Wanderung im Phong Nha-Nationalpark in Vietnam

Abenteuerlicher Runde ab dem botanischen Gartenzum Windwasserfall Thác Gió

Der Phong Nha-Nationalpark bildet zusammen mit dem Hin-Nam-No-Nationalpark in Laos ein grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet. Die tropische und dicht bewaldete Bergregion wird durch uralte Kalksteinkarste, teils unterirdisch verlaufende Flüsse und einer Vielzahl an Höhlen geprägt. Nach einer Kajaktour auf dem Fluss Son zur Hang Toi (Dark Cave) besuchen wir am zweiten Tag den Botanischen Garten. Dort unternehmen wir eine spektakuläre Dschungelwanderung zum Wind-Wasserfall Thác Gió.

Trạ-Áng-Brücke

Unsere Fahrt zum Botanischen Garten im Phong Nha Ke Bang National Park führt über die Trạ-Áng-Brücke. Sie liegt am Westzweig der Ho-Chi-Minh-Straße, der durch den Bezirk Bo Trach führt. Zwischen den hoch aufragenden Bergen beiderseits des Flusses stellt sie einen wichtigen Verbindungspunkt dar. Damit zählt die Brücke über den Trạ Áng zugleich zu den historischen Gedenkstätten Vietnams, denn während des Vietnamkriegs war das Gebiet rund um der Brücke heftig umkämpft. Vor allem zwischen 1964 und 1972 bombardierte die US Air Force diesen Bereich nahezu ohne Unterlass, um den Nachschub der nordvietnamesischen Truppen zu unterbinden.

Tra Áng war damals eines der Bomben-Zentren. Binnen acht Jahren verwandelten die US-Amerikaner diese Gegend in eine groteske Landschaft, in der am Ende weder Bäume noch Gräser wuchsen. Boden wurde zu Staub, Steine wurden zu Kalk. Das längste Bombardement dauerte 87 Tage und Nächte, in den 27 B52-Bomber und 30 weitere Flugzeuge das ganze Arsenal an konventionellen Bomben abwarfen: Schwere Bomben, Kugelbomben, Magnetfeldbomben, Brandbomben, Laubminen und Käfigminen. Die dadurch entstandenen Vertiefungen im Gelände nennen die Vietnamesen túi bom – Bombentasche oder auch Bombenmulde.

Legende von Blut und Benzin

Eine besonders gefährliche Operation aus dieser düsteren Zeit erzählt die Legende von »Blut und Benzin«. Demnach hatte am 25. September 1968 die nordvietnamesische Armee vier Umschlagteams zusammengestellt, um dringend benötigtes Benzin flussaufwärts zu ziehen. Sie wurden von den Amerikanern entdeckt und sofort bombardiert. 29 Soldaten des Thai Binh Volunteer Youth Teams, also des Jugendlichen Freiwilligenteams aus Thai Binh, kehrten nicht zurück. Ihr Blut soll sich mit dem Benzin vermischt und den gesamten Tra-ang-Fluss rot gefärbt haben.

Trotz des ständigen Bombardements gelang es den Vietnamesen, die Verbindung über den Fluss immer wieder herzustellen. Zeitweise spannten sie dicke Stahldrähte über das zerklüftete Gelände. Die Lkws fuhren dann nur auf den Felgen über diese Seilstränge über die Schlucht hinweg. Schon der Gedanke, dass so etwas möglich ist, erscheint uns selbst einige Jahrzehnte später als abenteuerlich. Zumindest erklärt es, warum die Tra-Ang-Brücke zu einem Symbol für Entschlossenheit und Widerstandsfähigkeit des vietnamesischen Volkes geworden ist.

Heute ist die Umgebung der Brücke wieder stark bewaldet. So können wir von dort aus den Blick über eine sattgrüne Berglandschaft schweifen lassen. Ganz in der Nähe bildet die Trạ-Áng-Höhle ein bekanntes Ausflugsziel. Wir jedoch fahren weiter bergan zum botanischen Garten des Nationalparks.

