Eindrücke der Wasserfälle von Bản Giốc in Nordvietnam

Wasserfälle von Bản Giốc in Vietnam

Ausflug an die Grenze zu China mit Besuch der Ngao‑Höhle

Die Bản‑Giốc‑Wasserfälle befinden sich im äußersten Norden von Vietnam direkt an der Grenze zur Volksrepublik China. Sie sind daher auch international als Ban-Gioc-Detian-Wasserfälle bekannt, was sich vom chinesischen Nachbarort Detian herleitet. Auf dem Weg dorthin lohnt sich der Besuch der Ngao‑Höhle.

Ngao‑Höhle – die Höhle der Tiger

Die Ngao‑Höhle – auch »Tigerhöhle« genannt – ist eines der Highlights in Cao Bằng. Sie befindet sich nur wenige Kilometer von den Bản‑Giốc‑Wasserfällen entfernt. Das Alter der Höhle wird auf rund 300 Millionen Jahre geschätzt.

Erdgeschichtlich entstand die Höhle somit während des Paläozoikums, als noch riesige Libellen und Tausendfüßer die Erde bevölkerten und sich die späteren Steinkohlereviere bildeten.

Heute führt ein gut ausgebauter Weg zu den beeindruckenden Tropfsteinformationen und riesigen Hallen unter Tage. Für uns ist es ein faszinierender Kontrast zur Flusslandschaft in Nordvietnam.

Entdeckung und Legenden über die Höhle

Obwohl das Höhlensystem über zwei Kilometer lang ist, wurde die Ngao-Höhle erst im Jahr 1921 entdeckt. Der offizielle vietnamesische Name – Nguom Ngao – geht auf die Sprache der Tay zurück: Nguom bedeutet Höhle, während Ngao für einen Tiger steht. Die Tay glaubten, dass in der Höhle Tiger lebten. Auch soll das Rauschen des Höhlenbachs an das Brüllen eines Tigers erinnern.

Eine zweite Legende handelt von einem Mönch. Er soll an diesem Ort meditiert haben, um Erleuchtung zu finden. Als ihm dies selbst nach einer gefühlten Ewigkeit nicht gelang, soll er aus Frust eine Plattform umgestoßen haben, bevor er selbst zu der einsamen Steinsäule erstarrte.

Eröffnung der Ngao‑Höhle

Durch die lange Abschottung und Kriege Vietnams blieb die Ngao-Höhle lange Zeit für Besucher unzugänglich. Erst 1996 erfolgte die touristische Erschließung auf einer Länge von rund einem Kilometer. Danach dauerte es nur zwei Jahre, bis die Höhle auf die Liste der nationalen Sehenswürdigkeiten Vietnams aufgenommen wurde.

Rundgang durch die Tropfsteinhöhle

Durch unsere Ausflüge zur Schwäbischen Alb kennen wir bereits einige Tropfsteinhöhlen, um mit der Sontheimer Höhle nur mal eine der ältesten Schauhöhlen Deutschlands zu nennen. Und doch sind wir auch diesmal begeistert, als wir in die unterirdische Welt von Cao Bằng eintauchen. Schön finden wir, dass die Tigerhöhle zwar gut, aber doch dezent genug beleuchtet ist, um die Stimmung und Farbnuancen des Gesteins zu erhalten.

Außerdem haben wir Glück, dass während unseres Aufenthalts nur wenig andere Besucher in der Höhle sind. Dadurch können wir uns frei bewegen und die nötige Zeit nehmen, um die einzelnen Tropfsteine in Szene zu setzen. Nachdem wir eine Decke mit unzähligen kleinen Stalaktiten aufgenommen haben, erreichen wir die Umgekehrte Lotusblüte. Tatsächlich erinnert der mächtige Stalaktit an eine aus Kalk geschaffene Blüte.

Reisterrassen und steinerne Orgel

Eine weitere Besonderheit der Höhle sind die Reisterrassen. Ähnlich wie bei den Kalksinterterrassen von Pamukkale hat das Wechselspiel von Kalk und Wasser auf einem sanft abfallenden Bereich der Höhle einige kleine Becken geschaffen – nur dass sich diese unter der Erde befinden. Mit etwas Fantasie entdeckt man außerdem eine Fee, die ihr Haar kämmt, und das Drachenboot des Königs.

Für ein ganz anderes Phänomen kommen wir leider gut zwei Monate zu früh: Jedes Jahr am 22. April fällt das Sonnenlicht so durch mehrere Öffnungen in der Höhlendecke, dass die riesige Hauptkammer für wenige Minuten in einem mystischen Licht erstrahlt. Das liegt auch daran, dass der Kalkstein dieser Höhle verschiedene Mineralien enthält, sodass die Steine in Gold, Silber und rötlichen Farbtönen schimmern. 

Bản‑Giốc‑Wasserfälle

Die Bản‑Giốc‑Wasserfälle zählen zu den landschaftlichen Höhepunkten im Norden Vietnams. Auf einer Breite von rund 300 Metern stürzt Wasser des Quay-Son-Flusses über drei Stufen 30 bis 53 Meter in die Tiefe. Damit zählen die Bản‑Giốc‑Wasserfälle zu den breitesten und höchsten Wasserfällen in Vietnam. Durch seine Lage auf der Grenze zu China ist er – nach den Iguazú-Fällen, den Victoriafällen und den Niagarafällen – außerdem der viertgrößte Grenz-Wasserfall.

Zugang zu den Wasserfällen

Grundsätzlich sind die Bản‑Giốc‑Wasserfälle von beiden Seiten der Grenze zugänglich. Um Probleme beim Grenzübertritt vorzubeugen, bleibt man aber besser auf der vietnamesischen Seite. Diese bietet ohnehin die bessere Sicht auf die Kaskaden des Quây‑Sơn‑Flusses als es von der chinesischen Seite aus möglich wäre.

Alternativ dazu ist es vor Ort möglich, mit einem Bambusfloß über das Becken bis zur Hauptkaskade zu fahren. So sehen wir vor Ort eine ganze Armada dieser kleinen Boote, die auf Kundschaft warten. An den Wochenenden ist es dadurch praktisch unmöglich, die Hauptstufe der Wasserfälle ohne Flöße aufzunehmen.

Nahe dem gegenüberliegenden Ufer ist außerdem eine gelbe Ente zu sehen. Sie wirkt wie eine Landmarke, die klar zeigt, dass dort bereits China beginnt.

Beste Jahreszeit für den Ausflug

Als besonders schön gelten die Wasserfälle während der Regenzeit, also von Mai bis Oktober. In dieser Zeit sind die tosenden Wassermassen oft schon aus der Ferne zu hören. Mit unserem Reisetermin im Februar sollten wir das Wasser hingegen klarer erleben. Soweit die Theorie – in der Praxis aber prasselt während unseres Besuchs ein nicht endenwollender Nieselregen auf uns herab.

Eindrücke von den Bản‑Giốc‑Wasserfällen in Nordvietnam

Die oft als malerisch beschriebene Kulisse wirkt dadurch auf uns eher mystisch und geheimnisvoll. Das gilt insbesondere für die Felsen links der Hauptkaskade, über die vielleicht ein Dutzend kleinerer Wasserläufe in die Tiefe rauscht.

Insgesamt aber ist es während unseres Aufenthalts einfach nur ungemütlich, sodass wir kürzer bleiben als geplant. Glück haben wir jedoch mit ein paar jungen Frauen, die sich in ihren traditionellen Kleidern gerne fotografieren lassen.

VG Wort