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Iseler und Kühgundkopf

Vom Grat zum Schmugglersteig

Der Iselergrat ist einer der eindrucksvollsten Bergkämme, die für »Normalos« erreichbar sind. Entlang der Tiroler Grenze bietet der Hausberg von Bad Hindelang und Oberjoch einen fantastischen Tiefblick in das Tannheimer Tal. Danach begeben wir uns auf die Spuren der Schmuggler, die hier einst ihre Schätze am Zoll vorbeischleusten.

Traumhafter Weg zum Iseler
Gipfel des Iseler

Aufstieg in immer engeren Serpentinen zum Grat

Im Gegensatz zu vielen anderen, im Sommer betriebenen Bergbahnen ist die Iselerbahn ein Sessellift. Dabei sind die einzelnen Sessel breit genug, dass sechs Personen nebeneinander Platz finden. Die luftige Bauweise ist aber nicht jedermanns Sache. Wem hier schon schwindelig wird, sollte sich gut überlegen, ob er sich die spätere Gratwanderung zumuten will.

Für uns ist die luftige Fahrt eine angenehme Alternative zu den im Sommer schnell stickigen Gondeln. Dass durch die Sitzanordnung jeder freie Sicht auf den Berg vor einem hat, gibt es als Bonbon obendrauf. Nach zwölf Minuten endet die Fahrt bei der Bergstation. Wer mag, kann vor der Aufstieg einen Abstecher zur nahen (1) Iselerplatzhütte unternehmen. Ansonsten geht es sogleich auf dem rot markierten Bergweg Richtung Iseler.

Aufstieg zum Iselergrat
Steil geht es hinauf zum Iseler
Gipfelkreuz der Kühgundspitze

Bis zum westlichen Ende des Iselergrats beschreibt der Schotterpfad immer engere Serpentinen, gelangen wir von einer Kehre zur nächsten. Und doch kennt der Weg nur eine Richtung: bergauf. Oder besser gesagt: steil bergauf. Dennoch geht es auf diesem ersten Abschnitt der Runde oft recht lebhaft zu. Denn neben uns einfachen Wanderern nutzen auch Kletterfreunde den Pfad.

Nach etwas mehr als der Hälfte dieses schweißtreibenden Aufstiegs trennen sich die Wege. Während die Kletterer links auf den in drei Abschnitten eingeteilten Salewa-Klettersteig abzweigen, halten wir uns rechts. Rund 100 m weiter oben ist dieser erste schweißtreibende Aufstieg geschafft. Die Bank am Übergang nach Tirol kommt wie gerufen um kurz zu innezuhalten.

Auf dem Iseler im Allgäu

Über den Iseler zum Kühgund

Schöner finden wir es, beim Wegweiser rechts abzubiegen und auf dem nahezu ebenen Pfad bis zum (2) Aussichtspunkt zu laufen. Nach der Strapaze zu Beginn gleichen die 50 m dorthin einem Wellnessprogramm für müde Wanderbeine. Weil wir damit in eine kurze Sackgasse laufen, ist es beim Aussichtspunkt außerdem angenehm ruhig. Anschließend sind es nur noch ein paar Minuten bergan bis zum Gipfel vom (3) Iseler.

Dort treffen wir dann auch wieder auf die Kletterfreunde. Sie fühlen sich platt? Warten Sie, bis die nächsten Kletterer die Iseler Gipfelwand am Ende des ersten Abschnitts über den Salewa Klettersteig gemeistert haben. Das baut auf! Zugleich ist das wohl der Grund dafür, warum es auch am Gipfel ruhiger zugeht, als es die zeitweise hohe Frequentierung erwarten lässt.

Gratwanderung zum Kühgundkopf

Wem es dennoch zu voll ist, der Ausweg befindet sich links (Blickrichtung Tannheim) von uns. Ansich ist es nicht mehr als ein kleines, gelbes Schild. Allein der Aufdruck »Achtung! Weg ist hochalpin. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingt erforderlich!« bewegt viele Wanderer zur Umkehr. Tatsächlich stellt der Abschnitt über den (4) Kühgundkopf bis zur (5) Kühgundspitze aus technischer Sicht die höchsten Anforderungen, die Ihnen in diesem Wanderführer begegnen.

Da der steinige Pfad überwiegend auf der südlichen, weniger steilen Seite des Iselergrats verläuft und auch ohne Einsatz der Hände beherrschbar ist, sehen wir den Schwerpunkt jedoch klar bei der Trittsicherheit. Festes Schuhwerk mit ausreichend Profil ist damit ein Muss, Stöcke sollten unbedingt richtig eingesetzt werden. So ausgerüstet und einigermaßen fit am Berg beschert uns der Grat ein unvergesslich schönes Wandererlebnis mit toller Aussicht über das Tannheimer Tal zu den umliegenden Bergen.

