Einfaches Fischerboot auf einem der Hauptarme im Mekong-Deltas

Ausflug zur Âng‑Pagode der Khmer bei Trà Vinh

Besuch der Ziegelofen-Pagode (Chùa Lò Gạch) im Mekong-Delta und einer Vorführung traditioneller vietnamesischer Tänze

Am zweiten Tag im Mekong-Delta stehen die Âng‑Pagode der Khmer und die Ziegelofen-Pagode bei Trà Vinh auf unserem Programm. Dazwischen besuchen wir eine Aufführung traditioneller vietnamesischer Tänze und eine Handwerksfamilie. Somit erwartet uns ein abwechslungsreicher Tag in dem riesigen Flussdelta. 

Anreise ab Vinh Long

Nach einer ruhigen Nacht auf der Insel An Binh werden wir direkt nach dem Frühstück bei unserem Homestay abgeholt. Wie erwartet startet der Tag mit einer Bootsfahrt. Voller Vorfreude auf weitere spannende Eindrücke von den Wasserstraßen im Mekong-Delta steigen wir in den Sampan.

Leider folgt der Freude die Ernüchterung auf den Fuß, denn tatsächlich queren wir nur den Sông Cổ Chiên – einen der Hauptarme des Mekongs. Nach einer Viertelstunde hält das Boot beim Anleger auf der anderen Flussseite. Ab dort geht es mit dem Bus in gut anderthalb Stunden in die Gegend von Trà Vinh.

Âng‑Pagode der Khmer

Das erste Ziel des Tages ist die Âng-Pagode der Khmer (Chùa Âng). Der buddhistische Tempel wurde um das Jahr 990 nach Christus gegründet, womit er zu den ältesten Khmer-Pagoden in Vietnam zählt. Zum tausendjährigen Bestehen des Tempels erklärte ihn das vietnamesische Kulturministerium zum historischen und architektonischen Kulturdenkmal des Landes. Heute dient die Pagode als Gebetsstätte der Theravada-Mönche sowie als Bildungsstätte und Gemeinschaftszentrum der Khmer-Minderheit in der Provinz Trà Vinh. 

Harzbäume am Ba Om-Teich

Unser Weg zu den einzelnen Gebäuden führt am Ba Om-Teich vorbei, der heute ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen ist. Leider erwischen wir bei unserem Besuch einen wolkenverhangenen Tag, sodass der Lotus auf dem Teich und die teils einige Jahrhunderte alten Dipterocarpus-Bäumen (Harzbäume) rund um den Teich nicht wirklich zur Geltung kommen.

Ghe Ngo, das Rennboot der Khmer

So schlendern wir schon bald bis zu einem länglichen, zu den Seiten hin offenen Bootshaus mit dem Ghe Ngo, dem traditionellen Rennboot der Khmer im Mekong-Delta. Solche Boote findet man bei vielen Khmer-Pagoden, wo sie als heiliger Besitz der Tempelgemeinschaft aufbewahrt werden.

Für uns sieht es aus, als wäre das verzierte Boot – im vorderen Bereich erkennen wir ein Abbild der Schlangengottheit Naga – ein reines Ausstellungsstück. Tatsächlich nehmen diese Boote jedoch jeden Herbst im Oktober oder November am Ok Om Bok Festival, dem Mond-Anbetungsfest der Khmer, teil.

Traditionelle Tänze der Khmer

Nach dem kurzen Rundgang werden wir ins Versammlungshaus der Gemeinde gerufen. Es ist Zeit für eine Aufführung traditioneller Tänze der Khmer. Bald tritt vor der Kulisse einer Landschaft mit Reisfeldern und Palmen eine junge Khmer auf.

Passend zur Darbietung trägt sie einen Sampot mit aufwendig gemustertem Brokatgewebe. Zu dem gewickelten Rock gehört eine charakteristische Falte an der Vorderseite. Darüber fällt ihr der Sbai, ein grünes Schultertuch aus Seide bis hinunter zu den Knien. Auch der Schmuck ist traditionell. Dabei handelt es sich um eine vergoldete Gürtelschnalle (Kse-kor), Arm- und Fußreifen (Krom) sowie eine aufwendig gearbeitete Spange im Haar.

Eine junge Frau im Sampot führt traditionelle Tänze der Khmer-Minderheit auf.

Apsara-Tanz und Volkstänze der Khmer-Minderheit

Tanzen tut die junge Frau übrigens barfuß. Auch das gehört zur Ästhetik der klassischen Khmer-Tänze. Passend zum Auftakt empfängt sie uns mit dem Apsara-Tanz, dem klassischen Segens- oder Begrüßungstanz der Khmer. Entstanden ist der Apsara-Tanz vor über 1000 Jahren im Angkor-Reich, wo er ursprünglich der königlichen Familie vorbehalten war und auf Reliefs des Tempels Bayon zu sehen ist.

Als »Apsara« bezeichnet man in der hinduistisch-buddhistischen Mythologie halb göttliche, halb menschliche Frauen oder Nymphen, die im Palast des Gottes Indra tanzen. Danach folgen verschiedene Volkstänze der Khmer-Minderheit im Mekongdelta. Dazu zählten der Pfauentanz Múa Mụm, der Tanz zum Erntedank sowie zur Brautwerbung.

