Eindrücke der Tunnel von Vĩnh Mốc in Vietnam

Tunnel von Vĩnh Mốc und Hiền‑Lương‑Brücke

Unterirdisches Verteidigungssystem der Vietnam Congsan und Brücke der zwei Farben

Die Tunnel von Vinh Moc (Vịnh Mốc) zählen zu den beeindruckendsten Zeugnissen des Vietnamkrieges. Durch ihre Lage nahe der zuvor entmilitarisierten Zone (DMZ) gehörten sie zu den am stärksten bombardierten Gebieten Vietnams. Heute sind sie eine nationale Gedenkstätte. Ganz in der Nähe befinden sich das Denkmal der Vereinigung Vietnams, der Flaggenturm und die Hiền-Lương-Brücke über den Bến-Hải-Fluss.

Besuch der Tunnel von Vĩnh Mốc

Nach dem Phong Nha-Nationalpark sind die Tunnel von Vịnh Mốc der zweite Ort unserer Rundreise, der auf eine schreckliche Vergangenheit zurückblickt – an dem es aber immer Hoffnung gab. Denn anders als etwa die »Cu Chi-Tunnel« bei Ho-Chi-Minh-Stadt dienten die Tunnel von Vinh Mốc vorrangig als Zufluchtsstätte der Bevölkerung. Bis zu 300 Menschen lebten hier jahrelang unter der Erde, um den erbarmungslosen Bombardements der US Air Force zu entgehen.

Um ein Überleben im Untergrund zu ermöglichen, wurde das Tunnelsystem wie ein unterirdisches Dorf errichtet. Kleine, in den Felsen gehauene Nischen dienten als Familienwohnung, größere als Versammlungsraum. Es gab Küchen mit einem ausgeklügelten Rauchabzug, Brunnen für Frischwasser, Lager und eine Krankenstation mit Geburtsstation. Vor Ort erfahren wir, dass trotz der ausweglosen Situation der Menschen 17 Kinder im Schutz der Tunnel zur Welt kamen.

Der erste der alten Eingänge, den wir passieren, ist heute zur Sicherheit mit einem Gitter versehen. Erst der zweite Zugang ist für Besucher offen, allerdings auch nur in gebückter Haltung zugänglich. Insgesamt gibt es 13 Zugänge in das Tunnelsystem, einige davon auf einem bewaldeten Hügel, andere direkt an der Küste des Südchinesischen Meers. Die Ausgänge zum Meer ermöglichten es, Frischluft in die Tunnel zu lassen.

Ihre Anlage diente jedoch strategischen Zwecken. Durch die Verbindung von den Hügeln zum Meer war es ihnen möglich, Nachschub für die Militärinsel Cồn Cỏ im Golf von Tonkin zu organisieren. Dies war in der Nacht oder bei dichtem Nebel möglich, immerhin befindet sich die Insel 25 Kilometer vor der Küste. Die Überfahrt mit den damals eingesetzten Holzbooten dauerte je nach Wetter und Seegang anderthalb bis zwei Stunden.

Das Leben in einem unterirdischen Dorf

Beim Gang durch die Tunnel fühlen wir uns hin- und hergerissen zwischen der bedrückenden Enge und dem Mut der Menschen, die hier jahrelang überlebten. Für uns ist dabei nur die oberen beiden Tunnelebenen zugänglich. In einer Tiefe von acht bis zehn Metern diente die oberste Ebene für alltägliche Aufgaben und für die Verwaltung.

In der 2. Ebene, 12 bis 15 Meter unter der Erde, waren die Wohn- und Schlafräume für die Familien und Soldaten untergebracht. Die 3. Ebene war etwa 20 bis 23 Meter tief. Als sicherster Ort des Systems diente sie als Lager für Vorräte und Munition sowie als Zufluchtsstätte bei besonders schweren Bombardements.

Eine Meisterleistung sind die Tunnel auch deshalb, weil die Dorfbewohnern damals nur einfache Handwerkzeuge und landwirtschaftliche Gerätschaften besaßen, um sich in den harten Ton- und Basaltboden zu graben. Doch die Mühe hat sich für sie bezahlt gemacht. Die Tunnel waren tief genug in stabilen Erdschichten gelegen, dass sie sämtlichen Bombardements standhielten. So lesen wir vor Ort, dass es unter den Dorfbewohnern während der jahrelangen Angriffe keine direkten Todesopfer im Tunnelsystem gab. Dennoch sind wir selbst erleichtert, als wir am Ausgang des Tunnels auf einer Klippe über dem Südchinesischen Meer stehen.

Hiền‑Lương‑Flaggenturm und Denkmal der Vereinigung Vietnams

Nach dem Besuch der Tunnel fahren wir zunächst ein paar Kilometer zurück ins Landesinnere in Richtung der wichtigen Straße QL1A, nehmen dann aber die Route über die AH1 zur Hiền‑Lương‑Brücke. Unser Bus hält nahe dem Flaggenturm. Er ist ein skurriles Zeugnis aus der Zeit der vietnamesischen Trennung. Die Nordvietnamesen stellten den Flaggenmast so auf, dass ihre Flagge über den damaligen Grenzfluss hinweg sichtbar war. Die Regierung von Südvietnam sah es – aber nicht gerne. Also stellten sie einen eigenen, höheren Mast auf; der Beginn eines Flaggen-Wettstreits.

Ebenfalls auf der Nordseite der Brücke erinnert die Rekonstruktion mehrerer riesiger Lautsprecher daran, dass sich Nord und Süd während der Trennung gegenseitig ihre Propaganda zuriefen. Heute sehen wir über den Fluss hinweg das Denkmal der »Vereinigung Vietnams«. Genau genommen steht das aus hohen blatt- oder flammenartigen Formen bestehende Denkmal für Hoffnung und Zukunft, für den unerschütterlichen Willen des vietnamesischen Volkes, die Teilung zu überwinden und geeintes, unabhängiges und demokratisches Vietnam zu schaffen.

Hiền-Lương-Brücke (Cầu Hiền Lương)

Unser Weg führt vom Flaggenturm über die parallel zur Hiền‑Lương‑Brücke gebaute neue Brücke auf die Südseite des Bến‑Hải‑Flusses. Zwischen 1954 und 1975 bildete der Fluss die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südvietnam, deren Ufer durch die Hiền‑Lương‑Brücke miteinander verbunden waren. Die Brücke ist dabei auch als Zweifarbenbrücke bekannt, denn die Nordseite war blau, die Südseite gelb angestrichen.

Heute ist das frei zugängliche Denkmal durchgehend mit etlichen roten Flaggen der Republik Vietnam dekoriert, die ein weiteres Symbol der gelungenen Vereinigung darstellen. Laut unserer Reisebeschreibung müssten wir nicht über die Brücke laufen. Aber unser Reiseleiter erklärt: »Wir verlassen jetzt den Norden. Wo wir jetzt sind, war den Menschen der Weg lange Zeit versperrt – wir sollten ihn gehen.« Recht hat er.

VG Wort