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Scalloway

Weder Sturm noch Regen können uns auf der Halbinsel North Mavine die Laune verderben. Wir weichen einfach zu einem Ort aus, an dem die Sonne scheint. Etwa zehn Kilometer westlich von Lerwick werden wir fündig. Über Scalloway lacht die Sonne von einem strahlend blauen Himmel auf uns herab. Wunderbar!

Das an der Westküste liegende Scalloway war einst die Hauptstadt von Mainland Shetland. Es ist kaum zu glauben. Denn die Bebauung mit zumeist kleinen Häusern gleicht mehr einem Dorf. Und mit 1300 Bewohnern ist Scalloway auch nicht viel mehr.

an der Küste von Scalloway
in den Gassen von Scalloway

Als erstes fällt uns das Scalloway Castle auf, welches wie ein kaputter Klotz unwirklich in der Landschaft steht. Gleich dahinter erheben sich die weniger romantischen Anlagen der Fischfabriken und vom Hafen.

Verglichen zum Dorf wirken die Schiffe im Hafen wie riesige Monstren, die sich in der gut geschützten Bucht von East Voe tummeln. Wir parken am Museum und besuchen zuerst das Scalloway Castle, bevor wir durch die Gassen von Scalloway bummeln.

Blumengarten in Scalloway
Schiffs-Denkmal bei Scalloway

Geschichtlich war Scalloway zuletzt während des Zweiten Weltkrieges als Ziel norwegischer Flüchtlinge von Bedeutung. Nach der Besetzung Norwegens brachten Fischerboote die Flüchtlinge mehr oder weniger organisiert auf die Shetlandinseln. Im Winter und unter schlechtesten Seebedingungen fuhren die Boote nachts unbemerkt über die wilde See. Der sogenannte »Shetland Bus« brachte die Menschen in Sicherheit und ermöglichte, den Widerstand gegen das Dritte Reich zu organisieren, um gegen die Kriegsmaschinerie der Wehrmacht anzukämpfen.

Klar ist, dass die Einwohner Scalloways mit solch einem Flüchtlingsstrom völlig überfordert waren. Trotzdem waren die Shetlander gastfreundlich und gaben sich Mühe, die Norweger provisorisch unterzubringen. Die Slipanlagen, welche die Fischerboote damals aufnahmen, sind heute noch intakt und in Betrieb. Allerdings gelang nicht allen Booten die Überfahrt. Nachdem die Deutsche Marine den Fluchtweg entdeckt hatte, griff sie die Boote an. An der Küste von Scalloway erinnert ein Denkmal an den Shetland Bus.

in den Gassen von Scalloway
in den Gassen von Scalloway

In dem gepflegten Ort finden wir hübsche Häuser, die meist aus Naturstein erbaut sind. Viele von ihnen stehen inmitten eines meist kleinen und liebevoll angelegten Gartens. Die Bucht ist offenbar gut wetter- und windgeschützt.

So sind wir doch überrascht, als wir bei Scalloway auf Gärten mit stattlichem Baumbestand treffen. Shetland ist nicht gerade die Insel der Bäume, aber hier finden wir welche.

Fish & Chips in der Kiln-Bar von Scalloway
Lars bei Fish & Chips in der Kiln-Bar von Scalloway

Es ist Zeit zum Mittagessen. Die Auswahl an Restaurants hat sich auch in Scalloway sehr schnell erschöpft, sodass wir uns schon bald für die kleine Kiln-Bar entschieden haben. Hinter dem großen Panoramafenster lassen wir uns mit Sicht über den Hafen von der Sonne aufwärmen und bestellen Fish & Chips mit Salat. Für eine kleine Überraschung sorgt der Karottensalat, der sich als karottenfarbiger Cheddar-Käse herausstellt.

Kurz nach uns trifft ein Motorradfahrer ein, der uns bekannt vorkommt. Kein Wunder, er wohnt im selben Bed and Breakfast wie wir. Aber wie gesagt, Scalloway ist nicht sonderlich groß. Einen Abstecher ist die alte Hauptstadt aber allemal wert.

an der Bucht von Scalloway
an der Bucht von Scalloway
VG Wort
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