Blick in die Überraschungshöhle Hang Sửng Sốt auf der Insel Bồ Hòn, Vietnam

Hang Sửng Sốt – die Überraschungshöhle auf der Insel Bồ Hòn

Besuch der größten Tropfsteinhöhle in der Halong-Bucht

Die Überraschungshöhle – Hang Sung Sot – zählt zu den Hauptattraktionen in der Halong-Bucht. Sie befindet sich auf der Insel Bo Hòn, einer der größten Inseln von Halong. Wir besuchen die Höhle am zweiten Tag unserer Bootstour. Zuvor aber dürfen wir uns im Angeln und Yoga üben.

Übernachtung in der Halong-Bucht

Vor unserer Bootstour in der Halong-Bucht hatten wir mehrere Berichte über Bootsunglücke gelesen. In den Jahren 2002, 2006 und 2009 kenterten einige Ausflugsboote bei Sturm oder Orkan. Der bislang schlimmste Unfall ereignete sich im Februar 2011: Während der Nacht brach eine der traditionell aus Holz gebauten Dschunken einfach auseinander. Danach war das Boot in Windeseile mit Wasser vollgelaufen und in der Bucht versunken.

»Das Ganze dauerte zwischen 30 Sekunden und eine Minute«, schilderte später der US-Tourist George Fosmire, die Ereignisse. Für ihn war das Unglück doppelt tragisch, denn ihn hatte seine Freundin geweckt, als das Wasser in ihre Kabine lief. Dem 23-Jährigen gelang es, durch eine Luke ins Freie zu kommen, während es seine Freundin und eine weitere Amerikanerin nicht mehr nach draußen schafften. Danach wurden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft.

Seitdem dürfen keine Holzboote mehr Touren mit Übernachtung in der Halong-Bucht anbieten. Ein einfaches Durchbrechen maroder Schiffsbalken ist damit ausgeschlossen. Nach dem Abendessen erwartet uns an Deck eine ungewohnte Freizeitbeschäftigung:

Die Crew hat zwei Angeln und Lampen bereitgestellt, mit denen wir uns im Tintenfischangeln üben dürfen. Was wir im Erfolgsfall mit den Fischen machen sollen, erfahren wir nicht. Das scheint allerdings auch nicht allzu oft vorzukommen. So lässt Annette ihre Angel geduldig durch das Wasser tanzen, ohne dass sich auch nur ein Tintenfisch anbeißt.

Besuch der Überraschungshöhle

Am nächsten Morgen ist die Überraschungshöhle auf der Insel Bồ Hòn unser einziger Programmpunkt. Entdeckt wurde sie 1901 von einem französischen Forscher, der sie damals »Grotte de la surprise« (Höhle der Überraschung) nannte. »Sung‑Sot« ist die vietnamesische Übersetzung des französischen Namens.

Der Name passt, denn der von außen einsehbare Teil der Höhle unterscheidet sich kaum von einigen anderen Karstgebilden in der Halong-Bucht. Auch die Tropfsteingebilde in der ersten von zwei Kammern entsprechen in etwa dem, was sich im Lauf der Jahrtausende – oder Jahrmillionen – in vielen Kalksteinfelsen bildet.

Um einzelne Tropfsteine später zuordnen zu können, fotografiere ich die Schilder direkt davor. So auch bei einem besonders schönen Stalaktiten in der ersten Kammer – dem Waiting Room oder auch Warteraum der Höhle – das Schild mit der Aufschrift »Không trèo lên nhũ đá«.

Leider erfahre ich erst daheim, dass der Stein unbenannt ist und ich stattdessen einen an verschiedenen Stellen in der Höhle platzierten Hinweis aufgenommen habe: »Nicht auf die Stalaktiten klettern.« Zumindest aber sind die Kronleuchter-Stalaktiten gut zu erkennen, die an mehreren Stellen der ersten Kammer von der Decke hängen.

Der General und die Schildkröte

Weiter hinten im ersten großen Saal kommen wir zum General. Die Tropfsteinformation ähnelt einem Menschen in antiker Rüstung, der Befehle erteilt. Da der General zu den Wahrzeichen der Höhle zählt, stauen sich die Besucher in diesem Bereich gerne. Es ist also nicht zu verfehlen. Ein weiterer benannter Stein der ersten Kammer ist die Schildkröte, ein flacher Stalagmit, der mit etwas Fantasie an das gepanzerte Reptil erinnert und der von vielen Besucher als Glücksbringer berührt wird.

Überraschung in der zweiten Kammer

Über einen engen Gang ist die erste Kammer mit der zweiten verbunden. Sobald wir diesen durchquert haben, erweitert sich die Höhle zu einer Art geologischer Kathedrale. Hier wird deutlich, warum die Überraschungshöhle so heißt. Vor uns führt der schwach ausgeleuchtete Rundweg zu zahlreichen fantastischen Gebilden. Wer über eine blühende Fantasie verfügt, ist somit klar im Vorteil.

Weitere benannte Tropfsteine in der Höhle

Wohl aber erkennen wir das Skelett eines Krokodils an der Decke, den langgezogenen Drachenkopf an der Wand und den Blüten-Stalaktit. Letzterer zählt zu den jüngeren Formationen und ähnelt den Blütenblättern eines Lotus. Zwei weitere benannte Tropfsteine bilden durch ihre Nähe den Liebespaar-Stalaktiten. Auch ein Löwe und ein Banyan-Baum soll in der großen Kammer zu finden sein. Blickfang aber ist eine riesige Tropfsteinsäule, die bunt angestrahlt wird. Sie besitzt keinen offiziellen Namen, wird aber gerne als majestätische Säule beschrieben.

Mythologie der Höhle

Seit ihrer Entdeckung spielt die Überraschungshöhle eine große Bedeutung in der Mythologie Vietnams. So soll der Nationalheld Thánh Gióng nach dem Sieg über Invasoren von Bo Hòn aus in den Himmel geflogen sein. Sein zu Stein gewordenes Pferd und sein langes Schwert soll er in der Höhle zurückgelassen haben, um auch künftig Böses von der Halong-Bucht fernzuhalten.

Das erklärt zumindest die Hufabdrücke auf dem Höhlenboden. Die kleinen, mit Wasser gefüllten Vertiefungen deuten die Vietnamesen als Hufabdrücke seines magischen Pferds. Sie führen zu einer breiten Kalkformationen, die einem steinernen Pferd und einem langen Schwert ähneln soll.

Karte zur Halong-Bucht

VG Wort