Gebäude des Volkskomitees von Ho-Chi-Minh-Stadt, Saigon

Reisetipps für Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt)

Sehenswürdigkeiten in der alten Hauptstadt Südvietnams, zwei Spaziergänge durch das historische Zentrum

Saigon war bis 1975 die Hauptstadt der Republik Vietnam. Ein Jahr nach dem Ende des Vietnamkriegs und der Wiedervereinigung des Landes wurde sie zu ehren Onkel Hos in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt. Auf der einen Seite passt das, denn der alte Name bedeutet »Wald aus Kapokbäumen«.

Wo früher dichte Wälder die Ufer des Sông Sài Gòn säumten, leben inzwischen knapp 10 Millionen Menschen. Heute bezeichnet Saigon offiziell nur das traditionelle Stadtzentrum, also vor allem den Distrikt 1. Für viele Einheimische sowie auch für Touristen steht Saigon aber noch immer für die gesamte Stadt.

Wiedervereinigungspalast – Dinh Độc Lập

Unsere erste Station in Saigon ist der Wiedervereinigungspalast im Distrikt 1. Es ist ein Ort, der wie kaum ein zweiter die bewegte jüngere Geschichte der Stadt widerspiegelt. Während der französischen Kolonialzeit entstand hier zwischen 1868 und 1871 der Norodom-Palast als Sitz des französischen Generalgouverneurs in Indochina. Die Fertigstellung des Palastes erfolgte demnach erst, nachdem in Frankreich das Zweite Kaiserreich (1852-1870) untergegangen war und durch die Dritte Republik abgelöst wurde.

Nach dem Abzug der Franzosen aus Vietnam (1955) nutzte der südvietnamesische Präsident Ngô Đình Diệm das Kolonialgebäude als Amtssitz und benannte es in Unabhängigkeitspalast um. Nur sieben Jahre später gelang es zwei südvietnamesischen Piloten, den linken Gebäudeflügel bei einem Bombenanschlag so schwer zu treffen, dass Diệm den vollständigen Abriss und Neubau anordnete.

Bis 1966 entstand durch den damals renommierten Architekten Ngô Viết Thụ der heutige Palast als ein Bau, das westliche Moderne mit östlicher Feng-Shui-Symbolik verbindet. Als wichtigstes Ereignis in der Geschichte Vietnams durchbrachen am 30. April 1975 nordvietnamesische Panzer das Haupttor des Palastes. Nur Minuten später ergab sich der im Palast verbliebene Übergangspräsident bedingungslos und beendete mit seiner Radioansprache den Vietnamkrieg. Rund ein halbes Jahr später erhielt der Wiedervereinigungspalast seinen bis heute gültigen Namen. 

Rundgang durch die prächtigen Säle und Korridore des Wiedervereinigungspalastes in Saigon, der heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt 

Rundgang durch den Palast

Beim Rundgang durch die Korridore fühlen wir uns in die 1960er- und 1970er-Jahre zurückversetzt. Besonders deutlich wird dies durch die bodentiefen Vorhänge und schwerfällig wirkenden Sessel im Gästesalon des Vizepräsidenten. Deutlich prunkvoller ist der Empfangssaal des Präsidenten, wo ein roter, mit Glückssymbolen verzierter Teppich und an den Seiten platzierte Elefantenstoßzähne die Kulisse für Treffen mit inländischen Würdenträgern bildeten.

Nach einem Blick in den Bankettsaal mit seiner Massivholztafel für 100 Gäste kommen wir zum Großen Konferenzsaal. Wo sich das südvietnamesische Kabinett traf und Botschafter feierlich empfangen wurden, nahmen die Vietcongs am Mittag des 30. April 1975 den südvietnamesischen Präsidenten fest. Heute erinnert eine Büste Hồ Chí Minhs in dem rot verkleideten Raum an die größte Wende in der Geschichte Vietnams.

