Über die Düna nach Kipsala

Die Vanšu-Brücke und die Silhouette der Altstadt

Typisch für Kipsala sind romantische Holzhäuser.
romantische Holzhäuser bei Kipsala in Riga

So ziemlich jede große Stadt wird früher oder später Opfer einer städtebaulichen Fehlplanung. In Riga ist es die Schnellstraße, deren Verlauf die Verantwortlichen so legten, dass sie die Altstadt von Riga von der Düna abschneidet. Als Folge der Fehlplanung fehlt heute eine altstadtnahe hübsche Promenade entlang des Flusses. Wer sich vom Autolärm nicht abschrecken lässt, läuft über die Vanšu-Brücke hinüber nach Kipsala.

Von der Vanšu-Brücke aus kann man einen schönen Blick auf die Düna und die Silhouette der Altstadt werfen. Das Brückenbauwerk selbst wurde während der Sowjetzeit am 17. Juli 1981 eröffnet. Die damals nach dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki benannte Brücke war bei ihrer Eröffnung mit einer Spannweite von 625 Metern die längste Schrägseilbrücke Europas.

Über die Vanšu-Brücke geht es von Riga nach Kipsala.
Blick von der Brücke auf die Altstadt von Riga

Die Legende von einem Wassergeist

Wir spazieren über die Düna, von der eine nette Legende erzählt wird. So soll immer wieder mal ein Wassergeist aus den Fluten des Flusses auftauchen. Er begibt sich in die Stadt und fragt den erstbesten Passanten, der ihm entgegenkommt, ob Riga schon fertig gebaut sei? Sollte der Passant dies bejahen, dann werde die Stadt in den Fluten der Düna versinken. Doch Riga hatte bisher Glück und die Befragten verneinten die Frage des Wassergeistes bisher immer.

Gründe für ein Nein bietet Riga auch heute reichlich. Andererseits kommt uns die Legende sehr bekannt vor. So erscheint in Tallinn ein böser Gnom aus dem nahen Ülemiste-See und stellt die gleiche Frage über die Stadt Tallinn. Handelt es sich etwa um ein und denselben Übeltäter? Treffen wir den Gnom oder Wassergeist in Vilnius in Litauen wieder? Das wäre schon möglich.

Vanšu-Brücke und die Schnellstraße durch Riga
die Vansu-Brücke über der Daugava - Düna
Blick über die Daugava - Düna auf die Altstadt von Riga

Die Holzvillen von Kipsala

romantische Holzhäuser jenseits der Düna

Neben den prächtigen Jugendstilbauten im Zentrum gehören Holzhäuser zur typischen Bauweise Rigas. Schon bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel sind uns einige der Holzvillen aufgefallen, die entlang der Hauptverbindungsstraßen einen eher schäbigen Charme verbreiten.

Anders sieht es auf der Insel Kipsala aus. Hier laden hübsche Holzhäuser zu einem romantischen Spaziergang entlang der Düna ein. Zu erreichen ist die Insel von der Altstadt aus über die Vanšu-Brücke.

Entlang dem Uferweg von Kipsala
Eines der romantischen Holzhäuser bei Kipsala in Riga.

Während von der Vanšu-Brücke aus noch moderne Bankentürme das Westufer der Düna prägen und der nicht endende Verkehrslärm die Ohren quält, wird es ruhiger, sobald man die Brücke in Richtung Insel verlässt. Eine größere, sandige Bucht unterhalb der Brücke wird als Strand sowie hin und wieder auch als Festplatz von Kipsala genutzt.

Von dort führen uns Fußwege zur Balasta dambis, einer unebenen Kopfsteinpflasterstraße. An ihr reihen sich die für Lettland so typischen Holzhäuser aneinander. Über den Fluss hingegen öffnet sich uns ein weites Panorama auf die Altstadt Rigas.

In Kipsala wohnt wohl die Oberschicht von Riga.
Romantisches Haus mit modernem Anbau in Kipsala.

Kipsala - die Insel der Oberschicht

Schon auf den ersten Metern wird deutlich, dass hier auf Kipsala die Oberschicht Rigas wohnt. Die meisten der alten Häuser sind inzwischen liebevoll restauriert und von eleganten Anwesen umgeben. Während die einen durch hohes Gebüsch und Zäune recht abgeschottet wirken,

bieten uns andere Grundstücke eine gute Einsicht. Die Holzwände sind in verschiedenen Farben gestrichen, dazu die weißen Fensterläden: die Leute geben sich Mühe mit ihren Häusern und zeigen dies auch gerne.

Uferweg bei Kipsala
alte Industrie bei Kipsala

Etwas versteckt und hinter der ersten Häuserreihe gelegen, befindet sich die Gedenkstätte für Zanis Lipke. Während des Zweiten Weltkriegs versteckte Lipke als Lagerarbeiter der deutschen Besatzer jüdische Arbeiter aus dem Getto in einem drei mal drei Meter großen Bunker in seinem Garten. Als der Bunker aus seinen Nähten zu platzen drohte,

organisierte Lipke Transporte in nahe Nachbargemeinden und rettete damit fast 50 Menschen vor dem sicheren Tod. Heute ist seine von außen kaum einzusehende Gedenkstätte in düsteren Farben gestaltet. Auf einen Besuch müssen wir leider verzichten, da wir bei unserer Ankunft vor verschlossenen Türen stehen und auch keinen Hinweis auf die Öffnungszeiten finden.

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