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Baumfällarbeiten bei Le Somail

das Idyll am Canal du Midi

Anne am Steuer vom Hausboot
der Canal du Midi kurz vor Le Somail

Eine ganze Weile fahren wir durch einen idyllischen Pinienwald. Nach gut 20 Kilometern passieren wir einen Abzweig zum Canal de la Robine, der nach Narbonne führt. Wir lassen diesen links liegen und erreichen kurz vor Le Somail ein weiteres Aquädukt, das über die La Cesse führt. Hier beginnen wieder die Platanenalleen. Leider ist ein Großteil der 42.000 Platanen entlang des Canal du Midi von der Massariakrankheit befallen.

Die durch den Pilz Ceratocystis fimbriata hervorgerufene Krankheit gelangt über das Kanalwasser und die darauf fahrenden Boote von Baum zu Baum und lässt die Platanen langsam absterben. Bei Capestang waren schon mehrere Kilometer bereits neu bepflanzt, angeblich mit einer Platanen-Züchtung, die gegenüber dem Erreger resistent ist. Hier aber, bei Le Somail, sind die Baumfällarbeiten bei unserer Tour noch in vollem Gange.

Brücke am Canal du Midi, kurz vor Le Somail
im Hafen von Le Somail

Außerhalb von Le Somail machen wir unser Boot fest. Der Tramontane hat wieder deutlich an Stärke gewonnen. Dennoch gelingt es uns, unser Hausboot gut festzuzurren. Danach können wir uns über einen netten Nebeneffekt des Tramontanes freuen: er weht die lästigen Fliegen davon. Prima!

Nach 25 Kilometer Fahrt ist hier also Endstation für heute und holen wir nochmals die Räder vom Boot. Le Somail ist nämlich für viele Hausbootreisende das Highlight am Canal du Midi. Und es stimmt. Mit seinen Wein berankten Häusern und der schmalsten Bogenbrücke entlang des Kanals ist das Dorf wirklich ein Idyll.

Restaurant am Canal du Midi in Le Somail
schmalste Brücke über den Canal du Midi in Le Somail

Im 18. Jahrhundert gehörte Le Somail zu den vier Poststationen am Canal du Midi. Neben dem Warentransport wurde der Kanal damals auch für die Beförderung des Post- und Personenverkehrs genutzt. So konnten die Menschen in vier Tagen von Agde nach Toulouse und umgekehrt reisen.

Das war natürlich einiges komfortabler als mit der Kutsche über die holprigen Straßen zu fahren. Le Somail, Trèbes, Castelnaudary und Negra waren damals Zwischenstationen mit Unterkünften, Restaurants und Kirchen für den Messebesuch.

beim Aquädukt über den La Cesse - Canal du Midi

Der idyllische Bereich von Le Somail beschränkt sich hauptsächlich auf einen kurzen Abschnitt am Kanal. So haben wir auch dieses schon bald gesehen, zumal die Restaurants auch hier erst am späteren Abend öffnen. So fahren wir mit den Rädern noch in die entgegengesetzte Richtung bis zum Aquädukt über die La Cesse. Auf der Strecke beobachten wir die Baumfällarbeiten. Mit Hilfe eines Lastenkahns und schwerem Gefährt werden die Platanen gefällt und vor Ort verbrannt. An sich ist es ein Jammer, das Holz so nutzlos in Rauch und Asche aufgehen zu lassen.

Doch nur so lässt sich die Ausbreitung des Erregers eindämmen. Mithilfe eines großen, weißen Vlieses wird zudem verhindert, das infiziertes Geäst zurück bleibt. Leider wurde früher weniger auf Wechselbepflanzung geachtet. Während Riquet sich damals für schnell wachsende Bäume wie Weide entschied, forcierte der Baumschulverantwortliche Antoine Ferrière zwischen 1787 und 1817 die Anpflanzung der Platanen. Die Bäume sicherten den Damm und beschatteten den Kanal. Es wird einige Jahre dauern, bis ein neues Blätterdach wieder für Schatten sorgt.

Aquädukt über den La Cesse - Canal du Midi
am Canal du Midi bei Le Somail

Wir verweilen noch etwas am Aquädukt, bis wir zumindest ein Boot gefilmt haben, das darüber hinweg fährt. Dann geht es zurück zu unserer Capri und kochen wir uns mal wieder Spaghetti mit einer leckeren Soße. Ab und zu versuchen auch andere, in dem windanfälligen Abschnitt vor Somail anzulegen. Einer nach dem anderen aber bricht das Unterfangen ab. Dabei gelingt es zwei Bootsführern sogar, ihr Boot mit der Längsseite ans Ufer zu bringen. Aber wenn dann die gesamte Crew wie die Ölgötzen auf dem Deck steht,

ohne dass sich auch nur einer rührt, drückt der Wind das Boot unweigerlich wieder in die Mitte des Kanals. Da nützt es auch nichts, dass Lars zweimal von Bord springt, um beim Anlegen zu helfen. Als Ergebnis bleiben wir auf weiter Flur alleine. Gelegentlich schaukelt unser Boot gewaltig. Zufällig immer dann, wenn ein Boot mit Rentnern an uns vorbeirast, ohne den Gashebel auch nur einen Deut zurückzustellen. Oder liegt es bereits am Wein? Denn längst sind wir zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen und widmen uns der regionalen Weinkultur aus Cahors.

im Hafen von Le Somail am Canal du Midi
am frühen Morgen bei Le Somail

Le Somail | Canal du Midi

Goldene Woche auf dem Canal du Midi. Fahrt von Malpas über den idyllischen Ort Capestang bis nach Le Somail. Aufnahmen der Rodungsarbeiten der Platanen am Kanal.
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