Abenteuer Barranco de la Madera

Eindrucksvolle Tunnelwanderung bei Las Nieves

Die Insel La Palma verwöhnt Wanderer trotz ihrer geringen Größe mit einigen Abenteuern. Mit dem Barranco de la Madera legen wir noch einen drauf. Ein letztes Mal geht es in eine eindrucksvolle Schlucht.

Wieder treffen wir auf düstere Tunnel, die sich mit schwindelerregenden Passagen im Steilhang abwechseln. Die waldreiche Schlucht oberhalb von Santa Cruz ist facettenreich, erfordert aber auch ein gutes Maß an Umsicht und Trittsicherheit.

Tunnelwanderung beim Barranco de la Madera
Abenteuer Barranco de la Madera

El Real Santuario Insular de Nuestra Señora de las Nieves

Bei herrlichem Sonnenschein fahren wir hinauf nach Las Nieves. Der beschauliche Wallfahrtsort oberhalb von Santa Cruz ist die Heimat der Inselschutzheiligen Virgen de las Nieves. Die »Jungfrau vom Schnee« ist zugleich die Schutzheilige von La Palma. Die Kirche selbst ist in der typischen kanarischen Volksarchitektur gebaut und hat einen unglaublich langen Namen.

Als wir am frühen Vormittag dort ankommen, öffnet sich gerade die Eingangstüre. Eine Katze stolziert müde ins Freie. Scheinbar sind alle Kirchenmäuse gefangen, verspeist oder vertrieben. Wie auch immer, wir nutzen die Gelegenheit zu einem Besuch des Inselheiligtums.

El Real Santuario Insular de Nuestra Señora de las Nieves
In der Kirche der Inselschutzheiligen Virgen de las Nieves

Das Kirchenschiff ist düster, was aber dem dunklen Holz der Kassettendecke und der Bänke geschuldet ist. Der prunkvoll goldene Altar wird jedoch gut beleuchtet. In seinem Zentrum befindet sich die festlich gekleidete und gekrönte Figur der Heiligen Jungfrau. Im Arm trägt sie das Jesuskind. Um sie herum tänzeln und musizieren kleine Engelchen. Alle fünf Jahre startet hier die größte Prozession der Insel.

Dann wird die Madonnenfigur feierlich in die Hauptstadt Santa Cruz getragen. Außerdem birgt die Kirche einige sehenswerte Kostbarkeiten flämischer Künstler. Doch wir wollen das herrliche Wetter nutzen. So gönnen wir uns noch einen Cappuccino auf dem idyllischen Vorplatz, nehmen dann aber die Wanderung in Angriff.

Am Kirchplatz von Las Nieves
Schöner Eingang bei Las Nieves

Start der Wanderung bei Las Nieves

Hinter der Kirche steht eine Wandertafel. Neben den typischen Streckenwanderungen ins Hochgebirge wird darauf ein Mühlenweg dargestellt. Diese Rundwanderung sieht ebenfalls reizvoll aus. Wir bleiben bei unserem Plan, auch wenn die Info ausdrücklich auf die Gefährlichkeit des Barranco de la Madera hinweist.

Der Einstieg erfolgt neben dem Café über die Treppen hinab zur Ausfahrt von Las Nieves. Wir folgen dieser bis zur Landstraße LP 101 und queren diese. Aber Vorsicht: Es handelt sich um eine der Hauptumfahrungen von Santa Cruz. Dementsprechend viele Autos sind in hohem Tempo unterwegs.

Die schöne Kirche von Las Nieves
Auf der Ausfahrt von Las Nieves

Etwas irritierend sind die Verbotsschilder am Wegesrand. In mehreren Sprachen weist ein augenscheinlich neues Schild darauf hin, dass der Weg vorübergehend geschlossen sei. Macht diese Sperre jetzt unsere Pläne zunichte?

Sollen wir besser auf den Mühlenweg ausweichen? Fragen kostet nichts. Wir gehen nochmals zurück zum Café. Denen ist die Schließung gänzlich unbekannt. Da es zuletzt keine schweren Unwetter gab, sollte die Tour laut dem Wirt machbar sein.

