Smaragdgrünes Wasser, Ausflugsboote und steil in den Himmel ragende Inseln in der Halong-Bucht Vietnams

Halong-Bucht mit Übernachtung

Bootstour mit einer Dschunke in der Halong-Bucht mit Besuch der Höhle der Überraschung

Smaragdgrünes Wasser und bewaldete, steil aus dem Meer ragende Kalksteininseln machen die Halong-Bucht zu einem besonderen Reiseerlebnis. Die meisten der rund 2.000 Inseln und Felsen sind so klein, dass sie bis heute unbewohnt blieben. Dadurch sind sie bis heute mit Urwald bewachsen und bilden wichtige Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Zusammen mit einigen erschlossenen Tropfsteinhöhlen und Perlenfarmen erleben wir in der Bucht Vietnam von seiner schönsten Seite.

Anreise ab Nordvietnam nach Halong

Unsere Anreise nach Halong startet bei den Bản‑Giốc‑Wasserfällen in der Region Cao Bằng. Das für den Februar typisch trübe bis regnerische Wetter im Norden Vietnam bleibt uns treu. Ein morgendlicher Abstecher zu den Wasserfällen lohnt daher nicht, sodass wir pünktlich abfahren können. Über die Fernstraßen DT206, QL3 und DT208 brauchen wir rund zwei Stunden bis Đông Khê.

Mittagspause in Lạng Sơn

Nach einer ersten Toilettenpause geht es weiter über die QL4a nach Lạng Sơn. Es ist Zeit für die Mittagspause. Zielsicher steuert unser Reiseleiter ein klimatisiertes Restaurant fern des Trubels in der Stadt an. Leider besitzt die Wirtschaft den Charme einer Werkskantine. So ziehen wir bald auf eigene Faust los, um ein paar Eindrücke vom Markt der Stadt zu sammeln.

Ungewöhnlich für uns ist, dass sich in der ersten von mehreren Hallen ein Motorroller an den nächsten reiht. Mit Kreide sind sie durchnummeriert – wozu das dient, bringen wir nicht in Erfahrung. Nur durch einen Gang davon getrennt stehen die Tische der Garküchen. Wir hoffen, dass die Rollerfahrer klug genug sind, ihre Maschinen erst außerhalb der Halle zu starten.

In den nächsten Hallen finden wir alles, was zur Grundausstattung eines vietnamesischen Haushalts gehört. Damit taugt das Zentrum, um sich die Füße zu vertreten. Leider reicht die Zeit nicht für einen Spaziergang um den Hồ Phai Loạn zu den daran angrenzenden Hügeln. Sie bieten Besuchern eine gute Sicht auf einige bewaldete Karstkegel sowie über großflächige Reisfelder.

Ankunft in Halong-Stadt

Über die Straßen QL4B, QL18 und QL279 fahren wir schließlich weiter bis nach Halong-Stadt. Was sich so schnell liest, bedeutet für uns seit der Mittagspause in Lạng Sơn weitere fünf Stunden im Bus. Insgesamt brauchen wir zehn Stunden für die gesamte Strecke. Bei unserer Ankunft in Halong-Stadt ist es also schon dunkel. Zum Glück verläuft der Check-in im Mithrin Hotel Halong zügig, sodass wir schon bald wieder unterwegs sind.

Unser Hotel ist über die breite Halong-Straße direkt mit der Sunworld verbunden, sodass wir man sich kaum verlaufen kann. Schöner jedoch ist es, erst ein Stück den ruhigeren Seitenstraßen zu folgen, um dann bei dem auffallenden Kreisverkehr rechts abzubiegen. An wenigen größeren Gebäudekomplexen kommen wir so ans Wasser und – nach dem Blick zur Insel des Vinpearl Resorts – zur Strandpromenade.

 

Partymeile und Bauboom an der Marina

Trotz der Dunkelheit erkennen wir, dass der Palmenstrand von Halong ordentlich gepflegt wird. So sind die Palmen durchnummeriert und macht der Sand einen sauberen Eindruck. Bald erreichen wir ein erstes Strandcafé. Da wir sonst keine Gäste sehen, überlegen wir, ob dieses bald schließt. Aber nein, wir sind willkommen, sodass sich Annette bald über ihren nächsten Egg-Coffee freuen kann. Sehr schön ist auch der Außenbereich des Cafés, der von mehreren Dutzend Lampions erhellt wird.