Botanischer Garten und Wildtierstation

Am Westende der Brücke biegen wir rechts ab und folgen der Straße entlang der Nationalparkgrenze leicht bergan zum Eingang des Botanischen Gartens. Nach der Ankunft sollen wir zunächst mit Getränken, also Wasser, eindecken. Dann geht es auf die andere Seite zu mehreren Gehegen. Sie befinden sich knapp außerhalb des Nationalparks und beherbergen Affen und verschiedene Vögel. Es handelt sich dabei um eine Rettungs- und Pflegestation für verletzte, geschmuggelte oder aus illegaler Haltung befreite Wildtiere.

Als ein Ziel des Parks nennt uns eine Führerin, die Tiere wieder aufzupäppeln und schrittweise auf die Auswilderung in den Nationalpark vorzubereiten. So warten mehrere Rhesusmakaken (Macaca mulatta) auf ihre Rückkehr in den dichten Dschungel. In einem anderen Käfig sehen wir drei Doppelhornvögel (Buceros bicornis), zwei Weibchen und ein Männchen. Der männliche Doppelhornvogel darf sich ein Weibchen zur Paarung aufsuchen und soll dazu beitragen, die stark gefährdete Art zu erhalten.

Dschungelwanderung im Phong Nha-Nationalpark

Nach dem Besuch der Tiergehege kehren wir zurück zum Eingang und Restaurants des Botanischen Gartens. Leider regnet es bei unserem Besuch, was die Stimmung etwas drückt. Dennoch brechen wir frohen Muts zu unserer Dschungelwanderung im Nationalpark auf. Der Zugang erfolgt – bei der Gabelung nahe der Gebäude links – über den Steg eines schmalen Bachlaufs.

Der erste Abschnitt unserer Wanderung verläuft somit auf der Gio-Wasserfall Runde. Nachdem der Pfad zunächst dem Bachlauf folgt, schwenkt er nach rechts, wo er in einen anderen Weg mündet. Dort biegen wir links ab, sodass wir bald den Hundertjähriger Sao-Baum (Cây Sao trăm tuổi) passieren. Gleich danach beschreibt weitere Rechtskurven, ehe er uns nördlich zu einem Abzweig führt.

Führung über die Dschungelpfade zu einer Höhle

Geradeaus ginge es an einem Aussichtspunkt direkt zum Windwasserfall. Zu unserer Überraschung biegt unsere Führerin jedoch links auf einen gesperrten Pfad ab. Nur wenige Minuten später wissen wir dann auch, warum uns mehrere Helfer begleiten. Dank des Regens ist der ohnehin teils steile und abschüssige Untergrund obendrein glitschig. An mehreren Stellen reichen die vier oder fünf jungen Männer unserer Gruppe die Hand, sodass wir möglichst rutschfrei vorankommen.

Es rutscht dennoch jeder mindestens einmal aus. Auch wird manch ein Hosenboden dreckig. Dann aber liegt der schlimmste Abschnitt auch schon hinter uns, während sich vor uns das Blätterdach öffnet. Nach einem kurzen Blick über den grünen Dschungel tauchen wir wieder ins Unterholz ein, bevor wir eine durch Planen geschützte Halbhöhle erreichen. Erst auf den letzten Metern erkennen wir, dass vor Ort bereits mehrere Mitarbeiter des Parks ein Lager für unsere Mittagspause errichtet haben.

Picknick im Dschungel

Unter dem provisorischen Dach sind weitere Planen ausgebreitet, in deren Mitte einige Bananenblätter wie ein Tischläufer liegen. Sobald wir alle unsere dreckigen Schuhe sicher beiseite gestellt haben, sind auch schon die ersten Sachen vom Grill fertig. Es ist erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln die Männer es schaffen, neben Salaten und Gemüse auch Huhn und Schwein zu grillen – und dann noch alles sauber auf unsere Bananenblattteller bringen.

