Auf dem Boßler-Steig bei Bad Boll

Schicksalsberg der Flieger

Auf dem Weg zum Boßler queren wir die A 8. Für einen mystischen Pfad sind das denkbar schlechte Voraussetzungen. Dennoch zieht der Berg bei Bad Boll Wanderer und Ausflügler magisch an – wurde in der Vergangenheit aber auch manch einem Piloten zum Verhängnis.

Das Stauferland und die Drei Kaiserberge

Bereits nahe dem Parkplatz Silberpappel können wir einen ersten Rundumblick auf uns wirken lassen. Dieser reicht über Bad Boll und das Stauferland hinweg zu den Drei Kaiserbergen sowie zum Stuttgarter Fernsehturm. Als Premiumwanderweg ist der 2018 eröffnete Boßler-Steig in beide Richtungen gut beschildert. Da wir selbst die zweite Querung der Autobahn als weniger störend empfunden haben, empfehlen wir jedoch, die Runde entgegen dem Uhrzeigersinn zu wandern. Damit geht es auf den ersten Metern hinunter zur Naturdenkmal geschützten Silberpappel und vor dieser links auf den Boller Höhenweg zur Schießanlage. Sowie wir das Schützenhaus passiert haben, kommen wir zum Tempele. Der 1824 als Belvedere errichtete Bau eröffnet uns den zweiten weitreichenden Ausblick über das Filstal zu den Drei Kaiserbergen und wurde als Symbol des Boßler-Steigs gewählt.

Vom Teufelsloch zur Schillerlinde

Bei dem Tempele biegen wir erst rechts, dann sogleich wieder links ab, sodass uns der Höhenweg auf nun wechselnden Wegen durch den Wald führt. Sowie wir diesen wieder verlassen haben, treffen wir auf den Michael-Hörauf-Weg, auf dem es links bis an sein Ende in den Unteren Teufelslochweg geht. Rechts ab führt uns dieser an den Teufelsklingenbach und durch die tiefste Stelle des Boßler-Steigs nach Eckwälden zur Schillerlinde. Bei dem markanten Baum treffen wir auf den HW 7, auf dem es links über die Dorfstraße aus dem Ort heraus und, am Gelände der WALA Heilmittel GmbH vorbei, links in den Wald geht.

Der Aufstieg zum Deutschen Haus

Nach einer zunächst gemächlich ansteigenden Passage beschreibt der Wanderweg eine Rechtskurve und zieht die Steigung einen Katzensprung weiter deutlich an. Immer das Tempele-Symbol des Steigs sowie hier auch den roten Strich des HW 7 im Blick, gewinnen wir erst auf breitem Weg, dann (rechts) auf einem schmaleren Pfad rasch einige Höhenmeter. Während die Anstrengung erste Schweißperlen auf die Stirn zaubert, dringt bald der Lärm der sechsspurigen Verkehrsader durch den Wald bis an unsere Ohren. Wo der Pfad endet, orientieren wir uns links und sehen dann auch schon die A 8 vor uns. Durch die Unterführung hindurch führt uns der Steig hoch zum Pflugeisenweg (dort links) und durch das nächste Waldstück an die L 1213, auf der wir links bald das Deutsche Haus erreichen.

Auf dem Schicksalsberg

Ab dem Gasthaus trennen uns nur noch 1100 Meter bis zu unserem Ziel auf dem Boßler. Doch diese machen dem Wandersteig alle Ehre. So führen die Wegmarkierungen zunächst über eine Wiese zurück in den Wald, dann über leicht glitschige Pfade und durch einige Kehren steil bergauf bis zum Wegweiser Boßler Ost. Links wären es noch 400 Meter bis zum Boßler-Haus. Um den Gipfel mitzunehmen, biegen wir indes rechts ab und folgen dem wieder flacheren Pfad bis zum Gedenkkreuz auf dem Boßler. Nach dem Kraftakt werden wir dort mit einer herrlichen Aussicht nach Westen belohnt. Leicht zu erkennen sind Weilheim an der Teck und, südlich davon, der oben waldfreie Vulkankegel der Limburg.

Flugunglücke am Boßler

Im Sommer 1940 und Frühjahr 1945 stürzten zwei deutsche Militärmaschinen am Boßler ab. Am 8. Januar 1958 rasten zwei Militärjets der US Air Force in eine Gruppe Forstleute. Es folgten am 17. August 1959 eine Maschine der Bundeswehr, am 9. April und 11. April ein US-Hubschrauber und eine private Piper sowie am 14. Juni 1966 ein Düsenjet der Bundeswehr. Den 17 Opfern dieser Abstürze ist ein Gedenkstein auf dem Boßler, dem Schicksalsberg der Flieger, gewidmet. Doch die Unfallserie fand damit noch kein Ende: am 17. Juli 1979 stürzte eine Cessna und am 28. September 2005 ein Rettungshubschrauber der Deutschen Luftrettung am Boßler ab.

