traditioneller Sampan auf dem Mekong nahe Vinh Long, Vietnam

Vinh Long und An Bình im Mekong-Delta

Mit dem Boot und Fahrrad durch das riesige Flussdelta Vietnams
Ausflug zur Âng‑Pagode der Khmer bei Trà Vinh

Der Mekong bildet im Süden Vietnams eines der größten Flussdeltas der Welt. Zusammen mit künstlich angelegten Seiten- und Verbindungskanälen erschaffen  die Flussarme ein weit verzweigtes Gewässernetz mit zahlreichen Inseln. Eine der ruhigen Inseln ist An Bình nahe Vinh Long. Nach dem Besuch einer Werkstatt für Kräutermedizin starten wir zu einer Radtour auf der Insel. Am zweiten Tag besuchen wir die Âng‑Pagode der Khmer bei Trà Vinh.

Anreise ins Mekong-Delta

Bei der Anreise ins Mekong-Delta ist Flexibilität gefragt. So sollten wir nach den Tagen in Hoi An und dem Inlandsflug von Da Nang nach Can Tho direkt weiter in das Flussdelta fahren. Andererseits steht bereits in unseren Reiseunterlagen, dass sich die Flugzeiten auf dieser Strecke oft ändern.

Tatsächlich wird in unserem Fall das Programm der letzten Tage komplett umgestellt. Grund sind Rückmeldungen, die unser Veranstalter erhalten hatte, nachdem wir die Rundreise gebucht hatten. Demnach lohnt sich der Besuch des größten schwimmenden Marktes im Mekong-Delta nicht mehr, weshalb wir den Besuch des Kriegsmuseums in Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) vorziehen.

Nach einer Nacht in der alten Hauptstadt Vietnams aber beginnt unser Abenteuer Mekong-Delta – und das mit deutlich mehr Wasser als uns lieb ist. Wir noch in der Wartehalle des Bootsanlegers von Vinh Long, als erste schwere Tropfen vom Himmel fallen.

Nun gilt es, schnell zu sein. Tatsächlich schaffen wir es gerade noch aufs Boot, als ein kräftiger Regenguss auf die Nachzügler unserer Gruppe niedergeht. Während wir selbst nach den Plätzen Ausschau halten, die am ehesten trocken bleiben, lässt die Bootsmannschaft die Seitenplanen herunter.

Fahrt in einem Sampan

Zum Glück zieht das Unwetter so schnell weiter, wie es gekommen war, sodass wir doch noch ein paar erste Eindrücke von der Landschaft am Sông Cổ Chiên – einem der Hauptarme des Mekongs – sammeln können. Nach anderthalb Kilometern biegt unser Boot, ein Sampan, rechts in einen ruhigeren Seitenarm ein.

Auf dem nächsten Abschnitt säumen einige schlichte Häuser das Flussufer. Zumindest auf der Seite des Wassers stehen sie auf Stelzen. Auch passieren wir den vom Fluss aus nicht zu sehenden Van Thanh Mieu-Tempel, der zusammen mit dem schwimmenden Markt aus dem Programm gestrichen wurde.

Kräutermedizin bei Vinh Long

Die erste Bootsfahrt im Delta führt uns unter einer großen Brücke hindurch, dann erneut rechts in einen Verbindungskanal. Nach knapp sieben Kilometern erreichen wir als erstes richtiges Ziel eine Manufaktur für vietnamesische Naturheilkunde. Vor dem Eingang zum Gebäude sind auf Matten verschiedene Kräuter zum Trocknen ausgelegt. Drum herum stehen einige Töpfe mit hell- und dunkelblauen Schildern. Das ist kein Zufall, denn während auf den hellen Schildern die Arten benannt sind, steht auf den dunklen, gegen welche Leiden die Pflanzen verwendet werden.

Ein Großteil der Kräuter wird demnach für die Behandlung von Rheuma und Arthritis, gegen Ruhr und Magen-Darm-Erkrankungen oder gegen Dengue-Fieber genutzt. Zu den uns bekannten Arten zählt die Schefflera (Schefflera heptaphylla, auch Strahlenaralie), die als Kräftigungsmittel gegen Knochenschmerzen hilft. Auch der Ingwer ist uns bekannt, der bei Erkältungen und Verdauungsbeschwerden hilft. Überrascht sind wir vom Mandarinenbaum. Hier werden vor allem die Schalen und Blätter genutzt, um Husten zu lindern und die Verdauung zu fördern.

