Boote bei der Bootsanlegestelle Tam Cốc im Dorf Văn Lâm in der Provinz Ninh Binh

Hang Múa – Aussichtsberg und Bootsfahrt

Berg des Liegenden Drachen und Fahrt durch mehrere Höhlen im Tam-Cốc-Tal

Die Hang Múa ist die bekannteste Höhle in der Provinz Ninh Binh. Oberhalb der Höhle bietet der Berg Ngoạ Long mit dem liegenden Drachen eine eindrucksvolle Sicht über die Karstfelsen und Reisfelder des Tam Cốc-Tals. Das Tal ist als die trockene Halong-Bucht bekannt und zählt ebenfalls zu den touristischen Hauptattraktionen im Norden Vietnams. Daneben lohnt sich der Besuch des Thái Vi‑Tempels, der noch aus der Trần‑Dynastie stammt.

Ngoạ Long – Berg des liegenden Drachen

Nach der ersten Nacht in Ninh Binh wollen wir die Trockene Halong-Bucht kennenlernen. Der inoffizielle Name ist Programm: Wie in der Halong-Bucht ragen in dieser Gegend Nordvietnams hunderte Kalkfelsen steil in den Himmel. Anders als ihre maritimen Verwandten stehen die Felsen rund um Hoa Lư jedoch auf dem Festland, umgeben von Flüssen, Sümpfen und fruchtbaren Reisfeldern.

Einen besonders imposanten Eindruck von dieser bezaubernden Landschaft eröffnet uns der Aufstieg zum Liegenden Drachen. Er befindet sich auf dem Hauptgipfel des Bergs Ngoạ Long, also dem Berg des liegenden Drachen.

Lotusteich und Tiger-Höhle

Sowohl der Zugang zur Hang Múa als auch der Aufstieg auf den Aussichtsberg erfolgt ab dem Lotusteich. Während unser Reiseleiter die Eintrittskarten besorgt, können wir uns umsehen. So wirbt ein Café an der Uferpromenade des Teichs mit vietnamesischen Kaffeespezialitäten. Wer will, kann dort Kaffee mit Salz oder mit Kokosnuss probieren. Annette liebäugelt hingegen mit ihrem nächsten »Egg Coffee«.

Wenige Schritte weiter – noch vor der Treppe auf den Drachenberg – befindet sich die Tiger-Höhle. Der Überlieferung nach sollen indonesische Tiger die Tropfsteinhöhle als Rückzugsort und Schlafplatz genutzt haben, als die Gegend noch mit Urwald bedeckt war. Heute erinnert eine in der Kammer aufgestellte Tigerstatue an die Legende. Außerdem ist eine kleine Gebetsstätte mit Altar in der Höhle eingerichtet.

Aufstieg auf den Berg des liegenden Drachen

Nach dem kurzen Abstecher zur Tiger-Höhle trennen uns 500 Stufen vom Gipfel des Kalksteinbergs Núi Ngoạ Long. Der Name des markanten Aussichtsberg über der Múa-Höhle leitet sich von der Form des Bergrückens ab, der sich wie ein geschwungener Körper eines Drachen über der Landschaft erhebt.

Wo sich der Treppenweg teilt, halten wir uns zunächst rechts, sodass wir zuerst auf den Nebengipfel steigen. Er wird von einer kleinen Pagode gekrönt und bietet uns eine malerische Sicht auf die Reisfelder am Sao-Khe-Fluss. Ursprünglich durchzog ein im 10. Jahrhundert angelegtes Kanalsystem die Landschaft. Dieses hat sich doch im Lauf der Zeit mit den natürlichen Bächen und Flüssen verschmolzen.

Zurück bei der Gabelung geht es anschließend auf teils hohen Stufen hinauf auf den Hauptgipfel. Das Ziel ist natürlich die Statue des liegenden Drachen, die nochmals den Namen des Bergs untermauern soll. Trotz der über tausendjährigen Geschichte des Bergs und der Höhle wurde die Plastik erst im 21. Jahrhundert aus Beton und Steinmehl geschaffen.

Der Aufstieg zum neuen Wahrzeichen des Bergs sowie der Pfad entlang des liegenden Drachen erfordert Trittsicherheit und den Einsatz der Hände. Während ein Großteil der Besucher beim Pavillon unterhalb des Drachens umkehrt, kraxele ich ein paar Meter weiter, ohne allerdings einen interessanten Blickwinkel zu erreichen.

Deutlich lohnender – und dankbarer – ist es, die Augen nach einheimischen Frauen in traditionellen Kleidern offenzuhalten. Sie nehmen sich gerne für ein spontanes Fotoshooting die Zeit, um sich gekonnt vor der herrlichen Bergkulisse in Szene zu setzen.

Besuch der Hang Múa (Múa-Höhle)

Nach dem Abstieg zurück zum Talboden besuchen wir die Hang Múa oder auch die Múa-Höhle. Sie befindet sich direkt am Fuß des Bergs und ist namensgebend für das gesamte Areal. Dennoch betreten nur wenige Touristen die Höhle, sodass wir uns in aller Ruhe umschauen können. Dabei steht auch die Múa-Höhle im Mittelpunkt einer Legende. Dieser zufolge soll König Trần Thái Tông im 13. Jahrhundert hierher gekommen sein, um den Tanz- und Gesangsvorführungen seiner Hofdamen zu genießen. Davon leitet sich heute der Name ab: »Hang« ist das vietnamesische Wort für Höhle und »Múa« für Tanzen.

