Eine besonders gefährliche Operation aus dieser düsteren Zeit erzählt die Legende von »Blut und Benzin«. Demnach hatte am 25. September 1968 die nordvietnamesische Armee vier Umschlagteams zusammengestellt, um dringend benötigtes Benzin flussaufwärts zu ziehen. Sie wurden von den Amerikanern entdeckt und sofort bombardiert. 29 Soldaten des Thai Binh Volunteer Youth Teams, also des Jugendlichen Freiwilligenteams aus Thai Binh, kehrten nicht zurück. Ihr Blut soll sich mit dem Benzin vermischt und den gesamten Tra-ang-Fluss rot gefärbt haben.
Trotz des ständigen Bombardements gelang es den Vietnamesen, die Verbindung über den Fluss immer wieder herzustellen. Zeitweise spannten sie dicke Stahldrähte über das zerklüftete Gelände. Die Lkws fuhren dann nur auf den Felgen über diese Seilstränge über die Schlucht hinweg. Schon der Gedanke, dass so etwas möglich ist, erscheint uns selbst einige Jahrzehnte später als abenteuerlich. Zumindest erklärt es, warum die Tra-Ang-Brücke zu einem Symbol für Entschlossenheit und Widerstandsfähigkeit des vietnamesischen Volkes geworden ist.
Heute ist die Umgebung der Brücke wieder stark bewaldet. So können wir von dort aus den Blick über eine sattgrüne Berglandschaft schweifen lassen. Ganz in der Nähe bildet die Trạ-Áng-Höhle ein bekanntes Ausflugsziel. Wir jedoch fahren weiter bergan zum botanischen Garten des Nationalparks.