Traditionelle Puls-, Hand- und Handliniendiagnose

Zwischen den Töpfen und dem Haus liegen einige Kräuter und Früchte in der bereits wieder scheinenden Sonne zum Trocknen ausgelegt. Dort finden wir Perlgerste bzw. Hiobsträne, der auch bei uns als Gartenpflanze beliebte Gelbe Portulak und Hopfen-Baldrian. Letzteres wird in Vietnam häufig gegen Schlangenbisse eingesetzt, wobei wir nicht wissen, wie häufig in diesem Zusammenhang gemeint ist.

Wer möchte, kann sich im Innern bei der Heilkundigen untersuchen lassen. Die so genannte Lương y, also die barmherzige oder tugendhafte Ärztin, nutzt dabei die Pulsdiagnose. Dabei geht es ihr nicht um die Frequenz, sondern um die Qualität des Pulses – ob er zum Beispiel tiefgründig oder oberflächlich ist. Anschließend betrachtet sie die Hand- und Handlinien. Die Farbe und Temperatur einer Hand gibt Aufschluss über die Blutzirkulation, während an den Fingernägeln Mangelerscheinungen oder organische Schwächen zu erkennen sind.

Auch wenn es sicher interessant ist, einen Einblick in die traditionelle vietnamesische Medizin zu bekommen, verzichten Annette und ich doch gerne darauf. Zum einen gibt es genug andere in unserer Gruppe, die bereits auf eine kurze Diagnose warten, zum anderen fühlen wir uns gesund. Dieses gute Gefühl möchten wir auf einer Reise gerne behalten.

An Bình – Insel der Gelassenheit im Mekong

Nach dem Besuch der Heilkundigen geht es mit dem Sampan zurück zum Mekong und weiter auf die von zwei Hauptarmen des Flusses umschlossene Insel An Binh. Der Name der 60 Quadratkilometer großen, schmalen Insel lässt sich mit Ruhe, Gelassenheit oder Friedlichkeit übersetzen. Das passt, denn im Verbindungskanal Cái Muối gibt es für uns leckere Fischgerichte in einem kleinen Restaurant schräg gegenüber der Kirche der bereits im 19. Jahrhundert gegründeten katholischen Gemeinde von Cái Muối.

Cửu‑Long‑Süßigkeitenwerkstatt

Im Anschluss ans Mittagessen gibt es etwas Süßes. Dafür fahren wir wieder ein kurzes Stück mit dem Boot bis in die Nähe unseres Homestays zur Cửu‑Long‑Süßigkeitenwerkstatt. Cửu Long heißt wörtlich übersetzt Neun Drachen, es ist der vietnamesische Name des Mekong-Deltas.

Reispapierherstellung auf An Bình

Vor Ort strömt uns der süßliche Duft von Tee und Karamell entgegen. Zunächst kommen wir jedoch zu einer Frau, die auf einem heißen Eisen einen flüssigen Teig verteilt. Eigentlich ist es eher eine recht flüssige Reismilch aus eingeweichtem, feingemahlenem Reis, Wasser und etwas Tapiokastärke. Wir erwarten, dass sie diesen wie bei einer Crêpe auf ein heißes Eisen verteilt.

Stattdessen hat sie ein rotes Tuch über einen Kessel mit kochendem Wasser gespannt. Ansonsten gleicht die Herstellung tatsächlich der einer Crêpe, denn auch hier wird der Teig kreisförmig auf dem Tuch verteilt. Dann deckt sie das Ganze für einen Moment mit einem Bambusdeckel ab, sodass der Teig in der Hitze stockt. Anschließend nutzt sie einen Bambusstab, um den hauchdünnen Reisfladen zu lösen, bevor er in der Sonne zu Reispapier trocknet.