Abstieg von der Kühgundspitze
steiniger Abstieg von der Kühgundspitze
Schmugglersteig

Auf Schmugglers Pfaden

Am Ostende des Grats können wir uns ruhig nochmals eine längere Pause gönnen. Hier ist dann auch der richtige Platz, um den Sitz der (knöchelhohen) Wanderschuhe zu überprüfen. Binden Sie diese im mittleren Bereich ruhig ein bisschen fester. Ihre Zehen werden es Ihnen danken. Denn so steil es zu Beginn der Tour nach oben ging, so steil fällt der Weg östlich der Kühgundspitze wieder ab.

Wo es knifflig wird, ist der Weg mit Drahtseilen gesichert. Aufpassen muss man aber dennoch, will man nicht eine unfreiwillige Rutschpartie riskieren. Sowie der Weg in den Schmugglersteig einmündet, haben wir es geschafft. Links ab, nun können wir es auf dem nächsten Abschnitt zur (7) Vorderen Wiedhag-Alpe ruhig angehen lassen.

Gesicherter Weg hinab von der Kühgundspitze
Noch ein Blick hinauf zur Kühgundspitze

Das war nicht immer so. Zu der Zeit, als Salz in Bayern viel billiger war als in Tirol, nutzten Schmuggler den Weg in der Hoffnung auf schnell verdientes Geld. Im Schutz der Nacht brachten »gewitzte Männer und Frauen« auch Kaffee, Eier und Speck und gar Kälber über die grüne Grenze. Was jahrhundertelang bitterer Ernst war, lässt sich heute auf dem Schmugglersteig spielerisch nacherleben. Die Rollen sind dabei mit Schmuggler und Zöllner klar verteilt. Am Wegrand informieren außerdem Tafeln über die Besonderheiten der Umgebung.

Wie über den (6) Kaltenbrunnerbach, eine mit eiszeitlichem Schutt gefüllte Erosionsrinne, die bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Bei der Vorderen Wiedhag-Alpe angekommen haben wir dann die Wahl. Wer die Runde zu Ende laufen möchte, passiert den Speichersee und folgt dem rot markierten Bergweg hinauf zur Bergstation. Es ist aber genauso gut möglich, von der Alpe hinunter zur Talstation zu laufen. Die Weglänge ist in etwa gleich. Und die Wanderung ist so oder so ein Erlebnis, von dem man gerne berichten wird.

Das Schmugglernest erinnert an alte Zeiten
Auf Schmugglers Pfaden im Allgäu

Tipp: Salewa-Klettersteig

Der Klettersteig wurde 1990 eingerichtet und besteht aus drei, voneinander unabhängigen Abschnitten. Die Abschnitte 1 und 2 haben als mittelschwerer, klassischer Klettersteig den Schwierigkeitsgrad B/C und sind mit 1,5 bis 2 bzw. 0,5 bis 1 Stunden angegeben. Abschnitt 3 fällt in die Kategorie B und benötigt ca. 1,5 bis 2 Stunden. Als Ausrüstung werden neben festen Bergschuhen und entsprechender Kleidung Klettersteigset und Sicherheitshelme empfohlen. Helme werden auch bei der Iselerbahn ausgegeben. Weitere Infos unter www.bergbahnen-hindelang-oberjoch.de

Schmugglersteig unterhalb des Iseler
Vordere Wiedhag-Alpe oder einfach nur Wiedhag-Alpe

Anfahrt und Anforderung zur Wanderung

Die Anfahrt erfolgt von der Autobahn A 7 in Richtung Füssen. Bei der Ausfahrt 137 auf die B 309 nach Nesselwang abfahren, weiter über die B 310 bis Oberjoch fahren, dort der Beschilderung zur Iselerbahn folgen.
Es bestehen Busverbindungen ab Sonthofen und Reutte zur Haltestelle Iselerbahn, Bad Hindelang.

Technisch anspruchsvollste Runde unserer Allgäu-Seite mit konditionell forderndem Anstieg zu Beginn. Trittsicherheit ist auf dem Grat und beim Abstieg von der Kühgundspitze unbedingt erforderlich. Knöchelhohe Wanderschuhe.

Ausgangspunkt Bergstation Iselerbahn (1570 m)
Koordinaten N 47.51550, E 10.41200
Gehzeit 4-4.30 Stunden
Distanz 7 km
Anstiege 600 HM
Grad T3
Einkehr Iselerplatzhütte, Vordere Wiedhag-Alpe, beim Abstieg zur Talstation Gundalpe
gps-Daten Wanderung Iseler und Kühgundkopf gpx
kml-Daten Wanderung Iseler und Kühgundkopf kml

Wanderkarte zum Iseler und Kühgundkopf

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort