Beim Rundgang durch die Korridore fühlen wir uns in die 1960er- und 1970er-Jahre zurückversetzt. Besonders deutlich wird dies durch die bodentiefen Vorhänge und schwerfällig wirkenden Sessel im Gästesalon des Vizepräsidenten. Deutlich prunkvoller ist der Empfangssaal des Präsidenten, wo ein roter, mit Glückssymbolen verzierter Teppich und an den Seiten platzierte Elefantenstoßzähne die Kulisse für Treffen mit inländischen Würdenträgern bildeten.
Nach einem Blick in den Bankettsaal mit seiner Massivholztafel für 100 Gäste kommen wir zum Großen Konferenzsaal. Wo sich das südvietnamesische Kabinett traf und Botschafter feierlich empfangen wurden, nahmen die Vietcongs am Mittag des 30. April 1975 den südvietnamesischen Präsidenten fest. Heute erinnert eine Büste Hồ Chí Minhs in dem rot verkleideten Raum an die größte Wende in der Geschichte Vietnams.
Der unterirdische Kommandobunker
Überrascht sind wir, als wir die prunkvollen Säle über die Treppe hinunter zum Kommandobunker verlassen. Es ist wie der Gang in eine andere Welt, denn direkt unter dem Palast befindet sich ein unterirdischer Bunkerkomplex. Er stammt ebenfalls aus den 1960er-Jahren und wurde so angelegt, dass er auch schwerem Artilleriebeschuss mit 500-Kilogramm-Bomben trotzen konnte. Neben Arbeits- und Schlafräumen befindet sich unter dem Palast eine Nachrichtenzentrale mit amerikanischen Funkgeräten, ein Operationsraum und ein Büro, das der Präsident im Notfall beziehen sollte.