Stadtrundgang durch Sterzing

in der nördlichsten Stadt Italiens

Es ist so witzig wie absehbar: kaum schleppen wir Lars' Eltern zu einer kleinen Wanderung durch die Gilfenklamm, schmieden sie bereits am Abend eigene Pläne. Dreh- und Angelpunkt ist, wie sie den nächsten Tag ohne uns, und vor allem ohne zu wandern verbringen können. Aber sie haben ja Recht.

Man sollte trotz der vielen majestätischen Berge auch dem reizvollen Städtchen in Südtirol Beachtung schenken. Sterzing kommt uns allen da ganz gelegen. Die nördlichste Stadt Italiens besitzt außerdem eine der schönsten Altstädte des Landes. Und von unserem Hotel in Ratschings aus ist Sterzing auch mit dem Bus leicht zu erreichen.

Fußgängerzone von Sterzing
Pferdekutsche in Sterzing
Kirche bei Sterzing

Geschichte von Sterzing

Durch seine, für den Handel günstige Lage zwischen dem Brenner- und Jaufenpass sowie dem Penser Joch entstand schon 14 Jahre vor Christus die römische Siedlung Vibidenum. Im Raum von Sterzing finden sich jedoch auch Siedlungsspuren aus prähistorischer Zeit. Der Name Sterzing taucht erstmals 1182 in einer Urkunde des Stifts Sonnenburg auf. Ein knappes Jahrhundert später wird Sterzing zur Stadt erhoben und der ursprüngliche Siedlungsbereich durch das Areal südlich vom Zwölferturm, der Neustadt, erweitert. Begünstigt durch ein Handelsprivileg, erlebte Sterzing im 15. Jahrhundert einen rasanten Aufstieg.

Zusätzlich angefeuert wurde dieser durch Erschließung von Silberminen im Wipptal. Damals war es schick, die Stadt als Firmensitz zu wählen, womit die ältere Bausubstanz zusehends prächtigen Patrizierhäusern wich. Handelsbeziehungen und der gewählte Architekturstil verliehen Sterzing das Antlitz einer kleinen Fugger-Stadt. Obwohl Sterzing selbst zu seiner Blütezeit nur wenige Einwohner hatte, war es neben seiner Funktion als Handels- und Marktplatz auch Gerichtssitz und Tagungsort bedeutender Versammlungen. Mit der Erschöpfung der Silbervorkommen setzte gegen Ende des 16. Jahrhundert der wirtschaftliche Niedergang der Stadt ein.

Ehemalige Deutschordenskommende und St.-Elisabeth-Kirche

Ehemalige Deutschordenskommende mit der St.-Elisabeth-Kirche
Ehemalige Deutschordenskommende in Sterzing

Zu den bis heute auffallendsten Bauwerken außerhalb der Fußgängerzone zählt die ehemalige Deutschordenskommende mit dem Multscher- und Stadtmuseum. Herzstück des Museums sind Altartafeln des Ulmer Maler Hans Multscher. Der Besuch der Deutschordenskommende lohnt sich aber auch für einen Rundgang durch die barocken Säle, in denen die Herren des Deutschen Ritterordens residierten. In ihnen sind heute Zeugnisse des städtischen Lebens, der Zünfte und Bruderschaften ausgestellt. Daneben zeigen mehrere Gemälde die Entwicklung der Stadt Sterzing und seiner Umgebung. Über das Museum ist außerdem die spätbarocke Elisabeth-Kirche zu erreichen, mit welcher der alte Herrschaftssitz ein prächtiges Ensemble bildet. Sie ersetzte 1733 die ältere Kapelle des Deutschen Ordens. Als Schutzpatrone des Ordens sind die Heiligen Elisabeth und Georg auf den Deckengemälden zu sehen.

Sterzing als Tourismuszentrum im Wipptal

Mit dem Aufschwung Südtirols durch den Tourismus erlebt Sterzing eine zweite Blütezeit. Als Mitglied der Vereinigung »I borghi più belli d’Italia« (Die schönsten Orte Italiens) ist die ehemalige Fuggerstadt heute ein beliebtes Ausflugsziel. Während wir also über den mit Nebel verhangenen Saxnerkamm wandern, schlendern Lars' Eltern bei blauem Himmel durch malerische Einkaufsstraßen. Ihr Stadtrundgang führt sie an prächtigen Bürgerhäusern vorbei und über mittelalterliche Plätze.

Mit der wunderschönen Bergkulisse im Hintergrund genießen sie Kaffee und Kuchen in der strahlenden Sonne und lassen es sich gut gehen. So können sie in der nördlichsten Stadt Italiens auch ohne uns einen schönen und vor allem autofreien Tag verbringen. Zudem finden sie beim Touristenbüro noch einen vielversprechenden Wandervorschlag für den nächsten Tag. Den werden wir dann aber wieder gemeinsam verbringen und schauen, wie tapfer sie sich bei einer selbst gewählten Tour schlagen.

VG Wort