Grenada und die Muskatnuss

Ausflug zu einer Muskatnussfabrik

zum Trocknen ausgelegte Muskatnüsse zum Trocknen ausgelegte Muskatnüsse

Der Muskatnuss verdankt Grenada den Beinamen als Gewürzinsel. Bei Ausflügen über die Insel fährt man eigentlich immer an einer Plantage vorbei. Oder an den Resten davon, denn weite Teile der Plantagen hat ein Hurrikan vernichtet. So halten wir auf dem Rückweg von den Concord Falls zurück an die Küste bei einem Muskatnussbaum. Die ersten Bäume dieser Art gelangten einst durch Schmuggler von den indonesischen Banda-Inseln nach Grenada. Die dunklen Muskatnüsse galten dort lange Zeit als das schwarze Gold der Insel. Tatsächlich war die Karibikinsel Grenada nach Indonesien lange Zeit der zweitgrößte Exporteur für Muskatnüsse.

Folgen des Hurrikans Ivan

Durch den Hurrikan Ivan änderte sich dies am 7. September 2004 schlagartig: Ivan beschädigte nicht nur 85 Prozent aller Häuser auf Grenada, sondern vernichtete zudem etliche Muskatnussplantagen. »Ivan hat uns von einem Tag auf den nächsten zurück in die Steinzeit befördert«, berichtet Mona. Neben der Stromversorgung war auch die Wasserversorgung zusammengebrochen und waren viele Straßen durch den Starkregen abgerutscht - wenn sie nicht unter Schlammlawinen begraben lagen.

Weil die Bäume erst mit acht Jahren richtig Früchte tragen, brach der Export zusammen und verloren viele Menschen ihr Einkommen. Dass seit dem Hurrikan Ivan inzwischen genug Zeit vergangen ist, um neue Muskatnussbäume heranzuziehen, hat leider nichts bewirkt. Denn vielen Landwirten waren die acht Jahre zu lange, sodass viele Felder, die heute wieder reiche Ernte bringen könnten, immer noch brach liegen, mit kurzlebigen Früchten bestellt werden oder auch einfach zugewuchert sind.

Wechsel von der Landwirtschaft in die Büroarbeit

Es ist aber auch die Schuld der Regierung und der Schulen, welche die Landwirtschaft lange Zeit als eine niedere Arbeit darstellten. Als Folge versuchen die jungen Grenadier, einen Bürojob oder eine Arbeit zu bekommen, bei der man sich nicht ständig bücken und die Hände schmutzig machen muss. Dem versucht die Regierung zwar inzwischen entgegenzuwirken, bis ein erneutes Umdenken erfolgt, wird es aber noch einige Jahre dauern.

Garten mit Nelkengewürzbaum, Callaloo und Helikonien

Bevor wir zur Muskatnussfabrik fahren, zeigt uns Mona mehrere weitere für Grenada typische Pflanzen wie den Nelkengewürzbaum und Callaloo. Callaloo ist ein Sammelbegriff für verschiedene Arten, welche sich alle durch große Blätter auszeichnen und ähnlich wie Spinat oder als Eintopf verarbeitet werden. Wie auf Trinidad und Tobago wird auch hier die Pflanze Taro als Callaloo bezeichnet. Daneben sehen wir einige Helikonien beziehungsweise Hummerscheren am Straßenrand wachsen. Einen Nutzen haben sie nicht, sind mit ihren langen Blättern und dekorativen Blütenständen aber wunderschön anzusehen.

Rundgang durch die Hallen der Muskatnussfabrik

Beim anschließenden Rundgang durch die Muskatnussfabrik sind wir überrascht, wie ruhig es in einem immer noch wichtigen, exportierenden Betrieb zugehen kann. Während wir uns in weiten Teilen der Fabrik frei bewegen können, begegnen wir nur wenigen Arbeitern. Im unteren Teil der Halle sind die Frauen damit beschäftigt, die getrockneten Samen entsprechend ihrer Güte zu sortieren. Im Stock darüber befinden sich riesige Trocknungsgitter, auf denen die frisch angelieferten Muskatnüsse ausgelegt werden. Viele Arbeitsschritte erfolgen hier bis dato in Handarbeit. So weist uns Mona an einem der Arbeitsplätze auf ein Wasserglas hin. In dieses werfen die Frauen die Muskatnüsse hinein, um so den Ölgehalt zu prüfen. Wenn die Muskatnuss nach unten sinkt, dann kann sie exportiert werden. Schwimmt sie an der Oberfläche, ist sie noch zu ölig.

Risiken der Arbeit in der Muskatnussfabrik

Auch wenn die Arbeit für die Menschen wichtig und körperlich nicht allzu anstrengend ist, birgt sie auch Risiken für die Gesundheit. Als Grund nennt unsere Reiseleiterin einen Inhaltsstoff der Muskatnuss, der das Gehirn benebelt. Wer lange Zeit in der Fabrik arbeitet, büßt dadurch einen Teil seiner Denkleistung ein. Um dem vorzubeugen, tragen einige Arbeiter einen Mundschutz. Der Schutz sorgt dafür, dass sie weniger Muskatnussstaub einatmen. Ob dies auf lange Sicht wirklich schützt, ist allerdings fraglich. Dafür bräuchte es schon spezielle Masken mit einem wirksamen Filter. So wirkt es mehr wie ein Placebo, der die Arbeiter ein wenig beruhigen soll.

Wir zumindest nutzen die Gelegenheit, um ein paar Muskatnüsse mitsamt der Schale einzusammeln. Denn im Gegensatz zu den Früchten ohne Schale, die es bei uns zu kaufen gibt, behalten diese über viele Jahre ihr Aroma. Kurz überlegen wir, dass man mit dem Export bzw. dem Import der Muskatnüsse mit Schale eine echte Marktlücke erschließen könnte. Bald aber verwerfen wir den Gedanken wieder. Durch unsere freiberufliche Tätigkeit als Reisejournalisten und Buchautoren haben die Finanzämter schon jetzt ihre Sorgen. Wie würde dann wohl unser Steuerbescheid aussehen, wenn wir nun auch noch damit beginnen, mit Muskatnüssen aus Grenada zu handeln?

Video zur Muskatnussfabrik auf Grenada

Rundgang durch die Muskatnussfabrik von Grenada in Georgetown.

VG Wort