Eindrücke unserer Wanderung am Quây‑Sơn‑Fluss in Vietnam

Wanderung am Quây‑Sơn‑Fluss

Letzte Etappe unseres Trekkings durch die Region Cao Bang

Die dritte Etappe unserer Trekkingtour durch Nordvietnam verläuft in weiten Teilen entlang dem Quây-Sơn-Fluss. Bekannt ist er vor allem dadurch, dass er an der Grenze zu China die Bản‑Giốc‑Wasserfälle speist. Zuvor durchströmt der Quây-Sơn eine Bilderbuchlandschaft mit Terrassenfeldern und steil in den Himmel ragenden Kalkfelsen. Dabei bietet er mit seinem smaragdgrünen Wasser und teils waghalsigen Brückenkonstruktionen selbst einige schöne Motive.

Start der Etappe in der Gemeinde Đàm Thủy

Für die Schlussetappe unseres Trekkings durch Cao Bang müssen wir zunächst wieder ein paar Kilometer weit bis in die Gegend von Xã Đàm Thủy fahren. Dieses Mal dauert die Fahrt eine halbe Stunde. Tatsächlich ist es bei Rundreisen durch Nordvietnam nicht üblich, von einem Ort zum nächsten zu wandern, da sich die Landschaft in weiten Teilen sehr ähnelt.

Ein zweiter Grund ist, dass sich unsere nächste Unterkunft an der Grenze zu China befindet. Um das alles zu Fuß zurücklegen zu können, müssten wir allein für die Wanderungen eine ganze Woche einplanen. Kurzum: wir nehmen die Fahrt im Bus gerne in Kauf und haben somit mehr Zeit für die Etappe am Quây‑Sơn‑Fluss.

Diesige Sicht zu den Hügeln

Leider bleibt uns das diesige Wetter der letzten Tage treu. Bei leichtem Nieselregen und Temperaturen unter 10° ist somit erneut Zwiebellook angesagt. Dann aber geht es endlich richtig los, drehen wir der Hauptstraße den Rücken und nutzen einen schmaleren Fahrweg durch Đàm Thủy.

Trotz des Wetters lohnt es sich schon hier, innezuhalten und erste Aufnahmen von einem mit Kohl und Bananen bepflanzten Garten einzufangen. Wenige Schritte weiter erreichen wir den Fluss. Bekannt ist er für sein smaragdgrünen Wasser. Mit gutem Willen können wir das erkennen.

Ein mystischer erster Eindruck

Während das Ufer von Schilf und Hochstauden gesäumt wird, erheben sich in der nächsten Flussbiegung zwei Kalkhügel. Links davon schließen noch etliche weitere an. Allein, sie verlieren sich im Nebel oder einer tiefen Wolkendecke. Unser erster Eindruck ist kein Bilderbuchmotiv, sondern mystisch.

Eindrücke von den Feldern und Kalkhügel am Quây‑Sơn‑Fluss

Wacklige Brücken am Quây‑Sơn‑Fluss: typische Trekking‑Herausforderung

Nach rund zweieinhalb Kilometern ab dem Start führt unsere Route erstmals direkt über den Fluss. Die Brücke entspricht zwar nicht den bei uns gewohnten Standard, wirkt aber doch solide genug. Leider gilt das nicht für die nächstfolgenden Brücken.

Zum Teil bestehen sie aus zusammengebundenen Holzbrettern mit einem gespannten Seil als Handlauf. Sie sind so schmal, dass man einen Fuß vor den anderen setzen muss, um halbwegs sicher voranzukommen.

Alternative Wegführung durchs Flussbett

Andererseits ist der Quây‑Sơn in diesem Bereich breit und das Flussbett so stark zerklüftet, dass man alternativ über die Felsen bis rüber zum gegenüberliegenden Ufer hüpfen kann. Als netter Nebeneffekt erlaubt mir der kurze Umweg eine schöne Perspektive vom Fluss auf die Brücken.

Ném Còn – traditionelles Wurfspiel der Tày und Nùng

Nachdem unsere Gruppe alle Hindernisse sicher gemeistert hat, kommen wir zu einer Art Festwiese. Wir haben Glück. Während unserer Reisezeit im Februar ist die Arbeit auf den Feldern schnell erledigt. Die Freizeit nutzen die Bewohner der umliegenden Dörfer für Frühlingsfeste und Wettbewerbe im Ném Còn, einem traditionellen Wurfspiel der Tày und Nùng.

Ziel des Spiels ist, einen bunten und mit Reis oder Baumwolle gefüllten Stoffball – den Còn – durch einen kleinen Ring zu werfen. Das Problem dabei ist: Der Ring befindet ganz oben auf einem hohen Bambuspfahl. Neben der Zielsicherheit braucht es also auch einigen Schwung, um den Ball in einer Schleuderbewegung auf die richtige Höhe zu bekommen.

Bald entdecken uns die Teilnehmer und winken uns heran. Auch wir sollen uns im Ném Còn versuchen. Nach einer kurzen Einweisung darf Annette ein paar Bälle in Richtung des Bambuspfahls schleudern. Tatsächlich verfehlt einer ihrer Versuche den Ring nur um Haaresbreite. Da ich selbst auf dem Weg am Fluss bleibe, gibt es noch eine weitere Schwierigkeit: Aus der Ferne sind die Bälle trotz ihrer Farbe kaum zu erkennen. So kann ich nur ahnen, wo Annettes weitere Versuche landen.

Alte Wasserräder entlang der Felder

Nach der kurzen Unterbrechung drängt Thang zur Eile, denn nach der Wanderung haben wir noch zwei weitere Programmpunkte. Wie um seine Worte zu unterstreichen, taucht jenseits der Felder unser Bus auf. Offenbar ist auch der Fahrer schon auf dem Weg, uns am Ziel der Trekkingtour abzuholen. Direkt zum Bus hinüberlaufen geht jedoch nicht. Und es wäre auch schade. Denn auf den letzten gut zwei Kilometern ist unsere Schlussetappe besonders schön. Grund ist, dass sich der Quây Sơn in mehrere Arme aufteilt.

Dadurch bildet der Fluss eine idyllische Flusslandschaft. Durch die geringe Fließgeschwindigkeit erkennen wir dort auch die smaragdgrüne Farbe des Wassers. Schließlich kommen wir zu einem Bereich mit mehreren Wasserrädern. Typisch sind diese auch für die Region Phong Nha weiter im Süden des Landes. Durch den Einsatz moderner Pumpen haben sie zwar ausgedient, geben uns zum Ende unserer Wanderung aber einen interessanten Einblick in die damals schon ausgefeilte Schöpftechnik.

Planung & Anreise


Ausgangspunkt ist der Ort Xã Đàm Thủy, direkt an der Durchgangsstraße. Von Quang Uyen kommend folgst du der DT206 in Richtung Bản‑Giốc.

GPS-Koordinaten N 22.8209, E 106.6191

⇒ Anreise mit Google Maps planen


Die Tour ist leicht bis mittelschwer (T2–T3). Bei Regen können einzelne Abschnitte rutschig werden, und einige der alten Holzbrücken erfordern etwas Trittsicherheit.


Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Bei geführten Gruppenwanderungen wird ein Imbiss bzw. kleines Mittagessen organisiert.

Anforderungen & GPS-Daten

⏱️ Gehzeit: 3-3.30 h
📏 Distanz: 8.0 km
🏔️ Höhenmeter: 180 hm
⚖️ Schwierigkeit: mittel
🧭 Typ: StraightLine (Streckenwanderung)

Wanderkarte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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