Der unterirdische Kommandobunker

Überrascht sind wir, als wir die prunkvollen Säle über die Treppe hinunter zum Kommandobunker verlassen. Es ist wie der Gang in eine andere Welt, denn direkt unter dem Palast befindet sich ein unterirdischer Bunkerkomplex. Er stammt ebenfalls aus den 1960er-Jahren und wurde so angelegt, dass er auch schwerem Artilleriebeschuss mit 500-Kilogramm-Bomben trotzen konnte. Neben Arbeits- und Schlafräumen befindet sich unter dem Palast eine Nachrichtenzentrale mit amerikanischen Funkgeräten, ein Operationsraum und ein Büro, das der Präsident im Notfall beziehen sollte.

Hauptpostamt in Ho-Chi-Minh-Stadt

Ebenfalls im Distrikt 1, direkt gegenüber der Kathedrale Notre-Dame, bildet das 1891 fertiggestellte Hauptpostamt Saigons eines der bekanntesten und imposantesten Architekturdenkmäler aus der französischen Kolonialzeit. An dem Bau hat der weltbekannte Ingenieur Gustave Eiffel mitgewirkt. Er hat die eiserne Tragwerkskonstruktion der Hallendecke entworfen. Die Hauptplanung unterlag jedoch seinem Landsmann Alfred Foulhoux, der hier klassizistische Neorenaissance-Elemente mit neugotischen Einflüssen vereinte.

Im Innern erwartet uns die nächste Überraschung des Tages, denn das Gebäude ist zugleich Museum und bis heute die zentrale Poststelle der Millionenmetropole. Während an den offiziellen Postschaltern Briefe und Pakete aufgegeben werden, reihen sich in der Mitte Holzschreibtische und Verkaufsstände für alte Ansichtskarten, Münzen und historische Briefmarken aneinander.

Schauen wir uns um, so wandert unser Blick bald zu zwei handgemalten Kartengemälden an den Seitenwänden. Sie entstanden 1892 und stellen den Großraum Saigons sowie den Süden Vietnams zusammen mit Kambodscha dar. Besonders schön finden wir auch mehrere klassische Holztelefonkabinen, die nach ihrer Restaurierung zum Teil als Geldautomaten dienen. 

Kriegsopfermuseum (War Remnants Museum)

Nach dem pulsierenden Leben im Postamt ist unsere nächste Station ein Ort zum Innehalten. Im Kriegsopfermuseum wird in aller Deutlichkeit gezeigt, was es bedeutet, wenn ein Land mit Krieg überzogen wird.

Zu den auffallendsten Exponaten im Außenbereich des Museums zählen ein Exemplar des gewaltigen Kampfpanzers M48A3 Patton und, direkt daneben, eines Transporthubschrauber des Typs CH-47A Chinook. Um den mächtigen Hubschrauber in die Luft zu bekommen, brauchte es zwei Rotorblätter. Damit diese sich nicht berührten, hatte der Rumpf in der Mitte einen Knick, weshalb er bei den US-Soldaten als »The Flying Banana« bekannt war.

Ganz anders sah es die vietnamesische Bevölkerung: Durch die beiden, sich gegeneinander drehenden Rotoren erzeugte der Chinook ein tiefes, dröhnendes Geräusch, das kilometerweit zu hören war und die Luft erzittern ließ. Wann immer dieses Geräusch über die Reisfelder schallte, machten sich die Menschen auf einen schweren Angriff gefasst.

Vom Blindgänger zur Friedensglocke

Nur wenige Schritte neben den beiden Beutestücken der Vietcongs kommen wir zur Friedensglocke. Sie wurde aus der Stahlhülle einer nicht explodierten 500-Pfund-Bombe der U.S. Air Force gefertigt. Anstatt Vernichtung und Tod zu bringen, dient das Metall heute als buddhistisches Ritualinstrument.

Vor Ort lernen wir die Philosophie dahinter kennen. Demnach symbolisiert die Umwandlung von der Bombe zur Glocke den ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt. In diesem Fall ist es der Wandel von Krieg und Zerstörung hin zu Frieden, Mitgefühl und Besinnung. Das Anschlagen der Glocke erzeugt einen angenehmen tiefen, nachhallenden Klang.