Erst während des Essens erfahren wir, dass wir uns an einer historischen Raststätte befinden. Während des Vietnamkrieges war die Halbhöhle einer der sichersten Orte hier, da er aus der Luft nicht einsehbar und auch nur schwer zu treffen war. Bei schweren Bombardements zogen sich die Vietcongs in eine nahe, geschlossene Höhle zurück. Diese ist auch heute noch zugänglich, womit wir nach dem Essen in die beklemmende Dunkelheit eindringen können.

Thác Gió – der Windwasserfall

Wenige Schritte von der Höhle entfernt sehen wir, warum dieser Teil des Nationalparks nur mit ortskundigen Führern möglich ist. Nur wenige Schritte vom Pfad entfernt zeigt uns einer der Männer eine stark verrostete Artilleriegranate. Zusammen mit etlichen weiteren Granaten und Streubomben zeugt sie noch heute davon, dass wir uns in einem der am schwersten bombardierten Gebieten der Welt befinden.

Solche verrosteten Blindgänger gelten als extrem gefährlich, da der Zünder im Lauf der Jahrzehnte instabil geworden sein kann – und dennoch funktionstüchtig ist. Schon eine leichte Berührung oder Erschütterung kann zur Explosion führen. Wir gehen davon aus, dass der Blindgänger, der uns gezeigt wird, unschädlich gemacht wurde. Zugleich sind wir gewarnt, nicht blindlings durchs Dickicht zu stapfen, nur weil der Pfad an einer Stelle zu matschig ist.

Im Bereich einer bereits hoch gewachsenen Feige biegt der Pfad rechts zum Bach ab. Dort erreichen wir die untere Kaskade des Thác Gió, also des Windwasserfalls. Der Name des insgesamt 30 Meter hohen Wasserfalls geht auf die starke Luftströmung zurück, die das Wasser beim Sturz durch das enge Tal erzeugt. Wer möchte, kann im Becken unterhalb der Kaskade baden. Wir hingegen nutzen die Gelegenheit, um den Dreck von unseren Trekkingsandalen zu waschen.

Der anschließende Aufstieg erfolgt erst auf der rechten Seite der unteren Kaskade. Dann wechseln wir über einen Steg mit toller Sicht auf die Hauptkaskade auf die linke Seite des Bachs. Schließlich treffen wir wieder auf die Gio-Wasserfall Runde, der wir zum oberen Ende des Windwasserfalls folgen. Ab dort führt der Pfad auf wieder leichtem Terrain zurück zum Hauptgebäude des Botanischen Gartens, wo wir auf eine nasse, aber doch lohnende Tour zurückblicken können.

Planung & Anreise


Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist das kleine Besucherzentrum des Botanischen Gartens im Phong Nha-Nationalpark.

Anfahrt mit Pkw: Von der CT01 Hanoi – Hué bei Nam Nẫm (etwas südlich des Song Con) zur DT2B abfahren, dann rechts auf die QL16 abbiegen. Der QL16 bis kurz vor der Brücke über den Song Con folgen, dann links auf die DT20 abbiegen und der Straße bis zum Botanischen Garten folgen.

GPS-Koordinaten 17.5524, 106.3015

⇒ Anreise mit Google Maps planen


Nein, die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Botanischen Garten ist leider nicht möglich.


Ja, die geführte Runde nutzt Pfade, die für individuelle Besucher des Parks gesperrt sind. Stellenweise sind diese abschüssig und glitschig, auch müssen gelegentlich höhere Absätze auf dem Pfad überwunden werden.


Einkehrmöglichkeiten findest Du im Restaurant des Botanischen Gartens. Bei den geführten Touren kann ein Picknick inkludiert sein.


Weitere Details erhältst Du direkt beim
Botanic Garden - Điểm du lịch sinh thái
ĐT20, Phong Nha
Quảng Trị 47000
Vietnam

📞 +84 816 580 938

🌐 phongnhaviet.com 

Anforderungen & GPS-Daten

⏱️ Gehzeit: 3 h
📏 Distanz: 5,1 km
🏔️ Höhenmeter: 290
⚖️ Schwierigkeit: mittel
🧭 Typ: Rundwanderung

Karte zur Wanderung


Höhenprofil

VG Wort