Die Inselschutzheilige Virgen de las Nieves
Bananenstaude beim Barranco de la Madera
Schotterweg hinein in den Barranco de la Madera

Durch die Bananen- und Avocado-Plantagen in die Schlucht

Beim zweiten Anlauf ignorieren wir das Schild und laufen in den Barranco de la Madera. Die befestigte Straße wird bald zur Schotterpiste und steigt beständig, aber gemächlich an. Wir passieren Bananen- und Avocado-Plantagen.

Große Becken sorgen für genügend Wasser auf den Landwirtschaftsflächen. Zudem gibt es hier Unmengen an Hunden. Zumindest klingt es so. Werden hinter den Zäunen ganze Rudel an Jagdhunden gehalten? Wir wissen es nicht, passen jedoch würde es.

Durch die Bananen- und Avocado-Plantagen in die Schlucht
Wasserverteilungsanlagen im Barranco de la Madera

Langsam verjüngt sich die Schlucht, bis es zu eng für den Ackerbau wird. Fortan prägen Oleanderblättrige Kleinien – als Zierpflanze auch bekannt als Affenpalme – und Pinien das Landschaftsbild. Wir unterqueren ein Aquädukt und bleiben immer auf dem Weg. Am Wegrand stehen kleine Häuschen, die der Wasserverteilung dienen. Und wiederholt passieren wir Schilder, die auf eine Absperrung des Wanderweg hinweisen.

Gefährliche Wasserstollen, auch im Barranco de la Madera
Umgefallene Bäume und Erdrutsche im Barranco de la Madera

Gefährliche Wasserstollen

Nach gut einer Stunde endet die Schotterpiste im Barranco. Ein schmaler Pfad führt weiter hinein in die Schlucht und vorbei an einem Wasserstollen. »Peligro!« warnt ein Schild. Der Stollen sollte keinesfalls betreten werden.

Es können giftige Gase austreten. Vor einigen Jahren töteten diese eine Gruppe junger Leute in solch einem Stollen. Gut, diese Warnung nehmen wir ernst und folgen nun der grünen Wasserleitung entlang des Wanderwegs.

Eine in den Steilhang geschlagene Felsengalerie
»impossible in 20 minutes ⇒ « - Warnung vor dem baldigen Ende

Ein Stück weiter müssen wir über einige umgefallene Bäume klettern. Dazu kommt ein Erdrutsch, den wir vorsichtig umgehen. Sind das bereits die Gründe für die Schließung des Wanderweges? Das wäre echt schade. So schlimm sind die Schäden nicht und die Landschaft wird immer dichter und gewaltiger.

Sie gleicht einem Urwald. Das Leitungsrohr verläuft durch eine in den Steilhang geschlagene Felsengalerie. Jemand hat eine entmutigende Nachricht in den Staub auf der Leitung geschrieben: »impossible in 20 minutes ⇒ «. Liegt vor uns wirklich das Ende sein? Geht es für uns denselben Weg wieder zurück?

Ein Erdrutsch im Barranco de la Madera
Blick in den dichten Wald des Barranco de la Madera
Ein Urwald in der tiefen Schlucht

Der Weg zum Talende

Wir versuchen es weiter und überqueren nach fünf Minuten einen weiteren Erdrutsch. Er wirkt gefährlicher als der erste, stellt aber ebenfalls keine echte Hürde dar. Etwas weiter führt der Pfad hinab auf den Flussgrund. Hier wechseln wir die Seite zum rechten Schluchthang.

Jenseits öffnet sich die Sicht auf die hohe Wand zu unserer Linken. Oberhalb sind große Löcher im Felsen zu erkennen. Sie lassen das Gestein porös wirken. Es sind die Lichtfenster der Tunnel. Schließlich bleibt der Wald hinter uns zurück und sehen wir uns einer schroffen Gebirgslandschaft umgeben.

Wasserleitung in der Felsengalerie
Die Löcher im Steilhang sind die Lichtfenster der Tunnel.

Etwas Trittsicherheit benötigt der Pfad zum ersten Tunneleingang im schattigen Talende. Dort folgt die Ernüchterung. Der Eingang ist mit einem metallenen Tor verschlossen. Der Wasserkanal, für den der Tunnel in den Fels geschlagen wurde, ist mit Betonplatten überdeckt. Eisenstangen versperren die Öffnung darüber, um jedweden Einstieg in den Tunnel abzuwehren.