Ausstellung der Kriegsfotografien

Das Hauptaugenmerk des Museums ist jedoch eine Ausstellung historischer Fotografien. Die deutsche Kriegsfotograf Horst Faas und der Brite Tim Page haben hier die wohl berühmteste Fotodokumentation der Welt zusammengetragen. Auf mehreren Stockwerken des Hauptgebäudes veranschaulichen ungeschönte Aufnahmen die Schrecken des Krieges. Als Besonderheit vereint die Galerie Aufnahmen von US-amerikanischen und vietnamesischen sowie auch französischen und internationalen Journalisten.

Eines der erschütterndsten Bilder zeigt das damals neuneinhalbjährige Mädchen Phan Thị Kim Phúc, besser bekannt als das Napalm-Mädchen. Am 8. Juni 1972 hatte die südvietnamesische Luftwaffe über ihrem Dorf Napalm-Bomben abgeworfen. Vom Napalm getroffen riss sich Kim Phúc die brennenden Klamotten herunter und lief nackt und schreiend die Nationalstraße 1 herunter. Das Foto stammt vom AP-Fotografen Nick Út, der nach der Aufnahme das Mädchen mit Wasser übergoss und ins nächste Krankenhaus brachte.

Langzeitfolgen des Kriegs

Neben dem Grauen direkt an der Front ist ein Raum den langfristigen Folgen des Einsatzes von Agent Orange gewidmet. Die Bildserien zeigen, wie das Gift auch in nachfolgenden Generationen noch zu Gendefekten und Missbildungen führt. Auch diese Aufnahmen vermitteln uns ein beklemmendes Gefühl. Zugleich zeigt die Ausstellung, wie wichtig die freie Arbeit von Journalisten ist. Denn am Ende waren sie es, die mit ihren Aufnahmen zu einem Umdenken in den USA und maßgeblich zum Ende des Vietnamkriegs beigetragen haben.

Ben-Thanh-Markt

Zentralmarkt von Saigon

Bei der Weiterfahrt durch das Zentrum ist es im Bus stiller als sonst. Erst mit unserer Ankunft beim Ben-Thanh-Markt (Chợ Bến Thành) löst sich die Anspannung allmählich. Vor uns wacht der vierseitige Uhrturm über den Südeingang des zentralen Markts Saigons.

Die französische Kolonialverwaltung hatte die Markthalle 1912/1914 auf einem bereits im frühen 19. Jahrhundert bestehenden Marktplatz errichten lassen. Heute zählt der Uhrturm zu den Wahrzeichen und den am meisten fotografierten Bauwerken Saigons.

Eindrücke unseres Bummels über den Ben-Thanh-Markt, dem zentralen Markt in Saigon

Kaum haben wir das südliche Eingangstor durchschritten, sehen wir dem typischen bunten Treiben eines exotischen Marktes gegenüber. Die einzelnen Gänge bilden eine Art Labyrinth mit Hunderten Ständen. Der Duft von Kaffee und Tee vermischt sich mit dem von Gewürzen und Currys, also meist scharfen Gewürzmischungen.

Besonders schön präsentieren die Gemüse- und Obststände ihre Ware in geflochtenen Körben oder großen Säcken. Pekanusnüsse stehen hier neben Shiitakepilze oder getrockneten Chilischoten und Zwiebeln. Auch die Fischhändler verstehen es, Appetit auf den Fang des Tages zu machen. Sie nutzen Etagere, die sie abwechselnd Shrimps, Muscheln oder Schnecken befüllen.

Wir passieren einen Gang mit Textilien und Stoffballen, Stände mit allerlei Küchenutensilien und Haushaltsgeräten. Dann strömt uns wieder der Duft von Gewürzen und frischem Essen im Bereich der Garküchen um die Nase. Die einfachen Restaurants verteilen sich in der gesamten Markthalle, sodass es an allen Enden und Ecken dampft und brutzelt. Alles zusammen macht den Ben-Thanh-Markt zu einem der besten Orte in Saigon, um das pulsierende Leben in der Stadt zu beobachten.