Als wir der Strandpromenade weiter in Richtung der Marina und der Sunworld folgen, dringt laute Musik zu uns herüber. Von der Ferne hört es sich, als erreiche eine Mega-Party bald ihren Höhepunkt. Doch der Schein trügt. Als wir den Valley Beach Club erreichen, flackern uns auf riesigen Bildschirmen Musikvideos entgegen, während sich verschiedene Strahler wild hin und her bewegen. Außer ein paar Bedienungen können wir aber keine Gäste sehen. Auch hat es nicht den Anschein, als würde sich dies bald ändern.

Als wir nahe dem Leuchtturm die Marina erreichen, reiht sich dort ein schickes Gebäude an das nächste. Die Erdgeschosse sind offenbar für Boutiquen vorgesehen. Allerdings stehen sie leer. Ebenso sind die Etagen darüber alle dunkel. Der gesamte Komplex mit über 30 Gebäuden wirkt wie ausgestorben. Ein jahrelang anhaltender Touristenboom hat hier dazu verleitet, immer größere Projekte mit immer schickeren Villen und Gebäudekomplexen zu errichten.

In Vietnam wird dies vor allem durch die Immobilienfirmen Sun Group und Vin Group vorangetrieben. Spätestens im Jahr 2020 aber brach die Nachfrage nach den Luxuswohnungen ein, auch weil auf einmal die Chinesen als wichtigste Touristengruppe ausblieb. Neben Wohnungen und Ladenzeilen stehen auch Flughäfen und Tiefseehäfen exemplarisch für einen Bauboom, der völlig am tatsächlichen Bedarf vorbeigeht – der aber die Taschen ein paar weniger füllt. 

Legend Pearl – Perlenfabrik bei Halong

Am nächsten Morgen steht mit der Halong-Bucht einer, wenn nicht der Höhepunkt unserer Rundreise auf dem Programm. Zuvor aber stoppen wir bei Legend Pearl, einem der bedeutendsten Perlenverarbeiter Vietnams. Als wir eintreffen, sind bereits einige andere Reisegruppen vor Ort. Doch schon bald werden wir von einem Mitarbeiter empfangen.

Im Eildurchlauf wird uns an einer ersten Station demonstriert, wie Austern mit Fremdkörpern bestückt werden. Ziel ist es, dass die Muschel den Fremdkörper mit Perlmutt umschließt. Bei der nächsten Station zeigt eine Mitarbeiterin, wie die Austern nach einiger Zeit geöffnet werden, um die darin entstandenen Perlen zu entnehmen.

Leider ist es vor Ort recht dunkel und durch die vielen Menschen unangenehm laut, sodass wir weder eine gute Sicht haben noch den einzelnen Erklärungen folgen können. Das ist aber auch nicht das Ziel von Legend Pearls. Vielmehr geht es darum, uns bald in den Verkaufsraum zu lotsen, wo uns Perlen als Ketten, als Perlenohrringe oder von Gold umfasst angeboten werden.

Wer will, kann sich nach eigenen Wünschen Schmuck anfertigen lassen. Ob die dafür verlangten Preise gerechtfertigt sind, wissen wir nicht. Wohl aber muss jedem klar sein, dass die Preise immer auch die obligatorische Provision der Reiseveranstalter beinhaltet. So interessieren wir uns mehr für eine Karte, auf der mehrere Inseln und Perlenfarmen in der Halong-Bucht dargestellt sind.

Verarbeitung der Muscheln bei Legend Pearls in Halong-Stadt

Bootstour mit Übernachtung in der Halong-Bucht

Am frühen Mittag fahren wir schließlich weiter zur Tuan Chau International Marina. Nahe dem Pier dümpeln Boote mit Namen wie die »Golden Cruise 06«, »Paradise Legacy« oder »Paradise Elegance«. Über den Zustand der Boote sagt das leider nichts. Tatsächlich kommt es in der Halong-Bucht immer wieder zu schweren Bootsunglücken. Als eine Konsequenz dürfen die traditionell aus Holz gebauten Dschunken keine Übernachtungen mehr in der Bucht anbieten. 