Doch diese Art des Aussperrens hat wohl irgendeinen Wanderer gestört. Eine Stange ist so herausgeschlagen, dass wir uns problemlos hindurch quetschen könnten. Andererseits muss es irgendeinen Grund geben, dass die Anlage derart verbarrikadiert ist. Was ist, wenn uns etwas passiert? Keiner weiß, dass wir hier sind. Sollen wir doch lieber umkehren?

Türen versperren den Eingang zum Tunnel - doch die Seitenstreben fehlen.
Verwachsener Pfad entlang der Levada
Wir haben uns hindurch getraut.

Zeit für eine Denkpause mit Keksen

Eine ähnliche Situation hatten wir in der Masca-Schlucht. Damals halfen uns eine kurze Pause und zwei Schokoriegel, um die Schlüsselstelle sicher zu meistern. Diesmal knabbern wir ein paar Kekse. Anders als auf Teneriffa beschließen wir dann aber doch umzukehren. Und können uns sogleich glücklich schätzen, bei der Kekspause gut Zeit liegengelassen zu haben. Tatsächlich kommt uns ein junges Paar entgegen.

Auch sie wollen sich die Tunnel nicht entgehen lassen. Bei den Plantagen haben sie einen Bauern gefragt, ob der Durchgang möglich sei. Er wusste von einem Wanderer, der die Tour eine Woche zuvor gelaufen war. Das war auf jeden Fall, nachdem die grüne Tür im Eingang installiert wurde. Jetzt sind wir ja nicht mehr alleine.

Ein weiteres Tunnelabenteuer auf der Insel - Barranco de la Madera
Ein Blick in den ruhigen Barranco de la Madera

Die Tunnel des Barranco de la Madera

Mutig lassen wir die jungen Leute vorausgehen. Sie sind schneller und machen weniger Bilder. So sind wir bald wieder alleine unterwegs. Und wir sind froh, dass wir uns in die Tunnel hinein getraut haben. Die mitgebrachten Stirnlampen kommen jetzt ebenfalls zum Einsatz.

So richtig düster ist es dank der Lichtfenster zwar selten. Doch alleine sie genügen nicht für ein sicheres Wandern entlang der Levada. Sie ist noch intakt und gemächlich plätschert das Wasser darin.

Hie und da fehlen die Sicherungsseile entlang der Levada.
Hier ist die Decke des Tunnels eingestürzt.

Die nächsten zwei Kilometer verlaufen nahezu ebenerdig. Die ersten Tunnel wechseln sich mit kurzen, engen Passagen entlang dem Steilhang ab. Da diese nur selten begangen werden, sind sie teilweise stark verwachsen. Aber wir kommen gut vorwärts. Drei der insgesamt fünf Tunnel sind mit grünen Metalltüren versperrt.

Bei jedem der sechs Ein- und Ausgänge ist eine der Seitenstreben herausgebrochen, sodass wir überall durchschlüpfen können. Lediglich die letzte Öffnung ist arg schmal. Dort sind Wanderer mit wenig Speck auf den Rippen klar im Vorteil. Der Rucksack wird am besten abgelegt und durch die Öffnung gereicht.

Ein schöner, ebener Weg verläuft entlang der Levada.
Bei der letzten Türe wird es etwas eng.
Auch von der anderen Seite ist der Weg geschlossen.

Nach dem vierten Tunnel steht ein längerer Abschnitt im Freien an, entlang dem Steilhang. Der Weg bietet eine herrliche Sicht in den Barranco de la Madera. Was fehlt, sind intakte Sicherungsseile. Doch der Pfad ist breit genug. Zudem ist er durch die Kiefernnadeln weich und angenehm zu laufen.

Im fünften Tunnel stoßen wir schließlich auf den Grund für die Sperrung des Wanderweges. Auf mehreren Metern ist die Decke eingestürzt. Die Levada wurde wieder freigelegt und mit Betonplatten zugedeckt. Auch das Geröll lässt sich mühelos umgehen. Doch man erkennt, wie fragil das Gestein ist.

Ein Wasserbehälter am Ende der Levada
Durch den Pinienwald geht es in den Barranco Rio de los Nieves.
Wieder ein schöner Kiefernweg.

Ein Wasserbehälter und der Abstieg durch den Pinienwald

Kurz nach dem letzten Tunnel endet der gesperrte Bereich bei einem alten Wasserbehälter. Vorbei an dem runden Gebäude folgen wir dem Pfad durch den Pinienwald. Bald geht dieser über in einen Serpentinenweg und hinein in den Barranco Rio de los Nieves.

Unvermittelt öffnet sich uns die Sicht auf ein dampfendes Kreuzfahrtschiff im Hafen von Santa Cruz. Wir sehen allerdings auch, wie ein Regenschauer langsam auf uns zukommt. Wohl dem, der weiß, wann Eile geboten ist.

Im Hafen liegt ein Kreuzfahrtschiff
Über Las Nieves

Der Wald endet an einem Villengrundstück. Die Markierung des Wanderweges führt daran vorbei und kreuzt dessen Zufahrt. Bald sind die Dächer von Las Nieves zu erkennen. Da wir diesmal über den Tunnel hinweggehen, brauchen wir die Hauptstraße nicht mehr zu queren. So kommen wir bequem zum Parkplatz, wo quasi mit unserer Ankunft ein Wolkenbruch niedergeht. Glück gehabt!

Wir haben eine wundervolle Tour hinter uns und sind froh, junge Mitstreiter gefunden zu haben. So brauchten wir nicht alleine durch die Gefahrenzone laufen und konnten sowohl die Tunnel als auch den aussichtsreichen Wanderweg genießen. Für Nachahmer empfehlen wir jedoch, irgendjemandem über das Vorhaben Bescheid zu geben. Im engen Barranco de la Madera hatten wir weder GPS- noch Mobilfunk-Empfang. So kann man das Abenteuer unbekümmert genießen.

Wanderschilder beim Barranco Rio de los Nieves.
Der Wanderweg hinab nach Las Nieves.

Tourinfos zur Tunnelwanderung

Die Fahrt geht auf der LP-5, Strecke Flughafen in Richtung  Santa Cruz. Wir nehmen den Abzweig zur LP-2/LP-3 Richtung San Pedro. Beim Kreisverkehr nehmen wir die Ausfahrt zur LP-3 nach Los Llanos. Wir folgen dieser bis zur Ausfahrt auf die LP-202 nach San Pedro. Dort ist Las Nieves bereits angeschrieben. Beim Abzweig geht es rechts und beim nächsten Kreisverkehr auf die LP-101 nach Las Nieves. Die LP-101 verläuft durch einige Weiler, bis zu dem Kreisverkehr über dem Barranco de la Nieve. Dort nehmen wir die erste Ausfahrt zur Real Santuario de las Nieves. Vor der Kirche ist die Einfahrt zum Parkplatz von Las Nieves.

Die Wanderung ist wunderschön und abwechslungsreich. Sie ist aber auch gefährlich. Bei unserem Besuch war der Tunnelwanderweg verschlossen, worauf Schilder bereits am Eingang der Schlucht hingewiesen haben. Die Tour war trotzdem möglich, weil jemand die Seitenstreben hinaus gebrochen hat. Man muss sich dessen bewusst sein, dass man sich auf verbotenen Pfaden befindet. Der Grund für die Sperrung ist wohl das fragile Gestein in den Tunneln, aber auch bei den schmalen Pfaden entlang der Levada. Die Metalltüren sehen aus, als wären sie bereits vor längerer Zeit dort angebracht. Wir können nicht sagen, ob der Wanderweg wieder zugänglich gemacht werden soll. Auf jeden Fall gäbe vorher einige Baustellen zu beheben. Der Tunnelweg verläuft meist entlang dem Steilhang. Sicherungsseile sind vorhanden, aber teilweise abgerissen. Der Weg ist gut machbar, aber trotzdem gefährlich. Man sollte zumindest im Voraus über sein Vorhaben Bescheid geben. Innerhalb der Schlucht gibt es weder GPS- noch Mobilfunk-Empfang.

AusgangspunktParken beim großen Parkplatz der Kirche von Las Nieves
KoordinatenN 28.69447, E -17.7825 ( Kirche von Las Nieves)
Gehzeit4 Stunden
Distanz10,0 km
Anstiege750 HM
GradT3
EinkehrUnterwegs keine Einkehr, nur bei Las Nieves
gps-DatenWanderung Barranco de la Madera gpx
kml-DatenWanderung Barranco de la Madera kml

Wanderkarte zum Tunnelabenteuer

Höhenprofil

Steigungsprofil