Thien-Hau-Pagode

Die letzte Station unserer Stadtrundfahrt führt uns ins chinesisch geprägte Viertel Chợ Lớn, den Distrikt 5 der Stadt. Um das Jahr 1760 hatten dort chinesische Einwanderer die Thiên-Hậu-Pagode errichtet und ihrer Meeresgöttin Mazu (Thiên Hậu) gewidmet. Sie dankten damit ihrer geglückten Seereise über das Chinesische Meer nach Vietnam. Heute zählt die Pagode zu den stimmungsvollsten und historisch bedeutendsten Tempeln in Saigon.

Schon bevor wir den Innenhof betreten, strömt uns der der süßliche Duft von Räucherstäbchen entgegen. Tatsächlich ist die Thiên-Hậu-Pagode bekannt für ihre kegelförmigen Räucherspiralen, die von den Decken der Gebäude rund um den Innenhof hängen. Gläubige kaufen diese Spiralen und befestigen daran rote Zettel mit Wünschen für die Familie und Gesundheit sowie für den persönlichen Erfolg. Oft verstreichen mehrere Wochen, bis so eine Spirale langsam von unten nach oben abgebrannt ist.

Rooftop Garden Bar im Rex Hotel

Nach zwei Tagen auf der Insel An Bình im Mekong-Delta kehren wir am letzten vollen Tag unserer Vietnamreise zurück nach Saigon. Allmählich heißt es, Abschied zu nehmen. Zuvor aber wollen wir auf die zurückliegenden drei Wochen voller Eindrücke und Erlebnisse anstoßen. Den passenden Rahmen dazu bietet die Rooftop-Bar im Rex Hotel der Stadt.

Die Five O’Clock Follies im Rex Hotel

Der Ort könnte tatsächlich kaum besser gewählt werden, denn ab 1965 bis in die 1970er Jahre hinein war das Rex Hotel der Schauplatz für die täglich um 17 Uhr stattfindende Pressekonferenz des US-Militärs. Offenbar waren die dabei genannten Zahlen über die eigenen Erfolge und Opfer der verfeindeten Truppen nicht wirklich plausibel.

Als Folge tauften die Reporter die Veranstaltung bald in »Five O’Clock Follies« um, also die Fünf-Uhr-Torheiten oder auch Fünf-Uhr-Possen. Nach dem offiziellen Teil ging es hoch auf die Dachterrasse in die Rooftop Garden Bar, wo persönliche Kontakte und unzensierte Informationen, aber auch Gerüchte ausgetauscht wurden.

Bui Vien Walking Street – Saigons Ausgehviertel

Den verbleibenden Nachmittag nutzen wir, um auf eigene Faust loszuziehen. Nach einer kurzen Orientierung beim Hotel Sen Viet Lotus führt uns der Weg rechts durch die Straße Cao Tang. Wo diese in die deutlich größere Nguyen Thi Minh Khai Straße mündet, finden wir eine Filiale von Paris Baguette. Schon bei unserer Rundreise durch Südkorea haben wir diese Kette als Abwechslung zur asiatischen Küche liebgewonnen. Und auch in Saigon fühlen wir uns in dem ruhigen Café einfach wohl.

Gut erholt nutzen wir anschließend die Ampel, um in die schräg abgehende Cong Quynh Straße zu gelangen. Diese führt uns zu einer Art Kreisverkehr, den wir irgendwie auf der linken Seite umgehen. Wenige Minuten weiter erreichen wir das Westtor der Bui Vien Walking Street. Nachmittags unterscheidet sich die Straße kaum von den anderen im Stadtzentrum.

Am frühen Abend aber ändert sich dies. Dann verwandelt sich die Walking Street in eine riesige Partymeile. Restaurants und Bars buhlen hier mit Nachtclubs und Discotheken um die Gäste. Teilweise befinden sich diese direkt gegenüber, sodass von beiden Seiten mit lauter Musik beschallt wird. Daneben finden wir aber auch ein Lokal mit Livemusik im Außenbereich. Für uns ist der perfekte Ort für den letzten Abend in Saigon und diesem tollen Land, das uns im Norden wie im Süden mit vielen lachenden und fröhlichen Menschen eine ganz besondere Reise ermöglicht hat.

Stadtplan mit Spaziergängen in Saigon

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