Kẹo Cốm, eine Spezialität des Mekong-Deltas

Im nächsten Raum finden wir die Quelle des süßlichen Dufts. Dort sind Männer mit der Herstellung von Kẹo Cốm, einer aus Puffreis-Karamell-Krokant bestehenden Spezialität des Mekong-Deltas, beschäftigt. In Kesseln wird hier der Reis mithilfe von schwarzem Flusssand geröstet. Die plötzliche Hitze sorgt dafür, dass der Reis ähnlich wie Popcorn schlagartig aufspringt.

Daneben wird in einer großen Pfanne Palmzucker mit Kokosmilch, frischen Kokosraspeln und Malzzucker zu einer zähflüssigen Karamellmasse eingekocht. Danach muss es schnell gehen, wenn der frische Puffreis in die Masse gekippt und untergerührt wird.

Sobald eine möglichst homogene Masse entstanden ist, wird diese in einen flachen Holzrahmen gekippt, flachgedrückt und verdichtet. Schließlich wird die Masse mit einem langen Schiebemesser in Scheiben geschnitten. Die letzte Aufgabe übernehmen danach wir: Qualitätskontrolle durch Probieren.

Fahrradtour auf der Insel An Bình

Ganz in der Nähe der Süßigkeitenwerkstatt kommen wir anschließend zum Ut Thuy Homestay. Nach den kühlen Nächten in der Region Cao Bang können wir uns diesmal auf tropische Temperaturen einstellen. Auch bekommt hier jeder sein eigenes Zimmer. Sobald wir dieses bezogen haben, brechen wir aber auch schon wieder auf, denn die dritte und letzte Radtour dieser Reise steht auf dem Programm.

Problem der Wasserhyazinthen

Diesmal geht es über einen kleinen Steg zu einem Fußweg, auf den wir rechts einbiegen. Hier schon staunen wir über einen komplett zugewachsenen Stichkanal. Die gesamte Wasseroberfläche wird von Wasserhyazinthen bedeckt, die alles Leben darunter ersticken.

Genau genommen sind es Eichhörnchen-Wasserhyazinthen, die aus dem Amazonas-Gebiet stammen. Weil sie an sich recht hübsch anzusehen sind, hatten die französischen Kolonialherren sie hierher gebracht. Nun, die Kolonialzeit ist längst passé, die Wasserhyazinthen aber haben sich über sämtliche Wasserwege des Mekong-Deltas ausgebreitet.

Gärten mit Rambutan- und Jackfruchtbäumen

Wir selbst drehen zunächst eine Runde durch eine von Obstgärten durchgezogenen Siedlung, ehe wir zur Hauptstraße gelangen. Links ginge es zur Fähre nach Vinh Long. Wir jedoch biegen rechts ab, sodass wir bald eine größere Brücke überqueren. Wo die Hauptstraße gut 800 Meter weiter links abknickt, biegen wir erneut rechts ab. Vorbei an Rambutan- und Jackfruchtbäumen, Bananen und Bougainvilleas folgen wir der Straße bis über eine zweite Brücke hinweg, dann unter derselben hindurch.

Es folgt eine Passage entlang des Wassers, bis wir wieder auf eine größere Straße treffen. Dort halten wir uns jeweils links, sodass wir wieder auf die Hauptstraße zur größeren Brücke gelangen. Sobald wir diese ein zweites überquert haben, nehmen wir den ersten Weg links zurück zu unserem Homestay.

Eindrücke unserer Radtour über die Mekong-Insel An Bình

Wiederholung der Radtour mit eigenem Tempo

Leider sind in unserer Reisegruppe ganz unterschiedliche Interessen vertreten. Während es anderen einfach darum geht, sportlich Rad zu fahren, nutzen wir das Rad lieber, um bequem von einem Fotostopp zum nächsten zu gelangen. Es geht uns also zu schnell, weshalb wir die Runde später ein zweites Mal radeln.

Neben dem eigenen Tempo bekommen wir dadurch die Möglichkeit, an mehreren schönen Stellen zu verweilen, um die Idylle der Insel in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Allein dadurch wird nach unserer Radtour zum Somphamit-Wasserfall in Laos auch diese Runde zu einem schönen Erlebnis.

Karte mit Bootsfahrt und Radtour

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