Zwischen den Töpfen und dem Haus liegen einige Kräuter und Früchte in der bereits wieder scheinenden Sonne zum Trocknen ausgelegt. Dort finden wir Perlgerste bzw. Hiobsträne, der auch bei uns als Gartenpflanze beliebte Gelbe Portulak und Hopfen-Baldrian. Letzteres wird in Vietnam häufig gegen Schlangenbisse eingesetzt, wobei wir nicht wissen, wie häufig in diesem Zusammenhang gemeint ist.
Wer möchte, kann sich im Innern bei der Heilkundigen untersuchen lassen. Die so genannte Lương y, also die barmherzige oder tugendhafte Ärztin, nutzt dabei die Pulsdiagnose. Dabei geht es ihr nicht um die Frequenz, sondern um die Qualität des Pulses – ob er zum Beispiel tiefgründig oder oberflächlich ist. Anschließend betrachtet sie die Hand- und Handlinien. Die Farbe und Temperatur einer Hand gibt Aufschluss über die Blutzirkulation, während an den Fingernägeln Mangelerscheinungen oder organische Schwächen zu erkennen sind.
Auch wenn es sicher interessant ist, einen Einblick in die traditionelle vietnamesische Medizin zu bekommen, verzichten Annette und ich doch gerne darauf. Zum einen gibt es genug andere in unserer Gruppe, die bereits auf eine kurze Diagnose warten, zum anderen fühlen wir uns gesund. Dieses gute Gefühl möchten wir auf einer Reise gerne behalten.