Tänzer begegnen uns zwar keine, dafür aber bemerken wir einen seltsamen, gärigen Geruch. Als wir diesem durch einen Seitengang folgen, sehen wir ein paar Männer, die Fässer in eine verborgene Höhlenkammer schleppen. Als sie dort eine Tür öffnen, kommt dahinter eine Destillerie zum Vorschein. Damit ist klar, dass wir Maische gerochen haben, die tief im Innern der Múa-Höhle zu Schnaps gebrannt wird. Tatsächlich steigen uns die Dämpfe schon bald zu Kopf, sodass wir vorsichtshalber den Rückzug antreten. Es ist Zeit, das nahe Café aufzusuchen und den nächsten Egg Coffee zu genießen.

Bootsfahrt durch Tam Cốc

Auf dem Nghô Đồng durch das Tal der drei Höhlen

Nach der Pause bringt uns ein kurzer Bustransfer auf die Südseite des Drachenbergs zur Bootsanlegestelle Tam Cốc im Dorf Văn Lâm. Beim Blick über das Flussbecken wird die Bedeutung des Tourismus' für diese Gegend deutlich. Einige Dutzend Ruderboote dümpeln im seichten Wasser des Ngoạ Đồng, bereit für den nächsten Einsatz.

Rudern ist übrigens Frauensache – nur wenige, ältere Männer sitzen in den Booten. Überrascht sind wir über den hier üblichen Ruderstil. Anstelle mit dem Rücken sitzen sie vorwärts zur Fahrtrichtung, sodass sie sehen, wohin es geht. Auch nehmen sie nicht die Hände zu Hilfe, sondern bewegen die Ruder mit geschickten, kreisenden Fußbewegungen.

Sobald wir paarweise auf die Boote aufgeteilt sind, geht es auch schon los. Nachdem wir zunächst kurz auf den Drachenberg zufahren, beschreibt der Fluss eine Linkskurve zur ersten der drei Höhlen. Im schwachen Licht mehrerer Lampen sind kleine Stalaktiten zu erkennen. Dann verlassen wir die Höhle auch schon wieder, und es öffnet sich die Sicht über das Tam Cốc-Tal zu den umliegenden Karstbergen.

Trotz der Vielzahl an Booten halten diese bereits am Ausgang der ersten Höhle einen deutlichen Abstand voneinander, sodass wir die Bootsfahrt durch die trockene Halong-Bucht genießen können. Dazu gehören auch mehrere Wasservögel, die am Ufer und auf einem angrenzenden Reisacker nach Nahrung suchen. Es sind Silberklaffschnabel (Anastomus oscitans), die mit unseren Störchen verwandt sind.

Missverständnis am Umkehrpunkt

Nach der zweiten Höhle folgt ein nur 150 Meter langer offener Abschnitt, ehe wir auch die dritte Höhle durchquert haben. Auf der anderen Seite legen einige Ruderboote am hier befestigten Ufer an. Ab dem Bootsanleger in Văn Lâm haben wir rund dreieinhalb Kilometer auf dem Ngoạ Đồng zurückgelegt.

Eigentlich sollten auch wir Gelegenheit bekommen, am Umkehrpunkt der Tour auszusteigen. Auf unserem Programm stehen zwei Schreine, die dem Gott der Landwirtschaft und dem Schutzheiligen Quý Minh Đại Vương gewidmet sind. Letzterer hatte sich bei der Verteidigung der alten Hauptstadt Hoa Lư ausgezeichnet.

Leider aber dreht unsere Ruderin nur eine Runde durch das kleine Becken, um sogleich wieder in den dritten Tunnel einzutauchen. So wie uns ergeht es auch den meisten anderen unserer Gruppe. Als wir unserem Reiseleiter begegnen, ruft uns dieser zwar zu, dass wir am Umkehrpunkt aussteigen sollten.

Leider aber nur auf Deutsch, was seine Landsleute so gar nicht verstehen. Kurz bespricht sich unsere Ruderin mit den Frauen zwei anderer, ebenfalls bereits umgekehrter Boote. Dann sind sie sich einig: Es geht zurück. Zum Glück verpassen wir dadurch nicht allzu viel, schade ist es dennoch.

Der Thai-Vi-Tempel in Tam Cốc

Tempel der großen Macht

Als letzten offiziellen Programmpunkt des Tages besuchen wir den Thai-Vi-Tempel, den Tempel der großen Macht im Tam Cốc-Tal. Er entstand im 13. Jahrhundert am Fuße mehrerer Karstfelsen und ist den Königen der Trần-Dynastie gewidmet. Der Zugang zum Tempel erfolgt daher durch ein dreiteiliges Eingangstor, dem »Cổng Tam Quan«.

Das Tor ist ein weiteres Puzzleteil der vietnamesischen Kultur: Das mittlere, dominante Haupttor war damals dem König oder hohen Würdenträgern und Mönchen vorbehalten. Die beiden seitlichen Eingänge nutzte das Volk. Wer es ganz richtig machen will, betritt den Tempel durch das rechte Tor, um ihn später durch das linke Tor zu verlassen.

Zugleich stehen die drei Tore für die drei Ansichten der buddhistischen Philosophie. Die beiden äußeren Tore symbolisieren die Leere (Không) und die Vorübergehende Erscheinung (Giả), also die Erkenntnis, dass alles vergänglich ist, und die Akzeptanz, dass materielle Dinge nur zeitweise existieren. Durch das dominante Tor führt der Mittelweg (Trung), der die Harmonie zwischen der Leere und dem Materialismus sucht.

Der Tempel selbst beeindruckt durch seine kunstvoll behauenen Steinsäulen. Neben chinesischen und vietnamesischen Schriftzeichen sind diese mit Drachenreliefs verziert. Der gute Zustand des Tempels erklärt sich dadurch, dass er für die Einheimischen eine heilige Gedenkstätte ist. Hier werden Könige und Generäle verehrt, die das Land gegenüber Eindringlinge und Invasoren verteidigten.

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