Aussicht vom Wolkenpasse Hải Vân zur Lang Co bay von Vietnam

Hải Vân – Fahrt über den Wolkenpass von Huế nach Đà Nẵng

Von Nordvietnam über die Truong-Son-Berge nach Südvietnam

Nach einer Nacht in der Kaiserstadt Hué führt unsere Vietnam-Rundreise in den südlichen Teil des Landes nach Hoi An. Nach einer Pause in der malerischen Bucht Vụng An Cư überqueren wir den historisch bedeutenden Wolkenpass. Ab dort geht wieder hinunter an die Küste, der wir weiter in südlicher Richtung bis nach Hoi An folgen.

Räucherstäbchendorf Thuy Xuan bei Hué

Nach nur einer Nacht in Hué heißt es schon wieder Koffer packen. Es steht der nächste, diesmal rund 140 Kilometer oder drei Stunden lange Transfer unserer Rundreise an. Wie die Anreise nach Hué beinhaltet auch diese Etappe mehrere Zwischenstopps. So haben wir den Großraum Hué kaum verlassen, als unser Bus in eine Seitenstraße hält.

Wir befinden uns in der Nähe des Tu‑Duc‑Mausoleums beim Räucherdorf Thủy Xuân. Das Dorf ist einer der farbenfrohsten Orte in Huế. Das gilt insbesondere dann, wenn am frühen Vormittag die Sonne seitlich durch die Straße in die kleinen Werkstätten und Läden strahlt.

Bald finden wir uns zwischen kunstvoll arrangierten Räucherstäbchen in allen erdenklichen Farben wieder. Hier schöne Erinnerungsfotos aufzunehmen, ist ein Kinderspiel. Angenehm finden wir, dass wir unbehelligt entlang der Straße schlendern und auch zwischen den Räucherstäbchen Platz nehmen dürfen. Da kaufen wir gerne ein paar Getränke für die Weiterfahrt, um die Läden zu unterstützen.

Zwischenstopp in der Bucht Vụng An Cư

Rund anderthalb Stunden später erreichen wir die Bucht und Lagune Vụng An Cư. Die heute besser als Lap-An-Lagune bekannte Wasserfläche wird auf der Landseite durch die Berge des Bạch-Mạ-Nationalparks überragt. Diese malerische Kulisse hatten schon die Kaiser der späten Nguyễn-Dynastie, Khải Định und Bảo Đại, erkannt. Während ihrer Sommeraufenthalte in Lăng Cô nutzten sie die ruhige Bucht zur Erholung und zum Angeln.

Die Lagune selbst ist rund 800 Hektar groß und bildet ein sensibles Ökosystem zwischen den Ausläufern des Küstengebirges und dem Südchinesischen Meer. Durch die Vermischung von Südwasser aus den Bergen und dem salzigen Meerwasser bietet das Brackwasser für viele Fischarten und Muscheln ideale Lebensbedingungen. Für die Bewohner von Lăng Cô ist hier das Herzstück des Fischfangs und der Austernzucht.

Geschützte Bucht – Vụng An Cư – zwischen Hué und dem Wolkenpass Vietnams

Durch die Lage direkt am Hải-Vân-Pass ist die Bucht heute ein beliebtes Zwischenziel auf dem Weg in den Süden Vietnams. Unweit des großen Strandrestaurants finden wir in einem ausgedienten Kahn ein geduldiges Fotomotiv.

Bei Ebbe fällt innerhalb der Lagune eine Sandbank trocken und ermöglicht es, ein gutes Stück in die Lagune hineinzuspazieren. Besonders schön soll es hier abends sein, wenn hinter den Bạch-Mạ-Bergen die Sonne untergeht.

Fahrt über den Hải‑Vân‑Pass – Wolkenpass

Am südlichen Ende der Lagune ginge es geradeaus auf dem Highway 1 (QL 1A) durch den Hải-Vân-Tunnel direkt nach Đà Nẵng. Mit 6,28 Kilometern ist er seit der Eröffnung im Jahr 2005 der längste Tunnel Vietnams. Seit der Fertigstellung der zweiten Röhre im Jahr 2021 ist der Tunnel ein wichtiger Bauteil der Hauptverkehrsachse von Nord- nach Südvietnam. Auch wir können uns darüber freuen, da er den Verkehr über den Hải-Vân-Pass deutlich entlastet. Wir biegen also rechts auf die alte Passstraße ab.

Trotz der Nähe zum Meer oder vielleicht auch deshalb zählt der Hải‑Vân‑Pass, also der Wolkenpass zu den landschaftlich spektakulärsten Bergstraßen Vietnams. Nach einigen scharfen Kurven erreichen wir kurz vor der Mittagszeit die Passhöhe mit dem Tor Hải Vân Quan. Das Tor ist Teil der alten Festungsanlage auf dem Hải Vân Quan, über den über Jahrhunderte die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam verlief.

Im 19. und 20. Jahrhundert errichteten die Franzosen weitere Festungen und Beobachtungsposten, um den Übergang zu kontrollieren. Aus dieser Zeit stammen einige Gebäude mit mächtigen Steinmauern. Kleine Schießscharten deuten darauf hin, dass es die Besatzer nicht nur beim Beobachten beließen. Die meisten Gebäude aus der Kolonialzeit sind inzwischen verfallen, aber bis heute noch gut sichtbar. 

Bunker aus dem Vietnamkrieg

Deutlich besser erhalten sind mehrere Betonbunker aus dem Vietnamkrieg (1955–1975). Sie wurden durch die US-Armee und die südvietnamesische Armee errichtet, um die Passhöhe als strategisch wichtigen Ort zu kontrollieren.

Der Beobachtungsposten ermöglichte ihnen eine freie Sicht auf weite Teile des Küstenstreifens. Dabei war der Gegner nur einen Steinwurf entfernt, denn auch die Nordvietnamesen errichteten Stellungen entlang der Passstraße, um die Truppenbewegungen der Amerikaner und ihrer südlichen Landsleute zu überwachen.

Heute sind das Tor und die Bunker neben der alten französischen Festung frei zugänglich. Nach der Eröffnung des Tunnels hat sich der auf 1200 Meter über dem Meer gelegene Übergang zu einem beliebten Fotostopp entwickelt. Auch wir lassen unseren Blick über das Küstengebirge und das Südchinesische Meer schweifen, bevor wir der Straße hinunter zur Nam Ô Bay folgen und weiter über Đà Nẵng nach Hoi An fahren.

VG Wort