Für uns steht ein Motorboot bereit, das zwar etwas in die Jahre gekommen ist, ansonsten aber einen robusten Eindruck macht. Die Kajüten sind ordentlich – und auch das Bett lässt sich an die andere Wand schieben, sodass die Klimaanlage nicht direkt darauf bläst. Der Speiseraum ist sogar richtig nett eingedeckt, sodass wir uns aufs Essen freuen. Leider bleibt uns das trübe Wetter auch in der Halong-Bucht treu, ein paar sonnige Flecken ermöglichen aber doch ein paar schöne Aufnahmen.

Die erste große Insel, die wir passieren, ist Dau Go Island (Đầu Gỗ), was »Holzpfahl« bedeutet. Der Legende zufolge ließ General Trần Hưng Đạo im 13. Jahrhundert Holzpfähle auf der Insel lagern, um sie zur Verteidigung gegen die mongolische Flotte einzusetzen. Touristisch bedeutend ist Dau Go durch eine leicht zugängliche Tropfsteinhöhle im Norden der Insel.

Aufstieg zum Aussichtspunkt auf Ti Top Island

Der berühmteste Panorama‑Blick über die Halong‑Bucht

Nachdem wir während des Mittagessens mehrere kleinere Inseln passiert haben, ist die Küste nicht mehr zu erkennen. Rund herum ragen unzählige Kalkinseln aus dem Meer. Die meisten sind zu klein oder zu steil, als dass eine Bebauung möglich wäre.

Und wenn doch, dann dienen die Anleger der touristischen Erschließung. Die bekannteste dieser Inseln ist Ti Top Island. Sie ist das Ziel der meisten Ausflugsboote, weshalb der Pier nur zum Aus- und Einsteigen angefahren werden darf.

Direkt neben dem Pier lädt ein kleiner Sandstrand zum Verweilen ein. Auch ein Restaurant, mehrere Souvenirstände sowie, an der Südspitze der Insel, sanitäre Anlagen sind vorhanden. Unser Ziel ist jedoch die Aussichtsplattform von Ti Top. Der Aufstieg dorthin erfolgt über eine enge und teils unangenehm steile Treppe. Geländer fehlen zum Teil, sodass Trittsicherheit erforderlich ist.

Nach rund 400 Stufen erreichen wir schließlich den Pavillon auf dem Gipfel. Spätestens dort wird klar, warum Ti Top zu den Hauptattraktionen der Halong-Bucht gilt. Durch die zentrale Lage der kleinen Insel genießen wir einen perfekten Rundumblick zu den vielen anderen Inselgruppen der Bucht, um mit Đảo Dầm Nam im Osten und der Inselgruppe Đảo Cống Tây im Süden nur mal zwei zu nennen.

Aussicht von Ti Top Island über die Halong-Bucht und zu den Nachbarinseln

Perlenfarm bei Bo Hon

Nach dem Besuch von Ti Top Island fahren wir weiter in Richtung Süden. Vom Boot aus sehen wir mehrere kleine Felseninseln der Hòn Sím Đồi-Gruppe. Sinngemäß ließe sich das mit »Inseln der Sím‑Frucht‑Hügel« übersetzen. Als Sím-Pflanze wird hier die Samtmyrte (Rhodomyrtus tomentosa) bezeichnet, ein immergrüner Strauch mit dunklen, eiförmigen Früchten. Wer genug Zeit hat, kann auf einer der kleinen Inseln einen weiteren Aussichtspunkt über die Bucht erklimmen.

Unser Ziel ist jedoch eine Bucht auf der Westseite von Bồ Hòn. Nach zweieinhalb Kilometern ab Ti Top steuern wir dort eine Perlenfarm an. Auch dort erhalten wir einen kleinen Einblick in die Perlenzucht. Im Vergleich zur Massenabfertigung bei Halong-Stadt geht es bei der Farm allerdings deutlich entspannter zu.

Wer will, kann sich in dem erstaunlich schick eingerichteten Schmuckladen der Farm umsehen. Alternativ dazu ist es möglich, mit einem Kajak durch die Bucht zur Felsenküste von Bồ Hòn zu paddeln. Es ist aber auch möglich, sich an der Bar mit Getränken zu versorgen und einfach den Blick über die Inselwelt schweifen zu lassen.

Karte zur Halong-Bucht

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