Alle Khmer-Tänze vereint, dass jeder Fingerzeig eine feste symbolische Bedeutung besitzt. So signalisiert die junge Frau mit nach hinten gebogenen Fingern und Zehen Anmut, Wachstum und die Verbindung zu mythologischen Wesen. Auch wenn wir selbst nur wenig über diese Mythologie wissen, ist es für uns eine schöne Abwechslung zwischen den verschiedenen Tempelbesuchen.

Besuch einer Handwerksfamilie

Nach der bezaubernden Aufführung besuchen wir eine Familie ganz in der Nähe der Pagode. Dort bekommen wir Einblicke in die Alltagsarbeit eines traditionell wirtschaftenden Hofs. Die Oma der Familie ist gerade beim Sichten und Worfeln von Reis. In einem ersten Schritt werden die getrockneten Reiskörner in einem großen Holzmörser gestampft, um die harten äußeren Hülsen vom Reiskorn zu lösen.

Danach schüttet sie alles in einen flache, aus Bambus gefertigte Siebschale. Mit gekonntem Rütteln, Werfen und Schwenken löst sie die Spelzen von den runden Reiskörnern. Ein leichter Luftzug sorgt anschließend dafür, dass die leichteren Hülsen zusammen mit dem Staub über den Rand des Siebs fliegen oder darin hängenbleiben, während sich die sauberen Reiskörner am Boden sammeln.

Zubereitung von Cốm Dẹp

Als Nächstes bereitet die Frau Cốm Dẹp, eine traditionelle Spezialität der Khmer-Minderheit, in einem schweren Kessel zu. Dazu benötigt sie so genannten Klebreis. Als »Klebreis« bezeichnet man jungen Reis, der geerntet wird, wenn die Körner noch grün und milchig sind. Mit einem langen Stab wird der Reis kontinuierlich umgerührt, sodass er gleichmäßig erhitzt wird, ohne zu verbrennen.

Sobald die Masse gar ist, nimmt sie Reis in einen großen Mörser, wo er von zwei Männern der Familie so lange gestampft wird, bis sich die Hülsen gelöst haben. Zugleich verdichten sich die Körner zu flachen, grünen Reisflocken. Anschließend werden die noch warmen Flocken mit Zucker und Kokosraspeln vermengt und kurz ziehen gelassen.

Die Zubereitung der Cốm Dẹp ist eng mit dem Mondanbetungsfest der Khmer verbunden, bei dem sie als Opferspeise dienen. Sie sind heute aber auch ein willkommener Snack, der Gästen ähnlich wie gebrannte Mandeln oder Erdnüsse angeboten wird – und der tatsächlich richtig lecker ist.

Ziegelofen-Pagode – Chùa Lò Gạch

Die letzte Station unseres Busausflugs im Mekong-Delta ist die Ziegelofen-Pagode (Chùa Lò Gạch) von Trà Vinh. Ursprünglich nannten die Khmer die Pagode Kompong Thmo. »Kompong« bezeichnet in der Sprache der Khmer eine Anlegestelle oder einen Landungsplatz. »Thmo« bedeutet Stein, womit die Pagode also einst »Steinanlegeplatz« hieß.

Der alte Name des Tempels verbindet also die alten Wasserwege mit den Stein- und Ziegelstrukturen, die das Flussdelta schon vor Jahrhunderten prägten. Der heute gebräuchliche Name der Pagode geht darauf zurück, dass auch die historische Tempelanlage weitgehend aus Ziegelsteinen bestand.

Verbindung zur Óc-Eo-Kultur

Bei Ausgrabungen legten die Archäologen im Umfeld der Pagode die Überreste alter quadratischer Backsteinstrukturen, Sandsteine und Fundamente frei. Da diese stark denen der Óc-Eo-Kultur ähneln, wird die Pagode auch mit dem bis zum 6. oder 7. Jahrhundert bestehenden Funan-Reich Südostasiens in Verbindung gebracht. Óc Eo war damals ein wichtiger Hafen und Handelsort des aus Stadtstaaten und kleineren Fürstentümern bestehenden Reiches im Mekong-Delta.

 

Goldblätter und Mönchsgesang in der Pagode

Die aus wissenschaftlicher Sicht bedeutendsten Funde werden jedoch auf das 8. bis 9. Jahrhundert datiert. Dazu zählen mehrere filigrane Goldblätter mit eingravierten Elefanten oder Lotusblüten und verschiedene Artefakte von Altären.

Als wir selbst in den Haupttempel gehen, werden wir Zeuge der bis heute lebendigen Religion. Vor einer übergroßen sitzenden Buddhastatue hocken zwei Mönche auf einem Teppich. Mit den typisch rhythmischen Bewegungen vor uns zurück tragen sie abwechselnd ihren tiefen Sprechgesang vor, um für Schutz und Segen zu bitten.

Mit diesen schönen Eindrücken endet unser Besuch der Ziegelofenpagode genau rechtzeitig. Denn schon bei der Rückfahrt nach Vinh Long prasselt ein kräftiger Gewitterschauer auf die Landschaft nieder. Erst, als wir wieder bei unserem Gästehaus sind, reißt der Himmel wieder auf, sodass wir uns nochmals zwei Räder schnappen und eine weitere Runde über die Insel An Bình drehen.

Eindrücke unserer Bootsfahrt über den Sông Cổ Chiên, einem der Hauptarme des Mekongs

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