Wandern auf den mystischen Pfaden
Mystische Pfade

Mit unserem Wanderführer »Mystische Pfade Schwäbische Alb« begegnen wir dem Boßler-Berg, wie auch den Eiszeitjägern, Kelten und Alemannen. Wir wandern durch die Epochen der Erdgeschichte und lassen die Drei Kaiserberge und Felslandschaften am Albtrauf auf uns wirken. Dazu verzaubert uns der Charme mittelalterlicher Burgen.

Zu den mystischen Pfaden
19,99 €

Eine Orientierungstafel beim Naturfreundehaus

Sobald wir uns satt gesehen und vielleicht noch die beiden Burgen Rauber und Teck am Albtrauf gefunden haben, kehren wir zum Wegweiser Boßler Ost zurück und laufen geradeaus weiter zum Boßlerhaus. Das an den Wochenenden geöffnete Naturfreundehaus besticht mit seinem weitläufigen Außenbereich und einer sehr schön gearbeiteten Orientierungstafel. Die Drei Kaiserberge, Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen (von links nach rechts), lassen sich aber auch ohne Hilfsmittel leicht bestimmen. Auf dem nächsten Abschnitt nutzt der Steig die Zufahrt vom Boßlerhaus bis hinunter ins Erlenbachtal. Dort passieren wir erst einen Brunnen, dann die bewaldete Schanze, um im Anschluss daran links auf einen schmaleren Weg hinunter zur Autobahn zu wechseln.

Über die Bertaburg zur Boller Heide

Obwohl wir die A 8 diesmal überqueren, ebbt der Lärm schon bald wieder hinter uns ab. Wir folgen der Straße bis zum Wegweiser Banzhau, biegen dort mit dem HW 1 rechts, 150 Meter weiter links ab und laufen auf dem landwirtschaftlichen Weg an den Waldrand. Beim Wegweiser Eckel zweigen wir rechts ab und folgen der Beschilderung zum Landsöhr. Dort trennen sich die Wege: während der Albsteig zum Fuchseck abzweigt, wechselt der Boßler-Steig auf einen mit blauem Dreieck gekennzeichneten Weg zur ehemaligen Bertaburg. Ab dem Ende des Pfads geht es rechts auf den Oberen Hangweg, dann, links auf dem Schlamperweg hinunter zum Stubenhau (dort rechts) und weiter auf dem Oberen Riessweg und Heidweg bis zur Boller Heide. An deren Ende treffen wir wieder auf den Boller Höhenweg, der uns zum Abschluss an weiteren schönen Aussichtspunkten vorbei zurück zur Silberpappel führt.

Tourinfos zum Boßler-Steig bei Bad Boll

Die Anfahrt erfolgt von der A 8 Stuttgart–Ulm bei Ausfahrt 58 Aichelberg abfahren, weiter auf der L 1214 bis Bad Boll. Dort auf die Badstraße, nahe dem Zentrum in die Gruibinger Straße abbiegen.
Anfahrt mit Bus & Bahn
Es bestehen Busverbindungen ab dem Bahnhof Göppingen zur Haltestelle Badstraße/Gruibinger Straße. Der 700 m lange Zuweg erfolgt über die Gruibinger Straße.

Tourencharakter
Waldreiche Runde, die beim Aufstieg auf den Boßler gute Kondition am Berg und auf kurzen Abschnitten Trittsicherheit erfordert, die einen aber auch mit herrlichen Aussichten entlang des Albtraufs überrascht. Gut markiert durch den Premiumwanderweg Boßler-Steig.

AusgangspunktParkplatz Silberpappel ( 480 m)
KoordinatenN 48.6316, E 9.6114 (Parkplatz)
Gehzeit4.30-5.30 Stunden
Distanz15 km
Anstiege530 HM
GradT2
EinkehrSchützenhaus Bad Boll, Landgasthof Deutsches Haus, Naturfreundehaus Boßlerhaus
gps-DatenWanderung Boßler-Steig gpx
kml-DatenWanderung Boßler-Steig kml

Wanderkarte zum Premiumwanderweg bei Bad Boll

Höhenprofil

Steigungsprofil

Weitere schöne Wanderungen auf der Schwäbischen Alb

VG Wort