Laternen-Boote am Abend auf dem Sông Thu Bồn in Hội An

Hội An – Spaziergang durch das Weltkulturerbe Vietnams

Zwischen gelben Kolonialbauten, Laternen und der Japanischen Brücke

Hội An zählt zu den touristischen Höhepunkten im südlichen Teil Vietnams. Allabendlich laden mit bunten Laternen geschmückte Boote zu Fahrten auf dem Sông Thu Bồn ein. Daneben ist es ein einmaliges Erlebnis, über die japanische Brücke und durch die Gassen der denkmalgeschützten Altstadt zu schlendern.

Spaziergang am Fluss nach Hội An

In Hội An übernachten wir im Hotel Eco Lux Riverside nahe der Brücke nach Cẩm Kim. Die Unterkunft befindet sich damit rund zwei Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Wer mag, kann die Distanz bequem mit einem der Motorrikschas zurücklegen. Alternativ dazu entscheiden wir uns für einen Spaziergang dorthin. Dieser verläuft zunächst am Rand eines kleinen Reisfelds zum Sông Thu Bồn und dann einfach flussabwärts an wenigen Häusern vorbei bis zu einem Seitenarm mit der Insel Cẩm Kim.

Wir folgen dem Ufer an zwei Brücken vorbei bis zu einer Ausbuchtung des Seitenarms. Nachmittags dümpeln dort mehrere Boote im nahezu stillen Wasser des Flusses. Die Hinterhöfe der benachbarten Häuser sind stark begrünt. Besonders schön ist eine Bougainvillea anzusehen, die sich mit ihrem reichen Blütenflor von der gelben Fassade eines der Gebäude abhebt. Da wir uns noch am Rand der Altstadt befinden, ist es leicht, erste schöne Eindrücke zu sammeln.

Altstadt von Hội An – Weltkulturerbe der UNESCO

Japanische Brücke als Wahrzeichen der Hafenstadt

Wenige Schritte nach der Ausbuchtung des Flusses queren wir einen Kanal. Links liegt die Japanische Brücke nur einen Katzensprung entfernt. Ihr Name hat einen geschichtlichen Hintergrund: Die Brücke entstand zum Ende des 16. Jahrhunderts, als Hội An als japanische Gemeinde Faifo bekannt war.

Damals verband die weitgehend aus Holz errichtete und überdachte Brücke zwei Stadtviertel, in denen japanische und chinesische Kaufleute lebten. Das wohl meist fotografierte Wahrzeichen der Altstadt symbolisiert zugleich die Handelsgeschichte Hội Ans als bedeutende Hafenstadt Südostasiens.

Über den Dächern der Stadt

Nach einem Abstecher zum Tempel auf der Brücke, nehmen wir den Weg durch die Straße Trần Phú. Sie führt uns mitten hinein in die quirlige Altstadt Hội Ans. Schneidereien und Modegeschäfte wechseln sich mit Juwelieren, Souvenirläden, Restaurants und Cafés ab.

Bei bereits im Februar sommerlichen Temperaturen besuchen wir bald ein Lokal mit Dachterrasse. Bei einem leckeren Obstsaft ist es herrlich entspannend, den Blick von oben über die Dächer der Altstadt schweifen zu lassen und das bunte Treiben unten in der Gasse aus sicherer Entfernung zu beobachten.

Kantonesische Versammlungshalle

Ebenfalls in der Straße Trần Phú besuchen wir die 1885 errichtete Kantonesische Versammlungshalle. Sie war ursprünglich dem chinesischen Himmelsgott gewidmet, entwickelte sich aber bald zu einem beliebten Treffpunkt der aus Guangdong (Kanton) stammenden Händler.

Der Zugang erfolgt durch ein Tor mit rosa Säulen, grünen Dachziegeln und den für China typischen roten Laternen. Im Innern erwartet uns ein ruhiger Innenhof mit Drachenfiguren und kunstvollen Schnitzereien. Das schönste Motiv bildet der Drachenbrunnen des kleinen integrierten Tempels.

Spaziergang durch die Altstadt Hội Ans mit dem Sông Thu Bồn und der kantonesischen Versammlungshalle

Reaching Out Tea House

Eine weitere Oase der Ruhe finden wir in der Nummer 131 der Trần Phú mit dem Reaching Out Tea House. Die ruhige Atmosphäre ist in dem geschmackvoll eingerichteten Teehaus gewollt, denn das Lokal wird von gehörlosen oder schwerhörigen Mitarbeitern geführt. Beim Bestellen und Bezahlen helfen Holzklötzchen und Schildchen, die auf den Tischen verstreut liegen. Das funktioniert tatsächlich besser als in manch einem normalen Restaurant, da die Schilder zweisprachig sind.

