Gräber inmitten von Reisfeldern bei Van Long, Vietnam

Radtour und Bootsausflug bei Van Long

Ausflug mit Besuch eines Reisbauern und vietnamesisch Kochen

Van Long ist ein ausgedehntes Feuchtgebiet nordöstlich von Hoa Lư. Seit 2001 ist es ein offizielles Naturreservat in der Region Ninh Binh. 2017 folgte die Ausweisung als Ramsar-Gebiet. Beides unterstreicht die hohe Bedeutung für den Naturschutz. So leben in Van Long rund 200 Delacour-Schwarzlanguren – die größte Population dieser nur in Vietnam vorkommenden Primatenart. Reisende finden hier eine malerische Landschaft mit Reisfeldern, Flüssen und Karstbergen, die zum Radfahren und die Natur beobachten einlädt.

Fahrradtour durch Van Long

Nach unserer zweiten Nacht im Van Long Green Hotel in Gia Viễn steht eine Fahrradtour auf dem Programm. Die Lage des Hotels ist dafür ideal, denn es befindet sich direkt an einem Flusslauf am Rand des Schutzgebietes, sodass wir schon beim Ausgangspunkt erste schöne Eindrücke von der Landschaft sammeln können.

Angenehm ist auch, dass es in der Umgebung von Van Long ruhiger zugeht als in Trang An oder bei Tam Coc. Die Räder werden übrigens direkt beim Hotel ausgegeben. Es sind nicht die neuesten, aber sie lassen sich in der Höhe einstellen und sie funktionieren. Für eine in weiten Teilen ebene Fahrt genügt uns das.

Gräber auf den Reisfeldern

Vom Hotel aus gesehen biegen wir einem Anleger für Ruderboote links ab, sodass wir einem träge fließende Wasserlauf entgegenfahren. Es handelt sich dabei um einen Verbindungskanal zwischen dem Sông Bôi und dem Sông Đáy. Vor allem während der Regenzeit im Sommer sollen Hochwasser des weiter westlich gelegenen Sông Bôi nach Osten zum Day-Fluss geleitet werden.

Reisfelder, Gräber und katholische Kirche nahe dem Schutzgebiet Van Long

Nach knapp drei Kilometern biegen wir erneut links ab. Damit führt der nächste Abschnitt unserer Runde durch die Reisfelder von Gia Viễn. Ungewöhnlich für uns ist, dass sich inmitten der Felder kleine Grabstätten befinden. Diese Tradition ist im Ahnenkult verankert. In Vietnam wachen die Ahnen auch nach dem Tod weiter über die Familie.

Wird ihr Grab auf einem Feld errichtet, beschützen sie symbolisch die Ernte und bleiben so Teil des täglichen Lebens. Daneben haben die Gräber auch einen praktischen Nutzen: Weil die Reisfelder oft über mehrere Generationen im Besitz einer Familie bleiben, wird mit dem Grab der Besitzanspruch auf das jeweilige Stück Land untermauert. 

Tempel Đền Thung Lá

Andachtsstätte der Königinmutter Dam Thi

Leider steht bei unserer Rundfahrt tatsächlich das Fahren im Vordergrund, sodass wir kaum Zeit haben, um richtig umzusehen. Ein paar Mal stoppen wir aber doch kurz, um ein paar Eindrücke von den Grabstätten sowie auch einem kleinen Friedhof aufzunehmen. Dann geht es auch schon zurück an den Kanal, dem wir weiter nach Westen folgen.

Vorbei an einer Brücke über ein größeres Rückhaltebecken, sind es noch zweieinhalb Kilometer bis zu einem Damm. Rechts gelangen wir leicht bergauf zum Fahrradparkplatz des Thung La Tempels. Während unser Reiseleiter über die Räder wacht, erreichen wir über einen etwas steileren Weg die kleine Tempelanlage.

Tempel der Königinmutter und Wahrsagerin

Der bereits im 10. Jahrhundert errichtete Thung La Tempel ist der Königinmutter Dam Thi gewidmet, der Mutter von Đinh Bộ Lĩnh, dem ersten Kaiser Vietnams und Begründer der Đinh‑Dynastie. Zwischen 960 und 968 – dem Ende des Kriegs der zwölf Generäle – soll Đinh Bộ Lĩnh diese Gegend als militärischen Stützpunkt und Lazarett genutzt haben.

Laut einer Legende soll hier eine Wahrsagerin und Heilkundige gelebt haben, die Blätter für ihre Prophezeiungen nutzte. Kaiser Đinh soll diese Blätter auch mit in die Schlacht genommen haben, um damit verwundete Soldaten zu versorgen. Aus der Legende leitet sich der heutige Name Thung Lá ab, was sich mit »Blättertal« übersetzen lässt.

Heute ist die gesamte Tempelanlage hübsch in die Landschaft integriert. Zusammen mit den umgebenden Wäldern und Felsen finden wir dort eine entspannte Atmosphäre, die zum Entspannen und sich besinnen einlädt. Und doch können wir nur kurz verweilen, bevor wir zurück zu unseren Rädern müssen.

Besuch eines Bauernhofs

Nach dem Abstecher zum Tempel geht es zurück über den Kanal, wo erst rechts, dann sogleich wieder links abbiegen. Die Route führt uns damit durch die Reisfelder in die Siedlungen der Gemeinde Gia Hung. Dort biegen wir am Ende der Straße erneut links ab, sodass wir nach etwa 900 Metern die Pfarrkirche Uy Tế passieren.

