Allen voran begegnen wir hier Vishnu. Ihm nämlich widmete König Surjavarman II. den Tempel im 12. Jahrhundert. Dabei ließ Surjavarman II. Angkor Wat allerdings nicht nach Osten, wie im Hinduismus üblich, sondern nach Westen zum Sonnenuntergang ausrichten. Für die Wissenschaftler ein sicheres Zeichen dafür, dass ihm der Bau nach seinem Tod als Grabmal dienen sollte.
Betreten die meisten Besucher Angkor Wat durch den prächtigen Haupteingang, fallen links und rechts zwei weitere, etwas klobig wirkende Eingänge auf. Mit Grund, denn während der 37jährigen Bauzeit setzten die Khmer mehrere Hundert Elefanten ein, welche die Lasten zur Baustelle schleppen mussten.
Hinter dem ersten Tor ist die Sicht auf die Türme von Angkor endlich frei. Während sich vor ein 350 Meter Damm langer Damm bis zur Ehrenterrasse erstreckt, erblicken wir links und rechts unseres Wegs die Bibliotheken, in denen die Priester früher wahrscheinlich Opfergaben aufbewahrten.
Und auch das gibt es: Stell Dir vor, Du gehst in einen Tempel, hast soeben eine PET-Flasche leer getrunken und überlegst Dir, wie Du diese wohl am besten entsorgen könntest?
Unser Tipp kommt von dem Mönch, den wir vor Ort beobachten: Einfach erst nach links schauen, dan nach rechts schauen, nach oben zum Kollegen schauen und dann nach unten. Schwups! Schon purzelt die Flasche scheppernd über die steilen Stufen nach unten, während beide Mönche begeistert hinterher grinsen. Wenige Sekunden später folgte übrigens der Schraubverschluss.
Nun gut, Flegel gibt es überall. Das Verhalten der Mönche, die wir auf unserer kurzen Reise beobachten konnten, war jedenfalls keine Werbung für eine vorbildliche Lebensweise. Schade eigentlich.
Nach dem Mittagessen fahren wir mit dem Tuk-Tuk ein zweites Mal zur Tempelanlage Angkor Wat. Nur ein paar Minuten Fahrt trennen uns davor. Nun ist das Wetter auch viel schöner. Zwar liegt ein Gewitter in der Luft und ist es dementsprechend schwül. Die Hitze hat aber auch ihre gute Seite. Denn diesmal begegnen wir weit weniger Urlaubern als noch einen Tag zuvor. So ist auch unser Fahrer zuversichtlich, dass wir uns nach der Besichtigung ohne Probleme auf dem Parkplatz wiederfinden.
Wieder schreiten wir über die Sandsteinbrücke durchs Eingangsgebäude und von da weiter zum Eingangsportal mit der verstümmelten Vishnu-Statue. Als wir durchs erste Tor gehen, bedrückt uns ein Baby mit Wasserkopf, welches von seiner Mutter zur Schau gestellt wird. Das Bild wirkt. Viele der Passanten geben eine Spende, bevor sie sich wieder den Reliefs des Tempels widmen. Leider wird das Kind dennoch wohl nie die Chance auf eine endoskopische Therapie bekommen.
Nachdem wir von der linken Bibliothek aus etlichen Bildern aufgenommen haben, wagen wir erneut den Aufstieg zum Hauptturm. Diesmal versuche ich die etwa 300 Grad steile Treppe am linken Rand zu bezwingen.
Etwas nach der halben Strecke kommt - Dank der Hitze - zur Höhe leider die Anstrengung hinzu. So komme ich einmal mehr mit etwas schwammigen Knien oben an, bevor ich auch Annette die letzte, deutlich höhere Stufe hinaufhelfe.
Auf unserem Rückweg wählen wir den Weg durch das nördliche der beiden Elefantentore. Von hier führt ein schmaler und nur wenig benutzter Pfad zu den Souvenirständen. Nein, Postkarten, T-Shirts und Bücher über Angkor Wat wollen wir auch heute nicht kaufen. Wohl aber zwei Cola light. Dabei konnte Annette übrigens beobachten, wie sich die Mädchen untereinander ganz normal unterhalten, bevor sie zu uns kommen und urplötzlich in einen weinerlichen Singsang verfallen, um doch noch ein paar Karten loszuwerden ...