Museum für Keramikhandel

Vom Teehaus führt uns der Weg am Kwiatkowski Square vorbei bis zum Museum für Keramikhandel (Museum of Trade Ceramics). Das Museum ist in einem zweistöckigen Kaufhaus aus dem 19. Jahrhundert in der Nummer 80 der Trần Phú eingerichtet. Typisch für die damalige Zeit ist der schmale und in die Länge gezogene Grundriss. Für die Belüftung der hinteren Räume dient ein Innenhof, in dem außerdem Regenwasser gesammelt wurde.

Nach der Restaurierung im Jahr 1995 wurden hier mittlerweile über 400 Keramikfunde aus dem 8. bis 18. Jahrhundert zusammengetragen. Auch sie unterstreichen die Bedeutung Hội Ans als Handelshafen, denn Keramiken zählten damals zu den wichtigsten Handelsgütern zwischen China, Japan, Persien und Europa. Tatsächlich stammen etliche der Funde von Schiffswracks vor der Küste Vietnams.

Neben den Keramiken sind auf mehreren Karten die historischen Handelsrouten verzeichnet. Deutlich interessanter finden wir jedoch ein im Museum ausgestelltes vietnamesisches Einbaumboot. Dieser Bootstyp diente sowohl für die Küsten- und Flussfischerei als auch als Transportmittel auf dem Thu-Bồn-Fluss.

Laternenboote auf dem Thu-Bồn-Fluss

Mit Einbruch der Dämmerung starten die Lampion- und Laternenboote zu Rundfahrten auf dem Thu-Bồn-Fluss. Teilweise drängen sich so viele an nur einer Stelle, dass der Fluss kaum noch zu sehen ist. Zudem beobachten wir, wie kleine Papierlaternen auf das Wasser gesetzt werden. Beides – die Bootsfahrten und die Papierlaternen – haben einen traditionellen Ursprung.

Ab dem 16. Jahrhundert brachten Kaufleute Papier- und Seidenlampions nach Hội An. Die Bewohner hängten die Laternen vor ihre Häuser, um Glück, Wohlstand und Frieden einzuladen.

Bei den kleinen Papierlaternen handelt es sich um buddhistische Wunschlaternen. Das Wasser symbolisiert den Fluss des Lebens, während das Licht für Erleuchtung, Hoffnung und das Loslassen von Sorgen steht. Wer heute eines dieser Lichter auf dem Thu-Bồn-Fluss aussetzt, verbindet dies in der Regel mit dem Wunsch nach Gesundheit für die Familie oder enge Bekannte. Zugleich gilt das Aussetzen der kleinen Laternen als Zeichen des Respekts gegenüber den Wassergeistern.

Restaurant Madame Hân (Madame Hiên)

Abends verwandelt sich die Trần Phú in eine lebhafte Flanier- und Ausgehmeile. Trotz der Vielzahl an Restaurants sind freie Tische Mangelware. Weil es uns außerdem etwas zu laut ist, biegen wir wenige Schritte vor dem Quan-Cong-Tempel in die Verbindungsstraße zur Uferpromenade ab. Auf halbem Weg dorthin finden wir das Restaurant Madame Hân an der Ecke zur Straße Nguyễn Thái Học.

Es befindet sich ebenfalls in einem liebevoll restaurierten Händlerhaus mit gelben Kalkwänden und dunklem Massivholz. Der Name Hân lässt sich übrigens mit Freude, Begeisterung oder Glück übersetzen. In diesem Fall geht der Name jedoch auf den französischen Chefkoch Didier Corlou zurück, der das Restaurant nach dem Vornamen der Großmutter seiner vietnamesischen Frau benannte. Für uns hat er damit einen wunderbaren Ort geschaffen, um den Abend in einer der schönsten Städte Vietnams gemütlich ausklingen zu lassen.

Eindrücke unseres abendlichen Spaziergangs durch die Altstadt von Hội An, dem früheren Faifo

Karte mit Stadtrundgang durch Hội An

Stadtplan von Hoi An mit Rundgang durch die Altstadt

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