Nochmals rund 900 Meter weiter beschreibt die Ortsstraße eine Linkskurve, um nach zweieinhalb Kilometern in die DT.477 – die wichtigste Durchgangsstraße zu den einzelnen Orten – zu münden. Nach der Idylle zwischen den Reisfeldern müssen wir auf den nächsten sechs Kilometern bis zum Hof eines Reisbauers gut aufpassen.

Traditionelle Landwirtschaft in Vietnam

Vor Ort erhalten wir einen Einblick in die traditionelle Bewirtschaftung der Felder und weiteren Arbeiten auf dem Hof. Wer will, kann in hohe Stiefel schlüpfen und in einem schmalen Rinnsal kleine Fische oder Krabben mithilfe eines Korbs fangen. Oder er stellt sich hinter den Pflug, der von einem Wasserbüffel stoisch über den gefluteten Acker gezogen wird.

Andere üben sich in der alten Bewässerungstechnik. Dazu dient ebenfalls ein Korb, der zwischen zwei Schnüren durchs Wasser und hoch in die Luft gezogen wird. Tatsächlich gelingt es mehreren unserer Gruppe, auf diese Weise Wasser von einem Becken ins nächste zu befördern.

Vietnamesisch Kochen

Körperliche Arbeit macht bekanntlich hungrig. »Hier sind wir unsere eigenen Chefs, denn wir kochen unser Mittagessen unter Anleitung selbst«, heißt es dazu in unserer Reisebeschreibung. Für mich ist das der Moment, an dem ich mich an meiner Kamera festkette, um das Event möglichst gut zu dokumentieren. Eine Kochschürze muss aber auch ich mir umbinden.

Nach einer halben Stunde – und den ein oder anderen spitzen Kommentar zu meiner vermeintlichen Untätigkeit – ist alles Gemüse geschnitten und brutzeln die mit Huhn oder Schwein gefüllten Teigtaschen im heißen Öl. Es ist Zeit, die Schürze abzunehmen, sich an den gedeckten Tisch zu setzen und den anderen für das leckere Essen zu danken!

Bootsausflug ins Schutzgebiet Van Long

Nach dem Mittag sind es noch zwei Kilometer bis zurück zu unserem Hotel. Wer möchte, kann den Nachmittag im Hotel und sich vor der Weiterfahrt in den Süden Vietnams ausruhen. Andere nutzen die Zeit für einen Spaziergang nach Gia Tran, dem östlichen Nachbarort.

Unser Interesse gilt hingegen den Booten am Kanal. Das dazugehörende Ticketcenter befindet sich etwa 200 Meter davon entfernt in der Zufahrt schräg gegenüber unseres Hotels. Im Vergleich zum Tal der drei Höhlen sind die Preise deutlich günstiger. Doch auch so lohnt sich der Bootsausflug.

Tatsächlich finden wir den zweiten Bootsausflug sogar schöner als den ersten. Denn weil nur wenige Touristen nach Vang Long kommen, ist hier alles noch sehr entspannt. Vân Long wird auch gerne als »Bucht ohne Wellen« genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet Vân Long jedoch Wolkendrache.

Das können wir bestätigen, denn entsprechend ruhig gleitet unser Boot durch das klare Wasser. Nach der ersten Biegung passieren wir ein frisch vermähltes Paar. Wenige Meter davon entfernt dümpelt ein zweites Boot mit dem Fotografen, der die malerische Kulisse für perfekte Hochzeitsbilder nutzt.

Eindrücke unserer Bootstour durch das Ramsar-Gebiet Van Long

Ein Feuchtgebiet als Nebenprodukt eines Damms

Erst später erfahren wir, dass das Feuchtgebiet als Nebenprodukt des 1960 gebauten Kanals entstand: Durch den damit verbundenen Bau eines rund 30 Kilometer langen Deichs am Đáy-Fluss wurde der natürliche Wasserabfluss unterbrochen. Seitdem sammelt bzw. staut sich Regenwasser in den Senken nördlich des Kanals. In der Folge bildete sich ein über 3.500 Hektar großes Feuchtgebiet. Zusammen mit den aus dem Wasser ragenden Karsthügeln entstand ein idealer Lebensraum für viele bedrohte Arten.

Delacour-Schlangenkopflanguren sehen wir selbst zwar keine. Dafür aber hebt plötzlich ein Schwarm Silberklaffschnabel von den Felsen neben uns ab. Hatten wir zuvor nur zwei oder drei entdeckt, so fliegen plötzlich 30 oder 40 dieser Vögel über uns hinweg. Die nächsten Biegungen des Wasserlaufs eröffnen uns immer neue Blickwinkel über diese faszinierende Landschaft. Nach knapp anderthalb Kilometern tauchen wir hier in eine Höhle ein. Sie bilden den Umkehrpunkt einer Bootsfahrt wie durch ein Bilderbuch.

Anforderungen & GPS-Daten

⏱️ Gehzeit: 2.30 h
📏 Distanz: 27 km
🏔️ Höhenmeter: 100
⚖️ Schwierigkeit: leicht
🧭 Typ: Rundwanderung

Karte


Höhenprofil

VG Wort